259

II. Die Spieler.

2. Tie Spieler, etwa 12 ans jeder Seite, bilden zwei Parteien, deren jede ein Mal besetzt.

III. Die Aufgaben der beiden Parteien.

3. Tas Ziel des Spieles ist, durch Berühren (Schlagen) mit de« Hand einen Spieler der Gegenpartei, welcher früher aus­gelaufen war, zum Gefangenen zu machen.

Tie Gefangenen stellen sich am Gefangenenmal auf und können hier von den Ihrigen durch Berühren mit'der Hand befreit (erlöst) werden. .

Sind von einer Partei 3 Gefangene gemacht und von den Gegnern nicht wieder befreit worden, so hat sie das Spiel gewonnen.

IV. T ie Spielreg eln.

4. Eröffnung. Das Spiel wird dadurch eröffnet, daß ein Spieler ins Spielfeld vorläust und einen Gegner damit eben­falls zum Auslaufen reizt, ihnlockt",fordert". _

Werden die Parteien durch Wahl gebildet, so lockt das erste , Mal diejenige Partei, welche zuerst gewühlt hatte. Später fordert inlmer die Partei, welche gesiegt, einen Gefangenen erhalten oder befreit hatte. ,, , ,, , , , z

Stockt das Spiel, so fordert die Partei, welche den letzten Vorteil errungen hatte. ' ,

Bei Wettspielen losen die Parteien um das Mal. Dre Partei, der dabei die Wahl der Spielseite znfällt, hat auch den ersten Läuse« vorzuschicken. v ,,

5. Hauptregel. Jeder später , ausgelaufene hat das Recht, jeden früher ausgelaufenen Gegner durch einen Schlag mit der Hand zum Gefangenen zu machen.

Der Schlag muß innerhalb des Spielfeldes erfolgen.

Ter Schläger ruft, sowie er getroffen hat,Halt!"

Anm. 1. Als ausgelaufen gilt jeder, der nicht mindestens mit einem Fuße auf oder hinter seiner Mallinie steht.

Anm. 2. Ein Schlag aus dem Male heraus, ohne daß der Schläger also ganz ins Spielfeld vorgegangen ist, ist ungültig.

Anm. 3. Bei der Einübung des Spiels empfiehlt es sich, um die Spieler an das Rusen zu gewöhnen, den Schlag nicht gelten zu lassen, wenn der Schläger gar nicht oder nicht ver­nehmbarHalt!" gerufen hat. ~ .

6. Läuft ein Spieler über die Seitengrenze aus dem spiel- felde hinaus dies ist der Fall, wenn er mit beiden Füßen außer­halb des Spielfeldes >var, so wird er dadurch Gefangener, wenn die GegenparteiRaus!" oderHalt!" ruft. .

Ueberschreiten mehrere Spieler hintereinander etwa der Verfolgte und der Verfolger die Seitengrenze, so gilt nur der erste als gefangen. , ,

Anm. Sobald die Grenzen nicht deutlich slchtvar sind, sollle der RufRaus!" sehr vorsichtig gebraucht werden.(vergl. Reg. 11). In zweifelhaften Fällen, bei nur geringem Ueberschreiten der Grenze, gibt cs sonst leicht Streitigkeiten.

7. Ter Gefangene must mit dem linken Fuß am Gefangenen­mal stehen. Es steht immer nur ein Gefangener; der erste kehrt zum Mitspielen z« seiner Partei zurück, sobald sich der zweite stellt, wird jedoch von den Gegnern auch fernerhin als Gefangener mitgezählt. z M .

A n in. Bei warmem Wetter können auch alle Gefangencn stehen. Der zweite stellt sich dann mit seinem linken Fuße an den rechten des ersten und erfaßt dessen Hand. . .

8 Die Erlösung der Gefangenen geschieht dadurch, daß ein Spiel- r, ohne selbst geschlagen worden zu sein, den Gesangenen berührt. Er ruft dabei laut:Erlöst!" oderHalt!"

Anru. 1. Steht nur einer von zwei Gesangenen, so gelten beide für befreit, falls jener richtig stand. Stehen beide Ge­fangene, so ist keiner von ihnen befreit, falls einer tm Augen­blicke des Erlösens falsch stand. .

A n ni. 2. Der Gefangene darf dem Befreier Arm und Hand entgegenstrecken, darf aber nicht die deckenden Spieler irgendwie behindern oder den linken Fuß von feinem Male entfernen. .

9. Beendigung eines Spielganges. Tas Spiel ruht, sobald ein Gefangener gemacht oder befreit ist. Desgleichen nach jedemHalt!",Raus!" -oderErlöst!", auch wenn sich kein Gefangener zu stellen hat. Alle Spieler kehren dann in ihr Mal zurück. Die Partei, die den Vorteil errang, eröffnet den neuen Gang durch Vorschicken eines Läufers.

10. Durchlaufen. Es ist jedem Läufer gestattet, sich, falls ihni die Rückkehr zum eigenen Male zu gefährlich erscheint, in das gegnerische zu flüchten. Gelingt ihm dies, ohne daß er geschlagen wird, so hat er außerhalb der Seitengrenzen ins eigene Mal zurückzukehren. Das Spiel erleidet durch einen solchen Vor­gang keine Unterbrechung. ,

Betritt derjenige, welcher durchgelaufen ist, das Spielfeld von de« feindlichen Mallinie oder von den Seitengrenzen aus, was ihm gestattet ist, so hat er keinen Schlag und kein Recht zum Erlösen, kann aber' selber von jedem Gegner geschlagen werden, de« später, also nachdem er das Spielfeld wieder betreten hat, regelrecht von der Mallinie aus ins Spielfeld läuft.

11. Bestrafung falschen Rufens. Wer ohne durch die Regeln bedingte VeranlassungHalt!",Raus!" oderEr­löst!" ruft und dadurch fälschlich das Spiel zum Stocken bringt, hat sich als Gefangener zu stellen.

Anni. Es ist danach also jeder gefangen, derHalt!" oder .Erlöst!" ruft, ohne getroffen oder den Schlag zu haben.

12. Gleichzeitigkeit. Wird gleichzeitig von derselben Partei sowohl geschlagen wie auch erlöst, so kann sie wählen, ob sie das eine oder das andere will; doch darf sie nicht beides er­halten.

Macht dieselbe Partei gleichzeitig mehrere Gefangene, so darf sie wählen, welchen sie nehmen will. Mehr al3' einen Gesangenen kann sie jedoch nicht beanspruchen.

Machen oder erlösen beide Parteien gleichzeitig Gefangene, so gelten beide Vorteile als nicht errungen:es geht aus".

13. Entscheidung bei Z w e i fe l l l e n. Tie Ent­scheidung in allen Zweifelsällen steht bei Wettspielen dem Schieds­richter zu. Für Uebungsspiel empfehlen sich folgende Regeln:

Ob getroffen ist oder nicht, entscheidet der Schläger. Er allein kann in allen Fällen mit Bestimmtheit angeben, ob sein Schlag getroffen hat. Der Geschlagene braucht den Schlag nicht immer zu empfinden, da auch Kleidungsstücke getroffen sein können.

Ter Geschlagene gilt nicht als gefangen, wenn nicht fiepe« feststeht, ob er zur Zeit des Schlages sich noch innerhalb des Spiel­feldes befand oder bereits das Mal erreicht hatte; wenn nicht sicher feststeht, daß der Schlager den Schlag hatte, und endlich, wenn cs zweifelhaft ist, ob der Schläger richtig ausgelaufen war oder aus seinem Male heraus geschlagen hatte.

14. Beendigung des Spiels. Die Partei, die zuerst 3 Gefangene macht, hat gewonnen. Gefangene, welche wieder be­freit wurden, zählen nicht mit.

Nach jedem Spiele werden die Male gewechselt.

Gesiegt hat die Partei, die in der verabredeten Spielzeit die meisten Spiele gewonnen hat-

Der Bauer und die alte Tasche.

Wir lasen in derBoss. Ztg.":

Schon wollte sich der Mitiagspcrsoncnzug von Breslau nach Liegnitz in Bewegung setzen, als noch ein alter Bauer in ein Abteil dritter Klasse kletterte, dessen Insassen ihm bereitwilltgst Platz machten. Lächelnd ließ er seine treuherzigen blauen Aiigcn über feine Reisegefährten gleiten und bemerkte, sodann:-.as war wirklich noch ein großes Glück, meine Herren, daß ia> den Zug erwischt habe. Meine Alte hätte sich zn Aobe geängstigt, wenn ich nicht zum Abendbrot daheim gewesen wäre." Die Insassen des Abteils hatten mit gutmütigem Lächeln diesen Erguß ausgenommen, und dadurch ermutigt, erzählte das Bäuerlein weiter, daß er in der Stadt auf dem Markt gewesen sei und hier seine Butter verkauft habe. Die Leute hätten ihm aber gesagt, seine Butter wäre nicht ineh-r so gut wie früher. ,,^a, meine Inste wird alt", fuhr er mit traurigem Kvpfschüücln fort, sie wird alt; aber so alt ist sie doch noch nicht, daß sie nicht mehr neugierig wäre. Und heut hab ich lvas gefunden, worüber sie sich den Kopf gehörig zerbrechen kann."Was haben eie denn sur einen merkwürdigen Fund gemacht?" fragte der Herr gegen­über. Es war das ein großer hagerer Mann, dellen Augen List und Verschlagenheit verrieten. Ehe das alte Bäuerlein ihm auf seine Frage antwortete, sah cs sein Gegenüber erst lange und aufnierksam an, dann holte es eine kleine recht verbrauchte schwarze Handtasche hervor, deren metallene Telle mit Rost vcdeckt waren. Die geheimnisvolle Miene, die der Alte aimahm, erregie die Neugier seiner sämtlichen Reisegefährten, die sich alle vor- beugten, als er die Tasche setzt öffnete und aus ihrem ^nnern ein großes längliches, in Wachstuch gehülltes Paket zum Vor­schein brachte. Langsam und bedächtig packte er es ans, und nachdem er zahlreiche Ninschlä-ge entfernt Hatte, wurden endlich zwei Blatt Briefpapier sichtbar, die über und über mit seltsamen Schriftzügen in einer dunklen rotbraunen Färbung bedeckt waren. Ta, meine Herren!" rief er mit vor Aufregung bebender Stimme. Sicht das nicht aus, als wenn cs mit Blut geschrieben wäre, wie man so oft in Geschichtenbüchern von Pakten mit dem Bosen lieft?" Diese Aeußerung erregte das Gelächter der Zuhörer, von denen mancher freilich sich beim Anblick dieser sonderbaren Schrcft- zeichen eines geheimen Schauers nicht erwehren konnte. Aue auf seine Kosten entstandene allgemeine Heiterkeit ärgerte aber den Mann augenscheinlich, und rasch steckte er das Paket wieder weg. Wer zuletzt lacht, lacht am besten", sagte er daverVielleicht hat das Zeug doch für jemand Wert, und der wird sich dann schon bei mir für meine Bemühungen abfinden. Wenn zufällig eine« der Herren, von jemand hören sollte, der eine kleine Mvarze Tasche verloren hat, so seien Sic so gut und lassen Sie Mich das wissen. Jeden Montag mittag um 12 llhr können Sie mich ut der Stadt imRoten Ochsen" treffen. Wenn ich meine Butter verkauft habe, frühstücke ich dort." Schon aus der nächsten Station stieg der Alte aus, nachdem er sich noch vergewissert hatte, daß cn dem Korbe, in dem er feine Butter zu Markte gebracht hatte, letzt wohl verwahrt seinmerkwürdiger Fund" ruhte. Nach cungen Vagen -richten in der Zeitung folgende Ankündigung:500 Mark Be­lohnung! Verloren wurde eine kleine schwarze Tasche, rn der sah Papiere befanden, die für nieniaud als für den Eigentümer Wert haben. Obige Belohnung erhält der ehrliche Finder, der die Tascye mit ihrem Inhalt zurückbringt an Doktor Georg -schuler, Kaiscr- straße 159." Als sich am nächsten Montag mittag unser Bäuerlein sein Frühstück imRoten Ockfen" schmecken ließ, trat wie von