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Kelmuiß von Lovlen.
Roman vo» Ursula Zöge uon Manteuffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Frieda berührte seinen Arm!, denn Julchen trat gerade ein, das Kaffccbrett in den Händen, die harmlosen Augen voll froher Erwartung. Dies Kind sollte in Unbefangenheit erhalten bleiben. Bor ihr war nie erörtert worden, ob es recht oder schlecht ivar, das; eine ihrer Schwestern „zum Theater" gegangen war. Sie erfuhr cs nur als Tatsache und, da Luisens Namen nie iüTcber erwähnt wurde, versank mit den Jahren die Vorstellung in traumhaftes Tunket'. Jetzt hatte Frieda ihr mitgeteilt, Schwester Luise sei die Frau des Herrn von Lohsen geworden. Tiefer nun hatte auf das kindliche Gemüt der Kleinen tut Sommer den Eindruck eines nach Rothaide verschlagenen Märchcupriuzen gemacht und daher tvar sie jetzt voll erwartungsvoller Neugierde, den blonden Rittmeister und die halbvergcjsene Schwester wiedcrzuschen.
Jetzt stellte sie beit Kaffee vor den Bruder und lud ihn. nmnter SUN! Zulangen ein. Frieda Kündete die Lampe an, der Pastor setzte sich still üt seinen gewohnten Lehnstuhl. Sorgenfalten furchten seine Stirn, «. strich sich immer wieder mit der Hand drüber hin. Augenscheinlich kämpfte er. mit sich selbst und ging in ihm zu viel des Erwägens und schmerzlichen Erinnerns hin und her. Tie um Versöhnung flehende Tochter brachte ihm mehr Angst, Unruhe und Verwirrung als Freude über den Sünder, der Büste int. Ihre Heirat mit Lohse» versetzte ihn üt ratlose Bestürzung.
Es hätte ein peinliches. Schloeitzen geherrscht, ivenn Julchen nicht geschwatzt hätte. Sie fragte nach seinen Schulern und ob er Fräulein Rieteln im Ballkleide gesehen habe und erzählte Tvrf- hegcbcnhciten. Mitten drin stand der Vater still auf und verliest das Zimmer. Dee Kandidat trank eilig seine Kaffeetasse aus, sprang auf und folgte ihm. Frieda sah ihm besorgt nach Julchen nahm das Kaffecbrctt fort und trug cs trällernd durch den Hausflur. Dann verging eine, tute es der ältesten Schwester schien, endlose Zeit. Sie seufzte einigemal tief auf. Ter Zeiger an der laut tickenden Wanduhr ivar! um dreißig Minuten vorgerückt, als sie des Vaters Türe gehen und den Bruder über den Hausflur kommen hörte. Er steckte, mir den Kopf ins Zimmer:
„Gute Rächt, Frieda, ich must fort."
Nun sprang sie auf und holte ihn ein, ehe er die Haustür erreichte.
„Gotthard", sagte sic, „tuns hast du mit Väter verhandelt?" „Was fern.Mißte," sagte er kurz.
„Hast du Luisens Brief gelesen?"
„Dazu gebrach mir die Zeit. Er lvar endlos. Ich durchflog nur die ersten Seiten — erlast mir's, ihn zu beurteilen."
„Und Herrn von Lvysens Brief?"'
Er presste die Lippen zusammen.
„Ja!" — sagte er -rauh — „den täs ich. Solch ein Mäüjl — und wird so hingevpsert — fragws — rcuelos. Aber genug. Ter Baker jvov, wie ich mir dächte, völlig unfähig, einen Entschluß Sn fassen: Ich habe ihm den Weg gezeigt —. und glaube mir,
er ist (miir dankbar dafür. Mag sie Verzeihung finden — ?luf« nähme nicht!"
Er lvartete keine Entgegnung ab, sondern ging in der schnei kalten Abend hinaus und liest die Tür hinter sich ins Schloß fallen.
Die Schwester "stand noch immer tiefbekümmert und unruhig lauschend da, als erwarte sie, er iverde wiederkoMmen und ein weiches Wort für die Verlorene finden. Eine tiefe Hundestimme dicht vor der Haustür liest sie auffahren, zugleich sprang Julchen ans dem Wohnzimmer.
„Die Goldfee kommt!" — rief sie, „ich kenne Dingos Bellen!"
Es war wirklich Edeltraut, die, in einen warmen Ni au le l gehüllt, eine kleine Stallaterue in der Hand, den treuen Schützer zur Seite, durch den Schnee daher fallt!
„Na, was sagt ihr?" — rief ihre helle, frohe Stimme, „ich hatte just eine freie Stunde und da bin ich!" — Sie strich sich die festen Lederstiefelchen am Eisen ab, küßte die Schwestern und trat, gefolgt vom Hunde, in den Hausflur, hier schnupperte sie auf —> „habt ihr Bratäpfel?" fragte sie —■ „ich glaube gar —"
Julchen jubelte: „Natürlich! Ich steckte Aepfel in die Ofetch röhre, sowie der Bruder kam — aber der ist fort über alle Berge, ohne meine Aufmerksamkeiten zu würdigen. Auch gut. So sind sie für dich!"'
Sie gingen ins Wohnzimmer, der Hund streckte sich vor dem Ofen hin, Frieda nahm der Gekommenen den Mantel und das Kopftuch ab. Während Julchen nach den Aepfeln sah, flüsterten die beiden.
„Gotthard ist hart," sagt: Edeltraut.
„Er hat km!mev Augst vor dem Einfluß, den Luise auf Julie! ausüben könnte. Unser Kind ist so phanlasievoll und ihr in vielcini Ähnlich — das ist's, was ihn hauptsächlich wünschen läßt, sie fern, zu haltens"
„Das kann er gar nicht" — sagten Edeltraut ruhig.
„Tas weist ich eben nicht."
„Er kamt zum Beispiel doch nicht hindern, daß Lohsen uns besucht und seine Frau mitbringt. Damit wäre sie schon in Rothaide."
„Wahrhaftig, ja," sagte Frieda ganz verdutzt.
Julchen kam herein und sah neugierig zis den beiden empor r
„Freu du dich ein bißchen mit mir auf Schivester Luise!" — sagte sie bittend, „ich kann cs kaum erwarten, sie zu sehen> und Frieda und Bruder sind so entsetzlich gelassen."
„So kann ich dir versichern, daß ich mich freue, Kindchen, ich freue mich über diese Heirat mehr, als icki dir sagen kann."
Sie setzte sich aufs Sofa vor dem Teller voll duftender Bratäpfel und langte mit gutem Appetit zu. Julchen schmiegte sich au sie und Cat:
„So wollen wir uns ausmaleu, wie hübsch Schwester Luise aussehen wird, und wie sie beide angefahren kommen werden in einem goldenen Wagen mit Borreitcrn."
Während Edeltraut bereitwillig auf das Geplauder der Kleinen entging) verliest Frieda leise die Stube und ging zum Batcr hinüber. Er säst bei der grün verschleierten Lampe auf dem alten, lederbezogenen Sofa, (Kitte den Kopf an die Lehne gestützt und


