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meinem Fleisch. Aber das Mädel muß Wohl nach der Mutter arten. Die war auch so artig, wie sie erzählt, und hat den Tran so leidenschaftlich geliebt, daß man die Flasche vor ihr verstecken mußte. Die .Tochter ist auch hierin das Ebenbild der Mutter. Und noch einer ist ganz toll auf Lebertran. Das ist Jakob, unser Rabe. Auch der leckt ihn, wo er seiner nur habhaft werden kann, mit allen Zeichen des Wohlgefallens. Aber das ist ein unvernünftiges Tier. Oder sollte er etwa auch skrofulös sein? Dann wäre das ein Zeichen von Intelligenz, wert, in „Brehms Tierleben" verewigt zu werden. L. T.
— Fromme Wünsche. Tie in Genf erscheinende „Se- mäine litteraire" hat an einen großen Kreis von Männern und Frauen (u. a. an viele namhafte Schriftstellers die Fragen: W a S wünschen Sie de r h ent igen F- r a u?" und „W a s wünschen Sie dem heutigen Mann?" gerichtet. Von den Antworten, die zum Teil sehr ausführlich sind, veröffentlichte die Zeitschrift in ihrer Weihnachtsnummer 59 Wünsche der Männer für die Frau und 45 Wünsche der Frauen für den Mann. Im ganzen äußern sich die Männer bedeuten« l i c b c n s w ü r d i g e r über das andere Geschlecht, während ans manchen weiblichen Antworten eine gewisse Bitterkeit spricht. Vor allem wünschen die Männer, daß die Frau weiblich bleibe: nicht weniger als 20 mal wird das ausgesprochen. Einige wünschen ihr neben der Bewahrung dieser Eigenschaft auch noch die Erlangung der Frauenrechte. Außer- dcin werden ihr gewünscht: kleine Theaterhüte, ein guter Mann, Kinder, Einfachheit, Frömmigkeit, Mut, Einsicht, gute Erziehung, Christlichkeit, Gesundheit, Heiterkeit, Rechtschaffenheit, Anmut, Wachstum des Gehirns, Einfluß, passender Wirkungskreis, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Nur ein einziger Mann ist so unhöflich, zu wünschen, daß sie nicht schlechter werde als sie ist, und auch nur ein einziger wünscht, daß sie alles wegfege, was über die Frauensrage bisher geschrieben worden ist. Nun umgekehrt: dem Manne wünsche» die Frauen: mehr Pflichtgefühl, Feinheit, Gerechtigkeitsliebe, Festigkeit, Ausdauer, Ruhe, Gesundheit, Resignation, Natürlichkeit, Höflichkeit, Herz, Ehrenhaftigkeit, glückliche Häuslichkeit, eine gute Frau, Achtung vor dem Weibe der Zukunft, Charakter, Männlichkeit, Wahrhaftigkeit, erleuchtetes Gewissen, Mut, Gelegenheit für seine Ueberzeugung zu leiden, Beteiligung an einer große» Entdeckung, Heilung von der G'ldgier, richtige Stellung gegenüber der fortschreitenden Frau, < :??uc Ethik, eine Moral, die der der Frau gleich sein soll.
Z..ri Einsenderinnen wünschen, daß der Mann auf seinem bisherigen guten Wege fortfahre, und eine erklärt: sie wünsche ihm gar nichts, er sei so, wie er ist, vorzüglich. Die „Enquete" ist bis in den Kreis der Schulkinder von 8—13 Jahren hinabgestiegen. Tie Mädchen wünschen, die Knaben möchten weniger wild, grob, streitsüchtig sein. Die Wünsche der Knaben sind viel überlegter, denn die Herren Jungen schauen in die Zukunft: sie wünschen, daß die Mädchen keine schlechten Bücher lesen, weniger geschwätzig und angeberisch sein und nicht lügen sollen. Ein Männlein schreibt: „Ich wünsche ihnen viel Mut, damit, wenn sie sich für das Vaterland schlagen müßten (der Satz bleibt unvollendet). Ich muß nicht nur Boses über sie sagen, sondern man muß nicht vergessen, ihre guten Eigenschaften auf- zuzühlen: den» wenn sie einmal groß sind, können sie dem Manne große Dienste erweisen, zum Beispiel: sie slicken unsere Hosen und setzen die abgerissenen Knöpfe an: dann können sie sich mit den Kindern beschäftigen, wenn sie welche haben, während der Mann verdienst!)."
* Vom Leben nach dem Tode. Ist int Kopf oder in den Gliedmaßen der E'.rthaupteten nach der Hinrichtung noch Leben vorhanden? Diese Frage kommt nach den Versuchen des Dr. Knliabko, Professor der Physiologie an der Universität Tomsk, wieder aufs Tapet. Tiefe an Fischen gentachteit Versuche haben gezeigt, daß bei den Tieren der Kopf noch lange nach der Lostrennung vom Rumpfe weiter lebt. Kuliabko hat z. B. eine Lamprete in zwei Teile geschnitten: den einen Teil bildeten der Kopf und das Herz, den anderen der übrige Körper mit dem Schwanz. Nach einige» konvulsivischen Bewegungen blieben beide Teile scheinbar leblos liegen und wurden in diesem Zustande eine oder zwei Stunden lang belasse». Dann spritzte Inan in das Herz u nd in die Blutgefäße ein aus zahlreicheit Salzen zusammengesetztes künstliches Serum ein. Was sich nun ereignete, war wahrhaft merkwürdig: der Kopf und der Teil des Rumpfes, der noch an ihm hing, beganneit von neuem zu leben und sich zot bewegen. Als man dann an die Wände des Herzens Marchs Registrierapparat legte, zeigten sich nuf foei» Pachter genau dieselben Aufzeichnungen, die durch die Herz- vmskelkontraktionen eines lebendigen und . . . ganzen Fisches bewirkt werdeit. Zuletzt begannen auch die Siemen zu funktionieren, sich zu heben und sich zu senken,. ganz so wie bei
den Fischen, die noch int Wasser leben. Hatte man vor der Injektion den Schädel des Fisches gespalten, so daß das Hirn freigelegt wurde, so konnte man feststellen, daß auch dieses wieder alle Anzeichen des Lebens darbot. Hielt man mit der Injektion eilt, so starb der Fisch ein zweitesmal. Das .Herz kann tagelang schlagen, wenn ihm immer Serum zugeführt wird. Dasselbe geschieht mit allen anderen Organen, mit Ausnahme des Hirns, dessen „neues Leben" nicht länger als zwei oder drei Stunden dauert. Man erinnert sich vielleicht, daß Professor Kuliabko seine Beobachtungen, die jetzt an höher stehenden Tieren loiederholt werden sollen, schon auf dem Phh- siologenkongreß in Heidelberg mitgeteilt hat.
* Seltsame Scheidungsg ründ e. Der Ehescheidungs- gerichtshof in London hat, tote englische Blatter melden, jüngst unter absonderlichen Umständen eine Scheidung ausgesprochen. Der als Kläger auftretende Mann führte unter nitbereit Beschwerden gegen seine Frau an, daß sie ihn fortwährend verhöhne, 1. wegen der lächerlichen Form seiner Beine, 2. weil er sich das Bart- und Haupthaar schlecht schneiden lasse, 3. weil ihr seine Oberlippe nicht gefiel, 4. weil er das „h" int Anlaut nicht gut aussprechen tonne und 5. weil er nichts von „Theologie" verstehe, deshalb während der Sonntagspredigt stets cinschlicfe. Die. Richter bezeichneten dies Gebaren der Gattin als unerhört und sprachen die Scheidung aus: sie sprachen dem gekrünkteit Gentleman außerdem noch, eine Entschädigung von zwei Pfund Sterling zu. .
* Kleines Mißverständnis. Baron:. „Johann, Sie gehen mir aber auch über alles, über meine Zigarren, meinen Kognak, meinen Wein. . — Johann: „Ach, Herr Baron,
cs freut mich ungemein, daß Sie mich so gern haben!
Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins« Heitere s.
Wozu ein Fremdwort gut sein kann! Der „Vielten Hamburger Zeitung" erzählt ein Leser: „Ein mir bekannter Zahnarzt erzielt mit einem Fremdwort vorzügliche Wirkung. Wenn eine Dame nach dem Ausziehen eines Zahnes über Schmerzen in der Wunde klagt, so pflegt er zu antworten: „Ja, wissen Sie, gnädige Frau, das sind die Dolore-s. Wenn die erst vorüber sind, hören die Schmerzen von' selber auf." „Ah!" sagt die gnädige Frau ehrfurchtsvoll, „das kommt von den Dolores!" und geht beruhigt vou bannen." — Die Gnädige ist also um nichts besser drau als der biedere Dorfbewohner, von dem. die Zeitschrift des Sprachvereins erzählt, daß er an seinem Hause stehen habe: Auto-Carriage. Mit den Fremdwörtern wissen beide keinen Bescheid: sie kann kein Latein, und er verdreht das Französische. ______________
Pfefferkuchen Verse.
Dos Weib ist wie ein Kuchen Gar oft mir erschienen;
Mußt anbeißen und suche» — Tau» fludtst erst die Rosine».
Das Weib ist eine Pfeffernuß, Die mau schlau aufbeißeu muß. Um den Mann ist's ewig schad', Der dazu keine Zähne hat.
Drückte jedes Küßchen
Ein schwarzes Fleckchen ein, So würden alle Mädchen Schwarz wie- die Mohren [ein!
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummer: Franzos.
Redaktion; P. Witiko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stcindruckerei, R. Lange, Gießen.


