Ausgabe 
17.7.1909
 
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Goethe und die Universität Leipzig.

Jir diesen Tagen, da die Leipziger Universität die sünfhundert- jährige Wiederkehr ihres Gründungstages feierlich begeht, wird man sich auch gern daran erinnern, das; sich unter der Schar ihrer berühmten Musensöhne einer der größten Deutschen be­findet, nämlich Goethe. Zwar haben ihm seine ersten Studien­jahre noch keinen vollen Lorbeerkranz aufs Haupt gedrückt, aber diese früheste Bildungszeit des Jünglings ist für die Entwicklung des Menschen und Dichters von höchster Bedeutung gewesen und fruchtbare Keime des Künftigen wurden hier in ihn gelegt. Wenn wir die glänzende Schar großer Geister, die der Leipziger Uni­versität ihr geistiges Heranreifen danken, an unserem Geiste vor- siberziehen lassen, so lverden wir unter ihnen Goethe erblicken, wie ihn Seffners Denkmal auf dem Leipziger Naschmarkt darstellt, als den jugendlichen noch nicht entfalteten Genius, der, eingesponncn in die Welt seiner Zukunftsträ.ume, einsam auf den Pfaden künftiger Größe hinwandelt. Goethes Leipziger Leben führt nns in aus- führlicher Anschaulichkeit ein Büchlein von Julius Vogel vor, das soeben in völlig neubearbeiteter und reich vermehrter dritter Auflage bei Klinkhardt und Biermann erschienen ist. Als ein sechzehnjährigerkleiner eingewickelter, seltsamer Knabe" kam Goethe 1765 nach Leipzig, wo sein Vater 35 Jahre vorher eine längere Studienzeit verbracht hatte. Ter Frankfurter Buchhändler- Johann Georg Fleischer, der mit seiner Frau die Messe besuchte, nahm ihn unter seiner Obhut mit. Am' 19. Oktober 1765 erfolgte seine Einschreibung in die Universitäts-Matrikel, und zwar wurde er wie sein Vater der bayrischen oder , fränkischen Nation zugeteilt, zu der Süddeutschland, Oesterreich, Italien, Spanien und Portugal gehörten, während die drei anderen Nationen der Studentenschaft nach alter Gewohnheit noch die meißnische, polnische und sächsische hießen. Seine Wohnung fand er in der Nähe der Universität in der sogenanntenFeuerkugel", einem jener ihn;ungeheuer schei­nenden Gebäude, die, nach zwei Straßen ihr Gesicht Ivendend, in großen himmelhoch umbauten Hofräumen eine bürgerliche Welt umfassend, großen Burgen, ja Halbstädten ähnlich sind." Seine beiden Zimmer räumte er aber während der Messezeit dem Buch­händler Fleischer ein und wohnte dann in Reudnitz, dem berühmten Kuchengarten" gegenüber, den damals zur größten Freude der kaffeeschwelgenden Studenten, derKuchenmusen" der Kuchenbäcker Samnel Händel bewirtschaftete. Hier ging es lustig zu,als ob Jahrmarkt da gehalten würde, oder als wenn ein Edelmann Hochzeit hielte und sich mit seinen Gästen ans eine grüne Wiese oder in ^.ss.ich?^'ücn Wald verfügt hätte", und hier hat auch Goethe manche fröhliche Stunde verbracht. Auf Händel verfaßte er einen komisch schwungvollen Hymnus, in dem er einem höchst ernsthaften Prolog des Philoiophieprofessors Clodins parodierte. Außer in den Kuchengärten traf sich dasgalante Leipzig" auf der durch Maul­beerbaume verschönten Promenadenallee, uilter deren elegant ge­kleideten und frisierten, die Damenwelt bekomplimentierenden Be­suchern sich auch der junge Dichter häufig einfand. Er hatte ja

hiev bald sein unmodisches Auftreten abgelegt,machte große Figur" und mußte sich von einem Freunde nachsagen lassen- All seine Sitten und sein ganzes jetziges Betragen sind himmel­weit von seiner vorigen Aufführung verschieden. Er ist bei seinem Stolze auch, ein Stutzer, und alle Kleider, so schön sie auch sind sind von einem so närrischen Goüt, der ihn auf der ganzen Aka­demie auszeichnet." Goethe hatte sich auf Wunsch seines Vaters der Jurisprudenz gewidmet; die Juristen nun galten als bie Aristokratie der Studentenschaft, während man den Theologen arge Verwahrlosung ihres Aeußeren und sinnloses Büffeln nach­sagte.Unter ihnen findet nicht jene blinde Anhänglichkeit an ihr Studium und ihre Lehrer statt", so heißt es in einer zeit- genössffchen Schilderung.Sie führen selten Portefeuilles, keine Tintenfässer, höchstens zwei Bücher bei sich, sitzen im Eollegie auf Stühlen, die sie bezahlen, schreiben nicht so unsinnig nach, nnd ihren Hörsälen kann man sich ohne Riechfläschchen nähernd Das Auditorium, in dem Goethe seine Kollegs gehört hat, besteht heute nicht mehr, wird aber als sehr stattlich gerühmt. In der Mitte prangten zwei barocke Säulen; an den Wänden auf en Holstein Podium saßen die erlauchten und graduierten Personen, während auf den unteren nicht erhöhten Bankreihen die Studenten Platz nahmen. Hier hat Goethe auch bei der Toktorpromotion seines Freundes Hermann öffentlich disputiert und sich,um bei diesem ersten öffentlichen Eintritt in die akademische Welt nicht zu stolpern, mit ziemlicher Behutsamkeit darauf vorbereitet." Außer den juristischen Vorlesungen besuchte er das Praktikum des beliebten Gellert, um sich in der deutschen Sprache, int Briefstil und in Aufsätzen auszubilden, und folgte mit großem Interesse einem Kolleg über Physik bei Professor Winckler, woran er sich noch mit Dankbarkeit in derGeschichte der Farbenlehre" erinnert, während bei desselben Dozenten philosophischen und mathematischen Vorlesungen seinHeft locker wurde" vor Langeweile. Seinen Freundeskreis fand er zulmeist in den Besuchern des Schönkopfschen Hauses, das für ihn selbst durch! die Haustochter Kätchen, der seine erste glühende Leidenschaft galt, die höchste Anziehungskraft erhielt. Mit ctrteVn dieser Bekannten, Gustav voit Bergmann, soll er durch eine kecke Bemerkung in Streit geraten sein; ein Duell war die Folge, bei dem Goethe am Oberarm verwundet tvurde. Doch ver­kehrte er int ganzen wenig mit Studenten, Ivie denn auch in seinem damaligen Dichten das Studentische neben dem Schäferlich-Galanteit zurücktritt ; den größten Einfluß auf ihn gewann ein älterer Genosse, B e h r i ch , der in dein noch heute bestehenden interessantenAuer­bachs Hof" wohnte. In diesemKlein-Leipzig", das zur Messezeit der Sammelpunkt aller vornehmen Besucher war, hat Goethe, mit dem wunderlichen genialen Freunde viele lustige und leiden­schaftliche, nachdenkliche mtd erregte Stunden verbracht. Hier lag auch tief unter der Straße Auerbachs Keller mit den jahr­hundertealten Erinnerungen, die das Andenken an Faust so lebendig erhielten. Wenn er mit Behrich da unten beim Weine saß, dann mag sein Ange nachdenklich über die beiden altväterischen Bilder geglitten sein, die des Schwarzkünstlers Faßritt veranschaulichten., Aus dem Volksbuch erstandene Erinnerungen der Kindheit be­festigten sich hier nnd ließen in dunklen Ahnungen die Gestalteu seines größten Werkes vor ihm anftauchen. .

humoristischer.

* Etwas anderes! Er:Man tut mir wirklich Unrecht, wenn lman sagt, ich Mitte dich genommen, weil du Geld hast." Sie:Nein, nein, ich «weiß, du nahmst mich bloß, weil du keines hattest

* Seine Auffassung. Mutter:Fritz, erzähle Papa, weshalb ich dich strafen mußte!"Mama war so furchtbar eigensinnig ttnd wollte mir keine Schokolade geben, nnd da mußte ich in die Ecke!"

Ein Märtyrer. Braut:Wie findest du meine Koch­kunst?" Bräutigam:Wahre Liebe überwindet alles."

* In Kannibalien.Euer Häuptling schriftstellert ja! Jawohl, soeben schreibt er an seinem neuesten Werk:UebeÄ den Nährwert der Europäer."

* Vorsicht. Der kleine Paul: Tu, Lieschen, wir müssen heute brav sein, der Arzt hat Papa mehr Bewegung verordnet.

* Die Wnrfges cho s s c.Meine Bucher sind meine Freude."So, dann sind Sie wohl nicht verheiratet?"

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- rmd Steindruckerei, R. Lange, ^Sie&eu-

Rätsel.

Unermüdlich und rastlos dien' ich bei Tage und Nacht dir; , Zwingst du mich einmal zur Ruh', arbeit' ich nimmer für dich.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:

nachdem sie über die Sache vorher die philosophische Fa­kultät gehört hatte. Mit letzterer ist sie der Ansicht, daß Krieger, wozu er auch bereit sei, mit einem Professor der philosophischen Fakultätwegen Besorgung des Blättgens" (der Schriftleitung!) sich vergleichen, und man den Dekan der philosophischen Fakultät mit der Angelegenheit ver­schonen solle, zumal es sich dabei um ein "privates Unter­nehmen handle, und es auch nicht angehe, daß der Dekan die Correction und Aufsicht der Arbeit seines Collegen" übernehme.

Damit war man in Darmstadt einverstanden. Am 3. Juni 1749 wurde Krieger diegebetene gnädigste Con- cession" erteilt, jedochmit der Condition, daß er, wie andrer Orten ebenfalls gewöhnlich, jedesmahl einige Exem- plaria in die Fürstl. Gemächer und hiesige Collegia gratis abgebe, auch was von Herrschaffts lucgen zu publiciren ist, dem Blättgen ohnentgeltlich inserire, übrigens aber die Frucht- und andere Preise nicht in das gelehrte Blättgen sondern jedesmahl in einen besonderen Anhang drucken lasse."

Da Krieger mit dem allem einverstanden war, konnte mit der Ausgabe der Zeitung begonnen werden. Der ur­sprünglich ins Auge gefaßte Termin, Beginn des Jahres 1.749, war freilich längst vorüber. Deshalb wurde der An- kang des Jahres 1750 zur Eröffnung des Unternehmens festgesetzt. Die erste Nummer des Blattes erschien am 6. Jannar 1750. Der Schriftleiter war Andreas Böhm, Professor der Philosophie und Mathematik in Gießen, unter­dessen Schriften dieHessische Gelehrten- und Schriftsteller­geschichte" von Strieder deshalb auch aufführt:Das Gießer Wochenblatt aus das Jahr 17 50". Ein weiterer Jahrgang erschien nicht. Das Blatt ging Ende 1750 ans Mangel an Teilnahme des Publikums ein.

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