Ausgabe 
17.4.1909
 
Einzelbild herunterladen

240

dafür, daß ihm nichts von dem Mütze« dieser Fahrt verloren gelje. Er War intelligent genug, um alles Wichtige in den Häfen, in denen er Aufenthalt nahm, zu beobachten, und es war für Headland interessant, ihn von den Dingen erzählen zu hören, die er gesehen hatte. So fragte er ihn z. B.:Was denken Eure Hoheit von den charakteristischen Unterschieden den Deutschen und der Franzosen, wie Sie sie sahen?"Das Volk in Berlin", antwortete der Prinz,steht früh am Morgen auf und geht seinen Geschäften nach, während das Volk in Paris gegen Abend anfsteht und in das Theater geht." Jedenfalls haben diese Eindrücke und die Rolle, die er dabei spielte, nachhaltige Spuren im Charakter des jungen Prinzen zurückgelassen. Prinz Tschun war auch dazu ausersehen, an dem Grabmonument .Kettlers, das nach den Boxerunruhen die Deutschen auf Kosten der chine­sischen Regierung an der Stelle seines Todes errichteten, das feierliche Sühneopfer zu bringen. Eine große Gesellschaft, die Mitglieder der diplomatischen Korps in Peking und die Höchsten chinesischen Beamten waren versammelt, als der Prinz mit stolzer Würde den altehrwürdigen dreifüßigen heiligen Opferpokal mit beiden Händen emporhob und die feierliche Handlung vollzog. Trotz seiner großen Selbstbeherrschung drückte sich aber dabei- eine gewisse Unlust aus.Es ist das einzige Mal", sagt Headland, baß der Prinz mir bei einer Handlung nicht das gern zu tun schien, was er tat. Ich möchte hier hinzufügen, daß die Chinesen das steinerne D enkntal als das Monn ment bezeichnen, das von der chinesischen Regierung znr Erinnerung an den Mann errichtet wurde, der Baron von Kettler ermordete!" Nach seiner Rückkehr wurde Tschun eine populäre Persönlichkeit in Peking, und eti war häufig dazu ausersehen, die Regierung bei einer öffentlichen Feierlichkeit zu vertreten, besonders wenn auch Vertreter der fremden Mächte dabei zugegen waren. DieKaiserin-Witwe verheiratete ih» mit der Prinzessin Tsai-Tschen, der Tochter eines hohen Mandschu!- heamten und besonderen Günstlings der Kaiserin Jung-Lu. Zum Schluß seiner Charakteristik faßt Headland seine Ansicht dahin zu­sammen, daß Prinz Tschun Gelegenheit hatte, die Welt besser kennen zu lernen als irgend ein chinesischer Monarch oder Re­gent, der vor ihm über das Reich der Mitte geherrscht, und daß er diese Gelegenheit wohl benutzt hat.Er ist eng vertraut mit dem diplomatischen Leben und hat sich eine bedeutende Kenntnis ter äußeren Politik erworben; er ist bei der Einweihung vieler Erziehungsinssitute und anderer, besonders von den Missionen ausgehenden Unternehmungen anwesend gewesen und dadurch in persönliche Berührung gekommen mit dem Geist und Werk der Missionen nnd der gesamten Arbeit, die die Europäer in China leisten. Außerdem würde ihm in dem Prinzen Pu-Lun ein Rat­geber zur Seite stehen, .der den größten Teil Europas, Japans und Amerikas bereist hat und eine reiche Erfahrung besitzt."

Vermifcbtes.

* Flickschneiders Frühlingslied. (Frei »ach Uhland.s Ein Leser in Ludwigshafen sendet denM. N. N." einen Zeitungsausschnitt mit nachstehendem Gedicht: leider sei der Ver­fasser des Liedes und das Blatt, ivoriu das Gedicht gestanden hat, nicht bekamrt. EZ tontet:

Die linden Lütte sind erwacht, Niin mutz ich trennen Tag und Nacht, Was mir die Kunden senden.

Kem frischer Stoff, kein neues Tuch, Doch alte Holen und Röcke genug. Nun mutz ich alles, alles wende n.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Was lange verborgen im Schranke lag Blüht aut unter meinen Händen. Ter lleberzieher und der Frack, Die Weste unb das Hosenwrack Nun mutz ich alles, alles ro en b e n!

* Das H uud e p ar ad i e s. Aus Paris wird berichtet: Während der Siegeszug des Automobils die Seinestadt zu einem Schattenreich überflüssiger Pferde werden läßt, haben die Hunde goldene Zeiten und die eleganten Pariserinnen tun alles, um ihren kleiircn Lieblingen das Leben zu einem tvahreil Paradieses- daseiit zu machen. Der kleine Schoßhund gehört längst sozusagen zur Toilette der vornehmen Pariserin; er begleitet sie bei ihren Besuchen, bei den Einkäufen und bei den Spaziergängen. Den kostbaren kleinen Tieren mutet es die liebevolle Herrin nicht zu, in dem aufregenden Getriebe der Großstadt die eigenen Beine anzustrengen; sorglich trägt sie sie auf den Armen, meist aber im Muffe, nnd manche Modepsychologen erkläreit die gewaltigen Dimensionen der modernen Muffs aus der Sorge der Pariserin, ihrem geliebten Schoßhündchen einen molligen und bequemen Platz ztl gewähren. Gegenwärtig sind die kleinsteil Spitzrasseil am meisten bevorzugt. Mme. Edmende Rostand hat jetzt einen reizen­den kleinen schwarzen Spitz für 1000 M. gekauft und im Chenil des Pyrenses, dem berühmten Pariser Hundeladen, wurde am Donnerstag ein winziger brauner Spitz für 1200 M. verkauft. Eine zeitlang waren kleine englische Bulldoggen in Mode, aber ihre Ehrentage sind dahin und heute kann m'an sie für 100 M.

kaufen. Dagegen werden belgische Griffons sehr gesucht, denn sch verbinden mit ihrer Intelligenz die nötige Körperkleinheit, die der Pariserin es ermöglicht, ihren kleinen Freund bequem im Muff nnterzubringen. Aber die Pariser Damen sind nicht die einziges Klmden der Hnndehändler. Bei seinem letzten Besuche in Paris kaufte der König von Spanien ein Paar entzückender kleiner japa­nischer Spaniels, für die er die Kleinigkeit von 4000 M. be­zahlte. Wenige Tage später erwarb Königin Margherita von Italien in Paris eine kleine englische Bulldogge für 400 M. Der Händler erfuhr erst nachträglich, wer die Käuferin war, beim sonst hätte Königin Margherita wahrscheinlich noch einen erheblich höheren Preis für ihre Bulldogge anlegen müssen.

* St a m m b u ch v e r s e f ü r Z i m m crhe r r c n. Wir lesen in der Gerichissaalrubckk des N. W. Tgbl.: Frau Faimi W., eine alte, aber resche Frau, trat ,als Klägerin gegen ihren ge nefenen Zimmerherrn auf und überreichte dem Richter ein Zettel, den sie nach dem Auszüge im Chiffonnier gefunden hatte.Wollen der Herr Richter die Gnade haben, zn lesen!" Der Richter las nun unter stürmischer Heiterkeit des Auditoriums folgende Ab- schiedsverse:

Meiner liebenswürdigen Zimmerfrau ein Stammbuchvers für ihre künftigen Zimmerherren!"

DaM:Zu fingen nach der Melodie:Wen'n! i so aufdenk' an mein junges Leb'n" und darunter die Verse:

Wenn du da wohnen willst. So branchst ein' guat'n Mag'», Mußt Alteweibertanz dknf alt nnd neu vertrag'».

's darf di ka z'wider's G'sicht, Ka dumM's Gekeif' genier'n, Sunst wirst vor Aergev grau Bei der gnä' Frau.

Sei g'scheit und lach' dazu. Wenn s' mit 'n Bes'n rennt. Wenn sie nichts Heiliger's Ms ihre Möbel kennt.

Wenn s' keift bei jedem Tritt: Sie, Herr, das leid' i rÄt!" Und tut, als wohnest g'rad' Bei ihr ans Gnad'.

Laß d' Mte brummen, denk'. Wenn sie uet kepeln tonnt, Ging s' an verhalt'ner Wut Gottsjämmerlich zn Grund'.

Wivd's z' arg, so kündigst halt, Zwei Wochen sein bald nm, Ziehst in ein anders Haus Und d' Hetz is ans."

Entrüstet wendete sich die Klägerin gegen die Zuhörer«:'Da gibt's nix z' lachen. Eine Gemeinheit is, so was z' schreiben!" Richter:Das dürfen Sie nicht sagen!" Der Angeklagte, ei« weißhaariger alter Herr, meinte lächelnd, er habe die Vers« geschrieben, weil er seinem Aergev Luft machen wollte; ob sie aber auf Frau W. gemünzt waren, müßte erst bewiesen werden, auch könne, er nichts dafür, daß Fran W. den Zettel alle« Leuten zeigte. Wenn er boshaft wäre, könnte er jetzt Fvaa W. wegen des WortesGemeinheit" verklagen, und wenn sie aus ihrer Klage bestehe, werde er es auch tun. Klägerin:Na, na, da trifft mi der Schlag! Da ziag i lieber alles z'ruck!" Und damit stürzte sie zum Saale hinaus, woraus der Richter den lächelnden Stammversdichter freisprach.

Diama»triitfel.

In die Felber nebenftefjenber Figur sind die Buchstaben a c c dddeeeehi i i k n n n s s s s s t 7. derart einzMragen, daß die wagerechten Reihen folgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

2. Naturprodukt.

3. Ein Raubtier.

4. Englischen Dichter.

5. Ein Mineral.

6. Nebenfluß des Neckars.

7. Einen Buchstaben.

Die senkrechte und wagerechte Mittelreihe ergeben da? Gleiche, Auflösung in nächster Nummer-

Auflösung des Telegraphen-Rätsels in voriger Nummer r Die Leidenschaft flieht, Die Liebe muß bleiben;

Die Blume verblüht,

Die Frucht mutz treiben. Schiller.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gieße«