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kationen (Verlag Ferd. Enke, Stuttgart) mit, daß im Hande seidene Strümpfe, in denen ein sehr hoher Zinngehalt mich- gewiesen wurde, häufig vorkommen. Das Zinn soll in diesen Fällen zum Beschweren der Seide dienen. Starke Schweiß« absonderungen an den Körperstellen, die mit den durch Zinnsalze präparierten Bekleidungsstücken in Berührung kommen, befördern die Respiration des Giftes und rufen an den betreffenden Hautstellen mehr oder minder starke Entzündungen hervor. In den Körper gelangt, schädigen die Zinnverbindungen stark das Blut, schwächen das Herz und den muskulumotorischen Apparat und können dabei heftig auf das Gehirn einwirken. Jedenfalls gehören diese Art Zinn- vergiftungen zu den allergrößten Seltenheiten und sind wohl die meisten Vergiftungen durch Kleidungsstücke auf deren Präparation mit arsenhaltigen Farben zurückzuführen. Auch die Resorption des Arsens wird ebenfalls durch den Schmeiß vermittelt. Die Symptome der Vergiftung ähneln denen des Zinns, treten jedoch bedeutend schneller und heftiger ein. Namentlich nach heftigem langdauerndem Tanzen, wo die Hautabsonderung eine stärkere ist, sind mehrfach schwer verlaufende Vergiftungsfülle durch Tragen von mit Arsenfarben behandelten Kleidungsstücken beobachtet worden. Arsen sowohl wie Zinn dürfen nach den gesetzlichen Anforderungen zu Farben an Bekleidungsstücken nicht verwendet werden; dessenungeachtet geschieht es zuweilen doch. Des Interesses halber mag noch an einen russischen Giftkünstler, den Arzt Bomelius, erinnert sein. Dieses teuflische Genie, der am Hofe Iwans des Schrecklichen lebte, erfand in mühsamem Studium ein Gift, das ähnlich wie die Gifte, von denen Theophrast und auch spätere Schriftsteller uns berichten, imstande gewesen sein soll, die Menschen nach bestimmten Stunden oder Tagen unfehlbar zu töten. Der Zar ließ ihm mißliebige Damen der Gesellschaft durch von Bomelius präparierte Gewänder beiseite schaffen. Er schenkte den betreffenden Frauen mehrere vollständige Garderoben einschließlich Pelzstiefel und strumpfähnlichen Bekleidungsstücken, die sie stets tragen mußten. Nach kurzer Zeit fing das in den Gewändern enthaltene, wahrscheinlich aus Arsen und Quecksilber-Verbindungen bestehende Gift an zu wirken und unter verhältnismäßig langsamem und furchtbarem Siechtum verfiel das Opfer dem Tode.
vermischter.
* Die Elektrizität im Dienste der Pädagogik. Der amerikanische Pädagoge Tr. L. E. Landone, der seit Jahren in Los Angeles in Kalifornien eine Erziehungsanstalt leitet, Macht, jetzt im American Magazine interessante Mitteilungen über die Erfolge, die er mit einem von ihm erdachten Erziehungssystem erzielt haben will. Es handelt sich nm nichts geringeres, als mit die Ausnutzung der Elektrizität int Dienste der Pädagogik. Dr. Landoue hat es übernommen, Kinder, die durch ihren unverbesserlichen Trotz und ihren Widerspruchsgeist ihre Eltern und Lehrer mit schwerer Sorge erfüllen, in verhältnismäßig kurzer Zeit von ihrer Untugend zu befreien. In seiner Villa in Los Angeles hat er zwei Kinderzimmer, ein Schlafgemach und ein Arbeits- und Eßzimmer konstruiert, in denen alle Teile, Fußboden, Wände und Möbel mit einer im Nebenzimmer befindlichen Elektrisiermaschine in Verbindung stehen. Wenn man die beiden Räume betritt, so überrascht den Fremden zunächst der Fußboden, der mit viereckigen kleinen Kupserplatten bedeckt ist. Auch die Wände zeigen eine ähnliche Kupferverkleiduug, und bei näherem Zusehen gewahrt man dasselbe Material auch an den Möbelstücken. Auf der Tischplatte, au deu Schränken, au den Lehnen der Stuhle und auf den Sitzflächen, überall tauchen als anmutige Dekorationen diese rotblinkenden Kupferteile auf: sie alle sind verbunden mit der Elektrisiermaschine, die es so ermöglicht, von jedem Punkt des Raumes aus einen milden elektrischen Strom auszusenden. Tas widerspenstige Kind, das auf wenige Wochen hier in Pension gegeben wird, trägt Schuhe, an deren Sohlen kleine Knpjernägel auftauchen. Es lebt ausschließlich in diesen beiden Räumen, die durch eine kaum sichtbare Glasöffnuug von dlnenr Nebengemache aus stets völlig beobachtet werden können. ,,-vckfbefinde mich in diesem Nebengencache", so führt Tr. Landoue in seinem Berichte aus, „und kann alle Bewegungen des Kindes überwachen, ohne gesehen zu werden. Das Kinderfräulcin und die Spielgefährten des erziehungsbedürstigcn kleinen Zöglings tragen gnmnnbesohltc Schuhe und auch die Beinkleider der Ge- sährten haben eure Sitzeinlage ans Kautschuk. Ich beobachte nun
unausgesetzt das Krnd, und sobald es trotzig wird, mit den Spiel« kameraden einen Zank beginnt oder der Erzieherin zornig widere sprecht, schalte rch euren leichten elektrischen Strom ein, der $11 schwach rst, tun Schaden anzurichten, und doch genügt, um deut kleinen Trotzkops eine unangenehme Ueberrcischung zu bereiten.- Tas Erstaunen, das sich gewöhnlich in dem zorngeröteten Gesicht des Kindes spiegelt, spottet jeder Beschreibung. Er blickt umher, um zu sehen, was die Erzieherin tut, und seine Berwunderun« wrrd um so größer, wenn es sieht, daß niemaiid ihnr besondere Ausmerk,anrkeit schenkt. Sobald das zornige Schreien oder Stampfen des Krudes aufhört, wird der Strom ausgeschaltet uny damit schwindet auch das unangenehme Gefühl der Elektrisierung, Für die Vorstellung des Kleinen verbindet sich nun der unangenehme Zustand, für bett es keine Erklärung findet, mit dcmj eigenen Trotz und Zorn und es sieht darin eilte Folge seines . eigenen Verhaltens. So ost es trotzig wird, kehrt die Elektri-' sterung wieder, so ost es gehorsam ist, zeigen Erzieherin und»! Lehrer sich ihm in liebevoller Güte." Tr. Landone erzählt von- Fällen, wo er Knaben an denen alle Erziehungsversuche der, Elter» und Lehrer wirkungslos abprallten, in kürzester Zeit/ oft in zwei Wochen, von ihren schlimmen Gewohnheiten abbringe» konnte, , • E, K.
ipc. Eine krebskranke Frau durch die Behaud- l u n g mit Radium g e h e i l t. Den Leitern des Pariser Ra-. dium-Jnstituts ist es gelungen, bedeutende Erfolge in der Bekämpfung der Krebskrankheit zu erzielen. Im Hospital St. Louis, wurde eine 70jährige Frau, die an weitvorgeschrittenem Nasenkrebs litt, der Behandlung mit Radium mit derartigem Erfolge unterworfen, daß nach 3V2 Monaten eine völlige Heilung erzielt wurde.: Die Patientin, die durch die verheerenden Wirkungen des Leidens sehr entstellt Ivar, hat ihr früheres normales Aussehen wieder ge- Wonnen. Beim Vergleich der vor und nach der Behandlung auf-, genommenen Photographien erscheint es kaum glaublich, daß biete Bildnisse die gleiche Person darstellen. Auch in zwei ebenfalls sehr verzweifelt liegenden Fällen von Lippenkrebs gelang es, gleiche Erfolge zu erzielen. Selbst ein sechs Wochen altes Baby, dessen' Nase und Lippen die Spuren ererbter Krebsinfektion aufwiefeu/ gesuudete unter der Einwirkung des Radiums.
C.K. Der Zeitsin n der Frau. Die von den Herrens der Schöpfung oft so herb angefeindete gewohnheitsmäßige Unpünktlichkeit der Frau, die im Theater oder im Konzert so gern' ein wenig zu spät kommt, im Boudoir bei der Toilette jede« Gefühl für Zeitverhältnisse zu verlieren scheint, beim Ausciuander- gehen noch lauge stehen bleibt und bei Verabredungen dem Partner oft eine bittere Geduldsprobe auserlegt, erfährt jetzt seine wisieu- schastliche Rechtfertigung. Der Professor an der Harvard-Universität Mae Dougall hat eine Reihe, von praktischen Versuche» vorgenommen und ist nm Schlüsse seiner Experimente zu deut Ergebnis gekommen, daß der Zeitsinn bei der Frau in der Tat: ungleich weniger entwickelt ist, als bei den Männern. In seinem' Seminar hat er mit 250 jungen Männern von 17—23 Jahre» und mit der gleiche» Anzahl Frauen im Alter von 17—20 Jahre» Versuche vorgenommen, und sie Zeiträume von 30—100 Sekunde» abschätzen lasten. Die Prüfungen wurde» vorgenommeit, als die Herren und Damen entweder lasen oder schrieben oder unbe-. schäftigt waren. In der Tat haben die Frauen hierbei ungleich weniger gut abgeschnitten als die Männer, und die Irrtümer im Zeitempfinden waren bei ihnen ost außerordentlich schwere.: Ein junges Mädchen z. B. schätzte eine Spanne Zeit auf zehis Minuten, die in Wirklichkeit nur 75 Sekunden gewährt hatte.: Nachdem die amerikanische Wissenschaft nun definitiv den Defekt des weiblichen Zeitsinns festgestellt hat, wird die Kritik künftig' die Unpünktlichkeit des schönen Geschlechtses respektieren müsse» und in ihr den nnerforschliche» Wille» der Natur achten und lieben^
Diamarrträtsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a r bddeeeeghiimnprr r w w y z z derart einzutragen, daß die -vagerechten Reihen folgendes bedeuten:
1. Einen Buchstaben.
2. Afrikanische Sprache.
3. Einen Naturforscher.
4. Modernes Verkehrsmittel.
5. Stadt in Sachsen.
6. Englischen Dichter.
7. Eine» Buchstaben.
Die senkrechie und wagerechle Mitelreihe ergeben da? Gleiche.
. , Auslösung in nächster Nummer-
Auslösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummert ' , Vom Unglück erst Zieh' ab bie Schuld;
WaS übrig bleibt, Trag' in Geduld!
Redaktion: K. Neurath. — RotationsKruck und Verlag der Brühl'sche» Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, N. Lange, Gieße».


