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Ostern und. Mussten Menfte aus die Straße, wie ich i ü Aw fange geschildert- habe. Den Sommer über schwerst das Volkslied , nur an den Festen und letzten Markttagen wird es wieder laut. W i c aber die alten Spinnstichen das Volkslied pflegen, davon kann sich nur der einen Begriff machen, der selber einmal einen Winter hindurch in- einem einsamen Vogelsberger Dorfe verlebt hat Tas Singen in den einzelnen Gesellschaften bricht da fast gar nickt ab. Immer neue Lieder kommen zum Vorscheine, und man numbcrt sich über das Gedächtnis der Sänger und ^angermnem Allerdings findet man häufig genug in den Spumstuben Mädchen oder Burschen, die alle Lieder, mit denen sie bekannt werden, tn ein besonderes Buch schreiben, damit es ihr Gedächtnis beim Singen unterstützt. Wer Volkslieder sammeln will, tut gut, solchen geschriebenen Sammlungen uachznsorschen. Nebeiiber gesagt, auch in der Stadt kann man sammeln. In manchen Familien ist ein Dienstmädchen vom Lande, und die meisten singen gern und oft die Lieder, die sie in der Heimat, m den Spumstuben gesungen haben. Ich kenne eine Dame, die durch Achtgcben sich allein hierdurch eine ganz schöne Sammlung. erworben hat.
Aber nicht nur in den Spiunstuben wird sewngen, die Brait oder der Handschlag, die Hochzeit, die Kirmes, das Flachs- refsen, das Schlachtfest, das Schnitzeschneiden für den Honig — überhaupt jede gesellige Vereinigung der ledigen Jugend ruft das Lied hervor. Es erschallt selbst beim Tanze, die Paulen zwifchen den einzelnen Tänzen füllend.
Die neue Herrin des Weitzen Hauses.
Lange bevor die Roosevelts ihren Einzug in das Weiße Haus hielten, weilte ein hübsches, sechzehnjähriges junges Mädchen längere Zeit als Gast im Hause des Umons-Prasi- deuten. Das Leben int Weißen Hause begeisterte die junge Amerikanerin, und als sie dann nach. Hause zuruckkehrte und den nicht wenig neidischen Schulgefährtinnen ihre schönen Erlebnisse erzählte, schloß sie ihre Schilderung mit dem festen Gelöbnis: wenn ich erwachsen bin, dann heirate ich nur einen Präsidenten der Bereinigten Staaten . . . .. Jahre vergingen. Ans dem hübschen kleinen Mädchen wurde eine reizende kleine Frau, die das Gelöbnis ihrer Backfischzeit vergaß, als sie einen jungen Juristen kennen lernte. Er war nicht reich, und seine Zukunftsaussichten waren nichts weniger als glänzend. Die beiden fuhren zum Standesamt. Der junge Jurist hieß William Howard Taft und die Braut, die bei dieser Eheschließung vielleicht im stillen einmal daran dachte, welche törichten ehrgeizigen Pläne in ihrer Kindheit sie nun beiseite geworfen habe, zieht jetzt als Präsidentin in das Weiße Haus ein und, wird zum gesellschaftlichen -Oberhaupt von dreißig Millionen amerikanischen Frauen. Sie nimmt ein schweres Amt auf sich; aber alle, die sie persönlich kennen, versichern, daß niemand dazu geeigneter sei als Mrs. Taft. Sie kennt die Welt, ein Leben von Reisen und Wechseln des Wohnortes haben ihren Gesichtskreis erweitert, sie spricht drei Sprachen wie ihre Muttersprache und ist schon einmal, fern im Osten, die erste Dame des Landes gewesen auf den Philippinen, wo ihr Mann als Generalgouverneur residierte und wo sie zuerst Gelegenheit hatte, zu zeigen, was eine Frau als Gefährtin ihres Mannes leisten kann. Während der langen Laufbahn Tafts ist sie seine Ratgeberin und seine Gehilfin gewesen, und wohl nie würde Taft den aufregenden Kampf um die Präsidentschaft auf sich genommen haben, wenn nicht seine Frau ihn ermutigt und angefeuert hätte. „Mrs. Taft war nie für halbe Maßregeln oder kleine Ziele," erzählt jemand, der die neue Präsidentin jahrelang kennt. „Alles was sie anpackt, will sie vollenden, und durch ihr Beispiel spornt sie andere an. Ihr Sohn Robert und ihre Tochter Helene sind außerordentlich begabte Kinder und absolvierten die Schule vorzüglich, aber Mrs. Taft verlangt von ihnen nicht nur das Gute, sondern stets das Beste und Höchste." Ihr ganzes Wesen drängt sie zu rastloser Arbeit. Körperliche liebungen oder Anstrengungen sind ihr ein Bedürfnis; von jeher ivar sie eine ausgezeichnete Reiterin; in den Philippinen war ein täglicher mehrsttindiger Ritt eine Gewohnheit, von der sie nichts abbringen konnte. Aber trotzdem sie sich am liebsten auf sich selbst verläßt und eine ausgezeichnete Hausfrau ist, bedeutet sie das Gegenteil von denr, was Europa gewöhnlich als den Typus, der modernen etwas allzu energischen Amerikanerin ansieht. Ihr ganzes Wesen atmet jene liebenswürdige sichere und ausgeglichene Ruhe, die die Frucht einer steten Selbsterziehung ist. Mrs. Taft ist mehr als mittelgroß, ihre klaren grünlich-grauen Augen verraten einen Menschen,
der die Dinge schärf und' klär erfaßt; nicht umsonst hat sig auf alle, die mit ihr in Berührung kamen, einen großen Einfluß gewonnen; ihre große Anpassungsfähigkeit wird ein übriges tun, um sie den neuen Pflichten gewachsen zu zeigen. Boraussichtlich werden, im Weißen Hause eine Reihe von Bällen abgehälten werden, aber dies wird im wesentlichen davon abhüngen, ob die Tochter des Präsidentpn- paares, Miß Helen Taft, sich dazu entschließt, sofort in das gesellschaftliche Leben einzutreten. Denn die Eltern wollen es dem freien Entschluß der jungen Dame überlassen, ob sie das Kollege verläßt und in der Gesellschaft debütiert, Miß Helen Taft zählt achtzehn Lenze; aber trotz ihrer Jugend spricht aus ihrem ganzen 'Wesen eine selbständige Entschlossenheit. Wie ihre Mutter ist sie ziemlich groß von Gestalt, aus ihren blauen Augen strahlt eine rege Intelligenz und ihr goldbraunes Haar verleiht der ganzen Erscheinung einen reizvollen Zauber. Wie ihre Mutter ist auch sie eine ausgezeichnete Reiterin; sie besitzt jene Taftschtz Selbsterziehung und jenen Fleiß und Freude an der Arbeit, die ihre Eltern durch ihr ganzes Leben begleiten. Auch sie hat schon einen großen Teil der Welt gesehen, ist stolz auf ihr Studium, ohne ihre häuslichen Pflichten darüber zu vernachlässigen. Wie ihre Mutter hat sie das Kochen erlernt, weiß ihre Kleider selbst zu schneidern und hat die praktische« Seiten des Lebens früh kennen gelernt. Sie spricht fließend französisch, hat in Manila auch Spanisch und die Eingeborenensprache gelernt und trotz ihrer Jugend tatkräftiz an der Erziehung ihres jüngeren Bruders. Charlie teilgenommen. ________
Borfrtthlirrg.
Tor Föhn schreit jede Nacht, Sein feuchter Flügel flattert schwer, Brachvögel taumeln durch die Lust; Nun schläft nichts mehr, Nun ist das ganze Land erwacht, Der Frühling ruft.
In diesen Nächten schlaf ich nicht. Mein Herz wird jung, Aus blauen Tiefen der Erinnerung Steigt meiner Jugend heipes Glück, Schaut mir so nahe ins Gesicht, Erschrickt, und flieht zurück.
Bleib still, bleib still, mein Herz! Ob anch im Blute eng und schwer Die Leidenschaft sich rührt „ Und dich die allen Wege sührt — Nicht jugendwärts Gehn deine Wege mehr.
Herin ann Hesse im SimplicissimuS.
Köuigszug.
Auflösung in nächster Nummer:
wollte
er
unter
bricht
gab
dir
dir
selber
arme
nun
die
brücke
aus
gottcs
daß
trockne^ heb'
barmen
gott
sich
an's
land
er
rud're
und
dich
den
armen
zücke
mit
aus
wasser
denk'
dem
dich
Hand
nicht
grab
dem
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummert Borgen macht Sorge n.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brtthl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange. Gieben.


