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Auflösung in nächster Nummer.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brii hl'scheu Üniversitäls-Buch- und Steindruckerei, K. Lange, Gießet

Nach kurzem Gespräch erfahre ich, daß der Harem in un­mittelbarer Nähe liegt. Man verrät mir eine verborgene Keine Eingangstür. Ich mache mich auf neue Berhand- lungen mit Wachtposten gefaßt, aber die Mr ist offen, Nirgends eine Wache. Ich schreite durch einen Hof und be­trete eine zweite Mr, die ebenfalls offen ist. Hinter inir sehe ich einen Posten auftaucheir, aber er sieht mich nicht, und ich schreite weiter. Dann höre ich lalttes Getöse: man schafft die Geräte der 200 Frauen fort, die der Sultan zurückgelassen hat. Am Abend vorher haben sie den Harem ------ti- türmen

Auflösung des Geographischen Verschiebrätsels in vor. Nr.

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verlassen müssen, vierzig Fiaker holten sie ab; jetzt ihre Eunuchen die Taschen, Säcke, Vettert rtnd M grobe Karren, die mit Ochsen oder abgemagerten Pferden bespannt sind. Ein trauriges Schauspiel auf dem souneu-

durchleuchteteit Hofe, in dem die Akazien lustig blühen und der Duft des Frühlings wogt. Vergitterte Fenster führen in den Hof; durch sie sieht man in die Gemächer, in denen das Leben der Frauen in enger Gefangenschaft sich ab­spielte. Nun stehe ich vor der Wohnung des Sultans, aber hier kennt der Posten kein Erbarmen, die Zimmer sind versiegelt, die Bibliothek und das Museum geschlossen. Ein junger Beamter, der den Auszug überwacht, zeigt mir detl Weg zum Haremsgarten, dieser größten Seltsamkeit inmitten des Märchenreiches. Ein Wirrwarr von Bäumen, Blumen und Anlagen empfängt mich, die seltensten Pflanzen grünen hier nebeneinander. Unter den Bäumen ist ein See angelegt oder genauer ein serpentinförmiges Zementbassin. Noch liegen hier die Nachen, Keine Ruderboote, hübsche Dampfschiffe und Motorfahrzeuge: eine lächerliche Flottille, die nun verlassen in der Einsamkeit liegt. Aber man sieht das Bild vor sich, wie die Gefangenen auf sonneilüber­gossener Fläche hier lachten und die kümmerlichen Augen­blicke der Freiheit genossen. Zu seinem Universum hatte der Sultan diesen Garten gemacht. In allen Ecken tauchen die Kioske empor, hohe, deren Kuppeln über die Bäumd

ragen, niedrig«, die sich' im Schatten verkriechen. Einep ragt besonders hoch empor, eitt regelrechtes Observatorium'; hier liebte es der Sultan zu weilen und auf sein Reich! herabzublicken; eilt zweiter Bau war in hoher Lage errichtet; von ihm aus konnte Abdul Hamid die Truppenbewegungen auf dem benachbarten Exerzierplatz beobachten. Unzählige Brücken, winklige Alleen durchziehen den Garten; hohe Hecken-scheiden ihn in unzählige kleine Teile. Jeder dieser! Bezirke hatte fein besonderes Personal, schwarze Eunuchen, die bei Todesstrafe das Nachbargebiet nicht betreten durften. Das Ganze ein Gefängnis von 3400 Meter Länge, in dem! ein jeder seine Zelle von 1520 Meter hatte. Man atmet auf, ivenn man diese herzbeengende Stätte verläßt und den großen Park betritt. In dem großen lauschigen Park mit seinen vierzig Kilometern fahrbarer Wege, den Abdul Hamid sich geschaffen und doch nie benutzte, herrscht die gleiche einsame Stille. Sie wird schtmuden, wenn der Park setzt dem Publikum geöffnet und damit auch seinen schönstem Zauber verlieren wird.

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Vermischter»

* Wer Doktorschmaus. Zur Sparsamkeitsbewegung im der akademischen Welt erzählen die akademischen Monatshefte soeben eine alte hübsche Geschichte: Als der später in Berlin! als Obermedizinalrat und Professor lebende Dr. Rieß von Jena aus an seinen Vater die Rechnung der Promotionskosten, darunter eine Champagnerrechnnng von 80 Talern vom sogenannten Dok°i torschmans sandte, schrieb dieser, ein Hamburger Bäckermeister, sofort an den Sohn zurück:Hochedelgebvrener, hochgeehrter Herr Doktor, hochgeehrtester Herr Sohn! Meinst Du, vermaledeites! Champagnergesicht, daß mir das Geld vom Baume fällt? Ich und Deine Mutter trinken Dünnbier bei Tische und abends ich Ratskeller trinke ich den Wein nicht höher als zu 14 Schillingen, und Du, Gelbschnabel, saufft Champagner? Wenn Du, Bursche, in den vier Wochen, die Du zur Einrichtung Deiner Angelegene heften noch dort bleiben willst, noch einen solchen Schmaus gibst, drehe ich Dir den Hals um, wenn Du nach 'Hause kommst. Uebrigens verbleibe ich mit schuldiger Hochachtung Euer Hoch' wohlgeboren meines hochgeehrten Herrn Sohnes und DoktorA gehorsamster Diener Und Vater. Rieß Bäckermeister."

* Zeitgemäßer Druckfehler. Gärtnergesuch. TAchft tiger Gärtner findet auf dem Hute der Gräfin Spazini lohnende und dauernde Beschäftigung.

Kails der Wachtposten seine Zigaretts, einige Unteroffiziere Hocken vor der Wachtstube und auf dem sonnigen Erdboden schläft friedlich ein Trupp herrenloser Hunde.Ruhe, Nach­lässigkeit und Trägheit beginnen an dieser Stätte zu herr­schen, die gestern noch voll Unruhe und scharf bewacht war. Durch eine kleine Stadt von unregelmäßigen Baulichkeiten, in deren kahlen Räumen vordem die Beamten der kaiserlichen Käuzlei schalteten, vorüber an den Zimmern, wo der Rat der Marschälle tagte und wo tausend Polizeiintrigueu ange­sponnen wurden, führt der Weg zum Ottomauischeu Tor. Alles ist leer und überall die gleiche trüge Stille. Zur Linken führt eine staubige Straße dem Parke zu; ich bleibe im Ringgraben der Festung. Auf einer Rampe sehe ich eine offene Tür. Eine Gruppe mazedonischer Soldaten läßt mich herankvmmen, aber dann sperrt mir ein alb.tuest scher Posten den Weg. Aber nach einigen freundlichen Worten läßt er sich erweichen. Ich trete in die Merrassingärten; vor mir ist der Merrassm-Kiosk, den Abdul Hamid vor zwanzig Jahren für Wilhelm II. erbauen ließ. Wie eine Schweizer Hotelpension sieht er ans, der nur zur Saison geöffnet wird; alles öde und verwahrlost. Aber herrlich W die Lage und der Ausblick auf den oberen Bosporus. Weich dahinter tauchen die ersten Zeugnisse von Abdul Hamids launischen Liebhabereien auf. Es gab eine Zeit, wo der Sultan eine besondere Vorliebe für Schießübungen zeigte; ein regelrechter Schießplatz wurde eingerichtet; hier ckuf der Terrasse ist noch die Einrichtung, mit allem Raffine­ment der Neuzeit ausgerüstet. Nahe dabei liegt ein Laby­rinth von geometrisch abgezirkelten Heckenwegen, ein Irr­garten, dessen lauschige Wege den Spaziergänger immer weiter in die Diesen des Waldes ziehen. Ein Hahnenschrei wird mir zum Führer. In einem hinteren Hose von wunder­lichem Aussehen stehen Käfige; in demselben Gefängnis zwei Wildkatzen und ein paar Rebhühner; daneben eine prachtvolle Angorakatze mit Fasanen. Sie teilen friedlich rhre Behausung; jetzt scheinen sie mir nahe daran, Hungers zu sterben. Die Küche für die Tiere steht offen und leer; seitdem der Sultan die tausend Pfund nicht mehr bezahlte, Die für ihren Unterhalt aufgewendet wurden, wird gefeiert lunb die Tiere hungern. Ueberall sieht man Tauben­schwärme. Ein Gärtner erzählt mir, daß nicht iveniger als 20000 in den Gärten leben. Dicht daneben in einem großen luxuriösen Käfig inmitten blühender Blumen kauern träge 'gleichgültige Kaninchen. Zwei Offiziere finden mich hier.