bei. Ich weiß nicht.... liegts am Gewehr oder an meinen« Auge?"
Bannemanns Blicke wurden glühender, leidenschaftlicher.
„An Ihrem Ange auf keinen Fall —das trifft immer ins. Herz," scherzte er galant.
„Und mein Gewehr ist gut. Ich traf sonst immer Blatt und Zentrum," antwortete Isabella, die »licht Lust zu haben schien, auf seinen Troubadourton einzugehen.
Ter Forstmeister zog die dunklen Brauen zusaminen.
„Wenns »veder an der Büchse, noch am Auge liegt, so wird wohl das Herz schuld sein," sagte er.
„Wieso?" fragte Isabella mit flüchtigem Aufblick.
„Hin .... ich »meine nur so ... . wenn das Herz zu schwer ist . . . von Kummer oder Liebe zum Beispiel! ... so tritts dem Jäger leicht in die Hand, wie der gute Schiller deklamiert."
„Sie sind heute unausstehlich geistreich," entgegnete Isabella, ergriff ihr Gewehr, tvarf es über die Schulter und wandte sich zum Gehen.
„Eine»» Augenblick noch," stieß Baniremann in einem Ton. hervor, der mehr befehlend als bittend klang.
„Nun?" :.,
„Wollen Sie leugnen, Isa, daß Sie sich für diesen.... diesen Hilssprediger volkstümlichster Abstammung leidenschaftlich interessieren?"
In Isabellas dunklen Augen blitzte es auf.
„Und wenn? Wäre ich Ihnen dafür Rechenschaft schuldig?" Sie drehte sich auf den Absätzen hemm »»nd wollte weiterschreiten.
Ter Forstmeister legte ihr die Hand auf den Arm.
„Ich bat »tut eine Sekunde Gehör, Isa." Seine Stimme klang heiser.
„Ich bewillige die Sekunde aber nicht. Ucberdies bitte ich, mich nicht Isa zu nennen. Ich gab Ihnen kein Recht dazu!"
„Vielleicht ilicht mit Worten . . . aber mit . . - mit . . ."
Ter Baron brach ab und biß sich auf die Lippen.
„Mir scheint — Sie träumen —", fuhr Isabella auf und maß ihn mit einem höhnisch-verächtlichen Blick vom Scheitel bis zur Sohle.
Bannemann riß mit einer ungestümen Bewegung den Hut mit der wehenden Spielhahnsedcr vom Kopf. Es Ivar ihm wohl trotz der Winterkälte zu heiß geworden unter der Stirn, zwischen deren tiefen Falten der drohende Wulst schon wieder auf- »md niedcvging.
„Isabella," Hub er noch einmal an, seine Stimme zitterte vor Erregung. „Ich bin Forstmann.....darum will ich Ihnen
hier im grünen Walde, unter den heiligen Säulen mit den» blauer» Himmel über uns, und nicht daheim in dumpfer Stube sagen, was Sie ja längst wissen .... Ich habe Sie lieb, über die Maßen lieb. . . Wolle»» Sie meine Fran werden?"
Turch Isabellas Hirn zuckte der trotzige Gedanke: „Wen»» du „Ja" sagtest, — die Nachricht von deiner Verlobung träfe beit Toren dort unten in Fichtenwalde wie ein Blitz —aber sie besann sich noch rechtzeitig. In ein helles Lachen ausbrechend, sagte sie: „Nein, das ist spaßig. In demselbei» Atemzuge, in dem Sie behaupten, daß ich mich für einen anderen Man»» „leiden^
§üm§iüg den 16. Mak
1908
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Wirket, so lange es Tag ist.
Roman "'n Maximilian Böttcher, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Nuit schon wieder „Laster"!" tadelte Heinz. „Sagen wir doch einfach : Die Jagd ist ein notwendiges liebet Meinethalben auch eh» Vergnügen für Männer. Aber Frauen, denk' ich, sollten dies Vergnügen meiden."
Mit einem ernsten Blick seiner klaren Augen sah er Isabella an.
„Gewiß," erividerte sie, offenbar aus einem Gefühl guäleit- den Unbehagens heraus, „Jagd ist wohl wirklich kein Frauen- sport. Ich werde auch, ivenn sich's irgend machen läßt, morgen zu Hause bleiben."
„Menn sich's machen läßt!" spottete Werner mit Geringschätzung. „Alles läßt sich machen, was man ernsthaft will!"
Ten ganzeit Abend über war Isabella entschlossen, auf keinen Fall an der Treibjagd teilzunehmen; als aber in der nächsten Morgenfrühe die Waldhörner den zahlreichen, fchon Tags vorher eingetvoffenen Gästen zu Ehren auf dem Schloßhof den „Weckruf" bliesen, legte sie doch Sportkleidung an.
„Mitgehen werde ich," dachte sie, „er soll sich nicht einbilden, daß ich so weiches Wachs ht seinen Händen bin wie Werner. --Slber — ich werde nicht auf Wild schießen," beschwichtigte sie die Stimme in ihrer Brust, die sich mahnend und warnend
regte.
Draußen im Revier aber, unter den schneebedeckten Tannen
und Buchen, tierf tatterte rasch auch der letzte Rest ihrer guten
Vorsätze: und als in dem eingestellten Jagen Hirsche und Wildschweine in toller Flucht an ihr vorüberstoben, flog das Gewehr wieder und wieder an ihre von leidenschaftlicher Erregung gerötete Wange, mit krachendem FeuerstraU den Waldfrieden zerreißend.
Als das Treiben aügeblasen wurde, kam Tancred von Bannemann, der nur etwa zweihundert Meter von Isabella entfernt seinen Stand gehabt hatte, die schmale Schneise entlang durch den tiefen Schnee dahergestelzt.
„Nun, gnädiges Fräulein," ries er schon aus gemessenem Abstand, „wieviel Stück ziewn Ihre Strecke? Sie schossen neunmal!"
„Wie gut Sie zählen können!" spottete Isabella.
„O .... ich kenne den Knall Ihrer Büchse wie den meiner eigenen!" Der Forstmeister ließ seinen Blick, der auch in dieser Stunde heißen Verliebtseins seine stählerne Glätte nicht ganz verlor, über Isabellas schlanke Gestalt hinschweifen. „Sie sehen entzückend aus," schmeichelte er, „dieses Kostüm aus grünem Tuch und Fuchspelz paßt ganz wundervoll zu ihrer dunklen Schönheit."
Isabella lehnte ihr Gewehr mit einer heftigen Bewegung an den nächsten Baumstamm; eine feine Wolke von Schnee rieselte »vie ein weißer Schleier auf sie herab.
„Sie fragten, was ich geschossen habe ! Nix! Neunmal vor


