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dies in viel höherem' Mähe bei der Dichtkunst der Fall sein» denn diese besitzt als Lehrmeister nur das Talent und das Genie.
Auch Friedrich von Schiller, der, bevor er ehrsamer Feldmedikus geworden, noch Studiosus verschiedener Fakultäten war, kann ich, in demselben guten Sinne, wie ich diese Bezeichnung bei den schätzenswerten, oben angeführten Komponisten verstanden wissen möchte, diesen Leuten zuzählen.
Ich habe mir nun nicht, die mir ganz fern liegende Aufgabe gestellt, mich weiter mit der Person des großen Dichters zu befassen, nur sein Verhältnis zur Musik interessiert mich an dieser Stelle und auch das nur in der Hauptsache durch Zahlen. Darum gehe ich auch, nach vorstehender kleinen Einleitung, sofort zu diesen über.
Aus den lyrischen und dramatischen Gaben Schillers haben die Beflissenen der Schwesterkunst „Musik" 102 ausgewählt und diese bann mit 663 mehr oder weniger schönen Melodien und Harmonien versehen. Diese in sieben Klassen eingeteilt ergeben fiir das einstimmige Lied 403, für die Duette 14, Terzette 13, Frauen- und Kinderstimmen 38, Melodramen im Pst. 15.
Von den 663 Gedichten sind:
34
1 mal
komponiert
4
9
mal
komponiert
15
2
tl
3
10
6
3
V
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3
11
II
II
8
4
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1
12
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II
5
5
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1
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1
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1
14
II
4
7
ff
ff
1
15
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5
8
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1
17
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Die Dithyrambe: Nimmer, das glaubt mir Der Jüngling am Bache: An der Quelle sah Der Fischerknabe: Es lächelt der See Die Hoffnung: Es reden und träumen An Emma: Weit in nebelgrauer Ferne Äln denFrühling: Willkommen schöner Jüngling An die Freude: Freude, schöner Götterfunken Des McidcbenS Klage: Der Eichmald brauset Die Sehnsucht: Ach aus dieses Tales Gründeir
ist 19 mal komponiert
21
24
28
30
32
34
42
51
II
II tl
II
II
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II u
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Tie größte Zahl bei den einstimmigen Liedern hat die ^Sehnsucht" mit 48 zu verzeichnen; bei den Duetten ist es „Hektors Abschied" mit 8. Alle 13 Terzette sind nur einmal (von Schubert) komponiert; bei den Gemischten und Männerchören ist es „An die Freude" mit je 13 Vertonungen, die freilich nicht alle als Originalkompositionen zu bezeichnen sind und schließlich die Melodramen verteilen sich fast gleichmäßig.
Aus der Gesamtzahl 663 müsset: nun aber unbedingt 19 zugunsten des Humors verwendete Dichtungen abgesondert werden, die mehr oder weniger textlich verstümmelt, verulkt wurden, zum Teil sogar dem höchsten und niedrigsten Blödsinn zugleich dienen müssen. Es sind dies zehn Männerchöre, darunter viermal „Der Taucher", sechs Gem. Chöre mit wieder zlveimal „Ter Taucher", dann drei Melodramen, die sich sämtlich an dem „Handschuh" vergriffen^ Dazu kämen bann noch drei Couplets, die freilich nicht als Dichtergaben Schillers rubriziert werden konnten, da sie fast lediglich aus Zitaten des Meisters zufamurengeflickt worden sind. Der Vollständigkeit halber wären bann noch einige Parodien in melodramatischer Form, von Rich. Thiele versündigt, hinzu- zufügen: Das Mädchen aus der Fremde, Ritter Toggenburg, Ter Handschuh und Der Taucher. Diese zweifelhaften Schätze stammen ausschließlich auS dem letzten Drittel des verflossenen Jahrhunderts unb wenn man für derartiges sich der jetzt grassierenden Lorbeerverteilung anschließen wollte, so müßte in erster Linie der Umdichter Schillers „Quidde" bedacht werden, der bescheiden sein Werk mit dem Titel versah:
Der Hands ch u h
von F. von Schiller, bedeutend verbessert
von Quidde.
Aber auch eine musikalische Untat aus dem Anfang des neun- zehnteir Jahrhunderts mutz hier an dieser Stelle erwähnt werden. Der Komponist Schodl hat ein „Liebesgeständnis", wie er sich selbst ausdrückt, eine Glosse nach Schiller komponiert.
Ten vorher gegebenen Zahlen sind denn noch eine ganze Reihe von -Opern hinzuznfügen, die auf Grund von Schillers Dramen entstanden sind. In den meisten Fällen weichen diese textlich von der ursprünglichen Fassung nicht nur wesentlich ab, sondern es blieb bei vielen nur die Handlung, ost sogar lediglich der Grundgedanke bestehen.
Nachhaltigen Erfolg dieser Opern, die zum größten Teil ans einer längst vor unserer Zeit liegenden Kunstcpoche stammen, hat wohl nur G. Rossinis „Wilhelm Tell" (1829) aufzuweisen. Außerdem sind noch — nach Hugo Riemanns Opern- handbuch, das ich als Quelle benutzte — vier weitere „Wilhelm Tells" zu nennen, darunter Herrn. Zopf (zirka 1870) und die erste Vertonung von M. Gretty (1791); dem schließen sich noch zwei Ballets an, zivei Musiken zum Schauspiel; die erste von B. A. Weber (1805), die andere von Carl Reinecke (1860) und aus beit letzten Jahren stammend eine Opernparodie von Th. Hartmann. Turandot hat vier Opern und eine Operette aufzuweisev.
Hierbei wäre der einst so- erfolgreiche Liederkomponist C. G. Rerssiger (1835), zu nennen, die Operette hat K. F. Konrads (1866) zum Verfasser. Die Räuber sind mit vier zu notieren, Fresko mit zwei, Don Carlos mit vier, von denen die Kom- position von Verdi auch selbst in Deutschland noch hin und wieder zur Aufführung gelangt. Bon Demetrius, Schillers uw- vollendeter Tragödie, finden sich zwei vor, darunter Anion Dvorak, von W a l l e n st e i n Pier, Die Braut von Messina hat keme Oper aufznwetsen, dagegen drei Musiken zum Schauspiel, hierher wieder B.A. Weber. K a b a l e n n d L i e b e hat G. Verdi allem, als Linse Miller (1849) als Oper verwendet, dagegen haben dre beiden Wiener Komponisten Ad. Müller und Johs. Drechsler je eine Parodie daraus entstehen lassen.
Am reichsten ist D i e Jungfrau v o n O r l e a n s bedacht worden, nicht weniger als acht Opern, die sich mehr oder weniger von schiller entfernen, find nachweisbar. Von bekannten Komponisten, luenn auch wieder zum Teil aus vergangener Zeit, sind zu nennen: I. Hoven (1817), N. Vacaj (1827), M. W. Balfe (183 <), G. Verdi (1845), P. Tschaikowsky (1881). Hierzu kommen noch vier Musiken mit lauter klangvollen Namen: B. A. Weber (cm 1806), Andr. Romberg (1810), L. Damrosch (1852), M. BruchA1859). Zählt man diesen 49 soeben aufgeführten Werken! den 102 vorher genannten Gedichten hinzu, so ergibt sich eine Gesamtzahl von 151.
@6 ist nun nicht zu verkennen, daß die heutige Generation, ioivett es sich um die Komponisten handelt, die Muse Schillers weniger beachtet, die verflossenen Jahrzehnte erläutern das auch ohne neiergehende Forschungen. Ein großer Teil unserer be- liebtesten Liederkomponisten des genannten Zeitpunktes ist ganz achtlos bei Schiller vorbeigegangen, darunter Fr. Abt, Rob.
r an z, G. Go l t er m ann, F. G n m b e r t, H. Heiser, C- Hiller, F. Kücken, tz. M a r s ch ner, A u t R u bin - stein, Hugo Wolf, R. Wüerst. Bei Johs. Brahms findet man 2 Chorwerke, bei H. Esser 1 Lied, Ad. Jensen 1 Lied, Ed. Lassen 1 Lied, 1 Chorwerk, C. Loewe 2 Lieder, 2 Chorwerke, F. M c n d e l s s o h n - B a r thol d y 1 Lied, 1 Chorwerk, H. Proch 2 Lieder, C. G. Reissig er 3 Lieder, Rob. s ch u m a n n 3 Lieder, F. Sieber 3 Lieder, W. T a u b e r t 6 Lieder, 1 Duett, 2 Chorwerke, O. T ieh{eit 5 Lieder, H. Tr uhn 1 Lied. Aus letzter Zeit dürfen denn I. B r a m b a ch, M. B r u ch, Bung ar t - W a sem, Bruno Stein nnd namentlich Bernh. S ch o l tz nicht unerwähnt blcibcn, die zu grötzern Chorwerken dramatische Gedichte Schillers erwählten. Auch, Franz Curti, in dessen Nachlaß sich eine Musik zu „Semele" vorfand, muß hierbei genannt werden. Aus früheren Perioden finden sich wiederholt die Namen vor: I. B. Andre, I. A. Anschütz, M. Eberwein, F. Götzloff, C. Großheim, B. Klein, A. Methfessel, I. R. Zum stceg.
Eine nennenswerte Zahl findet man aber nur bei F r z, Schubert mit 26 Liedern unb 13 Terzetten, sowie bei I. F. R e i ch a r d mit 46 Liedern. Ob nun von Reichard, einschließlich der Gruppe Andre bis Zumsteeg, Erfolgreiches herausznheben, wäre, entzieht sich meiner Kenntnis, dagegen ist mit ziemlicher Bestimmtheit zu behaupten, daß auch die vorher genannte Gruppe mit den Kompositionen der Schillerschen Texte hervorragend Gangbares nicht geschaffen haben. Selbst Schubert, dessen Siebet „Der Jüngling am Bache", „Des Mädchens Klage", „An Emma" zweifellos zu den bevorzugten gehören, kann man trotzdem nicht den begehrtesten dieses Komponisten zuzählen. Auch von den Gedichten, die zahlreiche Vertonungen erfuhren, ein ober das andere mit Bestimmtheit zu bezeichnen, das sich heute noch als „Sieb" besonderer Gunst zu erfreuen hat, wäre eine undankbare Aufgabe.
Dafür sind denn aber 4 Texte zu nennen, deren Melodien in dem Munde aller leben, selbst derer, die die llrheberschafh Schillers daran gar nicht kennen.
1. W o hlanf Kameraden aufs P f e r d. Melodie von C. I. Zahn (1765/1830).
2. Mit d em Pfeil, dem Bogen. Melodie von B. A. Weber (1761/1820).
3. Ein freies Leben führen wir. Die Melodie ist eine Nachahmung von „Gaudeamus igitnr".
4. Freude, schöner Götterfunke n. Komponist gänzlich unbekannt. Dem Musikalischen ist dann noch Beethovens herrlicher Schlußchor ans der 9. Symphonie im Gedächtnis.
Diese 4 zu Volksliedern erhobenen Melodien sind denn auch als Transskriptionen für Klaviere, so lange dd'se Form in Mode war, ziemlich häufig verwendet worden: Nlr. 1 achtmal, Nr. 2 zweiundzwanzigmal, Nr. 3 nnd 4 je dreimal. Von anderen Gedichten fand „Des Mädchens Klage" in der Schubert'schen Vertonung 21 Bearbeiter, „Der Jüngling am Bache" 3, hierbei lag aber nicht das Lied von Frz. Schubert, sondern das von tz. Proch zu Grunde. Mik nachhaltigem Erfolg wären den noch 4 Chorwerke hinzuzufügen. Die beiden ersten „Die Dithyrambe" von Jul. Rietz und „Der Fcstgcfaug an die Künstler ", von Felix Mendelssohn komponiert, dürften in keinem Archiv eines nennenswerten Mänuergesangverenis fehlen. Tie beiden andern, der bereits erwähnte Schlußchor aus der „9. Symphonie" von L. v. Beethoven, sowie „Nenie" von Johs. Brahms gehören zum eisernen Bestände größerer Chorvereimgungen.
Zn allen Zeiten, namentlich an Gedenktagen, wie z. B. am


