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Königin-Witwe, des Herzogs von Genua und der Kinder des Herzogs von Aosta bestreiten. König Alfons von Spanien bezieht nicht viel mehr als die Hälfte deiser Summe, kann sie dafür aber auch ganz für sich verwenden, da für die anderen Mitglieder des Königshauses eigene Beträge ausgesetzt sind. Leopold II. von Belgien verfügt jährlich nur über 3 Vs Millionen Mark, aber er hat bekanntlich einen sehr regen Geschäftssinn, und alle Welt weist, wie geschickt er sein Einkommen zn verbessern weiß. Das geringste Einkommen, das gegenwärtig ein Staat seinem Oberhaupte gewährt, ist wohl das des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der nicht mehr als 250 000 Mark an Gehalt int Jahre empfängt.
* Das Stein tragen böser Weiber. Der Franken- Herzog Eberhard, der König Heinrichs ültesteit und somit nckch germanischem Recht erbberechtigten Sohn Thankmar gegen seinen aus einer kirchlich anerkannten Ehe stammenden Bruder Otto, den späteren Großen, unterstützt hatte, wurde zum Hundetragen verurteilt. Die Schmach, daß er, der doch in seines Bruders, des Königs Konrad, Austrag die deutsche Krone dem Sachsenhause überhaupt erst verschafft hatte, so auf oder eigentlich unter den Hund gekommen war, trieb Eberhard int nächsten Frühjahr (939) auf die Seite des jüngsteit Bruders Otto, des purpurgeborcnen Empörers Heinrich, und dantit in neuen Aufruhr tmd in den Tod. Der Schimpf aber, den er hatte erleiden müssen, war die für Edle gewöhnliche Form der Harmschar, einer „spiegelnden" (symbolischen) Strafe. Jin Büstergewande, aber inmitten eines kirchlich-weltlichen Aufzugs, trug der straffällige Edeling eilten Hund, der nichtadelige Reiter einen Sattel, der Bischof eine Handschrift, der Bauer ein Pflugrad: also, vom Hunde abgesehen, jeder sein Handwerkszeug. Straffällige Frauen trugen einen Stein, den Laster- oder Bagstein. Nach Eberhard Freiherr v. Künstberg bedeutet das heute nur noch vereinzelt in Mundarten vorkommende Wort bagen so viel wie zanken und lästern. Der Bagstei», der vom 14. Jahrhundert bis 1740 in Weistümern erwähnt wird, ist demnach eine Strase für Zank und üble Nachrede. Ta das Wort bagen schon früh aus dem allgemeinen Gebrauche verschwand, wurde der nunmehr unverständliche Ausdruck Bagstein nmgedeutct und mit Bach, pochen, Bock, Wage,^ Weg, borgen u. a. in Verbindung gebracht. Aus diesem Wirrsal die ursprüngliche Bedeutung herauszuschülcn war für Künstberg umso schwieriger, als von den vielen Forschern, die sich seit Grimm und Waitz an dec Sache versucht haben, fast jeder eine andere Erklärung bevorzugt. Einen sichcrw Boden gewinnt Künstberg dadurch, daß er von dem Quellengebiet ans- geht, Has wohl die alte Sitte am treuesten bewahrt hat, von den bäuerlichen Weistümern Nieder- und Oberösterreichs, Südböhmens, der Steiermark, Salzburgs, Tirols und Bayerns. Nur in diesem bayerischen) Sprach- und Rechtsgebiet heißt der Stein Bagstein, x führt aber auch fast immer diesen Namen. Er wird nur von Frauen getragen. Anderwärts tragen auch Männer Schandsteine. Getragen wird er im bayrischen Gebiet fast ausschließlich für Frauengezäuk, und was damit zusammenhängt, Fluchen, Gotteslästerung und Trunkenheit. In anderen Gebieten ist der Kreis der Vergehen erweitert auf Schmähbriefe, Spottlieder, freventliches Schwören, Hexen, Kindesmord, Ehebruch, Kuppelei, Hehlerei, Fundverheimlichung, Diebstahl, Betrug und Glücksspiel. Vom alten Frankreich hat sich das Steintragen über Frankreich, die Niederlande und Deutschland und durch deutschen Einfluß nach dem skandinavischen Norden und dem slavischen Osten ausgedehnt. Seinen Ursprung hat es in der Verknechtung, der Strafarbeit zahlungsunfähiger Uebeltäterinnen. Um den Ehemann nicht an seinem Hab und Gut zu schädigen, sollte die Fran für ein Vergehen, das der Mann mit Geld büßen durfte, auf der Mühle arbeiten. Als mit der Milderung der Strafe die Arbeitsleistung wegficl, blieb, wohl unter dem Einfluß des biblischen Wortes vom Mühlstein, der Schimpf, den Stein schleppen zn müsse». An dem Strafvollzug beteiligte sich die ganze Gemeinde. Der Büttel hing dem Weibe den Stein um den Hals und trieb es in einer Fessel bis zur Gemeindegrenze. Der Dorfjugend verteilte . der Richter faule Aepfel oder faule Eier, die die Straffällige, die ja den Genuß davon hatte, bezahlen mußte. Den größeren Burschen wurde Wein geschenkt, gleichfalls auf Kosten der Verurteilten. Um noch mehr schaulustige Quälgeister anzulocken, stellte der Richter einen Pfeifer. Die Pauke mußte der Ehemann vielfach selber schlagen, zur Strafe dafür, daß er zu Hause nicht besser Zucht hielt. Er hatte ja sein böses Weib prügeln können! Bollziehungstage waren die ordentlichen Gerichtstage, weil an diesen ohnehin die außen Wohnenden massenhaft rm Dorf zusammenstromten. Ter Zug ging bis zur Gememde- grcnze,. ein Hinweis darauf, daß die Straffällige ursprünglich ausgetriebeu wurde. Hatten sich zwei Frauen gegetiseitig Liebcns- tvurotgretten gesagt oder waren sie sich gar in die Haare geraten, so trafen stcy die beiden Umzüge am Pranger. Erst dort wurde festgestellt, wer angefangen hatte, und diese mußte dann
??? Wandel, die Kosten des Verfahrens, bezahlen. An die Stelle des Steines, dessen Gewicht in den Quellen zwischen 2:5 und 180 Psuud schwankt, trat später die Fiedel, ein Holz- vder Eisenrahmen, m die Hals und Hände eingespamit wurden.
I Hierbei ist der spiegelnde Zweck, durch die Strafe abzuschrecken- noch deutlicher als beim Stein. Denn besonders die Toppel- fiedel bot genan das widerliche Bild eines keifenden Schandmauls.'
I * Wettrauchen. Ich habe nicht die Ehre, den Eug- | lander Mister Wood zu kennen. Trotzdem möchte ich ihm doch I den guten Rat erteilen) von nun an nicht wieder an die ! Omentltchkeit zu treten. Bisher sprach niemand von ihm und störte niemand seinen häuslichen Frieden, und vor allem durfte er seine Pfeife in beschaulicher Ruhe rauchen. Warum mußte der Unglücksmensch aus all dem heraustreten und sich an einem „Match" beteiligen? Und. dabei noch obendrein zu siegen? Jetzt ist er Sieger und damit ein verlorener Mann. Tie Sache kant so. Neulich, am Abend vereinigten sich 150 Engländer, für die Zeit Geld zu fein scheint, in der'Agricultural Hall tu London, zogen ihre Pfeifen aus der Tasche und begannen, sie zu stopfen. Schön war der Tabak, wie aller englischer Tabak, Nicht, aber sie wissen es nicht besser und freuen sich auch so ihres Levens. Als die Pfeifen gestopft waren, entstand eine Patge, und dann schrie einer plötzlich: „Feuer!" Und sofort entzündeten sich 147 Streichhölzer. Nur 147? Ja, denn drei Utz den Engländern waren vor Aufregung ohnmächtig geworden. Wie Keime junge Mädchen bei dem Examen, wenn sie eine Frage tn der Georgraphie nicht zu beantworten verstehen. Die Aufregung, ob sie siegen würden oder nicht, hatte ihren Nerven den schweren Stoß versetzt. Und nun begann das Rauchen. Nach einer halben Stmche. waren schon 75 Pfeifen ausgemacht, und nach einer Stunde stiegen noch die Rauchsäulen von 20 Pfeifen zur Decke empor. Thomas Wood rauchte immer noch, die Augen in die Weite verloren. Nach Ablauf von U/s Stunden hatte er nur noch einen Gegner und auch der mußte bald die Waffen strecken, so daß Thomas Wood als Meiniger Sieger den Kampfplatz behauptete. Er rauchte zwei Stunden und vier Minuten an seiner , Pfeife und schlug damit alle Rekords der Welt um 18 Minuten. Als er sich dann endlich erhob, stürmten von allen Seiten Reporter auf ihn zu, und er erwiderte immer wieder: „Es ist eben eine Nervensache. Wenn mau sich aufregt, ist man verloren", und dann lächelte er jedesmal in begreiflichem Stolz. Und ich ftlrchte, daß das Leben Thomas Woods nunmehr vergiftet ist, denn sobald er . zu Hause seine Pfeife aus der Tasche nimjnt, werben ihn Frau und Kinder mit der Uhr in der Hand umringen und ihn dazu zwingen, mit der Zeit so langsam zn rauchen, daß er seinen eigenen Rekord schlägt.
Humoristisches.
Liebe Jugend!
Ein jetzt regierender Großherzog galt von jeher im ganzen Lande als Muster der Einfachheit und Bescheideiiheit. Zur Zeit, da er noch Erbgroßhedg war, saßen in einem Restaurant der Residenzstadt verschiedene Herren, denen der bedienende Kellner nicht aufmerksam und schnell genug war. Der eine der Herren sah sich daher veranlaßt, den Kellner anznschreien: „Sagen Sie mal, was ist denn das für eine Saubedienung?! Sie denken wohl, ich bin der Erbgroßherzog?! Ich bin der Leutnant von Schulze! Haben Sie verstanden?!!!"
Hauptmann von Krökelwitz hat seine Einjährigen antreten lassen und erkundigt sich nach ihren Geburtsorten usw. „Nun, Einjähriger Meier, wo sind Sie jeboren?" „In Philadelphia, Herr Hauptmann." „Sagen Sie mal, wie sind Sie denn dahin jekommen?" (Aus der Jugend.)
Goldene Worte.
Literatur, Politik und Oefsentlichkeit absorbieren heule auch bei uns Deutschen das Familienleben mehr, als mit den deuischen Gemülsanlagen und ihrem naluruotmeudtgen Eutwickelungsprozeß verträglich ist. »
Zufrieden sein ist eine schöne Kunst, Zufrieden scheinen ist eitler Tunst.
Sage nicht alles, was du iveißt, Aber wisse alles, was du sagst. Goethe.
ES ist wohl angenehm, sieb mit sich selbst zu beschäftigen, wenn eS nur so nützlich wäre! Inwendig lernt kein Mensch sein Inneres erkennen, denn er mißt mit seinem eigenen Maß sich bald zu klein, leider ost zu groß I Der Mensch erkennt sich nur int Menschen wieder. Nur das Leben lehrt jeden, was er sei, Goethe,
Logogriph.
Mit S nenn ich ein Mineral, Das unentbehrlich überall;
Stellst ober du ein M voraus,
Macht man ein gut Getränk daraus.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Für böse Zungen ist keine Arznei.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Sange, Gießen.


