Ausgabe 
20.12.1909
 
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NEM wirmäSfiSBESh.

Vor Weihnachten.

In Winternebel hüllt die Welt sich ein, Schnee deckt die Felder nird des Gartens Beete t Dci wirft Weihnachten seinen Hellen Schein Van fern schon lieblich in der Menschen Städte.

Erivartnng schon willkonnnner Gaben lenkt Dem Fest entgegen froher Kinder Blicke; Doch sorgend manche Mntter ivohl bedenkt, Wie diesmal sie das nrnie Bäumchen schmücke.

O, die ihr wohnt in wohligmeichem Nest Und die ihr gern anstcilct milde Gabe, Der Armut denkt ein wenig vor dein Fest, Daß sie vorher schon sich zu freuen habe. Trüb, trüb der Himinel und die Welt so leert" So hört' ich klagen vor dem Fenster heute Ein Vöglein, das nach Futter flog umher Schlimm, schlimm, schlimm ist die Zeit für arme Leute." Johannes Trojan.

Rheinlandstöchter.

Roman von Clara Wie big.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Er suchte umsonst ihren Blick, er sah nur, wie ihre Lippen leise gitterten. Da war noch nicht alles verloren! Sie sah so scheu, so mädchenhaft ans in diesem Augenblick, ihr Mund stolz geschürzt und doch iuic der eines Kindes, Has weinen möchte. <0 glücklich der Mann, der den küssen durste! Es war ein langer, langer Blick, mit dem Mander Neldas Gestalt umfing ein Kampf spiegelte sich in diesem Mick und ein Entsagen. Jetzt lächelte er wehmütig und schüttelte unmerklich den Kops.

So saßen sie beide, jeder in seine Gedanken vertieft, bis von der Tür die heile Stimme Fran Elisabeths ertönte: Nun, so stumm? Ist euch die Petersilie verhagelt? Du machst ja ein Gesicht, Paul, wie drei Tage Regenwetter!" Sie lachte unbefangen, machte ihrem Manu aber verstohlen fragende Gebärden. Er achtete nicht darauf. Aergerlich warf sie den Kopf in den Nacken na, der wollte sie schon selber.auf den Zahn fühlen!

So, da bin ich wieder," sagte sie.Die Kinder sind gut uutergebracht, sie spielen Lotto ,- Bickh ist schon so ver­ständig, die beaufsichtigt das!"

Neida fuhr 'wie aus einem Traume auf.Lassen Sie mich aber nachher zu ihnen gehen! Sic haben so lieb? Kinder!."

Ja, ui »berufen, das haben wir!" Fran Elisabeth sah

das Mädchen ordentlich mitleidig an.Haben Sie Kinder immer noch so gern?"

Unbeschreiblich!" Rasch rind aus tiefstem Herzen kant die Antwort.

Ja, das glaub' ich!" Die 'Frau Major setzte sich dicht neben ihren Mann und spielte mit seinen Fingern.

Da müssen Sie heiraten, liebe Nelda! Gott im Himmel, was würden Sie jetzt für eine gute Frau und Mutter abgeben! Nicht wahr, Paul?" Sie trat ihn heimlich auf den Fuß.

Das glaube ich selbst!" Nelda stand langsam aus, wie mächtig emporgezogen, ihr Gesicht wendete sich dem Fenster zu, daß der volle Glanz des Nachmittagslichts es überstrahlte. Diesem Blick war das Leben kein Buch mit sieben Siegeln mehr; schon manches Blatt tut Buch war nmgeblättert, 'und doch das Gesicht rein uitb keusch geblieben wie eine Blume, die den schwülen Guß abgeschüttelt hat, Ich habe gar keine Talente," sagte sie, als ob sie mit sich selber spräche.Das bißchen Musik ist nicht der Rede wert, malen und dichten kann ich nicht und wie die Künste alle heißen; schön bin ich auch nicht. Aber einen,Menschen glücklich machen, ja, ich glaube, das könnt' ich!" Sie atmete ties.t.

Frau Elisabeth nickte sehr beifällig:Wie Sie verständig geworden sind!"

Mauder sagte kein Wort; er sah den Glanz auf Neldas Zügen kommen und gehe,;, sie schien ihm so groß, wie sie da stand -und ihre Gestalt sich.abhob gegen den lichten Hinter- gründ..

Jetzt "ließ sie die Arme schlaff herunter fallen, der blonde Kopf neigte sich auf die Brust, aber mit einer stolzen Gebärde.Ich muß es hiunehmen, wie es kommt!" Sie lächelte dabei, .nicht resigniert, lebensvolles Rot färbte ihre Lippe,t.Es ist mal unser Los, uns äußerlich zu fügen: aber innerlich, da hab' ich mich durchgekämpft, da bin ich frei, ganz frei! Ich sag's ja offen, weiß Gott, ich wünschte, -ich hätte ein Herz, das mir gehörte ganz und gar, aber weun's nicht sein kann" sie hob die Arme und ließ sie wieder sinkenunglücklich werd' ich drum nicht. Ich will nicht unglücklich fein!"

Wie frei ihr Blick ivar! UM die kräftige Gestalt hing' das helle Kleid in schlichten Falten, auf dem Scheitel zitter­ten die goldnen Härchen im Sonnenlicht.

Du darfst ihr immer die Hand küssen," lachte Frau Elisabeth.Ich seh's doch, du möchtest gern. Nein, was der Mann für ein Don Inan ist- noch auf seine alten Tage!"

Die Spaziergänger kehrten bereits in Scharen vom Tiergarten heim, im Westen war der Himmel von sanftem Rot gefärbt, als Nelda zum Aufbruch rüstete. Ein schweres Fortkonnnen. Die Kinder wollten sie gar nicht weglassen. Etwas von der alten Lust war wieder über Nelda ge- kontmen, sie ivar mit dm. vieren durch die Stuben getollt und hatte sich lachend sangen lassen, .Als sie mit glühen-