svndsrn erging sich mich in den überschwänglichsten Hymnen üebr die Schönheit seiner Heimat, die als Eldorado für Sommerfrischler gepriesen wurde. ,
Fünf Tage dauerte die Herrlichkcrt. Am lechsten kam Spacco plötzlich nach dem Dorf zurück. Der Tabakhandler erblickte ihn zuerst und stellte ihn entrüstet zur Rede. „Sie haben mich um Entschuldigung gebeten", erwiderte Spacco. „Bist bit es denn nicht gewesen?" „Ich? Hast du denn das geglaubt?" „Gott werd . . ", fluchte der andere und wandte dem Heimkehrenden den Rücken.
Bald wußte der ganze Ort die unwillkommene Mähr. Alle wandten sich von dem Verbrecher ab. Der Gastwirt, bei dem er sonst seinen Karren untergestellt hatte, kündigte ihm, der Spezereihändler entzog ihm die Kundschaft, und der Tabakhandler, der die Unzufriedenen .§n einer kleinen Armee vereinigt fjatte; zog ihm an deren Spitze entgegen und herrschte ihn mit der Frage an: ,-Wann haben sie dich freigelassen?" „Gestern abend." „Und wissen es schon alle?" „Jawohl! Cs steht schon in der Zeitung!"
Das war die Katastrophe! Den Leuten von Roccaca- nnccia schien es plötzlich, als wenn ihre Heimat von der Landkarte verschwunden wäre, Als die Stunde nahte, wo in den Tagen des Ruhms die Zeitungen und ihre Schreiber anzukommen pflegten, heute aber alles.ruhig blieb, faßte einer der hitzigsten Mitbürger den Scherenschleifer am Arm und krächzte vor Wüt: „Konntest du denn kein Geständnis ahlegen! Hast du nicht den Mut gehabt, zu bekennen? Willst du uns denn ganz ruiniern?" „Ich euch ruinieren?" „Meinst du, ich hätte Angst, und du könntest mi chabstechen, wie den andern?" Damit stieß er ihn von sich. Und die pudern hinterdrein: „Kanaille, Schuft, Lügner! Laß dich hier nicht mehr blicken!"
Spacco, hin- und hergestoßen, schleppte sich und seinen Karren, vor das Dorf, dessen Türen und Fenster von wüten- dem Volk gefüllt waren, das ihm Flüche und anch Stein- grüße nachsandte. Humpelnd nnd leise vor sich hinweinend, schlich der Verbannte fort. An einem Kreuzwege hielt er, wandte sich um, erhob die zitternde Faust und rief mit heiserer Stimme: „Ihr Mörder!"
vermischter.
‘ * Bernard Sh aw über b eit Sozialismus. Bernard Shaw hielt vor wenigen Tagen eine Versammlung in der Albert Hall zu Portsmouth ab, in der er vor einer ebenso zahlreichen als distinguierten Zuhörerschaft über Sozialismus sprach. Er erweckte große Heiterkeit, als er 'sagte: „Ich möchte der geehrten Versammlung heute ein politisches Programm suggerieren, das damit zn beginnen hat, daß ich Ministerpräsident werde. — Warum lachen Sie? Wissen Sie denn nicht in Wirklichkeit, von mir und meinen Fähigkeiten mehr als von denen des ehrenwerten Herrn Asquith?" Die erste Maßnahme, die Shaiv treffen würde, wäre die Kommünifierung des Brote s. Jeder Mensch, selbst der ärmste, kann die Straßen, die Straßenbeleuchtung Und die Polizisten in Anspruch nehmen, warum gerade nicht das Brot? „Ich hatte einen Freund", fuhr Shaw nutet der Heiterkeit des Publikums fort, „der längere Zeit im Gefängnis gelebt hatte. Dort bekam er Brot, wie viel er wollte, Umsonst, und er versicherte mir, daß das Brot, das für die Gefängnisse auf Staatskosten gemacht wird, das beste in England fei. Warum also nicht dasselbe gute Brot für die, die zufälligerweise nicht im Gefängnis sitzen?" Die zweite Maßnahme Shaws wäre die, daß der Grund UN d Bode n in jeder Stadt und jedem Torf den Bewohnern der Stadt oder des Dorfes gehören müßte. „Ich würde den Grund einfach den Besitzern abkaufen, natürlich zu einem generösen Marktpreis, und die Stadt selbst wäre ihr eigener Hausherr. Statt Kontraktoren die Häuser erbauen zu lassen, würde die Stadt das tun, nnd die Architekten wären ihre Beamte. Woher ich das Geld für das Gratisbrot und die Erwerbung des Grundes nehmen würde? Fürchterlich einfach! Ich würde einfach eine Distinktion zwischen erworbenem und nichterworbenem Einkommen mache». Das eine ganz niedrig, das andere sehr hoch besteuern. Ta aber das nichtverdiente Einkommen in England
jährlich 600 Millionen Pfund ausma'cht, so würde die Regierung durch die enorme Besteuerung dieses Einkommens alle Mittel haben, die sie nur braucht." Zum Schluß sprach' noch. Shaw über den herrschenden Klassengeist und sagte, daß für ihn nur eine Grenzlinie existiere. Das ist der große Strich, der den tätigen Menschen von dem Nichtstuer trennt.
* Pension, Logis. Das neue badische Beamten- und Gehaltsgesetz gebraucht, ivie die Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins kürzlich erzählte, statt des früher gebräuchlichen Wortes „Pension" fast überall „Ruhegehalt"; nur in Zusammensetzungen tvie „Militärpensionen" und „Arbeiterpensionskasse" ist es noch stehen geblieben, obgleich „Ruhegehälter des Heeres" und „Arbeiterversor- gungskasse" vielleicht ganz passende Verdeutschungen wären. In dieser Bedeutung werden wir. das Fremdwort vielleicht am allerersten los, weil wir ja außerdem Ruhesold, Gnadengehalt, Witwengeld, Jahrgeld' u. a. dafür sagen können. Schwieriger ist es mit d er „Pension", die Fremde beherbergt und beköstigt; hier hat sich mit dem Fremdwort ein so fester Begriff verbunden, daß es nur einer neuen. „Mode" gelingen dürfte, es zu verbannen, die dann etwa das gut deutsche „Kosthans", das in Oesterreich noch vielfach für Studentenwohnungen üblich ist, oder das „Fremdenheim" oder noch Besseres an seine Stelle setzte. Leichter verdentsch- bar ist wieder die „Pension", für die oder die man in.der „Pension" bezahlt, denn man kann da mit ruhigem Ge- wisfen sagen: „ich zahle für volle Verpflegung" oder für „Kost und Wohnung" oder für „Kost und Behausung" so und so viel. Auch bei dieser Anwendung schwankt ja aber die Bedeutung : der eine meint mit „Pension" nur den Preis für Verpflegung, der andere den für Verpflegung und Wohnung zusammen, oder, ivie man auch sagt, für „Kost nnd Logis" (an kleinen Häusern Logi, Logi's, Logies n. ä. geschrieben«. Zu ivas für Verwechselungen sonst noch dieses Fremdwort „Pension" mit seinen Nebenformen führt, das lese man in Wülfings Sprachlichen Plaudereien auf S. 148/9 nach. Ja, unsere Altvorderen, die waren doch deutscher, die nahmen jemand „in Kost und Schlafnng" ans, und diese Wendung muß in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch in der Aachener Gegend geläufig gewesen sein, kommt da wenigstens in Notars'urkunden als „Kost und Schlüfung" vor; auch in Koblenz, ist sie nach Wegeler noch üblich in dieser gleichen Form und in der Bedeutung: „Beköstigung und Bett". Tas „Volk" hat also noch gute deutsche Ausdrücke zur Verfügung. Mit den beiden Verbindungen „Zimmer mit Pension" und „Kost und Logis" deckt sich das ganz deutsche „Kost und Schlafnng". Wenn wir diese Wendung nur noch-gebrauchen konnten!
* Ueber eine- Beerdigung in Norkshire meldete ein dortiges Lokalblatt: Während der Beisetzungsfeierlichkeit wurde der Totengräber am offenen Grabe von einem Schlaganfalle getroffen und gab, obwohl ärztliche Hilfe sofort zur Stelle wär, biunm kurzem seinen Geist auf. Dieses bedauerliche Ereignis warf einen Schatten auf die ganze Feier-, l i ch k c i t.
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Türkischen Titel. Schwedischen Dichter. Einen Astronomen. Kostbaren Stofs.
Haienort.
Diamattträtsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a b c eddeeeeii III n r s 3 8 8 8 u u y derart einzutragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten:
1. Einen Buchstaben.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte nnd ivagerechie Mittelreihe ergeben das Gleiche.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummer: Polnrstern (Pol, Ar, Stern« — polste r n.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'ichen Universitnls-Buch- uud Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


