Ausgabe 
3.3.1909
 
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14.0

Wti.

Redaktion: K. Neurath. -^.Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fcheu Universitäts-Buch- und Sleindruckerci, R. Lange, Greben.

Kritiker Stellung geuommeu haben. Manch treffende Be­merkung kann man da hören, tote oft trennt sich Roh und Reiter zur Heiterkeit der Zuschauer. Jedoch auch auf Herz und Gemüt inuß das Rodeln wirken; denn vor mir teht eine süße Maid und sumnit so vor sich hin, wie schön )och das Rodeln 511 Zweien wäre. Da sie allein war, bot ich mich als Zweiter an. Der Blick, den sie nrir zitivarf, ist nicht zu beschreiben, und das, ivas sie seht zwischen den Lippen summte, war sicherlich alles, nur keine Schmeichelei für mich. Jedoch der Strafe sollte iroch nicht genug sein. Noch garrz geknickt von meiner Niederlage, merke ich nicht das Unglück, das mir drohte. Ein Junge benutzt nämlich beim unfreiwilligen Sprunge von fernem Schlitten meine Beine als Haltepunkt. Jedoch auch ich komnre mit zu Falle uiib liege in ganzer Körpergröße zu Boden, der mehr seuchteift Lehm als Schnee aufzuweisen hat. Nun bin ich zwar ein großer Freund des Ackerbaues, jedoch der große gelbe Flecken auf der ganzen Rückseite meines schwarzen Ueberziehers, trug gerade nicht zur Verschönerung meines Aeußereit bei und zwangen uns die Rodelbahn zu verlassen, lind im Cafe bei Mohrenköpfen und Schillerlocken uns von den Vorfällen zu erholen.

Voit jetzt an ging es auch ganz leidlich. Es kam eigent­lich gar nichts vor; nur daß, nebenbei erwähnt, meine Kleine ein Glas Wasser un!schüttete und meine sechsjährige sich eine Tasse Kaffee über die neue weiße, von Großmutter gestickte Jacke goß. Das sind so kleine Vorfälle, die man nicht rechnet. Glücklich langten wir nm 6 llhr wieder zu Hanse an, froh, in den heimatlichen Räumen zu fein. Die Kinder mußten fick bald, wahrscheinlich einer kleinen Magenver- stnmnung wegen, zur Ruhe begeben; miet) bei meiner Frau machte sieh das Fehlen des Schlittens beim unfreiwilligen Rodeln bemerkbar. Mit den Worten:An den Tag denke ieh noch lange", zog sie sich zurück. Ich aber hielt bei einer guten Zigarre noch einen Rückblick'über den Tag und kam, da ick, Optimist bin, zu dem Schluß: Loch im Hute, Flecken im Ueberzieher, Kaffee auf der Jacke, Unfall der Frau, sonstige Ausgaben! , .

Es war doch im ganzen em schöner Tag geioejen.

noch weiter, die Franzosen Umreit fast freudig ausgenommen tvorden. Das ist wohl verständlich, denn sie erschienen dies­mal als Retter in der Not.

Aber haben diese trüben Bilder deutscher Geschichte noch praktisches Interesse für uns? Wohl! So lange in der deutschen katholischen Kirche noch Fremde regieren, so lange wir noch als Missionsgebiet gelten, so lange ist die Gefahr noch da, so lange hat der evangelische Bund noch zu wanum und zu mahnen.

Erster und letzter Besuch auf der Rodelbahn.

Gemütlich sahen iuir um den Abendtisch : der Ofen verbreitete eine behagliche Wärme im ganzen Zimmer; die Zeitungen wurden von der ganzen Famrlie gelesen -- sie besteht nämlich aus Gattin, drei Kindern uud niemer Per­sönlichkeit, da wurde die Stille durch die Stimme meuter Nettesten unterbrochen, die folgende Zeitungsnotiz vorlav:

Johannisberg. Wiedereröffnung der Rodelbahn. Unr-- son-o ertönte es aus Kindermunde:Da gehen wir morgen hin " Ich versteckte mich hinter nteine Zeitung, als ob ich nichts gehört hätte. Die Gattin scheint jedoch den M durchschaut zu haben und geht gleich aufs Ziel lov. Das Borschützen von Besuch einer notwendigen Bersamntlimg mn nächsten Tage zieht nicht, drei Sonntage rst sie nicht fortgekommen, sie besteht auf ihrem Recht. Also nolens Polens, der Ausflug ist beschlossene Sache.

Am anderil Morgen zu früher Stunde schon lebhafte,- Getümmel in der Kinderstube. Im Halbschlaf höre ich unseren Dicken schon rufen:Bahn frei", dazwischen die beruhigende Stimule der Mutter. Da auf einmal em jäm­merliches Geschrei der beide» Aelteren. Der Kleine war ru seinem Feuereifer für die heilge Sache seinen Geschivistertt ms edle Angesicht gerodelt. Erster, kräftiger Abzug von feiten der Mutter. Für eine Weile herrscht süßer Friede; auch der Streit über den Vorrang beim Anziehen wird un­parteiisch zu aller Zuftiedenheit entschieden. Wie aus dem Ei geperlt kommen nach einiger Zeit die drei Kinder zum Vorschein; der jüngste in einem grauen Sportanzuge, heute zum dritten Male ihn tragend.Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewger Bund zu flechten, und das Unglück schreitet schnell". Kräftiges Schreien von Kinderstimmen aus der Küche her, unterbrochen durch Klagen der Mama. Entsetzt eile ich hin. Eine Treppe, die zur Küche hinab- . führt, ersetzte dem Kleinen die Rodelbahn; unglücklicher­weise rodelte er in seinem neuen Gewand in einen gefüllten Putzeimer hinein. Erneuter zweiter und etlvas kräftigerer Abzug, Anziehen der zweiten Garnitur war die Folge. Sonst passierte bis zuin Abgang des Zuges 2.12 Uhr nach- mittags nichts. Nur soll man etwas auf Vorahnungen geben; hätte ich sie beobachtet, wäre verschiedenes nicht vorgekonnnen. Eine meiner Stimmen riet mir, den älteren, grünen Hut aufzusetzen, meine Frau dagegen war für den besten. Mit dem nun von ihr zum Weihnachtsfeste ge­schenkten steifen Hut den ich mir natürlich selbst be­zahlen durfte bin ich int Begriffe, in den Zug einzu­steigen, als ein kräftiger Stoß von hinten die Kopfbedeckung die Fallgesetze studieren läßt. Zugleich bittet in süßen Worten eine junge Schöne, den ominösen Rodelschlitten aus dem Rücken, um Verzeihung, so daß ich ihr gar nicht böse fein konnte. Im Abteil erst merkte ich, daß der Hut dienst­untauglich geworden ist, indem die Rodel mit einem scharfen Schnitte sich darin verewigt hatte. Unser Dicker fand zunächst die Worte des Trostes:Papa, laß doch; es gibt ja noch viele andere." Dagegen war nichts eiuzuwendeii. Dem Ziele unserer Wanderungen gelangten wir immer näher. Bor uns die schöne Freitreppe, die nach den Sprudeln und dem Parke führt. Schon wollte ich als vorsichtiger Fa­milienvater die Kinder warnen, auf den Stufen langsam zu gehen, als ein leichter Aufschrei meiner Frau, die neben­bei "bemerkt über ein beträchtliches Körpergewicht verfügt, mich darauf aufmerksam macht, wie man auch ohne Schlitten sogar Treppen herunter rodeln kann. Froh, daß alles so ohne ernstlichen Schaden abgegangen ist und ivir wegen unbefugten Rodelns an verbotenen Stellen nicht aufge­schrieben worden sind, gelangen wir endlich an die Rodel­bahn. Hier ist lebhafter' Betrieb. Vom Aussichtsturm durch den Wald der alten Chaussee entlang führt die Bahn bis zu dein berühmten Brett, an dem links und rechts die

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Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Rätsels in voriger Nummer: Pinsel, Insel.

humoristisches.

* Boshaft.Denke dir, Berta, die Olga hat behauptet, mein Bräutigam habe gar nichts Militärisches an sich!Die ist blind! Er hat doch Säbelbeine!" _ . .

* Druckfehler. Beamtentochter, fünfundzwanzig Jame all, mit kleiner Mitgift, hässlich, gut erzogen, wünscht sich zu verheiraten. Gcfl. Oss. subHymen" bef. die Exped

* Ueberraschung. Gast:A propos, Herr Wirt, ich werde jetzt mit meinem Freunde eine Partie Billard nm die Zeche spielen; wenn ich etwa verlieren sollte, bezahle ich morgen. Wirt:Hm, dasselbe hat mir aber Ihr Freund auch gesagt.

* Abkühlnng. Sonntagsreiter (renommierend):Was meinen Sie nwhl, meine Isabella nimmt mit Leichtigkeit die. weitesten Gräben." Bekannter:Sie auch?"

* Im Zweifel. Schwiegervater m spe:Mit 20009 M.- Schulden wagen Sie cs, nm die Hand meiner Tochter anzu- halten?" Bewerber:Sie wünschen noch mehr?" ..

* Abgekühlt.Ach, Fräulein, für Sic könnte uh du größte Dummheit begehen!"So, so, und ich habe mir ein­gebildet, ich könnte Sie zn großen Taten begeistern! .

* Feiner Geschma ck. Köchin:Nein, was mein Jranzt für einen feinen Geschmack hat! Als ich diesen Abend das Essen probierte und ihm nachher einen Kuß gab, da sagte er gteiiy, In der Sauce ist zuviel Paprika!"

Bilderrätsel.