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neralmajor frei „der Großen Armee", unter dem 31. Juli 1813 von Mainz aus nachstehender Tagesbefehl zu, der in der Ueber- setzung^ lautet:
„Schreiben Sie den Marschällen und kommandierenden Generälen, sowie den Gouverneuren von Dresden und Magdeburg, dem Kommandanten von Würzburg rc„ daß in Anbetracht der Umstände das Geburtsfest des Kaisers am 1 0. August begangen werden soll. Ans diesem Anlaß befehle ich, daß einem jeden Unteroffizier und Soldaten eine Gratifikation von 20 Sous (80 Pfg.) verabreicht werde. Die Marschälle sollen Anordnungen treffen, daß diese Gratifikation schon ani 9. ausbezahlt werde. Diese Summe soll dazu dienen, ein besonderes Mahl Herrichten zu lassen: es soll weiter den Mannschaften gegeben werden doppelte Ration an Brot, Reis, Branntwein und Fleisch.
Ich wünsche, daß die Marschälle Befehle geben, daß jeder Divisionsgeneral alle Offiziere seiner Division zu einer besonderen Tafel einlädt; der Marschall selbst soll an der Tivisionstafel teilnehmen, wo er sich befindet. Ich bewillige hierzu, unabhängig von den doppelten Rationen an Proviant, 6 Franks auf den Kopf. Die Summe soll en bloc dem Marschall zugehen, der sie wieder an die verschiedenen Divisionsgeneräle zur Verteiluug bringen wird.
Ich wünsche aucb daß man in allen Lagern ein „Tc Tcum" singe, daß daselbst des Abends große Illuminationen stattsinden, daß die Artillerie Feuerwerkskörper abbrenne, kurz, daß jeder Marschall alles das tue, das ihm schicklich scheint, um den den Franzosen so überaus werten Tag feierlich zu begehen, die Soldaten au fzu heitern, nnd um Eindruck zu machen bei den verbündeten Völkern. Die verbündeten Truppen sollen dieselbe Gratifikation erhalten wie die anderen.
Es wird zweckmäßig sein, daß die Tafel der -Offiziere im Freien abgehalten wird, mtb zwar zu derselben Stunde, wie das Mahl der Soldaten. Die Toaste werden unterstützt werden durch Salven von 100 Kanonenschüssen. In den verbündeten Ländern wird man die Spitzen des Landes und die vornehmsten Bürger einladen; in den feindlichen Ländern wird man auch die Obrigkeit und diejenigen von den Ersten der Gesellschaft, mit denen man zufrieden ist, einladen können. An den Orten, wo es möglich sein wird, fallen die Generäle einen Ball geben. In Dresden, dem kaiserlichen Hauptquartier, wird man für die ganze Stadt einen großen Ball abhalten; des Abends soll daselbst eine Truppenschau stattfinden, statt mit Kartätschen zu feuern, soll man Feuerwerk abbrennen, was mehr Eindruck machen wird.
Die militärischen Operationen und die Aufkündigung des Waffenstillstandes, die am 20. stattfinden kann, sind die Gründe, aus denen ich die Feier des diesjährigen Geburtstages vom 15. auf den 10. verlegt habe.
In Frankfurt, Hanau, Fulda und bei der 22. Division, Homburg ausgenommen, wird das Fest am 15. gefeiert werden, ebenso in Wesel, Mainz und in dem übrigen Frankreich. Daher werden diese Städte nicht in den Tagesbefehl einbegriffen sein."
Eine besondere Freude wurde Napoleon bei dem diesmaligen Geburtsfeste zuteil; er erhielt von feinem 2 V? jährigen Sohn, dem König von Rom, die ersten Erzeugnisse seines poetischen Empfindens. Dadurch sehr beglückt, schreibt der kaiserliche Vater au die Erzieherin der kleinen Majestät: „Ich finde, daß der König sehr schöne Verse macht, und besonders drücken seine Verse Gefühle aus, die wahr find."
Es war Napoleons letztes frohes Geburtsfest; 1814 beging er seinen Geburtstag im Kreise weniger Vertrauter auf Elba, 1815 dachte auf der Fahrt nach St. Helena an diesen Tag niemand mehr. —e—.
Die Eisenbahnen der Erde.
Dr. Krenzkam macht im neuesten Heft der Monatsschrift „Die Welt des Kaufmanns" (Verlag von Georg D. W. Callwey in München) interessante Angaben über den Umfang des Eisenbahnnetzes in allen sünr Erdteilen. Er schreibt U. a.: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind unter allen Staaten der Erde das an Eisenbahnen reichste Land; mit dem „Lande der unbegrenzten Möglichkeiten" ist auf diesem -Gebiete der Wettbewerb überhaupt ausgeschlossen, sie haben mehr Eisenbahnen als ganz Europa und nehmen von dem gesamten Eisenbahnnetze der Welt fast die Hälfte für sich in Anspruch. Es sind 4'73 096 Km. Eisenbahnen in Amerika, darunter in den Vereinigten Staaten — einschließlich 579 Km. in Alaska — 361579 Km., das sind über 45 000 Kilometer mehr als in Europa mit seinen 316 093 Km. Asien hat 87958 Km., Australien 28 510, Afrika 28193 Km. Eisenbahnen.
Die Reihenfolge der einzelnen, am besten mit Eisenbahnen ausgesiatteten Länder hat sich wenig verändert: auf die Bereinigten Staaten von Amerika folgt das Deutsche Reich mit 57 376 Km.; allerdings ist der Abstand zwischen dem ersten Eisenbahnlande der Welt und dem Deutschen Reiche hinsichtlich der Bahnlänge sehr bedeutend. Dann
kommt das europäische Rußland mit 56 670 Km., Frankreich mit 47142 Km., Britisch Ostindien mit 46 642 Km. Auch Oesterreich-Ungarn hat sein Eisenbahnnetz bedeutend ausgedehnt, nämlich aus 41 227 Km., während in Großbritannien und Irland der nahezu völlige Stillstand des Eisenbahnbaues anhält; Großbritannien mit seinen 37107 Km. scheint also ein mit Eisenbahnen gesättigtes Land zu sein. Känada hat ein Eisenbahnnetz von 33147 Km., Mexiko 21007 Km., die Argentinische Republik 20560 Km., Brasilien 17 059 Km., Italien 16 420 Km., Spanien 14 649 Km. und Schweden 13165 Km.
In China wurden 1906 etwa 2300 Km. Eisenbahnen neu hinzugebaut; nachdem dort das Vorurteil gegen die Eisenbahnen überhaupt als überwunden gelten kann, und man insbesondere auch erfahren hat, daß die Eisenbahnen bei vernünftigem Bau und Betriebe sich billiger bewirtschaften lassen und gute Erträge liefern, wird im weiten China überall der Bau neuer Eisenbahnen in Angriff genommen. Tas Netz in Afrika hat sich von 26 395 Km. auf 28193 Km. vergrößert und nunmehr fast den Umfang der australischen Bahnen erreicht; namentlich in der Kapkolonie und in Transvaal, ebenso auch in den deutschen Kolonien in Afrika schreitet der Eisenbahnbau rüstig vorwärts.
Zieht man das Verhältnis des Eisenbahnnetzes zu dem Flächeninhalt in Betracht, so -ergibt sich eine von der obigen ganz verschiedene Stufenleiter. Da steht unter allen Staaten das kleine industriereiche Belgien obenan: es kommen dort auf 100 Qm. Flächeninhalt 45,4 Km. Eisenbahnen, das heißt die höchste Quote. Dann folgen das Königreich Sachsen mit 20,3 Km., (Hessen hat -etwa denselben Prozentsatz. Red. d. F.-Bl.), Baden mit 14,5 Km., Elsaß-Lothringen mit 13,6, Großbritannien und Irland mit 11,8, Deutschland mit 10,6, Württemberg und die Schweiz mit 10,5, Preußen und Bayern mit 10 Km.
vermischtes.
* Die erste preußische Seeschlacht. Selbst ein guter Kenner der preußischen Geschichte könnte in Verlegenheit geraten, fragte man ihn, wann Preußen seine erste Seeschlacht schlug. In der Tat ist es ziemlich unbekannt, daß dies gerade vor 150 Jahren, nämlich am 10. September 1759 geschah. Zum Schutze von Wollin und Usedom und des Haffs gegen die Schweden hatte Friedrich der Große eine „Flotte" geschaffen, indem er im Mai 1758 dem Kaufmann Daniel Schulz in Stettin hatte befehlen lassen, vier Galeoten und vier sogenannte Zeese- kähne, große Fischerfahrzeuge vom Haff mit Geschütz zu versehen und auszurüsten. Fast fünfzehn Monate lang verhinderte diese winzige Macht das Eindringen feindlicher Schiffe in die Odermündnngen, endlich am 10. September 1759, kam es zu einer regelrechten Seeschlacht. Bei vollkommener Windstille lagen am Repziner Haaken zwischen Ückermünde und Neuwarp die Preußischen Schiffe, rechts der „Prinz Heinrich", „König von Preußen", die Galeere „Jupiter", die Galeere „Mercur", die Milte bildete- ein« kleine Fregatte und dann folgten auf dem linken Flügel „Prinz Wilhelm", Galeere „Mars", Galeere „Neptun". Im zweiten Treffen waren vier Barkassen. Die schwedische Macht unter Admiral Rudenspaar bestand aus vier großen Galeeren, zwei Bombardiergaleoten, acht kleinen Galeeren, einer Jacht, einem Proviant- und einem Lazarettschiffe und einer Anzahl unbedeutender Fahrzeuge. Gegen acht Uhr morgens erfolgte der Angriff gegen den rechten preußischen Flügel und bald war der Kampf allgemein. Die preußische Flottille hielt sich sehr tapfer, aber nach über zwei Stunden wurde der „Prinz von Preußen" geentert und seine Kanonen wurden sofort gegen die anderen preußischen Schiffe gerichtet. Dann mußte sich „Mars" ergeben und schließlich auch „Prinz Heinrich" und „Prinz Wilhelm". „König von Preußen" hatte nun die ganze Macht gegen sich und zog sich fechtend eine Meile nach Ziegenort zurück. Da aber die leichte aufgekommene Brise wieder einschlief, so mußte er endlich, ganz zerschossen, auch seine Flagge streichen. Die Verluste der Schweden betrugen über 120 Mann, alle ihre Fahrzeuge hatten stark gelitten, eine Barkasse war in die Luft geflogen und zwei ipnreri gesunken. — Das war die erste preußische Seeschlacht.
* Die Heiligen der Lufts chifser und der Automobilisten. Auch die Luftschiffer müssen ihren Heiligen haben und sie haben sich, wie dem Temps au§


