Ausgabe 
27.6.1908
 
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daß

Arten schon in sehr alter Zeit in Nordeuropa bekannt waren: sie sind gemeinsamer Besitz der Jndogermanen. Zwei weitere Arten sind sogar den Germanen eigen: Hafer und Roggen. Strittig ist die Frage beim Dinkel: seine Kenntnis läßt sich für die Völker des klassischen Altertums vor 300 nach Christi nicht Nach­weisen: dagegen ist der Emmor bei ihnen die allgemein ver­breitete Frucht. Daraus darf man schließen, daß der Dinkelbau für die schwäbisch-allemannischeu Germanen charakteristisch ist, bei denen er aber auch sehr alt ist: schon in der Bronzezeit ist er bei den Pfahlbaucrn auf der Petersinscl gefunden, und dem entspricht auch die heutige Verbreitung. Zur endgültigen Klärung der Frage sind jedoch noch mehr Funde nötig. Darum drückte Dr. Gradmann den Wunsch aus, cs möge bei den Funden aus dem Altertum künftig auch auf die botanischen Fragen geachtet werden, da ein einzelner Fund die verworrensten Streitfragen lösen könne.

* Die Abnahme der menschlichen S t i m m k r a f t. Eine Anzahl Londoner Äerzte und Gesangspädagogen haben in den Schulen der englischen Hauptstadt Beobachtungen über die Stärke der menschlichen Stiminkraft angcstellt, deren besorgnis­erregende Resultate die Mvrningpost veröffentlicht. Danach scheint sich die auch sonst schon von 'der Wissenschaft ausgestellte Be­hauptung zu bestätigen, daß die menschliche Stimmkraft int Laufe der Jahrhunderte zurückgcht: anstatt sich ztl veredeln, ihre Har­monien zu steigern, und an Wohlklang zu gewinnen, zeigt sie alle Symptome zunehmender Erschlaffung und fortschreitenden Ver­falls. Der stetig wachsende Lärm im Zeitalter der Technik, wo das Brausen der Maschinen und das Rasseln der Bahnen die Ge­räusche steigern und die Menschenstimme übertönen, sind auf die verschiedenen Organe, deren Zusammenwirken die Stimme her- vorbriugt, anscheinend nicht ohne Einfluß geblieben: jedenfalls ist ein stetig fortschreitender Verfall der Stimmorgaue unver­kennbar und wird durch umfassende vergleichende Untersuchungen erwiesen. Die mangelnde planmäßige Uebung der Stimmorgane bat bei der überwältigenden Mehrheit der vorgenommenen Unter» suchungen zu unverkennbaren Deformationen in beit Größcvcrhalt- nissen der einzelnen stimmbildenden Faktoren, der Lunge, der Zuitge und des Kehlkopfes geführt. Die meisten Londoner Schüler können nicht allein nicht singen oder fehlerfrei rezitieren: ihre Sprachwerkzcuge sind sogar allen Anforderungen der Mutter­sprache nicht mehr gewachsen. Unter 3000 Schülern, die ein Arzt beobachtete, fanden sich nur zwei, die von Mussprachefehlern völlig tret waren. Diese Symptome sind bedeutsam genug, um dies Problem einer systematischen. Uebung und Entfaltung der Stimmorgane in den Mittelpunkt des pädagogischen Interesses zu rücken Der amerikanische Professor und Stimmlehrer Pegram hat darauf hmgewresen, daß die meisten Stimmschäden mit einer mangelhaften Anwendung der Stimmorgane zusammenhäugcn; sie uotlgcn zu einem gesteigerten Kraftaufwand, der die Organe zn- gletch überanstrengt und schwächt. Diese Erscheinung ist überall zu beobachten und hat ihre entscheidenden Ursachen in einer mangel- hatteu Benutzung der Sltmungsorgaue. Richtig atmen, das heißt das Zwerchfell sich regelmäßig heben und senken lassen, so daß tm Brustkasten eine Leere entsteht. Die Mehrzahl aller ungeübten Sprecher und Sanger arbeiten instinktiv mit einem viel zu großen Lusiautwand, d. h. mit viel mehr, als nottätc, um die Stimm» «rüder in Schwmgungeu zu versetzen. Man kann darauf die Probe^ machen, wenn man beobachtet, wie viel leichter und klarer der Lummklang sich bildet, wenn alle überflüssigen Muskel- komrakiionen vermieden werden. Eine planmäßig gebildete At- «ung hat zudem ihre unschätzbaren hygienischen Vorzüge: sie tst das beste Voroeuginigsmittel gegen die Kehlkopfentzündung und -t-rvnckylts .jn England erheben sich gewichtige Stimmen, die I öer Einführung einer geregelten Stimm- und Atembildung in | ben Schulen, insonderheit in den Volksschulen, das Wort reden und daraus bringen, daß die Heranwachsende Jugend durch regel- maßigc Uebungen zur Entfaltung, Pflege und Beherrschung ihrer I Stimmittel erzogen werde. I

WarrderuttgLtt.

9i an en ft eins We g e - M a rk i e ru n g s k a r t e vom are n a. n u § mit Rhein- und L a h n ta l sowie g r o s> en T e t le n des West er Walde s. Diese in ßu'p r ^^orrndruck hergestellte Karte reicht von

rrnr,r e 6 t£>, M a,nz, von Münzenberg b is hiffnV 5 i- unb ro Brru?gt i>ter getarnten Wegemarkierungen btetc^ großen Gebietes auf einer klaren und über»

»...Kompliment. Brown:Ich behaupte, tz»ß .lurd: inemer zum Beispiel hat ebenso viel wre, ich selber." Burton:Aber Mensch, das be- weist doch nicht, daß er intelligent ist."

Zarte Aufforderung. Er:Wenn ich wüßte, daß Nlemand zuguckte, mocht' ich dich für mein Leben gern mal kBlcn. , Sie:Soll ich die Augen zumachen?"

Schwiegermama:Sv oft ich komme, lebt ihr ?nt ^reit.' Schwiegersohn:Warum kommst auch so ost r

jlchtl'chen Karte m den Ongmalfarben. Für das zur Dar­stellung gebrachte Gelände waren seither 5 verschiedene Karten notig; dabei fehlte aber das sehr wertvolle Gesamtbild des Jn- einandergreifens der einzelnen Routen. Ganz besonders kann diese Karte für Wanderungen durch den ganzen Taunus empfohlen werden. Bezogen werden kann die Karte durch alle Buchhand- 11rit Ar*rt } }

Für «ufere Frauen.

DaS Newyorker Morgen-Journal gibt einige Aeußerungen bet amerikanischen Schauspielerin Olga Nethersole über Ehe und Mutterschaft als höchstes Glück der Frau wieder. Es war em Vortrag überDie moderne Mutterschaft" gehalten worden, und das erwähnte Blatt sandte ein Mitglied feiner Redaktion zu Olga Nethersole, um bereit Meinung über den Vortrag zu hören. Die Dame sagte:Der Star eines Heims zu ikm^.dor Gatte und Kind als Auditorium zu spielen, ist ein glücklicheres und besseres Leben, als der Star einer Bühne zu jein und den Applaus von Tausenden zu erringen. Wenn ich mein Seben noch einmal zu leben hätte, möchte ich lieber eine Gattin nnb Mutter sein, als auf der Bühne oder in einem anderen Beruf Ruhm zu erringen. Ich habe die natürliche Freude, das Recht und Privilegium jeder Frau geopfert. Wofür? Für einen geld- ctn&rtngenben Platz auf der Bühne. Eine kinberlose Frau lebt ein kürzeres Leben als die Frau, welche ihren Lebensfaden in «m Leben eines anderen Wesens fortspinnt. Nicht allein meine leiblichen Schwestern, sondern meine weltlichen Schwesterir, welche geheiratet haben, haben mehr vom Leben als ich." Fräulein Nethersole sprach im übrigen die Ansicht aus, daß der heute sich bei ben Frauen geltend machende Wunsch, es im Gelderwerb, in Beruf und Gewerbe dem Manne gleichzutun, sich bald wieder ui die alten Bahnen zurückbegeben und die Frau in Ehe und Mutterschaft ihre wahre Bestimmung und ihr höchstes Glück wieder.- erkennen werde.

Litcrsitrr.

.r- Wohnungs-Dekoration. Illustrierte Monats­schrift für Inneneinrichtung und Ausstattung usw. Herausgegeben von Carl Koch IV. Jahrgang 1908. Abonnementspreis 10 Mk für 12 illustrierte Hefte pro Jahr. Einzelheft 1 Mk. Verlag' üon Karl Koch, Berlin S W. 68. Von dieser vornehm aus­gestatteten Zeitschrift liegen uns die ersten 5 Hefte (Januar-Mai) vor. Die Abbildungen find meistens sehr großen Formates nnb Vollblatter nnb behandeln das Gesamtgebiet der Jnnen-Einrich- tnng und -Ausstattung von Wohnräumen aller Art. Interessante Textbeiträge wieDer prächtige Ban Nord-Amerikas",Tie Kunst der Straße",Japanische Dekorationskunst in Paris",In spa­nischen Wohnungen",Der Raum als Kunstwerk",Kultur der Wohnung",Dekorative Kunst Frankreichs" tragen zur Belebung des Ganzen bei. Die Zeitschrift bringt ein reiches Vorbilder- Material und sei jedem, der mit der Jnnen-Dekoration zu tun hat, ober in Verbindung steht, empfohlen.

Goldene Worte.

Erziehung ist das größte Problem und das schwerste, ivas dem Menschen kann aufgegeben werden Denn Einsicht hängt von der Erziehung, und Erziehung hängt ivieber von der Einsicht ab.

Raut.

Das aber ist als das höchste zu achten, Die Menschen kennen und sie nicht verachten.

*

Der Tät'ge nur, der froh vollbringt, Was ihm als Pflicht beschiedcn, Fühlt, wenn die Feierglocke klingt, Auch wahre Ruh' und Frieden.

Silbenrätsel.

Ans folgenden Silben:

bers, ea, e, e, eit, gcr, Hein, i, ka, la, leut, itant, ne, noS, pen, raub, rho, rieft, ro, sa, fee, seß, truch, wem

sind 11 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, im Zusammenhang etwas bezeichnen, was der Stadt Gießen fehlt.

Die 11 Wörter bedeuten: 1. Schriftsteller, 2. milit. Grad, 3. Stadt, 4. Vornamen, 5. Amt, 6. Fluß, 7. Kaisernamen, 8. Ver­brechen, 9. Schloß, 10, Vornamen, 11. Stadt. ttb.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung be§ Biichstaben-Umtaitschrätscls in vor. Nummerr

1) Bahn 5) Hohn 9) Verne 13) Uber

2) Eder 6) Aal 10) O elfte 14) Lage

3) Regen 7) Reich 11) Nied 15) Ohr

4) Nudel 8) Dach 12) Born 16) Wort

1 16) Ber ii ft arb von B ü l o w.

Rebaltion: P. Wi ttko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange, Gießen.