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Der alle Christoph.
(Bei unserem Preisausschreiben lobend erwähnt.)
„tzun Se e Ente geschosse?" srug mich einmal der ölte Christoph, als ich Abends vom Entenstrich heimkehrend in dem Dorfwirtshaus die kühl gewordenen Glieder am Kachelofen wärmte und einen Jägerschnaps hinter die Binde goß. „Frener", fuhr dann der Alte fort, „schoß mer Hai nait nooch Ente, doas woar zau imstännlich niet dene ahle Gewihrer. Mei'n Potter en meint Braurer sei'n Petter harre selligmoahl die Jogd Hai erimm. To sein aich als emol e so met gange, en aich harr en Forsch druff, die Hoase em Laie zou schieße. Aich harr e borworisch gant Äae en sohck (sah) se alle mol late. Noch Ente geng mer gor- nait. Es wore e re jo als en de Wisse. Owwer seit onne om Bodensee, selt getts Ente! — To woar ahner en unsere Kompannie, der saht, es gab seit onne Vieel, dai herre vaier Bäh (4 Beine). Aich 'Humus em owwer nait geglaabt. Doas Vwwer kenne se glaawe, daß borworisch vail Vieel selt onne sein, en vohn allerhand Oarte (Arten).
„Aber, Christoph, wie kommen Sie denn an den Bodensee?", srug ich sehr verwundert, als der Alte vom Bodensee so ungefähr sprach, wie vom „Heeggrowe en der Stägkwisse".
„Aich woar em Badische", sagte er stolz, „Anno 48. Aich stonn em irschte Regiment in Normst grob wai die Rebellion irn Ohnfank (Anfang) nohm. Selt em Badische geng's ohm hetzigste (hitzigsten). Bei uhns worn se jo nach rebellisch, en sein enobber (hinunter) gernoacht zäum Beu- ringer Firscht. Es batt owwer naut, aich mußt enobb en's Badisch. Derirscht geng's ohn de Hecker, doas wor e Haapt- freiheitsmann en harr e grüß Maul. Wäi mir owwer vh'n eit moache, geng er per, en moach sich ob. Den groge (kriegten) mer nait. Aich wahß nach nait wu er hinne komme eas. No, dai Sache harre mer gernoacht, en konnte wirrer Häm. Mer woarn owwer noch nait richtig dehäm, so funkt's schunt wirrer ohn.
Zau dere Zeit wor aner, der schrebb sich Struwe. Der glaubt schunt, er hätt die gantz Gewaalt en die Regierings- potention en de Henn. „Die provensorische Regiering Struwe!" schrebb der ällemol inner so e Schreiwes. Jhrscht sein mer als ennob zaus gernoacht bis ohn de Bodensee. Doas es e borworisch grußer See. Aich glawe, er es grisser als uhns ganz Gemorking, en noch grisser. Selt onne gebts dai vaile Weel, en so vail Fesch, doaß se en Mährt Hahn nur met Fesch, en doas alle Doähe (Tage). Pom Bodensee sein mer wirrer ewink enuff en e wink enniwer zau's gernoacht bis noach Mühlheim.
Sealt en Mihlheim harre mer e Lo(a)er.
„Do hott er wäis Gewirr er schunt emol en Mensche dicht geschosse?" unterbrach einer der Stammgäste.
„Kanu leicht mihlich sei(n). Geschosse hün mer bassierlich, wann nach groat (gerade) nait ohrk (arg) vail. Ob aich owwer persönlich groat ahn dicht geschosse hu(h)n, kann aich schwierlich sa(h)n. Ahnmoal hunn aich owwer gesehe, wai aner Ibut geschosse worrn eas. Do geng aner ent Lo(a)er erimm, der harr e weiß wirke (gewirkt, gewebt) Miondur ohn en moach sich gemahn met de allgemeine Soldote en mer könnt sonst naut ohn em sehe. Da, uff ahnmol brooche se eraus, doaß es e Spion woar. So packte sen, en er woar wirrer ett Bahnt gebonne, kroach de Prozeß gernoacht, en e Manner siwwe schluhe uff en ohn. Es kracht en selt läh (lag) er, wäi en. nasse Sack.
Noocht (Nachher) sperer harre mer de Struwe sealbst gcfange genomme, en aich^ stonn persenlich merreme (mit einem) gelo(a)hrene Gewihr sirr saier Stuwwedihr uff Poste..
Doas wahr e Stüwwe, no aich! will emol ohnnomme so grüß als uhiis Stuwwe Hai es, e wink grisser velleicht en met Tohn (Dielen). Do woar ett der ahne Ecke en Struhsack, en — ramme mer ahn — selt en dere Ecke woar noch e Struhsack. Do uff bem Struhsak lag der Struwe sealbst, en dr anere Ecke lagt e so e Weibsmensch.
Do woarn e Tail (Teil) Leu(t), dai fahre es wihr bem Struwe sei Fraa. Wh glaawes owwer nait. Dann wo- rimm? He(hn) woar schunt e ahler Kerle, er woar bei suffzig Joh(a)r, en harr en Blattekopp, en doas Weibs- utensch woar mer noch e Winkzau jungt Doas mar tot sei(n) wai's will; noacht sei(n) se alle bied en so en grüße Fa- niilljewaahn gedoh(n) worrn, en hun e Eskedierung krait (bekommen), so woaß aich! nait, woas aus ett worrn eas, lä.we se noch, owwer sei(n) fe gestorwe.
Wäi mer wirrer rebur kohme, w'ohr aach^ Bei uhns die
Rebellion beigclegkt. Se harre owwer ihr Sache bezweckt, en krooge häi erimm däi grüße Wäll (Wälder), doas, woas mer alleweil die Moark (Mark) haßt. En die Frohnde wohrn obgeliest (abgelöst). Dr. Sch.
Der Kampf um das Lichts
Leuchtgas, Petroleum, Acetylen, Oelgas, Auerlicht, Spiritusglühlicht, Glühfäden, Bogenlampen, Nernstlampen, Osmium-, Wolfram-, Tantallampen, Quecksilberbogen- lampen, Grützinlicht, Millenniumlicht — sie überfluten das neue Jahrhundert mit ihren Strahlen, während matt ssch zu Anfang des vorigen mühsam ans der Trübe schlechter Kerzen und Ocllampen herausarbeiten mußte. Alle jene Lichtspender mochten möglichst allein leuchten, so daß man ben Wettbewerb der beteiligten Industrien wohl den Kampf ums Licht neunen darf.
Als erster Konkurrent neben dem Leuchtgas trat anfangs der achtziger Jahre das Petroletim auf, nachdem man gelernt hatte, fabrikatorisch aus dem rohen Erdöl durch Destillation das leicht eittzündliche uni) gefährliche Benzin zn entfernen.
Ende der siebziger Jahre folgte Hefner-Altenccks elektrische Bogenlampe, 1881 zeigte Edison ans der Pariser Weltausstellung seine Glühbirne, in welcher der Widerstand eines Kohlefadens gegen den elektrischen Strom Hitze und dadurch Licht erzeugt. An Stelle der Kohle setzte Nernst 1897 die Oxyde des Magnesiums, Siliciums, Atriums und Zirkons, Auer 1900 das Osmium, 1903 Just und Hanaman das Wolfram und W. von Bolton das Tantal. Stets handelte es sich darum, die alte Edisousche Glühbirne zu übertreffen und Metalle oder Metallverbindungen zu finden, die durch möglichst wenig Strom, also durch ein Minimum von Kosten in Weißglut versetzt werden, ohne zu schmelzen oder zn zerfallen.
Ungefähr gleichzeitig mit den neueren,elektrischen Lichtarten entwickelte sich die Acetylenindnstrie.
Fast scheint es, als werde die Zeit koinmen, ivo man sich aus dieser Strahlenflut wieder in das behagliche Dämmerlicht unserer Väter zurücksehnt, denn die neueste von Schott in Jena erfundene Beleuchtung kann unter gewissen Umständen Augenentzündungen verursachen und Stubenfliegen töten, ohne sie zu verbrennen. Durch eine luftleere mit Quecksilberdampf gefüllte Glas- oder Quarzröhre geht der elektrische Strom und gibt nicht nur das gewöhnliche, sondern auch das chemisch wirksame ultraviolette Licht; daher die Abkürzung „Uviollampe".
Die auf alle diese Lichtarten gegründeten Industrien haben dem Leuchtgas einen höchst merkwürdigen Kampf aufgezwungen, merkwürdig deshalb, weil das Leuchtgas allem Anschein nach unterliegen mußte und dennoch unentbehrlicher geworden ist als je zuvor.
Das Leuchtaas erschien von vornherein durch die Gefährlichkeit seiner Anwendung bedroht. In einem Betrage von nur 5 Prozent der Luft beigemischt explodiert es, wenn wie es leider häufig geschieht, bei Gasgeruch ein Streichholz entzündet und nicht vorher für gründliche Lüftung gesorgt wird. Die Explosionswirkung nimmt mit steigender Gas- menge an Heftigkeit zu und hört erst bei etwa 30 Prozent wieder auf, weil der Sauerstoff in einem derartigen Gas- Luftgemisch nicht mehr zur Entzündung ausreicht. Zu dieser Gefahr gesellt sich die der Vergiftung burd} Kohlenoxyb. Schon 0,1 Prozent, der Luft beigemischt, wird vom Blute aufgenommeit, zersetzt es chemisch unb führt bei längerem Einatmen znm Tode. Darauf gründet sich die seit einigen Jahren eingeführte Methode zur Tötung pestverdächtiger Ratten in Schiffen. Man läßt sie von Kohlenoxyd in Form von Generatorgas durchströmen.
Die giftige Wirkung des Kohlenoxyds auf Menschen wird glücklicherweise meist dadurch aufgehalten, daß das' Leuchtgas sich durch ben Geruch bemerkbar macht, falls man nicht schläft. Jnbessen kann es vorkommen, baß Rohre in ber Erde undicht werden und das Gas in darüber befindliche Wohnräume bringt; in solchen Fällen äußert bas Kohlenoxyb eine langsame und in ihrer Ursache schwer zu erkemieude Wirkung, weil das Erdreiche die riechenden Stoffe zurückhält und das Kohlenoxyd selber geruchlos ist.
Von den genannten neuen Lichtbringern konnte zwar das
*) Aus beirt soeben erschienenen Bändchen: „Kohle und, Eisen" von Pros. Dr. A. Binz. Wissenschaft inib Bildung, M 69. Verlag von. Quxlltz u. Meyer in Leipzig.


