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Spätinghof.
Roman von K. u. d- Eide V,>
(Nachdruck verboten.)
(Schluß)
Ian Thomsen legte sich ins Mittel. „Muß Ihr Sohn denn gerade zu seinem Onkel? Ich könnte auch ganz gut eine» jungen Mcmn gebrauch», auf Spätinghof, und lernen kau» er da auch etwas!"
Die Frau überlegte noch. „Es ist nichts rechtes, Ivo keine Frau im Hause ist."
„Das meine ich auch," sagte Jan. „Außerdem hat mir meine Tine das Versprechen abgenoinmen, daß ich heirate, ehe es Winter wird. Es soll nicht lange mehr dar. ... dann hat Spätinghof eine Frau, und das eine von den allerbesten."
Frau Harbek reichte ihm die Hand über den Tisch. „Ich bin einverstanden. Ja, ja, Niels," sagte sie weiter mit einem leichten Seufzer. „Nun kommt bald die junge Welt ans Regieren, und wir sitzen dann aufs Altenteil hinter bei Ofen."
Niels reckte seine sehnigen, behaarten Arme. „Hinter dem Ofen? Noch lange nicht!"
Jan Thomsen wollte gehens aber das litt Frau Harbek nicht. Er mußte zum Mittagessen bleiben und Schinkenssuppe und Sauerbraten mitessen. Als er dann nach dem AaOee aufbrach, geleitete Niels ihn ein Stück.Weges fort.
„'Na, Niels," sagte Jan beim Abschied, „denkst'du denn immer hier zu bleiben?"
„Immer. Ich bin Dithmarscher geworden, Jan. Ich werde auch mal drüben zu liegen kommen, wo Tine liegt, hoffentlich nicht allzuweit von ihr. Ich habe gräßlich viel von ihr gehalten."
„Warum habt ihr euch nicht geheiratet?" wollte Jan fragen. Mer er unterdrückte die Frage; mit einem kräftigen Händedruck schieden ,sie.
Jan reiste noch an demselben Tage ab. Frauke blieb noch citttge Tage, weil Liese und Janne es so sehr wünschten. Sie half den beiden Frauen, die Spuren, welche die letzten traurigen Tage zurückgelassen hatten, zu vertilgen.
Sie ging mit Liese zum Tischler, um ein Holzkreuz zu bestellen. Sie und Janne pflanzten Immergrün auf das Grab.
Jannes Augen blickten schon wieder hell; ihre Wangen wurden wieder rosig. In ihrem jungen Herzen stritt die Freude über den Vater, den sie erhalten, und der sogleich einen Platz in ihrem Herzen gefunden hatte, sich mit der Trauer über den Tod der Mutter. Daneben keimte das süße, bräutliche Glück. Nein, sie konnte sich der Trauer nicht ganz und gar hingeben.
Anders Liese. Sie war ordentlich still geworden und ging gebückt und leise im Hause umher. In der letzten
traurigen Zeit hatte sie viel von ihrer ursprünglichen Grobheit eingebüßt.
„Was machen wir bloß mit Tante Liese?" fragte Janne, „Wir können sie doch nicht allein lassen."
„Hab keine Angst um mich," sagte Liese. „Ich schreibe noch heute an meine Schwester in Hainburg, daß sie mir Grete schickt, damit ich jemand habe, wenn du November nach Harbekshof gehst. Grete ist ein stilles, vernünftiges Mädchen, die kommt nicht so leicht auf dumme Gedanken."
„Aber Grete ist doch nie so recht gesund, die kann dir doch nichts nützen."
„Das ist es ja gerade. Ich muß jemand haben, für den ich sorgen kann, und ihr wird die frische Luft gut tun."
„Du hast recht, Tante. Grete paßt für dich, besser als ich."
„Ja, du bist ein Wildfang. Aber weißt du was? Ich werde mir meine alte Maschine icheder vom Boden her- unterholen. Sie hat ja ihre Nücke», aber ich kann doch nicht gut ohne sie fertig werden. Ich will mich wieder mit ihr vertragen. Sie soll »lieh trösten; denn sie hat meine Tine gut gekannt."
Frauke Steffens »ahm Abschied. „Nicht wahr, Tante Liese, im nächsten Sommer besuche» Sie uns »tat auf Spä- tinghof? Sie sollen sehen, auch bei uns scheint die Sonne!"
„Aber zuerst," rief Janne, „kommst du nach Harbekshof."
„Nein," sagte Liese bestimmt. „Zuerst in die Marsch, ich muß doch mal sehen, ob die Marsch wirklich so aussieht wie ein Teller voll Grünkohl. Zu euch junges Volk komme ich erst viel später mal, wenn da mal eine junge Frau ihre Aufwartung haben muß."
Janne wurde glühendrot. „O, du bitterböse Tante!" *
Einmal »och vor der Abreise Mars Harbeks kamen er und Janne allein zusammen. Der öffentliche Abschied vor den Augen der Mutter würde, am nächsten Sonntag vor sich gehen. Daun würde Niels Liese und Janne iit der Kutsche abholen, und die Mutter würde Janne in die Arme schließe» und feierliche Worte sprechen. Aber ob Mars seiner kleinen Braut auch nur einen kleinen Kuß würde aufdrücken könne», das war die Frage.
Deshalb »ahnten Mars und Janne jetzt schon vorweg voneinander Abschied.
Es war auf dem schmalen Landwege, der von Helling- stedt »ach Dörpeln führte, auf 'derselben Stelle, an der sie sich int Frühjahr gefunden hatten. Die Büsche zu beiden Seiten des Weges zeigten schon gelbe Blätter. Die Schlehen reiften, und rote Vogelbeeren hingen über ihren Köpfen.
Große Schwärme von Vögeln zogen über das Land.
„Nächstes Jahr um diese Zeit ziehen ivir in unser Nest."
„Du kommst nun zu ntement Vater und ich zu deiner Mutter; ist das nicht herrlich?"
„lind Weihnachten feiern wir Verlobung; dann kommt dein Vater mit seiner neuen Frau nach Harbekshof."


