Ausgabe 
19.4.1909
 
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1999 m. 61

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Das Gerücht ging weiter. Es dehnte sich aus. Nur Die, welche es am meisten entging, übersprang fc».

Tine erhielt eines Tages auf den bekannten Umwegen einen Brief von Niels, den sie mit zitternder Hand ent­faltete. Er schrieb:

Heisgeliepte Tine!

Es fallt mtch gräßlich über die Maßen schwer, das rch Dich das schreiben tu aitb ich bitte Dich um allen« rn der Welt mmm mirs nicht vor ungut und werde nicht Bose. Denn ich kann mich das auch garnich denken das M wahr fein soll das Du was mit Jak Thomsen hast.

oas kann rch Dich man sagen Mit war mich das glerch abschluts nicht, das mit Spätinghof. Denn was ne Hexe rst, das bleibt ne Hexe irnd die Altsche ist eine llnb von ^ak will tch garttich sprechen, von den haben he schon Dolle Stucken erzählt als er in Rendsburg ©olbdt spielte. Darum wollte ich Dir wenigstens tuahr- schauen vor ihn und laß Dich auf nichts nick, ein. Und Ivenit das Jahr um ist such Dir lieber was anders. So, wwn Deern nun weißt Du alle ns ititb nimms nicht vor nbel. Zwanzig Taler hab ich all gespart for euch ich mein for mente Fran und Kinder. Soitst hab ich es ganz gut. tzter rst einen klein nüdlichen Jung, der ist gräßlich blug er sagt nnmer Mele zu mir/ Ich mag ihn so ^"-leiden. Ich verhoffe das es Dich auch gut geht. Mars heißt er, ich mein der kleine Junge. Womit ich mit herzlichem Gruße verbleibe

Dein Ewiger Niels."

Tine stöhnte tief auf, als sie bett Brief zu Ende ge­lesen hatte. y

Tage trug sie ihn bei sich, zwischen Samtjacke und Korsett. Jedesmal, tvenii sie sich auskieidete, fiel er zur Dann hob sie ihn auf, las ihn nochmals und feilte sich aus die Bettkante, bedeckte das Gesicht mit den Händen riiiv |tu|giv.

Endlich an einem Sonutaguachniittag, als Jak und ;an beide fortgegangen waren, faßte sie sich ein Herz. Sie steckte den Brief unter das Dreibein ins Feuer und sah zu, wie die helle Torfflamme ihn verzehrte. Dann holte sie sich em Stuck Papier und ihr Tintenfläschchen, machte eine Stelle des Handtisches frei und fing an zu schreiben. Es war dre Antwort auf Niels Sönksens Brief

Am andern Tage gab sie das Schreiben der Stutenfrau die allwöchentlich nach Ramstedt ging, mit, unb nachdem Cy durch mehrere Hande gegangen war, kain es glücklich an Niels Adresse.

Tinas Brief lautete:

Herzlich gelibter Nils!

Dein Brief hat mich wohl ein büschen vorn Kopf gestoßen aber es ist doch gut so wie es ist deml nun! kE rch Dir gleich reinen Wein einschenken. Ich wollte es. Dir schon lang sagen das Du Dir keine Schwach­heiten einbilden sollst. Du krigst in Dithmarscheir ivvll leicht ente Frau die dir mehr mitbringt als ich denn

Spätinghof.

Roman von K. v. b. Eibeh (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

fatt9 sie bei ihrer Arbeit, während sie die Mcilchblitten scheuerte, mechanisch vor sich hin. Es war ern gedankenloses Singen mit halber Stimme, unb es waren meist Lieder schwermütiger Natur, die sie sang. Mele .Male hatte sie dies Lied gejtutgen. Als sie jetzt aber sang:Es war einmal ein Mädchen, die hatte zwei Bräutigam" hielt sie erschrocken inne. Nach dem Anfang fiel ihr gleich der Schluß ein:Der Teufel hat sie ae- holet an ihrem Hochzeitstag."

Sie schüttelte bett Kopf unb fing ein anderes Sieb an, das frischer unb fröhlicher klang:Es wollt' ein Mäbchen Muh aufstehn, drei Viertelstund' vor Tag." Sie sang auch den ä tuette.it Vers:Unb als sie in bem Walde kam, be­gegnet ihr des Jägers Sohn." Der dritte Vers folgte, dann der vierte. Als sie aber an die Stelle kam:Es wahrte nur drei Vierteljahr', halt' sie ein Kind im Schoß" da wurde Tine blaß; sie brach ab uttb arbeitete schweig­sam weiter. Seitdem unterdrückte sie die Lust zum Singen, so oft auch die alte Gewohnheit sie dazu verleiten wollte , . r Arider wurde die Macht, die Jak über das wehrlose Mädchen geiuattu, niemand warnte sie, nieiitanb zeigte ihr den Abgrund, an dessen Rande sie entlang ging.

< Etues < ages sah Jan Jak unb Tine bicht nebeneiii- gnder stehen Naher als sich für Herrn unb Dienstmagd Stenten mochte. Da burchfnhr ihn ber Gedanke:Sollte es etwas sein zwischen Jak nttd Tine?" Er nahm sich vor, das Mädchen zu warnen, sie dünkte ihm viel zu gut, um das Opfer Jaks zu werden.

Gerade in diesem Augenblicke stampfte Jak mit dem Fuße auf und schalt das Mädchen in.it heftigen, rohen Warten. Scheu und schnell eilte sie davon. An der Stall-

^af sie mit Jan Mammen. Er sah, wie ihre Augen voll Tranen waren, tute ihre Lippen bebten. Als sie ihn ins Herz einem lächeln zwäng, schnitt es ihm ^^/'Kümmere dich nicht," sagte er,Jak meint es nicht dose, er hat sone rautje Natur."

^wkte sie zu ihm auf. Er mußte über sich 11, .^theln: statt das Mädchen zu warnen, hatte er es rmT*! "V8 Et' gut, daß ich sie nicht beunruhigt aera^Jld) ^lbst,idf sah nur Gespenster; Wenn ^at das Mädchen gerne hätte, würde er es doch nicht befchtmpfeii."

Die Leute int Dorfe rannten sich bald allerlei ins Ohr von «patyighof. Lehmbecksche, die für derartige Sachen eine Spürnase hatte, versicherte hoch und heilig, daß es nut Jak und Tine fein reiner Kram wäre.