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celli. Einen sehr originellen und interessanten Versuch der Neudeutung von Botticellis, gewöhnlich „Primavera" genanntem Gemälde macht Wilhelm Uhde iui Oktoberhefte der bei Klinkhardt u. Biermann erscheinenden Monatshefte für Kunstwissenschaft. Ohne zu leugnen, daß Polizians Gedicht „La Giostra" das Werk angeregt haben mag, meint Uhde doch, daß der Sinn der Darstellung nicht erschöpft werde, wenn man sie bloß als eine Illustration betrachte, sondern daß sie von einer ebenso einfachen wie tiefsinnigen und großartigen Symbolik erfüllt sei. Er ver- weißt da auf die Mädchengestalt auf der rechten Seite des
" von Botti-
anderer Augen seine Schönheit sehen und immer wieder muß ich es sagen.
Auf den ersten Blick hin übt es ja freilich auf allzu bequeme und komfortverwöhnte Leute von heute nicht die rechte Anziehungskraft, denn noch führt kein geregelter Wagen- oder Automobilverkehr die schöne Waldstraße empor noch muß man selber fröhlich ausschreiten, und wenn man die Höhe erreicht hat, muß man wieder ein paar Serpentinen srch bergab schlängeln, um im einfachen „Roseqqerhof" die ersehnte Stärkung zu finden.
Aber schön ist es trotzdem dort oben, herrlich schön, denn e» weht so reiner, frischer Bergesatem, den weder Dampf der Bahnstrecke, noch Rauch von Fabrikschlöten verpesten^ Man steckt nicht zwischen den Bergen, man wandelt «us ehren Schultern, über ihren grünen Micken dahin, überall samtener Moosboden, liebliches Wiesengelünde, sanft ansteigende schöne Wälder mit alten Tannen und Fichten, alles ubervvll von Beeren und Pilzen, überall ein Heller Ausblick tu liebliche Landschaft.
Fast auf ebenen Waldwegen geht es nach der Pretu- älpe und ins Gebiet des Wechsels hinüber. Promenaden-» Wege, die die Natur selbst gegeben hat und an denen Menschenhände nur wenig mehr zu bessern hätten. Immer, auch an heißen Sommertagen streicht hier ein frischer Alm- wmd, und wenn die Sommergäste im Mürztal unten halb verschmachten, droben in der Waldheimat ist frisches Ozon zu holen und gutes, kalkfreies Quellwasser.
Fm Winter aber breitet sich der Schnee in so vollkom- knener Fülle und Reinheit über Straße, Wiesen, Wald- j iHöijeit und Mulden, bleibt so verläßlich liegen in seiner dichten Schwere, daß nirgends, weit und breit, ein besseres und schöneres Terrain für Wintersport zu finden ist. Tatsächlich lockt dies auch heute schon viele Rodler und Skiläufer hierher, wo sie Gelegenheit zu reichhaltigstem Ber- gstugeu finden, denn während am Semmering z. B. nur einzelne, relativ kleine Plätze zum Rodeln benützt werden können, ist hier, in der Waldheimat, ein unendlich weiter Spielraum für alle Art von Wintersport geboten und über dre prächtige Absteigstraße bis nach St. Kathrein hinab wird das Skirodeln und die Hörnerschlittenfahrt mit frohem .Eifer betrieben.
Kein Wunder, daß etliche weiterblickende Naturfreunde? schon seit langem davon träumen, dies schöne Stück Bergland, das ein Davos von Oesterreich werden könnte, für den Weltverkehr einzurichten und zu erschließen. Das schlafende Dornröschen der Steiermark soll zu pulsierendem Leben erweckt werden, die vielen, nach echter Ländlichkeit schmachtenden Großstädter, denen die „berühmten" Kurorte und die „bekannten" Sommer- und Winterfrischen schon zu menschenvoll, zu luxuriös geworden sind, hier sollen sie, bei allem nötigen, in unserer Zeit nicht mehr zu umgehenden Komfort, ein noch unverbrauchtes Stück Berq- uatur finden.
So hat man also in kleinem Kreis strebefreudiger Eingeweihter den schönen Plan ausgeheckt hier oben in der Waldheimat ein Hotel nach Schweizer Art zu bauen, einen fixen Verkehr von der Schnellzugsstation Mürzzuschlag nach der Waldheimat einzuleiten und dadurch der schönen Steiermark wieder einen neuen Kreis von Gästen, wieder eine neue, kleine Goldquelle zuzuführen.
Ein schöner Plan! Aber jede blühende Idee muß auch den rechten Boden finden, darin sie praktisch festwurzeln kann, soll eilt fruchtbringender Erfolg daraus werden. Und daran fehlt es leider, wie so oft bei uns. Es fehlt an den nötigen Geldkräften, die ein solches Unternehmen beherzt unterstützen, der Wagemut ist gar gering in dieser Richtung, und wo nicht gleich im Handumdrehen ein Riesen- ! gewinn zu erwarten ist, da will keiner einen Einsatz ris- < kieren. ,
Und dennoch lehrt die Erfahrung, daß in unserer nach i Hochgebirgslust und Sport so mächtig verlangenden Zeit : jedes derartige Unternehmen mit einiger Sicherheit auf 1 Erfolg rechnen darf. In der Schweiz z. B., auch in den :
VssmiZchse».
* Neber die deutsche Kaiserin läßt sich die ^uriner Zeitung „Momento" von einem Berliner Bericht- erstatter allerlei interessantes erzählen,- deutsche Leser wer- °en sofort erkennen, daß in dieser,CharakterskiM Wahrheit l und Dichtung, Erlauschtes und Erlogenes bunt durchein- andergewurfelt ist. „In Potsdam," so heißt es in dem - ital,eni>chen Blatte — „weiß jedermann, daß die Kaiserin Sommer und Winter um 7 Uhr aufsteht. Um 8 Uhr früh- stüQt sre und zwar immer mit dem Kaiser. Man sagt, daß die Kaiserin noch nie einen Roman gelesen habe, weil es LE.dozu an Zeit fehle. Dafür hat sie aber in musterhafter Wei.e ihre Kinder groß gezogen und mit ihnen, als sie noch Ilern waren, dre Schularbeiten gemacht. Sie leitet das ganze Haus, stickt Fahnenbänder für ihre Regimenter, hält dre mrt zahllosen Uniformen belastete Garderobe ihres Gatten sst.Ordnung und widmet eine Stunde ihres wohl ansqe- fullten Tages dem Klavier. Sie schwärmt nicht, wie der hohe Gemahl, für das Theater, für glänzende Hoffeste, für den Luxus, für die Reisen, ließet- ihr schlichtes, sanft dahin- flreßendes, von echter Religiosität erfülltes Leben führt sre ein Tagebuch, das niemand lesen darf, selbst der Gatte nichts die Tagebuchblätter bilden ein dickes, verschließbares Album, und die Kaiserin gibt den kleinen goldenen Schlüssel nremals aus den Händen. Nach acht Uhr beginnt die Kaiserin zu regiereir — natürlich nur in ihrem Hanse. Unter ihrer Leitung arbeitet das Personal mit militärischer Pünktlichkeit. Der Haushofmeister überreicht die „Menus" für die Mahlzeiten, die die Kaiserin regelmäßig abändert und vereinfacht; sie streicht unerbittlich alle Gerichte, Mei ihre Heimat in Frankreich haben (?), wie sie von den Programmen der Tafelmusik alle Musikstücke ausschließt, die „italienisch klingen" (??). Sie ist nämlich eine unentwegte Verehrerin Richard Wagners. Als sie Kaiserin wurde, ordnete sie an, daß die Mahlzeiten stets nur eine Stunde,^ auch nicht eine Minute länger, dauern sollten. Und sie Ivartete auch mit einem finanziellen Programm auf. Kaisep Wilhelm ist nie besonders sparsam und haushälterisch gewesen; dafür weiß aber seine Gemahlin weit besser zu rechnen: sie läßt sich über alle den Hof und den Hofstaat angehenden Ausgaben Bericht erstatten und macht gar oft größere Mstriche. Das sind — so schreibt der Gewährsmann des „Momento" — die wahrhaft schätzenswerten Tugenden der deutschen Kaiserin."
nicht gerade weltberühmten Gegenden, überall, wo nur ein schöner Berg lockt, ein See glänzt, lachende Täler sich dehnen, schießt ein Hotel um das andere empor und alle sind besetzt, alle kommen auf ihre Kosten. Und der Semme-
..^tstand er: nicht auch aus grüner Einsamkeit, an die eist niemand sich wagen wollte - und ist er nicht heute einer der ersten Luftkurorte der Welt?! Und auch sonst M,,^iermark — gibt es nicht allenthalben entzückende Wuuderplatze, die einstmals ungekannt waren und nun HrnMs ■pCei^er emporblühen zum Schmuck und Wohl des
ic0 denn hoffen, daß auch mein liebes H^bnbrodel noch ut goldenem Kleide zu Tanz geht, will mmstlich wünschen, daß auch die Waldheimat, das steirische woruroscheu, seinen mächtigen Prinzen findet, der alle
durchschneidet mit goldenem Schwert und es wach- kußt für alle Zeit. 1
.. Dichterlippen taten das freilich schon - aber die vermögen leider nicht genug; es bedarf auch eines ganz nüchternen, metallenen Erweckens! " .


