Ausgabe 
6.3.1909
 
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einem Ausspruche des verstorbenen berühmten Geographen Freiherrn von Richthoftn größte noch unbekannte Gebiet Jnnerasiens geführt. Doch noch mehr! Als bedeutendsten Erfolg konnten wir das Gelingen einer Reihe wissen­schaftlicher Arbeiten bezeichnen, deren wichtigste wohl die kartographische Aufnahme der ganzen Strecke Scharaküto Sung-P'amt'ing ist. Ich muß offen gestehen, daß Dutzende Male die Versuchung an mich herantrat, die außerordentlich anstrengenden Routenaufnahmen aufzugeben. Jeder, der schon einmal in seinem Leben eine derartige Geländeauf­nahme misgeführt hat, weiß, daß es nicht leicht ist, bei Sturm und Wetter und noch dazu tu Feindesland, diese Arbeiten zu bewältigen. Es war die allerhöchste Zeit ge­wesen, daß wir die schützende Stadt erreichten. Einige Wochen später wäre es nicht mehr möglich gewesen, in dem bis dahin tief verschneiten Gelände den Weg nach Sung- p'an-t'ing zu finden. Als wir uns an diesem denkwürdigen Abend Ruhe legten und ich sämtliche mir anvertrauten Menschen gerettet wußte, da mochte wohl jeden von uns ein dankbares Gefühl gegen das gütige Schicksal überkommen.

Die Bewegungen der Erde.

Von seinem Observatorium in Juvtsy richtet Camille Flarmarion einen Brief an denNewyork Heralb":Wieder eine neue Entdeckung, die wahrhaft außerordentlich und glaublich erscheint! Der Erdboden, der uns so stark und sicher erschien, und dem wir uns so ruhig anvertrauten, ist in Bewegung; zweimal am Tage erfährt er eine all- gemeiue Schwingung, er hebt sich und senkt sich gleich dem Ozean unter dem Einfluß der Flut und der Ebbe. Die häufigen seismischen Stöße, die die Erdoberfläche er­schütterten, beweisen uns bereits die Beweglichkeit der Erd- massen. Aber diese unzeitigen Bewegungen, die unsere Auf- merksamkeit erst dann fesseln, tvenu ihre Kraft durch ver­nichtende Wirkungen bemerkbar wird, treten nicht regel­mäßig auf und setzen wieder aus und mau kann glauben, daß zrvischen solchen seismischen Erreguilgsperioden Pausen liegen, in denen die Erde sich ruhig befindet. Doch das ist nicht der Fall. Die Oberfläche der Erdteile, so ivill es jetzt erscheinen, ist nicht weniger beweglich luie die des Meeres, wo die Wasser unter der doppelte» Anziehungskraft der Sonne und des Mondes sich täglich zweimal heben. Seit mehr als einem halben Jahrhundert sucht die Wissen­schaft diese Erdscillationen zu beobachten, mit* die in­teressantesten Versuche sind unternommen worden, um diese Bertikalbewegungen messen zu können. Antoine d'Abbadie, Lord Kelvin, Zöllner, Bouquet, de la Grye, G. itnb H. Darwin und M. Wolf vom Pariser Observatorium haben auf diesem Gebiete geforscht, aber die gewonnenen Resultate waren gering, widersprachen einander und konnten nicht die Grund­lagen zu sicheren Schlußfolgerungen abgebem Seit einigen Jahren untersucht nun ein deutscher Gelehrter, der Astronom Hecker im Potsdamer Observatorium dieselbe Frage. Er hat zivei Horizontalpendel konstruiert, die 25 Meter über dem Boden eines Zimmers angebracht sind, in dem die Temperatur (von 11,7 Grad) und der Feuchtigkeitsgehalt das ganze Jahr über mit größter Genauigkeit auf dem gleichen Niveau gehalten ivird. Die Schwingungsweiten, die gemessen werden sollen, sind vollkommen unsichtbar und erreichen nicht ein Hundertstel einer Bogettsekunde. Es ist jetzt gelungen, sie durch ein sinnreiches Verfahren, das in Kürze nicht erklärt iverden kann, sichtbar zu machen. Das Resultat dieser Beobachtungen, das eine Frucht jahre­langer stiller Forschung ist, scheint jeden Zweifel auszu­schließen und gipfelt in der Erkenntnis, daß der ganze Erdball einer periodischen Schwingung unterliegt, die den Ebbe- und Flnterscheinungen des Meeres analog ist; die anscheinend so bewegungslose Erdoberfläche wird täglich zweimal um fast 20 Zentimeter ge­ll ob en. Mein Kollege Lallemand hat das Ergebnis dieser Untersuchungen jetzt der Sociötö Astronomique de France

m'itgeteilt. Wie kommt es nun, daß wir diese innere Fluk der Erde nicht fühlen, die täglich zweimal unter unseven Füßen kommt und geht? Weil die ganze Umgebung dieselbe Bewegung mitmacht und uns der Unbewegte Punkt fehlt, von dem aus die Veränderung kontrollierbar wird. Es ist dasselbe wie mit der Meeresflnt, deren Erscheinen den Reisenden auf hoher See völlig entgeht. Erst au der Küste kann man die Veränderung der Höhe des Wasserspiegel beobachten. Schon kennen wir 12 für uns unsichtbare Erd­bewegungen, von denen mehrere für unser Leben ent« scheidend sind. Wir kannten bisher: 1. die tägliche Um­drehung der Erdkugel um ihre Achse in 23 Stunden 56 Mim; 2. die Revolution der Erde um die Sonne in 365W Tag; 3. das Borrücken der Nachtgleichen in 25 765 Jahren; 4. die monatliche Bewegung der Erde um das Gravitationszentrum von Erde und Mond; 5. die durch die Anziehungskraft des Mondes bewirkte Veränderung, die alle 18y2 Jahre eintritt; 6. die wOjährige Veränderung der Schiefe der Ekliptik; 7. die 100jährige Veränderung des Abstandes des Mittelpunktes der Erdbahn von der Sonne; 8. die infl Zeitraum von je 21000 Jahren eiutretende Verschiebung der größten Achse der Erdbahn; 9. die Schwankungen, die durch die stets wechselnde Anziehungskraft der Planeten entstehen; 10. die Veränderungen des Gravitationszentrums des Sonnensystems, um das die Erde jährlich kreist; 11. die allgemeine Bewegung des Sonnensystems gegen das Stern­bild des Herkules und 12. die Bewegungen der Erdpole, die die Breiten verändern, und die an den Polen eine Schwingung von etwa 12 Metern erreichen. Man sieht, luie sehr sich die wissenschaftlichen Anschauungen seit jenen Zeiten verändert haben, da man die Erde für einen mv beweglichen feststehenden Körper ansah."

humoristisches.

* Der Pantoffelheld. Knebbchcn:Ich frei' und), baß 's nu wieder uff 'n Frühling zugeht!" Bliemchen:Mir is der Winter (ieiner! Bei zehn Grad Kälte erlaubt mer nämlich meine Amalie schon ä kteenes Grögcheu; ei iaaa!" H

* Sie weiß sich zu Helsen. Er (vorwurfsvoll):Was! Nun hast Du Dir doch eine Bluse gekauft!" Sie:Beruhige Dich nur; die habe ich mit meinem eigenen Gelbe bezahlt, Er:Wieso, Du hast doch gar keins?" Sie:Hm, hab' letzte Woche Deinen Pelzrock verkauft!"

* Sie:Wie kommt cs, das; Ihre Kusine heute nicht Nngi? Er:Ter Arzt hat .es ihr für die nächsten sechs Mouahs untersagt." Sie:Wohnt der in ihrer Nähe?"

* Ein Prinzip m e »s ch. Hausfrau:Was? Nun ich Ihnen Essen gegeben habe, wollen Sie fortgehen, ohne wem Holz zu zerkleinern?" Bettler:Ja, iehen's, Ma'am, mit leerem Magen kann kein Mensch arbeiten und mit vollem arbeiten tu' ich grundsätzlich nickt."

Kreuzrätsel.

In die Felder vorstehender Figur find die Buchstaben hH aaaaabcceeeefffhhhhkklloopprrssa® ttttunzz derart einzutragen, daß die wagerechten und senk­rechten Reihen gletcklautend Folgendes ergeben:

1. Ein Mineral.

2. Beliebtes Kartenspiel.

3. Nützliches Tier.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des BersteckÄtsets in voriger RuMMAtt Der H u u g er m a ch t za h in.

Redaktion: K, Neurath. RoiationSdruck und Verlag der Brühl'schen Umverstiäts-Buch- und Sreindruckerei, R. Lange, Gichsm