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„Ms kommst bu denn her?" — fragte sie etwas erstaunt, „komm, ich stelle dich den anderen Mädels vor."
Und so war denn Edeltraut plötzlich mitten in der Gesellschaft. Die junge'n Herren drängten sich heran, so was lebte in erreichbarer Whe von Braunstadt und man hatte es noch nicht zu Gesicht gekriegt!
Marie Anne vermittelte mit mütterlichem Wohlwollen die Vorstellungen bei den MamaS, wo Vorstellung nötig war, und ehe Loysen nur in die Nähe kam, saß Ede'ltraut unter einer dieser alten Eichen, zu ihrer Rechten der junge Prancken, links ein Leutnant ans Braunstadt und vor ihr drei junge Mädchen. Sie fühlte sich inmitten dieser ihr ganz gleichgültigen Meuscyen einfach heimatlos und verlassen. Dazu erblickte sie plötzlich mit Entsetzen jemand, dem sie nie im «eben wieder zu begegnen ge- l-ofst hatte. Es war der Graf (! i flj>v Trauen, den sie auf ihren ersten Ball kennen gelernt und dec ihr vier Wochen spater einen Heiratsantrag gemacht hatte. Ta stand er in seiner kleidsamen Husarenunisorm, an einen Baum gelehnt, und sah unverwandt z>i ihr herüber. Jawohl, zu ihr. Ter Mensch war seit fünf Jahren verheiratet, er hatte Frau und Binder hnd er sah sie an, genau so wie auf jenem ersten Ball. War es ihr damals bei diesen Micken ungemütlich geworden, so enipfand sic jetzt einen förmlichen Ekel. , , r ,
Die Familie Trauen war überhaiipt mehrfach vertreten, denn natürlich war der alte Herr hier und auch Gräfin Henny, die vor einem Jahr einen berühmten Sportsmaun geheiratet hatte, mit dem sie sich beständig zankte und der als Oesterreicher auf den Namen Graf Bubi hörte. Henny schüttelte Edeltraut burschikos die Hand und setzte sich daun auf eine Stuhllehne. Hier balanzierte sie und erzählte von einem Distanzritt, den sie gemacht lMtte, «.gestikulierte, bis die Lehne krachte mein allgemeines Gelächter entstand. Der junge Prancken fing sie m seinen Armen, aus, was sie sich denn auch ganz ruhig gefallen ließ.
Edeltraut gab sich redliche Mühe, dies ergötzlich und das Himbeereis labend zu finden, aber es wollte nicht gelingen. Immer stahl sich ihr Blick zu Anne Marie hinüber, die fein und blaß-, bläulich schillernd wie eine Libelle ganz abseits auf einem Streck stuhi saß und mit weltentrücktem Gesicht in die Baumkronen
Durch einen Spalt im Menschenwall konnte Edeltraut auch Loysen sehen und den griechischen tzaarknoten und die wundervollen Schultern der Valois. Eine nie gekannte Mtterkeit erfüllte ihr nie Hausfrau ging vorüber und fragte, ob Tennis gespielt werden solle. Nein, dazu war es doch viel zu heiß — ganz nn- möglich. Auch der unternehmungslustigste Backfisch duckte sich im Schatten. Nun kam Loysen näher — die schöne Ada immer! an seiner Seite. Edeltrant sah, daß er in sie hineinsprach, eifrig, dringend, bittend und wie sie nur immer den Kopf schüttelte. Ihre tiefe tönende Stimme drang bis herüber, aber verstehen konnte man-sie doch nicht. .
Mein Himmel!" — sagte Gräfin Henny plötzlich hell aut- I lachend, „Papa wird ja der Schlag rühren! Unsere öennoitta weife auch, wo die schönen Männer wachsen, wie ich sehe . . . I Tu wirst dich für Papa duellieren, Bubi, das erwarte ich von dir.
„Mit Vergnügen, wenn du mir sagst, wen du für einen schönen Mann erklärst." . .
I „Natürlich Freund Loysen. Er hat sich m Afrika in em er Weise cnibelliert .... verblüffend. Gut sah er immer aus, retzt
I aber mit dem sonnenbraunen Kvpf und der rassigen Gestalt
I einfach elegant." „
„Ich werde die. Pistolen holen, aber nicht nur für Papa, ma I sernme, auch für mich."
Tas erregte stürmische Heiterkeit.
lFortsetzung folgt.)
3um Mai.
Ter „Wönnemvnat" Ijält morgen seinen Einzug, mit feinem ganzen Troß von singenden Vögeln und wenigstens einigen driftenden Blumen. Tas bisher noch schwache und zarte Fruhlingskrnd muß ja nun doch bald zu einein kräftigen, anmutigen >emig- linge heranreisen. Zwar muß er auch noch den Kampf mit den abziehenden winterlichen Reifriesen ansnehmen, wenn vom IT. Vif 13 Mai die gestrengen Herren Mamertus, Pankratius und Servatius ins Land ziehen und mit eisigem Hauche über die frischausgrünende Erde einen weißen Hermelin werfen; doch meist nur kurze Zeit dauert der ungebetene Besuch der unwillkommenen Gäste. Dann erstrahlt, wenns Jupiter Pluvius nicht anders will, die Welt in mildem Fvühlingslichte; von allen Zweigen fällt blendender Blütenschnee; die Triiten erglänzen im Istngm,
grenzenden Eichen toasten Bänke uiid Tische und ein Zelt, in I ivelchem die Erfrischungen gereicht werden sollten, aufgestellt. 1 Bunte Kissen lagen auf den Bänken, bunte Decken auf den Tischen. Tie beiden großen Springbrunnen waren zu voller Wasserkraft geschraubt und verbreiteten eine erquickende Kühle. Tie Spielplätze waren hergerichtet, ■ aber die Damen kamen überein, daß I f§ wohl zu heiß zum Spielen sein werde. Diese Damen waren noch immer allein, Recknitz und Loysen waren noch nicht wieder zum Vorschein gekommen. Anne Marie -und die Balms saßen ! im Schatten eines Baumes unb fächelten sich Kühlung zu, die I Recknitz; echauffiert und etwas atemlos, leitete die Vo.rrich- I tungen, wobei ihr Edeltraut hilfreich zur Lette stand. Der war cs 'eine Wohltat, sich regen, ettvas tun zu können, und da sie die Erlaubnis erhalten hatte, war sie sowohl im Freien wie in bet Küche und im Keller tätig, wo die verschiedenen Eis- formen, Gelscs und Crsrnes ihrer Bestimmung harrten.
Endlich erschien auch Recknitz im Garten, dehnte sich und I sah heiß und etwas beschämt ans, denn er hatte viel länger I geschlafen, als sonst nach dem Essen.
„Wo ist Helmuth?" — rief Marie Anne, die gerade, ge- | folgt" von zwei Dienern mit Tellern und Gläsern, über den | geschorenen Rasen nach dem Zelt schritt.
„Weife nicht. Denke, er ist bei euch." . .
„Alter, du hast kolossal lange geschlafen, ich glaube zwei Stunden, sind denn die Zigarren in Ordnung und die Whist-- I tische?" I
„'Jia, wir wollen mal sehen. Geschlafen habe ich übrigens I gar nicht, nur so mal ’n Nicker gemacht." .
„Himmel, da kommen ja schon die Ellenhelms! Natürlich — I ben Wagen kenne ich doch . . . und eine halbe Stunde zu früh. I ^Nachdem die Hausfrau ihren Gefühlen auf diese Weise Lust gemacht hatte, ging sie den Gekommenen mit dem liebenswürdigsten Lächeln entgegen.
In diesem Augenblick trat Loysen aus dem Hause. Er war lischt nur rechtzeitig wieder zurück, er hatte auch Zeit gefunden, | sich völlig umzuziehen, und da er zu jenen gehörte, die bei großer Hitze erblassen, so sah ihm auch niemand sein Reiterstück an.
Er sah sich um und um. Von Edeltraut war nichts zu cr- blicken, statt deren kamen die Ellenhetms heran, und fast zu gleicher I Seit stand die schöne Valois an seiner Seite. Sie stand borst so, | als nehme sie die ihm überreichlich gespendete Bewunderung semcr | Taten, die Glückwünsche und Huldigungen mit an.
„Nicht wahr?" — sagte sie langsam, „nicht wahr, man kann I stolz sein?" I
Unb bann kamen alle bic anbereit. Voran bie Prauckcus, I die nächsteii unb getreuesten Nachbarn, die Bessenborfs, bie Rietelns, ! unb wie sic alle hießen. Sie bilbrten alle einen dichten Kreis um den heimgekehrten „berühmten Mann", sie begrüßten ihn mit I einer überschwenglichen Beflissenheit, die nicht dem KvwNialoffizier, I sonbern bem Witwer galt. Das besagte so viel, wie: Sv, du bist nun wieber unter uns aufgenommen. Deine Vergangenheit streichen wir. Du hast bas unerhörte GM gehabt, bet der Sache mit einem blauen Ange davonzukommen, sie kann begraben und vergessen werden.
Loysen fühlte das nur zu deutlich, fein Nacken steifte sich und mit einem unbeschreiblich hochmütigen Ausdruck stand er da, ganz kühle Abwehr. Aber barum kümmerte sich niemand. Das 1 War ein Lachen unb Glückwüiischen und Händedrücken ohne Eilde. Auch bie jungen Damen drängten sich heran unb dekorierten ihn mit Eichenzweigen unb von ben nächsten Lorbeerbäumen abgerissenen Blättern. So zog man auf bic Sitzplatze unter ben alten Eichen, unb Loysen immer in der Mitte der liebenswürdigen Nack>- barn unb Aba Valois immer an seiner Seite, gönnerhaft gnädig auf bie jungen Mädchen herablächelnd — unb er liefe alles über sich ergehen, doch während er antwortete unb Schmeicheleien abwies, schweifte iciu Mick immer suchend umher, .bis er fand, was er suchte. Dort, vom Schlosse her, kam sie, gefolgt von dem jungen Schwarzen, der sich merkwürdig schnell in Barbes ein- gelebt hatte und bereits in Livree steckte. Er trug ein großes Tablett mit Erfrischungen, sein Erscheinen erregte Aufsehen, man erfuhr, daß der Rittmeister ihn mitgebracht Hatte, unb alles ries und iärmte durcheinander. Dann aber entstand ein Stutzen und Fragen. Wer war denn die junge Dame in Weiß? flüsterten einige.
„Ach, tut doch nicht so," sagte Erna Rieteln, „das ist doch die Haide."
„Na, erlauben Sie mal, Fräulein Erna," sagte die Beisen- dorf, „wie soll man denn wissen? Diese Haides sind in ner Gegend nachgerade zu einem Mythus geworden."
Erna ging Edeltraut entgegen unb schüttelte ihr die Hand.


