Ausgabe 
15.2.1909
 
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MUH finden, überhaupt altes ist wir doch so gteichgrüt^ Mtzer dir Lisbeth und die anderen Mädchen, ich habe fte gern gehabt, aber ich denke ich»» gar nicht mehr en sie, mtd auch Papa, Mama, die Geschwister, das ist, als gehörte ich nicht mehr nt ihnen, als wären es fremde Menschen wie svnderbar ist das vor vier Monaten habe ich dich noch nicht gekannt, und setzt erscheint cs mir fast unniöglich ohne dich weiter r« leben.' ' " De sagte es nicht traurig, sondern einfach mtit natürUch-, es tat ihr int Moment noch gar nicht der EKdauke, wie nah das! Leben ohne ihn ihr schenk war, die Lonne stand ja erst gerade ht Mittagshöhe.

Aber sie stand nicht still. ,

Es kam die Zeit, da sie miteinander im Kurhiotel an emem kleinen Tischchen Mittagbrot asten, Helene etwaS eingeschüchtert durch die weis-goldene Pracht des Speisesaals, die Mirde des Oberkellners und die elegante Art des Servierens, sie hatte noch nie in einem Hotel ersten Ranges gesessen.

Ihre Bewunderung für den Geliebten steigerte sich, als ste ihn scheit und zärtlich beobachtete, wie er etwas hochmütig und snit der Sicherheit der Gewohnheit dem Oberkellner seine Befehle gab utib kein Zeichen von Erstaunen zeigte über den zierlichen Aufbau des pikanten Vorgerichts, den zu zerstören ihr direkt leid tat, über das stete Erneuern von Messer uitb Gabel nach reden» .Gang, siber die silbernen Fischbestecks di« goldgeränderteik, schlanken, hochstieligen Weingläser, in denen die Sonne vielfarbige Lichtreflexe weckte. / v., .,

Ter kleinen Pensionärin, die an gut bürgerliche Etnfachhett gewöhnt war, öffnete sich eine neue Welt, die Welt, in der ihr Geliebter heimisch war, in die allein er gehörte. Gewiß war die Flasche Sekt, die er bestellte, dieses ganz«' vornehme, kleine Tiner in dem ersten Hotel des weltbekannten Harzer Badeortes für seinen Geldbeutel ein Luxus, für seilt Empfinden jedoch eine Selbstverständlichkeit, die- ihn keinen Moment der lleberlegung gekostet hatte. . ....... ;

Er wurde in seinem einsamen ZtMiner dafür wochenlang zum Abendbrot nur eine Schmalzstulle essen und eine Tasse Tee trinken, das erschien ihm ebenso selbstverständlich, und durch die Konsequenz, die er in dieser Richtung bewies, unterschied sein nach außen hin standesgemäßes Leben sich von deut leichtsinnigen Trauflosleben anderer unbemittelter Kameraden, die sich beim Unvermeidlichen Zusammenbruch als bedauernswerte Opfer ihrer Standesrücksichten hinzustellen lieben und die Teilnahme der Welt für sich haben.

Hans von Hassingen war von Hause aus au Entbehrungen' Mer Art gewöhnt, aber er liebte den Luxus in dem Sinne, als 'er Schönheit 'und Harmonie um sich verbreitete.

Eine sichere Glücksrnhe nahmt noch ein letztes Mal Besitz von den beiden jungen Herzen, die sich in Liebe entgegenschlugen. An denk kleinen Tischchen in ihrer Nische, an der plaudernde Menschen meist achtlos vvrüberschritten, füMten sie sich auf lynfcl bei Seligen.

Rote Dahlien glühten wie Feuerblumen der Liebe in hoher KristMvase über deut weißglänzenden Damast des Tafeltuches, im goldig klaren Sekt perlten unermüdlich silberne .Kügelchen, Hubende Sonne strahlte durch das breite Fenster, tanzte, blitzte und zitterte auf Porzellan, Glas und Metall, auf Helenens gold­braunen Flcchteit und Über Hassingeits glänzend glatten' Offiziers­scheitel. Wenn er die Hand bewegte, gleißten die breiten Gold­ringe am kleinen Finger freudig auf, des Mädchens Blick streifte sie zuweilen fast ehrfürchtig, aber sie sagte nichts darüber. 'Die kannte das Wappen in dem grünen! Stern, bett zum Streit er­hobenen mit der Keule bewaffneten Arm, aber sie hatte eilte Scheu davor, als vor einem Feind ihrer Liebe und doch den heimlichen Stolz, die kleine begreifliche Eitelkeit an der vor­nehmen Geburt idtes Mannes, der sie vor allen andern gewählt.

Sie war auch stolz auf die vertrauliche, selbstverständliche Art, mit der er ihr heute Einblicke in sein Leben gewährte.

Er sprach ihr von seinem Dienst, seinen Aussichten.

Im Winter hoffe ich bestimmt zu denen zu gehören, die bei den Ulanen in W. viermal wöchentlich zur Reitstunde antreten müssen, es ist ein großer Bvrheil, auch für den Infanteristen^ reiten zu können, im Kriege, ja, schon int Manöver können Fälle eintreten, uw man als Reiter einspringen und den hohen Bor- gesetzten angenehm auffallen kann."

Tas nennt man ,schustern'," sagte die kleine Helenc, deren Wangen vom ungewohnten Sekt brannten, und lachte verschmitzt.

Sieh, was du alles weißt. Kleines, aber richtig schustern, das ist nicht so einfach, kann es eigentlich gar nicht, kann absolut Nicht das Kunststück, mein Benehmen und mein Handeln' nach hem Barometerstand der Laune meines Hauptmanns einzurichten, sch gehe meinen geraden WW, tue, so gut ich's vermag, mch«

Pflicht, damit basta. Mache ich damit keine Karriere, so kann ... ch's nicht ändern."

O, Haus, du wirst sicher Karriere machen!"

Helene war keinen Moment im Zweifel, daß ihr Hans es bis zum General bringen würde. Hassingen war förmlich gerührt Über die stolze Zuversicht in der Liebsten Mick und Ton.

Wvlleu's hoffen, Liebling."

Jin gleichen Impuls griffen sie nach ihren Gläsern und' ließen auf diegroße Karriere" an. Dabei neigte Hassingen! ich vor und küßte die kleine, rosige Hand, die ihm' den ichlankcu! Glaskelch entgegen hielt.

Liebe, kleine Helene!" sagte er weich.

Hans!"

Ein Ausdruck überirdischer Zärtlichkeit verschönte ihr junges Gesicht, die Hand mit dem Glase zitterte. Die Sonne wob einen! Heiligenschein um ihr reizendes, leicht gesenktes Köpfchen, nnÄ ans ihren schräg stehenden, stahlfarben glänzenden Augen sah sie von unten herauf Hassingen an, so voll rührender Hingebung! und voll süßen Vertrauens, daß er an sich halten mußte, sic nicht vor aller Welt in die Arme z» nehmen.

Hassingen erzählte von Manöverqnartieren auf großen Gütern^ wo man Sekt mit Pfirsich trank und die köstliche Frucht sich, von! der Kohlensäure getrieben, langsam int großen Kelchglase drehte, nachdem man sie vorher mit silberner Gabel durchstochen hatte, er beschrieb rasch improvisierte Bälle, bei denen die Kapelle vor demSchloß" int Schein flackernder Windlichter spielte und man' im Gartensaal tanzte, trotzdem man früh 6 Uhr wieder herausl und 20 Kilometer marschieren mußte, er berichtete der sehnsüchtig lauschenden Helene von Biwakfreuden bei gutem Wetter und! netten Besuchen aus der Umgegend, wie die Damen vergnügt auf Kisten, Fässern, oder sonstige» wenig gebräuchlichen Sitz­gelegenheiten um das lodernoe Feuer hockten, die jungen Offiziere ihnen zu Füßen lagerten und man Sekt trank und Kvn'servent probierte und mitgebrachte Körbe geleert und ihr Inhalt jubclndl . begrüßt und int Handumdrehen vertilgt wurde, während ab­wechselnd heitere und schwermütige Weisen dnrch die sterneiw ; flimmernde Nacht tönten. Und während er lebhafter als sonst wurde und Einzelheiten des übermütigen kameradschaftlichen Ver­kehrs zwischen der jungen Welt beiderlei Geschlechts zum Besten! gab, entrollte er vor Helene Falk unbeabsichtigt ein glänzendes!, verführerisches Bild des Ofsizierslebens und weckte ein nie mehr sterbendes Verlangen nach der vermeintlichen Sonnenhöhe des Daseins, in der jene heiteren, geuußfähigeu Menschen wandelten', in deut törichten Mädchenherzen.

Ein-Bangen kam ihr, zuerst leise, daun immer mehr sich verstärkend, daß ihr diese Welt auf ewig verschlosseu sein könnte.

Bemerkte der blonde Offizier die Schatten in dem geliebten! . Gesichtchen?

Er brach plötzlich ab.

Tas alles wirst du auch noch einmal kennen lernen nnd genießen, mein Liebling."

Es war eilte Unvorsichtigkeit, diese Bemerkung, er sühlte es, da er sie ausgesprochen, aber er konnte sie nicht bereuen Helene sah zu glücklich aus.

Durch dich!" ergänzte sie sein halbes Versprechen.

Darauf antwortete er nicht, sondern wandte sich ab, weit er wußte, daß seine Stirnfalte sich sorgenvoll vertiefte. Er zog , die schwere goldene Uhr, die er einst für geleistete Pagendienstc int Königlichen Schloß von einem russischen Großfürsten erhalten hatte und rief nach dem Oberkellner.

Er bezahlte die Rechnung, die für Helenens Begriffe be­ängstigend hoch war, mit Gleichmut und fügte ein angemessenes, nicht übertriebenes Trinkgeld hinzu. Protzentum lag ihm völlig! . fern.

(Fortsetzung folgt.)

Aus Gesprächen mit dem jüngeren Loquelin.

Nun ist der jüngere Coquelin, dein der Bruder in Beruf und Kunst ein verehrtes Vorbild gewesen war, dem älteren; auch int Tode so rasch nachgefolgt. Auch er war eine geniale! und geborene Schauspielernatur, die sich in scharf akzen­tuierter Charakteristik und derber Komik am stärksten! äußerte. Daneben war er ein liebenswürdiger feinknl- tivierter Mensch, der sich, mitteilsamer als der Bruder, in angeregter Konversation von seiner markantesten. Seite zeigte. So ist die ganze Eigenart des jüngeren Coquelin! in einigen Gesprächen über sein Leben und seine Kunst ge­spiegelt, die vor einige» Jahren Bruno Petzold in der! Deutschen Revue veröffentlichte.'Gehörest bin ich", so er*