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anno 1666 a. 22. Febr. meinem Vatter adjunktiret worden, habe auch bisher mit schwerem ackerland auf meinem be­schwerten gut meine Währung gesucht vnd durch Gottes mitten fegen (davor ich ihm täglich danke), reichlich über­kommen." Zu den ans den Kirchenäckern lastendenBe­schwerungen" gehörten unter anderem Abgaben an Frucht an das Hospital und die Kellerei zu Gießen. Pfarrer Weiß hat jährlich an das Hospital in Gießen für die entliehenen 60 sl. die Zinsen bezahlt und auch das Kapital abgetragen, das ihm später aus dem Gotteskasten wieder zurückerstattet wurde. Das für die 60 fl. erkaufte Gut war zu sehr mit Lasten und Abgaben beschwert, so daß mau es nicht hätte kaufen sollen. Auf des Superintendenten Victor Zuspruch wurden die Einwohner zu Garbenteich veranlaßt, auch etwas zur Pfarrei zu stiften, was auch geschah. Aber diese Zuschüsse zur Besoldung des Pfarrers waren meistens Naturalien, wie unter anderem als ruhendes Vermächtnis auf ein Haus jährlich Vs Huhu, oder alle 3 Jahre 1. Diese freiwilligen stiftungsgemäß übernommenen Leistungen kamen mit der Zeit wieder in Abgang,weil die lent keinen Pfarrer ge­wohnt vnd ihm sehr zuwider gewesen, also daß sie ihn mitten im Dorff, da das Pfarrhaus geftanben, nicht leiden können, sondern den Pfarr-Platz verkauft vnd das Pfarr­haus beh die Kirch gesetzt haben."

Der Bericht, dem wir vorstehend meistens gefolgt sind, stammt aus der Feder des 3. Pfarrers von Watzenborn, des Johannes Weis, der von 16701708 daselbst amtierte. Dieser Pfarrer hat sich um die Besserilng der Verhältnisse in der Pfarrei eifrig bemüht.Er war ein treuer Seelsorger und gewissenhafter Verwalter des Kirchen-Pfarrgutes." Sein Grabstein findet sieh noch wohlbehalten an der nördlichen Seite der heutigen Kirche zu Watzenborn.

Zn den Gehaltsbezügen des Watzenborner Pfarrers, wie sie sich aus der Verpachtung der beiden Kirchengüter zu Garbenteich undObersteinberg", sowie aus der Nutzung des für 60 fl. erkauften Watzenborner in Selbstbebauung übernommenen Gutes sowie aus deu Naturallieferungen zusammensetzten, kamen noch die Akzidenzien. Sie ergaben folgende Gefälle:

von einer proelamation (kirchliche Bekanntmachung der Brautleute) wie auch von einer leichpredigt ist bis 2 fl. ge­geben worden. Von einer Hochzeit-Predigt fyxt man dem Pfarrer bisher bracht auf den mittag eine suppe, etliches an gekocht fleisch, ein Stück Brot, ein stück Kuchen vnd ein mas Bier, nachmittag ist er zur mahlzeit berufen worden. Von der Kirchweihpredigt bekombt er seine Bezahlung aus dem Gottescasten, wie die Rechnungen besagen. Von einem Kind zu tauften bekombt er 4 alb. vnd Kindbett (soll wohl heißen Einladung zum Kindbettschmaus). Mit diesen geringen acci- bentien habe mich begnügen lassen, wiewohl vernommen habe, daß es auf hochfürstl. Verordnung anderwertzlich anders eingerichtet worden ist.

Die Eher lest er auch erheben vnd samlen in beiden gemeinden auf grüudonnerstag, da von den meisten keine zwei gegeben werden."

Das Diensteinkommen des Pfarrers konnte sich nur erhöhen durch Geldstiftungen in den Gotteskasten. So stif­teten Jacob Schäfer 1629: 10 fl., Pet. Schneider 1631: 20 fl., Joh. Häuser 1635: 10 fl., Simeon Weiß: 10 fl., Elisab., Paul Gilberts Mwe. 5 fl., Andr. Gilbert: 20 fl. Während der Amtsperiode des Pfarrers Joh. Georg Weis find 2 Stifungen besonders protokolliert.

Heute am 3. Febr. ist Joh. Hirz, eiuwohuer zu Stein­berg zn mir kommen und mir freiwillig und ohne Veran­lassung zu verstehen gegeben, daß er und seine Hausfrau entschlossen seien, 20 fl. ad pias causas zu vermachen und sollte er zuerst sterben, so sollen nach seinem Tode die Erben 10 fl. zum Kirchenbau geben, welches ich nicht allein auf sein Bitten und Begehren hierher gesetzet, sondern er hat sich auch freiwillig unterschrieben. So geschehen Watzenborn am obgenanten dato 1691. Joh. Hinz. Joh. Georg Weis, Pfarrer."

.Es hat Hr. Joh. Jacob Hörle gewesener schultheis allhier in seinem testamento cläuso 15 fl. zu 27 alb. in hiesige Kirch gestiftet, whie die formalia im original (so feine Wittib unter Händen hat) also lauten:

Meiner nach meinem tob hinfüro im besten gedenken will hiermit zu dies er Kirch f üns- zehn güldeu zu 2 7 alb. und 8 gestiftet haben.

Dieses habe ich endesgenander beh Wohnung des testa­

ments aufgeschrieben und zur nachricht hierher setzen wollen, actum den 7. Marty 1699. Joh. Georg Weis."

In die Amtsperiode des Pfarrers Joh. Georg Weis fallt auch die Anschaffung eines neuen Abeudmahlskelches, die notwendig wurde, da der seitherige in der Nacht vom 25-/26. Juni 1674 dem damaligen Kastenmeister Joh. Jakob Leicht zu Steinberg gestohlen wurde. Den neuen Kelch, einen von silber übergüldeten" lieferte für 22 rtl. 22 alb. 4 3 Bürger und Goldschmied Riese zu Gießen. Zur An­schaffung stiftete Leicht freiwillig 10 Rthlr. 4 alb., den Rest von 12 Rthlr. legte der Pfarrer vor.Nachmahls habe meine Zuhörer auf der cantzel vermahnet, weil noch ein Zimliches an Bezahlung des Kelches restire, ivollen sie nach vermögen etwas hierzu steuern, darauf haben etliche meiner Zuhörer eine freiwillige steuer bracht, deren nahmen ich zu Gedächtnis hierher setzen und unserem kirchenbuch einver­leiben will." 27 Bürger stifteten 6 rthlr. 4 alb. 4 4; ben Rest von 6 rthlr. 14 alb. schenkte der Pfarrer, wie der Be­richt sagt:dieses gelt will aus lieb gegen unsere kirch zu unserem kelch hiermit verrechnet und geschenkt haben. I. G. Weis. Dieser 1676 angeschaffte Abendmahlskelch wird heute noch als Krankenkelch benutzt. Er zeigt eine schöne kunst­fertige, getriebene Arbeit des Gießener Meisters.

Neber die Amtsverrichtung des Watzenborner Pfarrers, die recht anstrengend war, fagt der Bericht folgendes:

Am Sontag mus er an beiden orten predigen und zwar alteruatim und auf diese weis, wenn er diesen Sontag hier zuerst geprediget, er den folgenden Sonntag zuerst naher Garbenteich gehen mus. Auf den mittag wird Kinderlehr gehaltenn. Wo nun der Pfarrer zuerst prediget, mus der schulmeister (weil der Pfarrer am andern auch predigen mus) zu mittag kinderlehr halten. Wv aber der Pfarrer zuletzt predigt kau und mus er selber nachmittag kinderlehr halten.

Bei den Freitags-Predigten habe es also befunden, daß nur au einem Orte ist geprediget worden, nemblich wenn diesen Freitag allhier, so ist dem folgenden zu Garbendeich der Gottesdienst verrichtet worden.

Alle Apostel-tage wie auch monatliche Bettag wird ait beiden orten gepredigt. Die befttunde werden auf montag und mittwoch, Ivie auch, wenn in die Woch ein Aposteltag fällt, auf freitag gehalten, ausgenommen in höchster Win- derszeit."

Es mögen schließlich hier noch die Namen der von 1667 bis 1843 in Watzenborn tätigen Geistlichen aufgeführt werden, Ivie mir sie auf den ersten Seiten der Urkunde finden. Nicol. Clemens, aus Niederheften 16071624, Joh. Weis, ans Garbenteich 16241670, Joh. Georg Weis, des Vorigen Sohn, 16701708, Ph. H einr. Pitz aus Rödgen 17081712, Joh. Heinr. Nebel, ans Groß- Linden 17121751 (eingeführt von Prof. D. Bielefeld aus Gießen), Heinr. Georg Nebel, 17511790, Ehr. A n d r. E ck h a r b, aus Lisberg, 17901799, (eingef. v. Dek. Bechthold aus Gießen), Friedr. Stückrab, aus Gre­benau, 17991806, G. Lud. Beisenherz, ans Fron- Hausen, 18061811 (eingef. v. Jnsp. Buff aus Gießen), Joh. Ant. Müller, gewesener ordinierter Konrektor zu Biedenkopf 18111831, Her ui. d'Am o u r, aus Gießen, vorher Rektor der Schule zu Alsfeld, 18311841, Ludwig Palmer (wurde seines Dienstes entbunden 1843."). P. wohnte später in Gießen und war hier eine bekannte Persön­lichkeit. Fr. Heinr. Wclcker, aus Pfungstadt, vorher Vikar in Kirchberg, 1843 (W. hat sich ein bedeutendes Ver­dienst durch die Anlage einer Kirchenchronik erworben).

lieber die Watzenborner Schulverhältnisse liefert die Ur» knnde von 1683 nur spärliche Notizen. Sie betreffen den Ban eines Schulhauses, das Verzeichnis der Schuldner von den ausgeliehenen Schulkapitalien sowie die Lehrer-Be­stallung. Neber den Bau eines Schulhanses wird berichtet: Es ist hier kein schnlhans gewesen, sondern der schulmeister hat viel Jahr lang im Pfarrhaus, nachmals auch im Rat­haus gewöhnet und schul gehalten. Wir haben aber anno 1680 Holtz (Bauholz) gesammelt und ein schnlhans auf den kirchhoff gesetzet, das Haus ist den 17. Aug. gedachten Jahres aufgerichtet worden, und haben Ludwig Hinkeler und Joh. Ludwig Scherfs ihr erstes meisterstück hieran erwiesen, der schulmeister anno 1681 den 5. Aug. eingezogen, Dieses Haus Hai zu machen gekostet 18 Rthlr. an gelb, 3 achtel körn, Ein ohm bier und 2 ohm Cövent." (Dünnbier, Abguß vou Tre­bern.) Um 1633 hat schon in Watzenborn eine Schule he» standen; der damalige Lehrer Heinrich Leister mußte im