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Kajetan auf, — den Brief hatte seine Gnädige gesucht und gefunden!! Kajetan war zerknirscht, zerknittert, verknüllt, vernichtet.
Gr packte resigniert seinen Koffer wieder aus . . .
Seit diesem Tage war die Musterehe fertig!
Marhanna markierte eine Woche die Salzsäule, auch Kajetckn hüllte sich in Schweigen. Man vertrug sich wieder. Man lieferte auch neue Gefechte. Aber Kajetan blieb an seine Scholle gefesselt, für ihn spielte sich das Leben lediglich auf seinem Gutshof ab. Er steckte einen Wunsch nach dem anderen zurück, begrub eine Sehnsucht um die andere. Frau Maryanna kommandierte, Ban Kajetan parierte, — es ging alles wie am Schnürchen.
Und noch heute gilt diese Ehe als eine Musterehe!
Das Reisen über den strich.
Das „Berliner Tageblatt" vom 21. September schreibt:
In einem bei B. G. Teubner in Leipzig erschienenen Büchlein „Das Wandern" (Anleitungen zur Wanderung und Turnfahrt in Schule und Verein) von Raydt und Eckardt wird auch eine Methode des Reisens erwähnt, die Schulrat Küppers als besonders genußreich empfiehlt: die Reise „über den Strich". In diesen Aus- führnngen heißt es:
„Macht man über eine Eisenbahnkarte vom Ausgangspunkte zum .Ziele einen Strich, so ergibt sich, daß die Bahn wiederholt von unserer Geraden abbiegt, namentlich zur Umgehung von Gebirgen. Diese zu durchwandern, ist aber fast immer das Erquickendste. Man nimmt also einen Fahrschein nur bis an die Stadt, wo die Bahn ihren Umweg beginnt, wandert möglichst nach dem Strich von Ort zu Ort über Berg und Tal und steigt dort, Ivo die Bahn in den Strich einlenkt, wieder auf, um die eintönige Ebene zu durchfahren. Wer Zeit hat, kann eine Strecke von Berlin an den Rhein, die die meisten im Schnellzuge durchrasen, sich genußreich und kräftigend machen, indem er mit Durchwan- derung des Harzes, des hessischen Berg land es oder des Sauerlandes darauf etwa sechs Tage verwendet.
Das Gepäck sendet man beim Verlassen des Zuges mit der Post an den Ort, wo Man wieder einsteigen will, und begnügt sich für etwa drei Tage Mit Nachthemd, Zahnbürste und Kamm, die sich in der Tasche mitführen lassen. Benutzt man die vierte Klasse, so kommt einem die ganze Reise nicht wesentlich teurer als die Schnellfahrt. Man kommt durch wenig bekannte Gegenden, sieht Städte, die für die reisende Menge gewöhnlich abseits bleiben, durchschneidet mächtige Waldgebiete, lernt namentlich Wasserscheiden kennen, was für die Erfassung der Bodengestaltung, entscheidend ist, und erfährt von Land und Leuten mehr, als wenn man den Wegen nachgeht, die von den Reisebüchern empfohlen werden. Fällt bei der Wanderung schlechtes Wetter ein, so ist es gewöhnlich nicht weit bis zu einer Bahn- oder Posthaltestelle."
Der Vogelsberger Höheu-Klub wird nicht verfehlen, obiger Auslassung sein Interesse entgegenzubringen, da gerade das Hess. Bergland (besonders der Vogelsbergs ein dankbares Gebiet zum Reisen über den Strich ist. Daß aber auch immer und immer wieder (namentlich weiter außen) auf die Schönheiten unseres Vogelsbergs aufmerksam gemacht werden muß, ist einleuchtend; ebenso muß Wort und Bild dazu beitragen, das Interesse für das Gebirge zu wecken. Und namentlich gute Führer mit richtigen Markierungen, sowie etwa auch ein Neudruck des Wohnuugs-Ber-- zeichnisses sollten textlich und illustrativ hervorragend dastehen. Was bis jetzt in dieser Hinsicht geboten wurde, war vielfach mühsam und notdürftig zusammengetragen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wir hier in Oberhessen kennen nun beiläufig den Vogelsberg, cs gilt jetzt mit vereinten Kräften weiter nach außen zu wirken. Dazu sind gut redigierte und bildlich gut ansgestattete Schriften am besten geeignet, neben der Tätigkeit geeigneter Federn in Tages- usw. Blättern. Aber wohl zu bedenken wird es sein, daß diese Schriften nicht allzusehr den reklamehaften Charakter tragen, denn, wo die Inserate den Text geradezu erdrücken, ist wohl selten jemand willens, sich in einer solchen Schrift über eine geeignete Tour zu orientieren. Die besten Kräfte sollen sich also zusammentun und vereint in jeder Weise für noch größeren Fremdenzuzug im Vogelsberg wirken. August Konrad.
VsvmischLeS.
* Der Berliner Ti er schutz-Kal eNder 1910 ist erschienen. Dieses beliebte, mit zahlreichen Abbildungen versehene Büchlein erscheint nun schon seit Jahren in der Auflage von 1 Million 600 000 Stück. Hauptsächlich für die Kinder geschrieben, ist es ein vorzügliches und überaus wohlfeiles Mittel, um die Jugend tierfreundlich zu machen und der rohen Tierbehandlung entgegenzuwirken. Aber auch Erwachsene lesen den Tierschutz^ Kalender gern. Den Höhepunkt erreicht der neue Jahrgang' in der ergreifenden Erzählung „Meine kleine Freundin" von Karl Warteuburg. Die Außenseite des Umschlagdeckels stellt in hübschem Vierfarbendruck einen idyllischen, waldumhegten Teich dar, auf dem zwei Schwäne schwimmen. Das Heft hat 48 Seiten und 28 Textbilder. Für Schulen und Vereine, auch für Weih- nachtsbcscheruNgen eignet sich das billige Büchlein fehr. Die Preise gelten für Deutschland und Oesterreich.
* Dom! n o. Das Geklapper der Dominosteine gehör! zü den französischen und belgischen Cafes wie der Kognak zuM caftz noir. Nach dem Diner eine Partie Domino in Verbindung mit dem schwarzen Tranke Arabiens und dem gelblichen Produkt der Champagne gilt als ein Verdauunzsmittel, vor deni sogar Lendenbraten mit Perigord-Trüffeln und Parfait von Günseleber en croüte wie Butter vor der Sonne zergehen. Der Geist braucht sich beim Spielen mit den achtnndzwanzig Steinen nicht sonderlich anzustrengen, bietet sich doch zu großen Kombinationen wie beim Schach kein Anlaß. Die Franzosen können ohne Domino nicht leben. Wer der langen, vieleckigen und vieläugigen Heerstraße auf der Marmorplatte seinen' letzten Stein anfügt, strahlt wie die Sieger von Austerlitz, und Magenta, denn den Mazagran muß der Partner zahlen. Solche Szenen spielen sich in den Pariser! Cafes seit zwei Jahrhunderten ab, denn nachdem das erste Safe, das des Sizilianers FranyoiS Procove, nm 1680 am Markt von St. Germain eröffnet war und alsbald zahlreiche Nachfolger gefunden hatte, nistete sich hier das Domino schnell ein. Gespielt war es schon früher worden, auch von Geistlichen und Mönchen. Der Sieger unter den geistlichen Herren pflegte dem lieben Herrgott zu danken mit dem üblichen „Penrdicamus, >Do- mino "oder „Gratias Domino". Daher der Raine „Domino", Anders führen, den Namen auf den angeblichen Erfinder des Spiels, den Abbe Domino, zurück. Leider ist der gute Abb« eine ziemlich Mythische Persönlichkeit, dessen Heimat auf Erden schwer nachweisbar ist. „Unsinn", sagen denn auch die Besserwisser» „bereits die Römer kannten das Spiel, und da es nur dem Herrn, dem domino, zustand, so nannten sie es „Domino". Auch diese Auslegung hat Widersacher gefunden; — sie geben zwar zu, daß das Spiel in Italien entstanden sei und einen italienischen Namen trage, behaupten aber, daß es auf diesen Rauten erst in Frankreich getauft sei: man habe den Spielstein, weil er aus zwei Platten, oben von Horn oder Elfenbein, unten von Holz, bestehe, nach 'dem Domino, der aus zwei aufeinandergeleimten Platten bestehenden Druckform des Dominotier, des Buntpapierfabrikanten, genannt und diese Benennung auf das ganze Spiel übertragen. Merkwürdig ist jedenfalls, daß die Gegend von Rouen, wo seit dem Ende des 16. Jahrhunderts viele Dominotiers, Bunlpapier- fabrikante'n, ansässig waren, schon seit geraumer Zeit das Zentrum der französischen Fabrikation von Dominospielen ist. Ob die Römer das Spiel schon gekannt haben, ob es aus dem Orient, dieser uralten Erfindungsstätte der Meisten Spiele, gekommen ist, oder ob es die spanischen Araber oder die Kreuzfahrer nach Europa gebracht haben, muß dahingestellt bleiben. Seinen eigentlichen Siegeszug über den Kontinent hat es erst im 17. und 18. Jahrhundert gehalten. Italienische und französische Dominospiele aus jener Zeit sind Luxusarbeiten ersten Ranges. Mancher Kasten ist kunstvoll ä jour in Elfenbein gearbeitet. Zur wahren Leidenschaft wurde das Dominospiel während der Zeit Ludwigs XV. in Paris. Tie Tiraden dec Gegner, biHiber basr Spiel spotteten, Machten keinen Eindruck. Unter Ludwig XVI. war das letzte Geschenk, das dem jugendlichen Dauphin von seinem Regiment „Royal Dauphin" am 21. März 1791 überreicht wurde, ein Dominospiel, gefertigt ans den MarmortrümMem eines Kamms der zerstörten Bastille. Eine Inschrift mahnte ihn, auch beim Spielen nie zu vergessen, daß die Liebe und dis Macht des Volkes nicht zu unterschätzen seien.
Silbenrätsel.
a, ac, be, der, dri, e, ie, ha, i, ir, ld, ui, >na, tni, ra, rd, sal, sch, sib, ti, ns.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach innen und die Endbuchstaben von unten nach oben gelefen ein Mittel ergeben, ivelches besonders bei drückender Sommerhitze eine ivohltuende Wirkung mit Körper und Geist ausübt. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter der Reihe nach folgendes:
1. Männlichen Vornamen.
2. Stadt in Krain.
3. Türkische Ortschaft.
4. Ein Nagetier.
5. Einen Vogel.
6. Fluß in Sibirien.
7. Chemisches Produkt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kbeuzvätsels in voriger Nummer: ABC b r 1 e a u
Abens berg Brasilien Club local eie r e a g n 1
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».


