Ausgabe 
16.3.1908
 
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doppelte Offenbarung über die Rasse und den Charakter des Rauchers; eine, die durch die Länge des Pfeifenrohres­und eine, die durch die Aufnahmefähigkeit des Pfeifett- kopfes bestimmt wird. Die nordischen Rassen, die mehr arbeiten als die Südländer, geben den Pfeifen mit kurzem Rohr den Vorzug, weil sie handlicher sind als die langen Pfeifen; die südlichen Rassen dagegen lieben gerade die langen Pfeifenrohre, die der Pfeife ein besseres Aussehen ititb eine größere Bedeutung verleihen und sie zur feier­lichen Hauptbeschäftigung der Beschäftigungslosen machen. Dasselbe ungefähr läßt sich über die Aufnahmefähigkeit des Pfsifeukopfes sagen: Männer, die nicht viel Zeit zu ver­lieren haben, wählen ihn klein ein Fingerspitzchen voll Tabak, vier kräftige Züge, und aus ist's. . . Man hat ja schließlich im Leben noch anderes zu tun! Die Faullenzer, die beschaulichen Naturen, die Menschen, die da glauben, daß Schlafrock und Pantoffeln das A und O irdischer Glück­seligkeit seien, lieben die großen Pfeifenköpfe, in denen so viel Tabak Platz findet, daß man für einen halben Tag daran genug hat und eine ganze Wohnuilg damit verräu­chern kann. Kurz, man kann mit vollem Rechte sagen: Zeige mir, rvas für eine Pfeife du rauchst, und ich werde dir sagen, wer du bist. . .

* Der Geruchssinn des Hundes. In der Phy­siologischen Gesellschaft zu Berlin berichtete Dr. Otto Ka- lischer über die Ergebnisse seiner Dressurversuche an Hunden, um Gewißheit darüber zu erlangen, iuie weit das Geruchsorgan einzelne Gerüche zu unterscheiden vermöge. Schon vor einiger Zeit war es diesem Forscher gelungen, im Wege der Dressur das absolute Tongehör bei Hundert unzweifelhaft festzustellen. Die betreffenden Versuchstiere .griffen gierig nach den ihnen zugeworfenen Fleischstücken, sobald der Dorr, auf bett sie eben dressiert waren, augeschla- gen wurde, während sie bei anderen Tönen, auch wenn sie in der Hörnahe des Dressurtones lagen, die dargebotene Nahrung verschmähten. Dieses Tressürprinzip hat nun Dr. Otto Kaltscher auch zur Prüfung des Hrmdegeruchssiunes angewandt. Er führte der Gesellschaft einen auf den Bitter- nrandelstoff dressierten Hund vor, der iu den promptesten Weise reagierte. Das Tier fraß die mit deut genannten Stoff oder dem ihm gleichduftenden Nitrobenzol impräg­nierten Fleischstücke, während es sich von den anders dufwn- den Stücken mit verblüffender Entschiedenheit abivandte. Das gleiche interessante Phänomen zeigte sich bei einem auf den Moschusdust dressierten Hund. Ein drittes Versuchstier, das auf gewisse flüchtige Fettsäuren, auf Jsovaleriansüure eingestellt war,- wenn mau so sagen darf, tvurde zwar nicht vorgeführt, aber es blieb jedem Anwesenden freigestellt, sich int Laboratorium auch von dieser sehr interessierenden Und wohl auch für die Praxis verwertbaren Tatsache zu überzeugen. Diese neue Dressurmethode verspricht für die Erforschung der Funktionen der tierischen Sinnesorgane sehr bedeutungsvoll zu werden.

* Wie man in Japan lebt. Wir fted'eit uns ge­wöhnlich vor, daß Japan, das sich stolz das Reich der aufgehenden Sonne nennt, ein Land voll Licht und Him- melsbläue sei. Und dabei regnet es dort fast 300 Tage int Jahre. Abgesehen von eilt paar Wittterntonaten so schreibt G. Limo in derRevista d'Jtalia" sind in Japan alle Monate des Jahres nrehr oder minder regne­risch. lind wenn es regnet, werden die Straßen für Fuß­gänger vollständig unwegsam, für Ausländer lvenigsteits, detnt die Japaner kommen ntit ihren Holzschuheu, die unten mit zwei etiva 12 Zetttimeter hohen Querhölzern versehen sind, ganz gut vorwärts. Bekannt sind die nüch­terne Lebensweise liitd die Armut des japanischen Volkes. Die Bauern find so arm, daß sie sich ntritt einmal alle Tage den Luxus des Reisessens leisten können, obgleich, ein Kilogramm Reis kaum 14 oder 15 Pf. kostet. Matt ersetzt den Reis durch Gerste, die weit billiger ist. Die Japaner sind alle leidenschaftliche Raucher; selbst die Frauen rauchen häufig die Pfeife, die jedoch so mikroskopisch klein Ist, daß man sie kaum sehen kamt. Außerordentlich billig ist das Fahren ans der elektrischen Straßenbahn: der Preis einer Fahrt betrug früher kaum 3 Sen (ö Pfg.j und ist erst infolge der Kriegssteuer auf 8 Pf. hinaufgeschraubt

worden, obwohl manche Straßenbahüstrecke 10 Kilometer lang ist. Als etwas durchaus Notwendiges gilt allen Japanern ohne Ausnahme das tägliche Bad; selbst die ärmsten Seute, die keine Badeeinrichtung int Hause haben, geben täglich 3 Sen aus und gehen in eine der überaus zahlreichen öffentlichen Badeanstalten. Die eheliche Treue gilt als etwas so Heiliges, daß bis vor kurzem uich auf dem Lande ist es wohl noch heute der Fall die Nett- vermählte sich die Zähne schwärzen und die Augenbrauen abschneiden mußte, um ztt zeigest, daß sie dem Gatten ihre Schönheit opfere. Bewunderitswert ist der höfliche Ton in den gesellschaftlichen Beziehungen. Jeder tvird mitSan" (Herr) angeredet, die Dienstboten, die Lastträger, die Bettler, und es kommt nicht selten vor, daß die Mutter sogar ihren Jungen mitSan" anspricht. Weit unge- zwnngeuer sind die Japaner in ihrem Verkehr mit den ©Öttern. In den buddhistischen Tempeln sieht man uni den Altar Tamtams mit den dazu gehörigen Schlägeln. Dreimal schlägt der Gläubige die Metallscheibe, um die Aufmerksamkeit des Gottes auf sich zu lenken, tritt dann er auf deut Herzett hat, detttt Konfuzius empfiehlt, daß an beit Altar heran, faltet die Hände und sagt rasch, .was! man Gott nicht mit zu langen Gebeten belästigen soll. Wenn es sich aber einmal um eine längere Sache handelt, wird das Gebet niedergeschrieben und dann mit einigen Pfeuitigett iu einen eigens für solche Zivecke aufgestellten hängen die geschriebenen Gebete überall auf, so daß man Behälter geworfelt. Die Priester sammeln die Pfennige und in einem einzigen Tempel manchmal Taufende solcher Bittschriften" sieht.

Literatur.

Franz Karl Gtnzkeh: Jakobus und die Frauen. Eine Jugend. Broschiert 3.50 Mk. (Verlag L. Staackmann, Leipzig.)Jakobus und die Frauen" ist eilt tiefes, inniges und bedeutsames Buch. Mit feiner Seelcn- analhse werden in diesem Werke die Schicksale des jungen Jakobus Fiedler erzählt, der, ohne Mittler und Geschwister ausgewachsen, in seiner Sehnsucht nach Frauen eine lange Zeit im Dunkeln geht, bis er am Ende seiner JüuglingS- jahre erkennen lernt, daß es mit den Frauen steht, wie mit allem Schönen im Leben tuen weiß sie dann erst dauernd zu schätzen, wenn der demütig frohe Sinn für Schönheit und Fülle des Lebens int eigenen Herzen reif geworden ist. In dieser Bereicherung des Lebensgefühls» liegt ber ethische Wert dieses Buches. Seine Müdchen- gestalten sind trefflich gesehene Typen, mie sie den Jüng­lingen gemeiniglich zum Schicksal werden: Das Schulmädchen mit den allzufrüh erwachten Sinnen, denen dieDnmb- heit" des Knaben nicht gewachsen ist; das Grisettchen mit seiner sinnenoberflächlichen Liebe und endlich das gebildete kluge Mädchen aus der Gesellschaft, die jene große Jugeitd- liebe in ihm erweckt, an der er leidet und reift. Um diese drei Gestalten schlingt sich wie ein romantischer Kranz eine feine rührende Begebenheit, ein Kindheitserlebnis, das in' seiner symbolischen Bedeutung dem Buche jene Weihe gibt, die es aus dem Niveau einer spannenden Erzählung zur Höhe einer ernst zu nehmenden Dichtttng emporhebt.

Wahrheiten.

Gin Tor ist immer willig, Wenn eine Törin will! H. Heine.

Magisches Quadrat.

In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben A A A A A E E H H M M M M M N N derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgende» bedeuten:

1. Einen Nebenfluß.

2. Land in Asien.

3. Eine Stadt.

4. Einen Vornamen.

Auslösung iu nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer r Rebe, Rübe, Rabe, Robe.

Redaktion: P. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.