Ausgabe 
25.3.1908
 
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Ver>sE<KLes»

* Men f chen fre f fen d e Löwe n. Der Oberstleut­nant I. §. Patterson, ein kaum vierzigjähriger Stabsoffizier, der sich im südafrikanischen Kriege mehrfach ausgezeichnet hat, tat ivährend der ersten Zeit des Bahnbaues in Ostafrika Dienst. Damals, Anfang 1899, waren die Arbeiten tatsächlich aufgehalten worden, weil jeden Augenblick Löwen die Ar­beiter wegfraßen. Oberstleutnant Patterson schildert die Vorgänge in einem anziehenden Werk. Die Löwen nahmen 28 Indier nachts aus den Betten in wohlumzännten Kraalen, sogenannten SeribaS, heraus und schleppten sie davon; außerdem fielen ihnen Dutzende von Eingeborenen zum Opfer, so daß man annahm, die Tiere nährten sich nur voll Menschenfleisch. In der ganzen Gegend von Tsavv herrschte Schrecken unter den Eingeborenen, die doch an das Treiben wilder Tiere geivohnt waren. Die Leute glaubten, es seien Teufel, die durch einen Zauber gefeit seien. Die Löwen pirschten nach dem menschlichen Wild mit der Gewandtheit erfahrener Jäger und fanden ihre Opfer, auch wenn diese sich auf Bäumen in einem Gehege sicher glaubten. Einmal stürmten sie eine Bahnstation und versuchten, eine fest­verschlossene Tür anfzubrechen, hinter der sie einen Men­schen witterten. Auch Feuerbrände vermochten sie nicht mehr einzuschüchtern. Wenn sie einen Mann unter einem Dutzend anderer anfgeschnappt hatten, liefen sie mit ihm davon wie die Katze mit einer Maus, schleppten ihn durch sorgfältig aufgebaute Dornkraale und legten ihn dann kaum dreißig Meter von seinen schreienden und kreischenden Ge­nossen, die im Dunkeln aufs Geratewohl nach der Richtung feuerten, von wo sie das Knacken der Knochen vernahmen. Das Gewehrfeuer ließ sie so gleichgültig, daß sie erst davon­liefen, nachdem sie ihren ersten Hunger nach menschlichem Fleisch nnd Blut gestillt hatten. Als mau nach einiger Zeit eine Höhle fand, in der zwei der Löwen hausten, denen man die meisten Opfer zuschrieb, fand Oberstleutnant Patterson eine wahre Schädelstätte mit Massen von Knochen und Haar und den bekannten Ringen, welche die indischen Kulis tragen. Als einmal zwei Löwen einen entschlossenen Versuch machten, in das Hans des Wegebäuinspektors einzudringen, wurde vor dem Hause eine Falle hergerichtet, nm Patterson Ge­legenheit zu geben, die Räuber zu erlegen. Er setzte als Lock­speise zwei ausgewachsene Ziegen hin, die zusammen über 200 Pfund wogen, und verbrachte die Nacht auf dem Anstand. Erst gegen Tagesanbruch erschien ein Löwe, sprang sofort auf die eine der Ziegen los und schleppte sie mitsamt der schweren Eisen falle, die an ihm hing, davon. Diesmal entkam das Untier. Der Zwischenfall dient zur Veranschau­lichung der außergewöhnlichen Stärke der Löwen. Sie trugen einen Mann im Rachen davon und sprangen dabei über die größten Hindernisse anscheinend so leicht wie eine Katze mit einem Sperling >.m Maul. Allnächtlich, trotz der übermenschlichen Anstrengung Pattersons, erschollen plötz­lich aus dem einen oder anderen Teile des Lagers Angst­schreie, und jedermann wußte sofort, was das bedeutete; die zunächst lagen, konnten genau merken, wie weit der Löwe mit seinem grausigen "Mahle war. Ganze Nächte, Wochen hintereinander, verbrachte Patterson auf dem An­stand, um tagsüber auf die Pirsche zu gehen, allein die wilden Bestien ließen ihn nicht herankommen. Andere Jäger fanden sich aus verschiedenen Teilen des Landes ein, alle Mittel und Künste wurden versucht, doch ohne Erfolg, bis endlich, wie Selons bemerkt, die Schreckensherrschaft der Löwen dank der Unermüdlichkeit, Unerschrockenheit und Entschlossenheit Pattersons gebrochen wurde, be;feit Taten ein Indier in begeisterten Versen beschrieben hat.

(Köln. Ztg.)

Literatur.

Die Rechte der Tiere. Von Henry S. Salt- Ueberfetzt von Professor D r. Gustav K r ü g e r. Heraus» gegeben von der Gesellschaft zur Förderung des Tierschutzes und verwandter Bestrebungen. Berlin W. 57 112 Seiten. 60 Pfg. Die Schrift bietet einen guten Ueberbliek über die wichtigsten Ziele der sogenanntenradikalen Richtung" der Tierschutzbewegung. In 8 Kapiteln bespricht Sait die Grundsätze des Rechtes der Tiere, die Behandlung der Haustiere und der wilden Tiere, das Schlachleii, die Jagd, die Tierquälerei zu Riodezwecken, die Vivisektion und die Grundlinien der llingcstalluug.

Freuds» eines Steuerzahlers.

Es ist bestimmt int hohen Rat, Tab man von Allem, was man (jaL

Gibt Steuern.

Du zahlst von jedem Gegenstand

Ein Pflichtleik deinem Vaterland, Dem teuer»!

Du ißt und trinkst ein Gläschen Wein,

Tu rauchst in deinem Kämmerlein

So einsam,

Es steht der Staat an deiner Tür, Er ißt und trinkt imb raucht mit dir

Gemeittsam.

Er kommt gefällig in dein HauS,

Zählt freundlich die Familie aus

Rach Köpfen,

Um zu dem Heil von Seel' und Leib

Kind, Kutscher, Köchin, Mann und Weib

Zu schröpfen.

Teilnehmend prüft er den Besitz, Ob Schulden dich und Defizits

Belasteu.-

Darum verschweig ihm keine Last

Und sag ihm deutlich, was bn hast Im Kasten.

Von Silber, Gold und Btttter, Schmalz, Petroleum, Spiritus, Bier, Brot, Wein, Salz,

Vom Schweine,

Von Seid' und Zwirn, von Knops und Band

Gieb deut geliebten Vaterland

Und weine!

Und kommen die Minister her,

Tann führt man sie die Kreuz und Quer Zum Essen.

Dann sehen sie nur Glanz und Licht,

Ten Notstand aber seht sie nicht. Der ist vergessen beim Essen!

Der Staat, er braucht es nicht zum Staat,

Er nimmt nur, tveil er's nötig hat, Von andern.

Und ivenn dir so was nicht geiällt,

Dir steht ja offen weil die Welt Zum Wandern!

Druitt sei hübsch brav und nörgle nicht

Und mache attch kein schief Gesicht, Ein böses.

Sonst kommt dir, glattb mir, jedenfalls, Ter Gerichtsvollzieher mit den Hals!

Herrjeses! Ro b ert Io h an neS.

Goldene Worte.

Die Welt wird nie schlecht bestellt sein, so lange ste aus tapfere« ehrlichen Herzen und beschränkten Eharakteren besteht; beim Recht und Witz haben ihren letzten Grund in der Lebenskraft, und die Kraft fontntt nur aus einem veredelten Herzen als der konzentrierten Individualität. Bogumil Goltz.

Die Qua! ist bei der Wahl

Biel Wege breit und schmal, Gehen darfst du jede u. Doch nur einen atü einntal. Goethe.

Ziveimal ntiib man in seinem Leben einsam sein, in der Jugend, um Vieles zu lernen, um Denkart zu erwerben, die Stich hält durchs Leben. Und dann noch einmal im Alter, um alles zn überdenken, was uns begegnet ist. Die Blumen, die wir pflückten und alle Stürme des Schicksals.

Aus ZiinmermannsEinsamkeit"»

Buchstabenrätsel.

Hans hätte 3213 gern gewonnen Und hat ihr enteil Sträub gebracht, Eine ivahre Bltunen 2313, Und hat werbend dann gesagt: Beweis sind diese Blumentriebe, Wie ich von ganzer 13323 liebe i" 3213 sagte Angesichts

Dessen:31321"; weiter nichtsl

Gießen. N. L»

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs m voriger Nummer; Salz, Malz.

Redaktion: P. Witiko. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.