Ausgabe 
2.1.1909
 
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Ach nhttt, so e Bstsche! Des iS ja' Lall wie e Schwester!" Rv, «o! Des is doch e yääne Nnr-erschlchAe Bos' Ium «ter tzeirvdde!-

Dir Beert iS ä rechter SioMck."

Der SchisfsMg war vorüber. Er bog schon wredfv um bte «ochste Krümmnng des Stromes.

Nu kamt der Rhein Mgehe." . .

Sie standen noch eine Weile. Die Schotten wurden, dichter im Strom, drrr Himmel Urte sich langsam auf, und es schien Klier zu werbe».

Wenn's bloe Himmel werd',. do gibt s noch arge exrost-' Am Neijahrschdag is er zu."

Dann gingen sie heim.

II.

Der Gutjahr-Dcmtpfer hatte doch seineUnhSuger" nicht mehr diä Mannheim geschleppt. Zu schnell toar der Frost gekommen. Darum hatte er sie bei B Ingenabgeworfen", und nun lagen sie dort im Winterhafen mit manchen anderen zusammen, die hierher geflüchtet waren. .

Kleine und große .Kühne, alle mit Wohnkajüten, aus deren Schornsteinen luftig der Rauch in die. kalte Lust auswirbelte. Es ging ganz fidel zu, im Würterh,rsen. Lange dauerte es ja Nicht, das Mißt man aus Erfahrung. Zehn, vierzehn Tage. So lange hielt man's schon aus. Die kleinen EiseNöfen in den Kajüten waren voll Feuerung gestopft, sie glühten rpt und. machten die molligen Stübchen »och- Würmer. Die Frauen machten, sich Besuche, sie liefen geschickt auf bett schmalen Gangbrettern, die von SMff zu Schiff uub ans Land gelegt waren. In den Kajüten wars blink und blank, die Schrankbetten mit dem schönsten Zeug belegt, die Leintücher und Kiffen mit den breiten Spitzen besetzt, die die Frauen in ihren Mußestunden häkelten. An den kleinen Fenstern zwischen den blendendweißen Gardinchen standen Porzellantöpfe mit blühenden Blumen, und auf dem Ofen brotzelten Bratapfel.

Abends erhellten sich alle Fenster, tzarmoiMklcmg drang heraus und lautes Lachen, bis es später dunkel wurde und nur hier und da ein Lämpchen brannte, das dem Schiffer leuchten sollte, tveuir er heimkam aus bett Binger Wirtshäusern. Da mußte sich freilich mancher zusammenraffen, wenn er ungefährdet i über das schmale Gangbord kommen wollte. Dem» der Binger i Wein ist schwer und feurig und süffig zugleich, ein gefährlicher I Gesell.

In der Kajüte derMaria Hendrina von Gock/' war es gut sein. Sie war extra groß und besonders fein, Die Holz­vertäfelung glänzte schön gebohut, und die Bank, die an beiden Seiten entlang lief, tvar glänzend blank. Aus dem kleinen Bor­raum, der zur Küche eingerichtet war, blinkte das gescheuerte Kupfergeschirr, die Messingstange des kleinen Kochherdes und aller­lei Knäufe und Stangenwerk. Auch in der Kajüte selbst tvar' überall Messing angebracht. DaS war des alten van Endert Stolz, er rieb es gern selber blank. In der Hinterwand war das Schrank- hett hoch aufgeüettet, die Einsätze der Kissen und Bezüge waren rot unterlegt und zierlich mit roten Bündchen gebündelt. Eine winzige Meine Luke ging nach außen. Sie war von innen mit einem Holzladen geschlossen, aber wenn die schöne Hendrina van Endert sich am Morgen in ihrem Bette dehnte, dann könnte sie den.Laden öffnen und hinausschiuen über den weiten Rhein, der jetzt gefesselt lag unter dem Eis.

Sie hatte es gut, die Hendrina van Endert. tat die anderen Frauen stütz auf warett, Kaffee kochten, wuschen und scheuerten, lag sie im Halbschlaf. Draußen hörte sie ihren Vater in der Küche hantieren, die Kaffeemühle knarrte, und das Wasser zischte im Kessel. Sie hörte auch ihren Vetter. Beert, wie er mit beit Tassen leise klirrte, und Metthes, den Schisfsknecht, der mit Bürste und Scheuerlappen hantierte. Und dann kam ihr Vater Hera», klopfte an die Tür des Bettverschlags und brachte ihr eine Tasse süßen, starken Kaffee und frisches, fast noch warmes Gebäck, das der Matthes in Bingen geholt hatte. Und sie trank und, und das Gebäck knusperte unter ihren weiße» Zähnen, und ihr blonder Zopf ringelte »eben ihr auf dem Bette wie eine Schlange.

Tann schlief sie noch ein wenig em. Wenn sie auswachte, war es stell in der Kajüte nebenan. Sie schlüpfte hinüber; die deinen Vorhänge waren herabgelassen, alles für sie bereitgo» stellt. Sie zog sich daun taut, langsam und gemächlich. Es war eine schwere Arbeit, ihr Haar zu kämmen,.und; sic murrte jedesmal dabei. Denn in Goch, wo sie wohnte», besorgte das die alte Base, die ihnen den Haushalt führte, und es war ärgerlich, daß sie es hier allein tun mußte. Und an die Tür Mopste ihr Vater ganz leise und fragte, ob sie noch, nicht fertig sei. Sie räumte kamt auf und bettete das Schraukbett auf. Damit war ihr Tage­

werk getan, und sie wurde wie in Goch am Fenster gesessen und etwas gearbeitet und viel Hinausgeschaut haben. Aber in Goch war das langweilig, weil sie alles kannte, und hier gab so viel Neues zu sehen. Sie ging gern mit ihrem Vater oder Beert hinunter nach Bingen, wo es iM Tag für Tag wimmelte von Menschen, die die Vorgänge auf dem Eise beobachten wollten. Zwei Tage war jetzt das Treibeis in kompakter Masse vorüber getrieben. Die Schollen waren riesengroß geworden, sie schoben sich auf- und übereinander, und das Wasser zwischen ihnen war wie eine breiige Masse von kleinen Eksbrocken. Dreimal schon! hatte, sich das. Eis au der Loreley gestellt, dreimal war es wieder dnrchgebrocken. _ ...

Nun wartete man darauf, daß es sich endlich feWellte.

Mert van Endert war mit seinem Onkel an Land gegangen'. Sie gingen den Hasenweg stromab nach Bingen. Der alte »aitz Endert hatte eine dickflanschige Joppe angetan und eine Kapps mit Ohrlappen ausgesetzt, aus der sei» rotes Gesicht mit dem! ausrasierten. Mund und Kinn und dem grauen Holländerbart, der es wie ein struppiger Kranz umWg, listig hervovlngte. Sein Nesse ging neben ihm. Er überragte ihn fast um Kopfeslänge. Auch kein Zug. in seinem Gesicht zeigte eine Aehnlichkeit mit seines Vaters Bruder. Ci: tvar ein bildschöner Mensch, einer von denen, stach dem sich die Frauen aus der Gafse umsetzen, und der den Mädchen Herzklopfen macht. Aber seine braunen Augen - blickten ordentlich tiefsinnig, und er tat kaum den Mund ! auf.

Der alte van Endert sah ihn ein paarmal Prüfend von der Seist an. Einmal setzte er zum Reden an, doch er Hielt wieder inne. Es war sehr still auf dem Hafenweg, der Schnee knirrschtö unter de.» Füßen, und die kalte Mutersonne glitzerte darin wie Milliarden Diamanten. Im Hafen tvar das Eis schon fest utw die Schiffe gefroren, doch vom offenen Rhein her krachten dis treibenden und sich aneinander zerschellende» Schollen.

Tja-a-a!" Der Alte warf das hi» in bem breiten, singen­den Tonfall derNiederländer", der Rheinländer unterhalb Kölns.

Mert uaii Endert warf ihm einen kurzen Blick zu. Dann stapfte er stumm durch den Schnee weiter.

(Fortjetzung folgt.)

In Sicherheit.

Erzählung von Reinhold O r t m a st n. 'Nachdruck verboten.

1.

Vor dem Portal des stattlichen BaMeböudes wartete wie immer auch an diesem Frühlingsabend der elegante Landauer, den beinahe jedes Kind der betriebsamen In­dustriestadt als den Wagen des Bankdireitors Reuhoss kannte. Nach seiner ständigen Gewohnheit war der glückliche Besitzer des vornehmen Gefährts auch heute einer der Letzten, die nach Schluß der Bureaustunden das Gebäude verließen

Leicht und elastisch legte der stattliche, blondbürttgs Mann den kurzen Weg bis zum Wagen zurück und ließ sich in die Polster fallen, nachdem er den vorschriftsmäßigen Gruß des Kutschers mit einem freundlichen Kopfnicken er­widert hatte. ,

Die ehrerbietigen Grüße, die ihm während seiner Henn- fahrt von vielen Vorübergehenden zu teil wurden, legten! I beredtes Zeugnis ab für die Beliebtheit, deren er sich in weiten Kreisen erfreute.

Nach zehn Minuten mirschlen die Gummiräder auf dem Kies des wohlgepslegten Gartenweges, welcher zum Portal der int zierlichsten Barockstil gebauten Billa Neuhofs führte. Der Bankdirektor hatte vor zwei Jahren seiner jungen Frau ein prächtiges Geburtstagsgeschenk mit diesem Hause, gemacht. Aber sie hatte sich desselben nicht lange erfreuen dürfen, denn schon wenige Monate fpäter war sie kurz nach der Geburt eines toten Kindes gestorben.. Ernst Neuhofs hatte seitdem wiederholt die Absicht ausgesprochen, das Haus! zu veräußern, sobald sich ein zahlungsfähiger Käufer fände. I Es. war In der Tat für ferne persönlichen Bedürsinsfe viel zu geräumig, denn er bewohnte nur vier Zimmer im unteren,' Stockwerk, während die reich ausgestatteten Gemächer im. Obergeschoß seit dem Tode seiner Fran beständig verschlossen blieben.

Er hätte den Wagen verlassen und war eben int Begriff, in das Hans zu treten, als ihn zu seiner Neberraschung eine Anrede des Kutschers zurückhielt.

Ich bitte um Verzeihung, .Herr Direktor," sagte der Mann, auf dessen glattrasiertem Gesicht sich deutlich dis Befangenheit spiegelte,aber wenn ich ausgespaunt habe, möchte ich den Herrn Direktor gehorsamst um ein paar Mi­nuten Gehör gebeten haben." -