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nach dem Weidembaume und rief ihm seufzend zu:Traute, Meide!" Tiefer Trauer voll klagt die Weide seitdem:

Eines liegt mir auf dem Herzen, Eines kann ich nicht verschmerzen, Daß ich darbot jene Ruten, Die den Heiland machten bluten. An der Säule festgebunden. Litt er tausend liefe Wunden, Die ich meinem Herrn geschlagen: Dessen muß ich ewig klagen. Darum sinkt in Rußgebärde Mein Gezweigs tief zur Erde.

Die Dornenkrone, welche man dem Heiland aufs Haupt setzte (Ev. Matth. 27, 29), ehe man ihn zur Kreuzigung führte, bestand nach englischem und französischen, Volks­glauben aus den Zweigen des Weißdorns. Daher steht in beiden Ländern der Weißdorn in hohem Ansehen; in Frank­reich knüpft sich an ihn zudem die abergläubische Auffassung, daß der Weißdorn in der Nacht zum Karfreitag stöhnende Laute von sich gebe, um die Erinnerung an den Kreuzestod Christi nicht erlöschen zu machen. Und eine dritte, von Rückert poetisch behandelte sinnige Legende wird in der Oberpfalz aufbewahrt; sie erzählt, daß alle Bäume über den Tod des Heilands tiefe Trauer zeigten, nur die Espe nicht; nun müsse sie in alle Einigkeit zittern.

Von Blumen erinnert die schöne Passionsblume schon durch ihren Namen an die Leidenszeit des Heilands. Die fromme Legende erzählt, daß sie zuerst unter dem Kreuze er­blühte, daran man Christum geschlagen hatte. Die Bluts­tropfen aus den Wunden des Gekreuzigten flössen in den Seid) der Blüte; so entstanden die Nägel und der Hammer, welche die Staubgefäße der Blume bilden. Eine andere Blume, die an die Leidensgeschichte Christi erinnert, ist die Blüte des Blutklees. Auch um sie hat die Legende poetische Deutung gewoben. Als der Heiland int Garten Gethsemane in heißem, brünstigem Gebete lag, schaute sie mtbemerkt zit dem heiligen Mann auf und breitete ihre Blätter und Blüten aus, um die Schiveißtropfen aufzufangen, die von des Herrn Antlitz rannen. Au, näd)steit Morgen rvaren die weißen Blüten blutrot ge­färbt und ihr Saft war bitter geworden. Zum Blutklee und der Passionsbluine fügt sich die Kreuzraute, der heilkräftige Eigenschaften zugeschrieben wurden, wenn man sie in der Karwoche brach, die Kreuzblume und der wundertätige Kreuz­enzian. Den Feldahorn nennt man in manchen Gegenden unseres VaterlandesKreuzbaum", weil man aus seinem Holze das Kreiiz gezimmert haben soll, an das der Heiland geschlagen ivurde. Aber auch andere Bäume erheben An­spruch darauf, dein Heiland in seiner Todesstunde am nächsten geivesen zu sein: die Tanne, die dafür nun ewig grünt, die Cypressc, die seitdem in dunklem, ernstem Gewände trauert» -die Cedcr, die seit Christi Tode sich stolz ivie ein heiliges Glaubenszeichen erhebt, und die Palme, die ihre Zweige weit «iisbreitet ivie ein Kreuz.

Auch die Tierivelt bringt der Volksglaube in Zusammen­hang mit der Leidensgeschichte des Heilands. Von der Elster erzählt man, daß sie das einzige Tier war, welches fühllos blieb angesichts der furchtbaren Martern des Welterlösers. Da verfluchte sie Gottvater: er nahm ihr ihr herrliches Ge­fieder imd verwandelte ihren schmelzenden Gesang in ein miß­tönendes Krächzen. Das kleine, liebliche Rotkehlchen dagegen war tiefen Mitgefühls voll für die schweren Leiden des Heilands; cs wollte mit seinem schwachen Schnäbelchen dem Gekreuzigten die Nägel aus den Händen und Füßen ziehen, wobei es sich Brust und Kehle verwundete:

Und seitdem blieb Brust und-Kehle Diesem Vöglein blutesrot. Zur Erinnrung an die Hilfe, Die's am Kreuz dem Heiland bot.

Ailch bei' Kreuzschnabel und der Storch werden in sinnigen Legenden als hilfreiche Tiere festgehalten; ja selbst die kleine Eidechse zeigte sich geschäftig, das Leiden Christi bei feiner Kreuzigung zu lindern.

An den Karfreitag knüpfen sich, ivie Moritz Busch in seinem BucheDeutscher Volksglaube" mitteilt, zahlreich- abergläubische Sitten und Gebräuche. In der Neumark be­schneidet man sich am Karfreitagniorgen vor Sonnenaufgang die Nägel an Händen und Füßen, und zwarkreuzweise", d. h. zuerst am linken Fuße, dann an der rechten Hand usw., weil dieses Verfahren vor Zahnweh schützt. Putzt man sich am Karfreitag die «schuhe, so braucht man den Biß giftiger Schlangen nicht zu fürchten. In Schwaben schneidet man in der Karfreitagnacht Wünschelruten iind schmiedet Schlüssel, mit denen man die Hölle aufschließen und den Teufel bannen kann. Die Schlüssel müssen von drei Meistern geschmiedet werben, und keiner von ihnen darf ein Wort sprechen, weil sie sonst Kinder des Todes sind; das Eisen, das sie ziiut Schmieden nehmen, muß aus den Nägeln eines verwitterten Sarges bestehen. In Schwaben besteht ferner der Aberglaube, daß sich in der Karsreitagnacht vergrabene Schätze regen und dann leicht zu heben sind. Geht man in dieser Nacht an einen Kretizweg, so gibt der Teiifel Geld oder unsichtbar madjenben Farnsamen her. Schüttet man um Mitternacht dieses Tages ein Ei in ein Wasserglas, so kann man am nächsten Morgen aus den Figuren, welche die gelbe Masse bilden, ivahrnehnten, welche Früchte zur nächsten Ernte be­sonders geraten. Wer am Karfreitage nüchtern ein Gänseei verzehrt, schützt sid) vor Fieber. Brüche bei Kindern heilt man, indem man die Kinder in der Karfreitagsnacht durch eine frischgespaltene Eiche schiebt (!) uiid den Baum danach zu- bindet. Wenn dieser wieder zusammenwächst, so heilt auch der Briich. Schneidet man den Kindern am Karfreitag die Nägel an Händen und Füßen und drei Büschel Haare ab, die man verbrennt, so schützt man die Kinder vorbösen Leuten". Im Schivarzwalde besteht die Aiiffassung, daß dis Sonne am Karfreitags bis nachmittags 3 Uhr traure. Nach sd)wäbischer Volksvorstellung ist der Karfreitag ein Unglücks­tag, an dem man nichts von der Straße aufheben darf, weit die Hexen in der voraufgegangenen Nacht im Lande umher­gezogen sind und allerlei verderbenbringende Dinge verstreut haben. Gesd)cnke darf man an diesem Tage nur von den allernächsten Verwandten annehmen. Nach hessischer Meinung kommen Kälber, die am Karfreitag geworfen werden, nicht am. In der Gegend von Stendal geht man an diesem Tage nicht in den Garten, weil es sonst Raupen gibt, und in Wetzlar sagt man, Regen am Karfreitag mache die Erde durstig. In anderen, süddeutschen ©egenben herrscht bet Aber­glaube, daß man am Karfreitage Hexen sehen könne, wenn man in die Kirche ginge, weil die Hexen bei der Kreuzigungs­predigt zugegen sein müßten. Für Böhmen gilt dieser Aber­glaube für ben Gründonnerstag. Man erkennt die Hexen aber mit dann als solche, wenn man sich eine in derMarter- stunde", d. h. am Karfreitagmorgen um 3 Uhr geschnittene Elsenrute um den bloßen Leib legt. Norddeutscher Karfreitags­aberglaube endlich besagt, daß Karfreitagsregen giftig sei und deshalb Tropfen für Tropfen vom Erdboden fortgekratzt werden müsse. Eni am Karfreitage gelegtes Ei habe die Eigenschaft, jedes Feuer zu löschen, in das es geworfen wird. Wer an diesem Tage sich des Trinkens enthält, der kann während des ganzen folgenden Jahres trinken, ohne berauscht zu werden, und wer a» ihm die Stube mit einem neuen Besen kehrt und mit diesem dann über den Kohl fährt, der schützt diesen vor Raupenschaden.

Die zehn Gebote der Gssrmdheit.

Ein französischer Arzt stellt die Regeln zum gesunden Leben in Form von zehn Geboten zusammen, die, obwohl sie im Grnnde nichts Neues bieten, doch wegen ihrer treffenden Form verdienen behalten zu werden. Sie lauten so:

1. Stchc früh auf, gehe früh schtasen und fülle den Tag mit Arbeit aus. 2. Wasser und Brot erhalten das Leben; reine Luft und Sonnenschein sind für die Gesundheit unentbehrlich. 3. Mäßige Nahrung und Nüchternheit sind das beste Lcbcns- elixier. 4. Reinheit verhindert das Einrosten: die Maschine dauert am längsten, die am besten behandelt wird. 5. Zureichender Schlaf stärkt. und stellt den Körper wieder her; zu viel Schlaf verweichlicht und schwächt. 6. Vernünftig gekleidet sein heißt solche Kleidung tragen, daß die Bewegungen ungehindert sind