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versalität war in einer wissenschaftlich klaren Form zuerst von dem Weimarer Großen versucht worden, und sein vorbildliches Schaffen gab dem! Jüngeren Mut, auf solcher Bahn mit der Tatkraft unb dem Glücke des Genies fortzuschreiten. So fühlte sich Humboldt als ein Fortsetzer und Vollender der Ideen, die, der Meister int persönlichen Verkehr ausgesprochen und in feinen Werken, bald in dichterischer Verklärung, bald in strenger Wissenschaft dargelegt hatte. Und unter den zahlreichen Männern, die Goethe zum Wirken und Streben angeregt, war Alexander von Humboldt der einzige, der sich zur höchsten Höhe des Gelingens erhob und einen Weltruhm erlangte, der dem des Olympiers von Weimar nichts nachgab. Nach Goethes Tode ist er dann der Erbe seines Alters- fürsteuruhms geworden; er war Nicht nur der berühmteste Deutsche seiner Zeit, sondern unumschränkter Gebieter in den weiten Sphären der Wissenschaft und Kultur; «in Empfehlungsschreiben von ihm genügte, um dem Ueberbringer bis weit nach Südamerika und Asien hinein freundliche Ausnahme 411 sichern. In den Gestalten Goethes und Alexander von Humboldts vollendete sich wirklich in einem gewaltigen Symbol eine Epoche des höchsten univer- salen Strebens, die einst in Deutschland von Herder begonnen worden und nun in zwei Deutschen den Höhepunkt erreichte. Das Verhältnis beider Männer zueinander tritt uns klar entgegen in der neuesten vermehrten Sammlung ihres Briefwechsels, den Ludwig Geiger vor kurzem zusammen mit dem! Briefwechsel Goethes mit Wilhelm von Humboldt herausgegeben hat.
Alexander von Humboldt ist 1794 zuerst mit Goethe in nähere Berührung getreten. Obwohl damals erst 25 Jahre alt, hatte er schon weite Reisen durch Europa unternommen, war dann in den preußischen Staatsdienst getreten und lebte als Oberbergrat in Bayreuth. Goethe erwähnt seinen ersten Besuch in feinen Tag- und Jahreshesten mit den Worten: „Alexander von Humboldt, längst erwartet, von Baireuth ankommend, nöttjigte uns ins Allgemeinere der Naturwissenschaft." Der Dichter nahm mit ihm die eine Zeit lang vernachlässigten Naturstudien wieder ans und fühlte sich mächtig von ihm angeregt. 1795 heißt es in den Annalen: „Alexander von Humboldts Einwirkungen verlangen besonders behandelt zu werden. Seine Gegenwart in Jena fördert die vergleichende Anatomie; er und sein älterer Bruder bewegen 'mich, das noch vorhandene allgemeine Schema zu diktieren. Bei seinem Aufenthalt in Baireuth ist mein briefliches Verhältnis zu ihm sehr interessant." Neben geologischen Themen müssen also damals hauptsächlich anatomische Fragen berührt worden! sein, denn auf Alexanders Veranlassung entstand jener „erste Entwurf einer allgemeinen Einleitung in die Anatomie", der erst 1820 in den Beiträgen „Zur Morphologie" veröffentlicht wurde. Der sich anspinnende briefliche Verkehr wird von Humboldt am 21. Mai 1795 begonnen mit einem herzlichen Dank für die reiche Anregung, die Humboldt durch Goethe erhalten. Am 19. April, zu Ostern 1799 ist Alexander wieder bei Goethe zu Gast; sie machen gemeinschaftlich galvanische Versuche, besuchen zusammen das Ilmenauer Bergwerk unb sind sich einig in der Ablehnung alles mystischen Naturphilosophierens und in der Freude am gelungenen, die Gesetze des Geschehens erklärenden Experiment, lieber diese Tage meldet Goethe an Schiller: „Mit Humboldt habe ich die Zeit sehr angenehm und nützlich zugebracht, Meine natnrhistorischeu Arbeiten sind 'durch seine Gegenwart wieder aus ihrem' Winterschlafe geweckt worden, wenn sie nur nicht bald wieder in einen Frühlingsschlaf verfallen!" Als Alexander sich dann im Jahre 1799 zu seiner großen Reise nach Südamerika rüstet, die ihn fast fünf Jahre von Europa fernhalten sollte, begleitet Goethe sein Unternehmen mit den besten Segenswünschen: „Bei seinem Genie, seinem Talent, seiner Tätigkeit," schreibt er an den Bruder Wilhelm, „ist der Vorteil seiner Reise für die Wissenschaften ganz inkalkulabel, ja man kann behaupten, daß er über die Schätze, deren Gewinnst ihm bevorsteht, künftig dereinst selbst erstaunen wird . . . Ich darf ihn wohl in seiner Art einzig Nennen, denn ich habe niemanden gekannt, der mit einer so bestimmt gerichteten Tätigkeit eine solche Vielseitigkeit des Geistes verbände."
Für diese erste entscheidende Förderung, die Humboldt in den 90 er Jahren durch Goethe erhielt, ist er ihm immer dankbar geblieben. Immer wieder dankt er dem Dichter als deni, „deut ich die glücklichsten Stunden meines Lebens verdanke, der Sie mich (längst vor meiner Reise) in meiner Jugend mit so unaussprechlicher Güte behandelt haben." „Beide Humboldte," bekennt er ein andermal, „gehören. Ihnen an, und der Stolz ihres Lebens war es, Ihren Beifall sich erworben zu haben." Als er daran ging, die Ergebnisse seiner Reise in einem erschöpfenden vielbändigen Prachtwerk hernuszugeben, widmete er den. ersten Teil, der den Titel „Einleitung über Ideen zu einer Geographie der Pflanzen" führte, Goethe und schrieb ihm am 6. Februar 1806: „In den einsamen Wäldern am Amazonenflusse erfreute mich oft der Gedanke, Ihnen die Erstlinge dieser Reise widmen zu dürfen. Ich habe diesen fünfjährigen Entschluß auszuführen gewagt. Der erste Teil meiner Reisebeschreibung, das Natnrgernälde der Tropeu- welt, ist Ihnen zugeeignet. Mein Freund Thorwaldseu in Rom, ein ebenso großer Zeichner als Bildhauer, hat mir eine Vignette erttoorfen, welche auf die iminberfantc Eigentümlichkeit Ihres meistes, .auf, die in Ihnen vollbrachte Vereinigung von Dichtkunst, Philosophie und Naturkunde anspielt," Diese „Zueignung"
Zeigt in einem allegorischem Bilde den lvrbeerbekränzten Delphischen .Apoll, der in der Linken die Leier hält und mit der Rechten den Schleier von einer Bildsäule der Isis hinweghebt, zu bereu Fußen ein Buch liegt mit der Aufschrift: „Metamorphose der Pflanzen". Unter dem Bilde stehen die Worte: „An Goethe". Goethe dankt für diese Ehrung öffentlich, in dem „Anders Freundlichkeiten" betitelten Abschnitt seiner Beiträge „Zur Morphologie", in dem er dem schmeichelhaften Bilde die Deutung! gibt, „daß es der Poesie auch wohl gelingen könne, bett Schleier der Natur aufzuheben." Deut Spender dankte er durch die Tat; er machte sich nämlich sogleich au die Durcharbeitung des Werkes. „Ich habe den Baud," schreibt er am 3. April 1807, „schon mehrmals mit großer Aufmerksamkeit durchgelesen, und sogleich, in! Ermangelung des versprochenen großen Durchschnitts, selbst eine Landschaft phantasiert, wo nach einer an der Seite aufgetragenen Skala von 4000 Seifen (Armspanne gleich sechs Fuß) die Höhen der europäischen und amerikanischen Berge gegeneinander gestellt sind, so wie auch, die Schneelinien in Vegetationshöhen bezeichnet sind." Dieser „halb im Scherz, halb im Ernst versuchte. Entwurf", der die Berghöhen der alten unb neuen Welt in ein vergleichendes landschaftliches Bild bringt, ist 1813 von Goethe veröffentlicht worden; er erhielt eine Widmung „Herrn A. von Humboldt", die auf einen: im Vordergrund liegenden Felsblock angebracht war. In seinem Daukörief bittet Goethe auch Humboldt um eine „kleine Skizze Ihres Lebens, Ihrer Bildung, Ihrer Schriften, Ihrer Tätigkeit und Ihrer Reisen". Humboldt wurde ihm immer mehr zu einer schon historischen upd durch seine Genialität merkwürdigen Persönlichkeit; mit einem stillen Neide sah er dem Walten und Wirken dieses Mannes zu, der sich in der Weltstadt Paris so recht im Zentrum des Lebens und Schaffens! befand und von dem „die unglaublichsten sozialen Einwirkungen ausgingen."
Das Gegensätzliche in der Naturauffassung Goethes und Humboldts hat der naturforscheiidc Dichter in seinem ersten Brief ort den Gelehrten schon fein bezeichnet: „Da Ihre Beobachtungen vom Element, die mehligen von der Gestalt 'ausgehen, so können! wir nicht genug eilen, uns in der Mitte zu begegnen." Goethe! ging in seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten ja ganz von der sinnlichen Beobachtung und von den physikalischen Erscheinungen aus, während ihm die chemische Untersuchung unb Zerlegung der Dinge fremd blieb. Humboldt aber schritt von einer kritischen Scheidung der NaturfvrMen in ihre Grundelemente vorwärts Und suchte, das Einzelne bis in die letzten Gründe zu verfolgen! und vom Detail zur Erfassung des Ganzen durchzudringen. In dieser verschiedenen Form der Forschung liegt der Gegensatz der beiden beschlossen, der sich allmählich auf entern Lieblingsgebiet Goethes, der Geologie, zum! offenen Widerstreit zuspitzen sollte. Alexander von Humboldt trat als eifrigster Verfechter der neuen Theorien des Plutonismus auf, dem zufolge die Gebirge durch den Druck des feurig flüssigen Erdinnern plötzlich emporgehoben wurden, während Goethe mit Heftigkeit auf den Standpunkt des Neptuuis- mus, der Lehre von der Einwirkung des Wassers auf die Gebirgsformat io neu, beharrte. In seinem Aerger über diese Verschiedenheit der Anschauungen 'läßt sich Goethe, besonders in seinen Briefen an Zelter, zu einer gewissen.Geringschätzung Humboldts hinreißen, kveun ‘er %. B. 'meint: „Dieser Freund hat eigentlich nie höhere Methode gehabt; bloß vielen gesnnden Verstand, viel Eifer unb viel Beharrlichkeit." Mer in schöner Selbstüberwindung beugt sich doch auch hier Goethe vor der Bedeutung Humboldts; in der Beurteilung von Humboldts Schrift „lieber den Bau und die Wirkungsart der Vulkane", die die plutonistische Lehre konsequent vortrug, bekennt er," auch durch die Erkenntnis dieser ihm' wider- strebenden Anschauung gefördert zu sein, „Ist es eine Pflicht, auch manchmal denken zu Wunen, wie artbere, so wird es diesmal höchst angenehm; was kann erfreulicher sein, denken zu lernen toje ein Manu, der mit Augen gesehen hat, was wenige, der mit seltener Geisteskraft gesondert, vereinigt, geschildert und bärge» stellt hat, mit welchem zu leben, zu beobachten, zu schließen und! zu folgern wir schon längst gewöhnt sind. Unk der aufs neue uns hervorruft, an seinen Ueberzeugungen teilzunehmen. Haben wir das vollbracht, so wird es uns nicht beschämen, vielmehr zur Ehre gereichen, wenn wir unsere Sinnesänderung öffentlich bekennen und unser neues Kredo einem so trefflichen und vieljährig geprüften Freunde zutraulich in die Hände legen."
So bleibt das gute Verhältnis im ganzen ungetrübt. Stets weiß Alexander durch freundliche Sendungen den Alten „in dis weit unb breite Welt zu rufen." „Stoff genug zu stiller Betrachtung" zu geben und Goethes Lob ist ihm der höchste Lohn. Er gesteht, „daß ein öffentliches Wort von Ihnen, eine Note, eine! simple Bezeignng Ihrer Zufriedenheit mit meinen Arbeiten, eine Erwähnung meines Namens in einer Ihrer Schriften mich auf das kindlichste erfreuen würben. Dieser Wunsch (nicht der Eitelkeit, nein des edleren Stolzes) hat, seitdem sch Jena verließ, mich über Meer unb Land begleitet. Das Beste am Menschen ist, was man rein aussprechen darf, und so gereut es mich auch nicht, Mich- so vvr Sie gestellt zu haben." Goethe erweist sich freundlich: Er letzt Humboldts Namen Ottilie in den Wahlverwandth schäften in den Mund und verfolgt seine zahlreichen Publikationen mit Aufmerksamkeit, lieber den Schmerz nach dem Tode Christia- nens hilft ihm eilt langerwartetes und gerade damals äuge-


