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Tjeit. . VerMinöert fragte er sich selbst, wie es zuging', das; er vorhin nicht die Sterne gesehen hatte, als sein Herz voll Zorn und Trauer war.

Tie beiden sprachen wenig, von Jak gar nicht; sie verstanden sich auch ohne Worte.

Als sie am Kantorhause angetangt ivaren, zog Frauke ihren Arm ans dem seinen.Ich danke dir, Jan," sagte sie, und als sie ihm die Hand reichte, wiederholte sie: Ich danke dir, Jan!" Der Ton, mit dem sie diese einfachen Worte sprach, und der Blick, der sie begleitete, drangen tief in Jans Herz.

Sie schloß die Haustür auf und schlüpfte hinein. In gehobener Stimmung ging Jan nach Hanse. Er wußte, wenn er sie um einen Kuß gebeten hätte, der iväre ihm nicht verweigert worden. Aber diese Stunde erschien ihm zu hoch und heilig, nm an einen Lohn zu denken. Wenn er Frauke einmal küssen würde, dann sollte der Kuß ein Ver­sprechen und ein Gelübde zugleich sein.

An diesem Abend hielt Jan in seiner Kammer im Geiste wieder ein Zwiegespräch mit Frauke.

Frauke, . ich habe dich furchtbar lieb", ivaren seine Worte, nnd die Antwort lautete:Ich habe dich auch lieb, Jan."

Weiter kam er nicht. Er lächelte vor sich hin, und einen Augenblick später seufzte er. Als Jak gegen Morgen nach Hanse kam, schlief er fest.

*

Am anderen Vormittag erhielt Jan einen Brief von einem Gutsbesitzer in Angeln. Der alte John Briefträger langte ihm das Schreiben durch die Stalltür hinein, und- Jan überflog es> während er den Futtereimer neben sich stehen ließ. _ Ihm wurde in dem Brief eine Stelle an­geboten nlit 70 Taler Gehalt, freier Station nnd familiärer Stellung.

Hell, sonnig, verheißungsvoll erschien ihm mit einem Male das Leben. Er hatte plötzlich hohen Mut und große Kraft. Er schwang den schweren Stalleimer, als ob es em Spielzeug wäre.

Hochaufatmend trat er vor die Stalltür hinaus auf dre Werft. , Es war ein schöner Wintertag. Die Sonne hatte siegreich die Morgennebel vertrieben und' schaute nun mrld von dem klaren blauen Himmel auf die weiße Marsch hinunter. Jans Blick schweifte über die Fennen, er schweifte weiter bis zum Horizont. Ja, dort tauchte ein Segel auf. Dort winkte die blaue Ferne mit ihrem Tuch.Ich komme!" rief Jan. Seine Seele war voll Sehnsucht und .Begeisterung.

Als er in die Stube trat, saß die Tante hinter dem Ofen und trank den gewärniten Kaffee, dessen fader Geruch das Zimmer erfüllte.

Jetzt klopfte Jan doch ein bißchen das Herz. Während er, den Tabakskasten zwischen den Knien, seine Pfeife stopfte, begann er, ohne aufzusehen:Zum Frühjahr meriy' ich wohl mal Ernst machen und fortgehn, Tante. Man muß ja doch mal weiter denken."

Das war für Jan schon eine lange und, ivie er dachte, wohlgefetzte Rede. Er atmete auf, denn er meinte, nun Ware das Schlimmste überstanden, doch als er ausblickte, erschrak er über die Wirkung seiner Worte.

Aschgrau war das Gesicht der Frau, und ihre großen Augen waren noch größer geworden, ivie von Angst und wtlsin?" "$U kreischte sie auf.Wo willst

Ich habe schon eine Stelle in Angeln, ich dachte, du wurdest leicht rnit Jak allein fertig."

Allein soll ich mit ihm hausen?" schrie sie.Allein nur ihm?" Tranen des Entsetzens schossen in ihre Augen, ein Husten erstickte ihre Worte.

Jan war betroffen. Was war das? Woher diese Filrcht vor x$f? Was für geheime Bande bestanden zwischen ihnen, dag sie sich liebten und fürchteten?

Warum soll ich nicht fort?"

o. wüe Mundwinkel der Frau waren herabgezogen, ihre Tippen bebten.^ Jan traute seinen Ohren nicht; die harte Frau, deren Herz nie durch eine Bitte gerührt worden w^'7 wit hastigen, zitternden Worten, er möge doch bleiben. a

Geh nicht fort," sagte sie,geh nicht jetzt, wo ich alt Und kümmerlich werde und mich bald nicht mehr wehren kann. Du sollst auch den Hof kriegen; ich mache mein Testament. Laß mich bloß nicht allein. Ich sterbe ja doch

bald; ich merke es, ich mach es' nicht mehr lange. Du sollst alles haben, alles!"

Jan kämpfte einen schweren Kampf. Nie hatte er die Tante so gesehen. Nie hatte sie ihn um etwas gebeten. Sollte, konnte er ihr die erste Bitte abschlagen? Sah sie nicht ivirklich aus wie eine, die am Rande des Grabes geht?

Sein gutes .Herz siegte schnell. Was kam es darauf an, ob er noch eilt, zwei Jahre blieb und der Alten erst die Augen zudrückte. Vielleicht erfiillte sie ihr Versprechen nnd sorgte für ihn. Nun, Jak sollte darum doch nicht leer ausgehen, wenn sie ihm den Hof verschrieb.

Die Tante verlegte sich jetzt aufs Jammern.

Ich armes Stackelsmensch, was fang' ich an, ich bin verraten und verkauft."

Ich bleibe," sagte Jan,sei man still."

Jak trat ins Zimmer.Was ist hier los?" fragte er. Was, Jan will fort? Haha! Laß ihn reisen! Reisende Lente soll man nicht aufhalten."

Ne, er bleibt hier", sagte die Alte. Sie hatte ihre Fassung wiedergewonnen und stand da, als wäre sie das verkörperte böse Schicksal.Was soll er bei fremden Leuten?" fuhr sie fort.Er ist man schwach, er ivird bei anderen Leuten bloß krank. Wenn es nicht mebr geht, kann er meinetwegenne Dienstdeern mieten; aber fort kommt er nicht."

Jan sah ivirklich nicht gesund aus. Blaß nnd teil­nahmslos blickte er aus dem Fenster. Der Himmel hatte sich verdunkelt, das Segel von vorhin war fort. Die Ferne winkte nicht mehr. Er war gebannt an die Schwelle von Spätinghof.

Einige Tage daraus sprach Jan mit seinem alten Freunde, dem Kantor, darüber.Armer Falke," sagte der Alte,ja, du mußt bleiben ; unter diesen Umständen kannst du nicht fort. Aber hab' nur Geduld, deine Stunde schlägt noch einmal. Wenn dann die Ferne dir ivinkt, dann folge."

Jan blieb. Jak aber machte sich mit Geschick die Situa­tion zunutze: er ging zu Jochen Kruse, dem Mietsmann, und bestellte sich zum 1. Mai eine Dienstdeern,die auch was kochen könnte".

(Fortsetzung folgt.)

höhere Gesetze.

Von! Henry D. T h o r e a «.*)

i Schluß..-

Wer hot nicht bisweilen aus seiner Nahrung jene unaus­sprechliche Befriedigung gesogen, die mit den« Appetit nichts zu tun hatte? Der Gedanke, das; ich dem groben Geschmacksinn eine geistige Vorstellung verdankte, daß ich durch den Gaumen inspiriert wurde, daß ein paar Beeren, die ich am Hügelhang verzehrte, meinem Genius Nahrung waren, hat mich geradezu erschüttert.Weil die Seele nicht über sich selbst Herrin ist," sagt Thseng-tsen,so sieht man, aber man schaut nicht, man lauscht, aber man hört nicht, man ißt, aber man kennt den. Geschmack der Speisen nicht." Wer den wahren Geschmack seiner Nahrung zu erkennen vermag, kann nie ein Schlemmer sein. Wer es nicht vermag, der ist es stets. Ein Puritaner kann seine Schwa rzbrotrinde mit dem gleichen, rohen Appetit verzehren wie der Herr Stadtverordnete seine Schildkrötemuvve. Was zum Munde eingehet, das verunreinigt den Mensch nicht, son­dern das sinnliche Verlangen, mit denr cs verzehrt wird. Nicht die Qualität oder die Quantität, sondern das Zugeständnis an die Sinnlichkeit ist verächtlich. Speisen sollen zur Erhaltung unseres animalischen und zur Erweckung unseres intellektuellen! Lebens, und nicht zur Nahrung für die Würmer dienen, die uns dereinst besitzen werden. Während der Jäger ein Verlangen! nach Schildkröten, Bisamratten und anderen wilden Leckerbissen! dieser Art hat, wird die Weltstadtdame Kalbsfußsnlzc oder im­portierte Sardinen bevorzugen. Zwischen beiden besteht jedoch kein Unterschied: er geht zum Mühlenteich, sie zu ihrer Kon­servenbüchse. Zn bewundern ist allein, ivie sic, du und ich, dieses schleimige-, viehische Leben führen mögen essend und trinkend.

Unser ganzes Leben ist überraschend moralisch. Nicht eine Minute gibt es Waffenstillstand zwischen Tugend- und Laster. Güte ist die einzige sichere Kapitalsanlagc. Sie bildet in dem Harfenllang, der die Welt umzittcrt, den ewigen (strundton, der uns erschauern macht. Die Harfe- ist der Geschäftsreisende für die Weltallversicherungsgesellschaft, deren Statuten durch sie ge­priesen werden, und- unser bescheidenes' Quantum Güte ist der einzige. Beitrag, den wir zahlen. Und mag auch der Jüngling schließlich gleichgültiger werden, die Gesetze des Kosmos werden es nicht, wndern stehen immerdar auf der Seite dessen, der anr tiefsten empfinden kann. Man soll aus jeden,' Zephir den leisesten!