Ausgabe 
23.4.1908
 
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Sonne, du flammende heilige Glut,

Wärme das Herz uns zu lachendem F-reiien, Peitsche zum Sturme das siedende Blut, Lasse zur Jugend uns wieder erneuen; Tenn es liegt eine unendliche Wonne In dem Empfinden bei steigender Sonne.

Sei uns willkommen du netzendes Ratz, Quelle des Stromes, Jugend des Lebens Fern allem Zweifel, fern allem Haß Gegen die Gottheit! Sie ruft nicht vergebens Uns in das Schaffen der ewigen Kräfte, Leben erzeugend im Steigen der Säfte.

Ihr, die ihr lebet in finsterem Tal, Tie ihr entbehret der weckenden Sonnen, Tie ihr nur denket an irdische Qual, Kennt ja nichts von den göttlichen Wonnen, Tie darin liefen, am Morgen zu grüßen Hoch von den Bergen die Welt uns zu Füßen.

Tarum ihr Zweifler steiget zu Berg, Alle herbei zu dem ewigen Bronnen Schaffender Stifte! Der menschliche Zwerg Hat seinen inneren Wert erst gewonnen. Wenn er getrunken am ewigen Lichte, Tran aller Zweifel wird kläglich zunichte.

Kann sich die Gottheit in größerem Glanz Uns offenbaren, als draußen im Freien, Wo sich in wirbelnder Schneeflocken Tanz Mischet das siegende, lenzliche Maien? Dir wird der Glaube aufs Neue gegeben, Menn bu eindringst in daS keimende Leben.

Paul Dietz, Kassel.

Kür tzaus und Hof.

* D e r g ü n st i g e E i n fl u ß d e r s a u r e n M i l ch. Nicht umsonst rechneten unsere Vorfahren, wenn von den Frühlings- kuren die Rede war, auch den Genuß der sauren Milch oder der Molken dazu. Eine Begründung für ihren Wert ist aber erst in der letzten Zeit gegeben worden, denn es hat sich herauSgestellt, daß das, was schon die Aerzte des Altertums sowie die arabischen Aerzte als richtig erkannten, mit den verschiedenen Bakterienarten im Darm zusammen hängt. Saure Milch wirkt nämlich auf eine Anzahl von ihnen stark vermindernd ein, sodaß die Darinfäulnis und damit die Bildung von Stoffen, die ms Blut übergehen und somit schädliche Einflüsse durch eine Selbstvergiftung des Körpers und Benachteiligung des Nervensystem ausüben können, bedeutend eingeschränkt wird. Es gibt eine besonders zubereitete saure Milch nach Metschnikoff, der dazu Loetobaeillin verwendet; mit ihr gelang es, die gewöhnliche Bakterienzahl im Kote in drei Fällen bis auf die Hälfte zu vermindern. Nach der Entfernung der sauren Milch aus der Diät kehrte sie schon nach 34 Tagen auf die anfängliche Höhe zurück.

* Schädliche Wirkungen des Zuckers. Die Aerzte, die, in den letzten Jahren so viel für den Zucker getan haben, müssen jetzt zu ihrem Schreck konstatieren, daß ihre Propaganda schon zu Uebertreibungen im Zuckergenuß geführt hat; vor diesem Zuviel kann aber nicht früh genug gewarnt werden. Die be­kannte medizinische ZeitschristThe Laneet" weist darauf hin, daß beim Training der englischen Sportsmen der Zucker bereits eine übergroße Rolle spielt und nicht selten nachteilig auf den Gesund- heitsznstand wirkt. In England, das nicht nur das Land der Sports, sondern auch der erbitterten sportlichen Wettkämpfe ist, hat mau rasch erkannt, daß der Zucker wirklich einen direkten Einfluß auf die Entwickelung der Muskelkraft hat, und daß mau sich in dieser Hinsicht auf ihn mehr verlassen kann als auf den Alkohol: es ist daher leicht verständlich, daß man dort zu einem übermäßigen Zuckergenuß gelangt ist. Auch unter den Alpinisten trifft nian nicht fetten Leute, die wahrend einer mehrere Tage dauernden Bergbesteigung mehr als 200 Gramm Zucker pro Tag verzehren. Solche Dosen sind aber nicht nur darum schädlich, wen sie zur Entwickelung einer etwa bereits vorhandenen Veran­lagung zur Diabetes beitragen können, sondern auch darum, weil jce frillte Magenverstimmungen, Hautausschläge und vor allem eine Appetitlosigkeit von längerer Dauer herbeiführen. Deshalb loll man auch tut Zuckergenuß mäßig sein; zu unmäßigem Zucker­genuß kann mail schon gelangen, wenn inan größere Mengen von kandierten Früchten ißt, da diese manchmal 30, 40 und sogar ?0 /.siföeitt Zucker enthalten. Außerdem merke man sich, daß die schädlichen Wirkungen allzugroßer Zuckerungen um so größer sind, ;e konzentrierter die Form ist, in welcher man den Zucker genreßt. Deshalb sollen die Zuckerfveunde lieber Zuckerwasser

I trinken, als den Zucker in Stücken essen. Die besten Wirkungen erzielt man mit gezuckerter Limonade, die nicht nur nahrhaft ist, sondern auch blutreinigend wirkt.

* Ziegenzucht. Eine gute Milchziege hat einen lang­

gestreckten Körper, der nach hinten und unten etwas zunimmt, eine tiefe und breite Brust, kurze Beine, breites Kreuz, große,

: aber abgeschlossene Hungergruben, einen mäßig langen und nicht zu dicken Hals, einen nicht dicken, breiten Kvpf, ein breites Maul und große Euter. Letzteres ist aber nicht immer ein Zeichen großer : Milchergiebigkeit, denn die im Euter befindliche Trüsenmasse kann durch eine sie umgebende Fettschicht sehr eingeengt sein.

Vsrmrsehtes.

i . * Eine merkwürdige Geschichte. A.:Haben Sie i schvn von der Frau in Danzig gehört? Tie ist erst ein Jahr i verheiratet und hat schon zwei Kinder." B.:Na dabei ist ! doch nichts besonderes: sie wird eben Zwillinge gekriegt haben." I M'Ät::Nein, Zwillinge sinds nicht gewesen." B.:Da hat ; sie also das erste Kind ein paar Tage nach der Hochzeit bekommen." - A.:Nein, so wars auch nicht. Sie ist als reine Jungfrau in - die Ehe gekommen." B.:Dann ist die ganze Geschichte unmög- i lich." A.:Verlassen Sie sich darauf, die Sache ist authentisch: 5 Es waren Drillinge, und einer davon ist gestorben."

Literarisches.

Max Hochdorf: Dunkelheiten. Novellen. i Verlag von Egon Fleische! u. Co., Berlin W. Preis 3 Mk. Ein neuer Mann tritt mit diesem Novellenbuch an die Oeffent- lichkcit. Max Hochdorf hat offenbar vieler Menschen Städte gesehen, als verständnisvoller Genießer fremdländischer Kultur und Betrachter andersartiger Sitten und Individuen. Die Früchte dieser Wanderungen sind augenscheinlich die vorliegenden Arbeiten. Die äußere Form der Novellen klingt an das Romantische an> aber das ist nur die Form. Sie sind gewissermaßen Sinngedichts fatalistische Novellen, die an ein dunkles Geschick glauben lehren,- das meist zum Unglück leitet. Das dunkle Geschick schafft Dun­kelheit der Seele. Und wenn einmal aus ihr ein unverhoffter Glückszustand entsteht, wie das merkwürdige Wunder der Mouna Erika zeigt, so ist das eine Ausnahme. Im allgemeinen fühlen die Menschen der Geschichten über sich ein dunkles Schicksalswehen« Und in ihren lyrischen Stimmungen scheint tief im Grunde ein Glaubensbekenntnis des Verfassers zu liegen, das Geständnis: ich glaube an das Walten eines übermächtigen Schicksals, das mit seinen dunklen Flügeln unsere Lebensbahn beschattet. Und er weiß den Leser in feinen Bann zu ziehen. Ein,geheimnisvolles Weben und Walten glaubt man zu spüren, und, eine,Ahnung von übermächtigen Gewalten, die uns umgeben, zieht in das Herz des Lesers ein. ________

Goldene Worte.

Soll dir das Leben ftetS geiallen, Tas nie auf Taner sich verstand, So laß daS Schönste wieder fallen Und schließe nie zu fest die Hand. Seidl.

Wieg' und Sarg, so heißen jene Stätten, Tie den Menschen sanft und ruhig betten. Zwischen ihnen liegt der lange Raum, Der bewegte bunte Lebenstraum. Rückert.

Aus dem verschlungenen Pfade des Lebens hat sich dem schivankenden Geiste die Lehre bewahrt:Denk mit Ehrfurcht an Gott",mit Liebe an die M e n s ch e n" undmit Ernst an die Pflicht". Laß es dann gehen, wie es will; sind auch die Menschen nicht treu, so bleibt dir treu dein innerer Gott und aus den Dornen der Pflicht sprießen die Rosen des Heils.

Jean Paul.

Das Genie bricht wie der Nachlschmetlerling bei der Ent­puppung durch die harte Erde, aller Einengungen trotzend ohne Abnützung der zarten Flügel, hindurch.

Jean Paul (Levana").

Silbenrätsel.

re, del, Ja, gin, lar, hei, e, ost, ster, ge, thik, ta, stein, Jree, an, del, e.

Man bilde aus obigen 17 Silben 8 Wörter deren Anfangs­buchstaben bei richtiger Untereinandersetzung von oben nach unten und ihre Endbuchstaben von unten nach oben gelesen die Nameit zweier deutscher Dichter nennen. Tie einzelnen Wörter bedeuten; 1. Eine Pflanze. 2. Einen Stadtteil von Gießen. 3, Einen Stein. 4. Ein Gewand. 5. Eine Frucht. 6. Eine Wissenschait.

Gießen. Luise Koch.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:

Geber, Eder,

v-edaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, Gießen.