576

Außerordentlich günstigen Einfluß auf die Nachtruhe. Ihre Wirkung wird durch ähnliche Wasserapplikationen manch- mal noch erhöht, besonders durch Anlegung des sogenann­ten Neptunsgürtels, eines feuchten Umschlages um den Leib, welchen der Patient während der ganzen Nacht behält.

Ehe ein Patient seine Zuflucht zu sog. Schlafmitteln nimmt, sollte er stets versuchen, in der zuletzt geschilderten, diätetischen und physikalischen Weise aus die Schlaflosigkeit einzuwirken. Ganz besonders gilt dies, wenn es sich um Kinder handelt. Kinder, deren großes Schlafbedürfnis ich schon betont habe, leiden am meisten unter einer Störung der Nachtruhe. Deshalb ist es ans das Schärfste zu ver­urteilen, wenn Eltern ihre Heranwachsenden Sprößlinge erst in später Abendstunde ins Bett bringen. Die siebente, oder bei größeren Kindern die achte Stunde sollte vielmehr un­bedingt für das Zubettgehen innegehalten werden.

Die Aufklürrmg des Kindes.

Ich weiß einen Vater, der hat einen fünfjährigen Sohn. Nnd dieser fragte einmal:Vater, woher bin ich denn gekommen?" Der noch jugendliche Vater ist von der Frage überrascht, er will sein Kind nicht anlügen und er antwortet:Mein Kind, das will ich dir ein anderesmal agen, wenn du brav bist." Das Bübel war brav, sind als es ein paar Tage lang recht brav gewesen war, ragte es:Vater bin ich brav?"Sehr."So äge mir jetzt, ivoher ich gekommen bin."Das will ich dir nun sagen, mein lieber Bub. Von der Mutter bist du gekommen." Der Kleine:Wie ist das gewe­sen?"Ja, das ging so zu. Als die Mutter und ich zusammen geheiratet hatten, baten wir den lieben Gott, daß er uns ein Kindlein geben möchte. Da war es nicht lange und die Mutter hatte eines in sich. Unter dem Herzen ist ein Kammer!, und da war es drinnen und wuchs. Und als es so groß war, daß es im Kammer! nicht mehr Platz hatte, da kamst du zu uns." Der Knabe war befriedigt, geschirrte sein Schaukelpferd auf und dachte nicht weiter daran.

Die verfänglichste und wichtigste Wissenschaft war dem Knaben mit wenigen Worten beigebracht, zur Zeit, da man damit noch nicht Schaden tun kann. Ist erst die kindliche Neugierde gestillt, dann hält die Unschuld länger vor. Ich weiß es aus der Bauernschaft, wo in der animalischen Umgebung das Kind frühzeitig ivisfend wird. Und die Verderbnis der Jugend ist dort nicht größer als in Kreisen, ivo noch ins Gymnasium der Storch mitgeht.

Peter Rosegger.

Vsb'mlschtes.

* Redakteur-Freuden. Hat das Blatt viel An­zeigen, beklagen sich die Leser wegen Stosfmangels. Hat es wenig Anzeigen, sagt man, ist es nicbts wert. Läßt sich der Redakteur viel aus der .Gasse sehen, dann heißt es, er bummelt herum. Arbeitet er fleißig zu Hause, dann ist er ein fauler Mensch, der sich um kxine Neuigkeiten beküm­mert. Nimmt er einen langatmigen Bericht nicht aus, macht er sich Feinde. Nimmt er ihn auf, dann heißt es: Der bringt jeden Quatsch. Unterdrückt er peinliche Nachrichten aus gutmütigem Herzen, sagt man, er ist feige und bevor­zugt gewisse Klassen. Bringt er aber den Bericht, dann gibt es Krawall mit der betreffenden Familie und ihren Freunden. Nennt er in einem Bericht über eine Gerichts­verhandlung auf Bitten der Familienangehörigen des An­geklagten Namen nicht, so läßt er sich bestechen. Nennt er den Namen, so begeht er eine Gemeinheit. Macht er einen Witz, dann ist er bissig, anmaßend und unverschämt. Bleibt er mit seiner Schreiberei stets im Schatten kühler Denkungs­art, dann ist er ledern und langweilig. Gebraucht er eine scharfe Schreibweise, ist er klotzig und grob. Schreibt er gemäßigt und zahm, dann ist der Redakteur ein Schaf. Deckt er Mißstände auf, ist er ein Revolver-Journalist; kommt er dabei ins Gefängnis, ist er ein ganz dummer Kerl. Unterläßt er es infolge dieser üblen Erfahrungen und des Undankes der Welt, für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen, so ist er ein Reptil, ein elender Lohnschreiber, der für Höheres kein Interesse har usw.

* Knaben oder Mädchen? Dieses heikle Thema ist schon oft von der ernsten Wissenschaft behandelt worden. Eine besondere Beachtung verdient die Lösung dieser Frage, wie sie durch die statistischen Aufzeichnungen und Berech­nungen gewonnen wurde. Im allgemeinen werden zehst Prozent mehr Knaben als Mädchen geboren. Bei Frauen, die über 30 Jahre alt heiraten, kommen aber 130 Knaben­geburten auf 100 Mädchengeburten. Ungünstige Verhält­nisse in der Ernährung führen zu einer Mehrgeburt von Knaben, günstige Verhältnisse zu einer solchen von Mädchen. Besonders einflußreich ist das Alter der Eltern. War der Vater jünger als die Mutter, dann zählte man nur 91 männ­liche auf 100 weibliche Geburten, war er bis 3 Jahre älter, dann ganz auffällig 116 männliche auf 100 weibliche Ge­burten, war pr 6 bis 9 Jahre älter, dann betrug der Knaben­überschuß 24,6 Prozent, war er 9 bis 12 Fahre älter, dann 43,7 Prozent! Waren beide Eltern schon alt, dann wurden auf 100 Mädchen sogar 164 Knaben geboren. Diese genauen Feststellungen gestatten mancherlei Einblick in die Geheim­nisse des Lebens.

^Plattfuß alsRassenmerkmal. Vielfach wird behauptet, die als Plattfuß bezeichnete Mißbildung des; Fußes sei eine Rasseneigentümlichkeit bestimmter Völker, insbesondere der Neger und der Semiten. Trefflich charak­terisiert ein nordamerikanisches Volkslied, welches in leicht­satirischer Weise die Rasseneigentümlichkeit der Neger be­handelt, den Plattfuß, indem es dem Neger sagt:Er tritt' mit der Höhlung seines Fußes ein Loch in den Boden."' Eigenartig ist auch, daß man, wie von anderen körperlichen Eigentümlichkeiten, beispielsweise rotem Haar oder schielen­den Augen, so «a^'ch vom Plattfuß auf ihnt entsprechend«; geistige Eigentümlichkeiten schließt. Man meint nämlich- Neger, Juden und sonst mit dem Plattfuß behaftete Un­glückliche standen in ihrem geistigen Niveau dem Tiere anr nächsten. Dr. Muskat leugnet dagegen, daß der Plattfuß Rassenmerkmal sei. Nach Hoffa ist der Plattfuß nur in 4,3 Prozent der Fälle angeboren. In Preußen iverden jährlich 2,5 Prozent, in Oesterreich und der Schweiz 3 Pro­zent aller wehrfähigen Mannschaften des Plattfußes wegen ausgeschieden. In fast 98 Prozent der Fälle entsteht dec Plattfuß durch die Ungunst der Verhältnisse, insbesondere schlechtes Schuhzeug und Tragen gewisser Lasten.

Literatur.

In Nr. 31 desF r a n e n r ei ch s, mod. illusir. Wochen- schrist für die gesamten Interessen der Fran" (Verlag Berlin 8.14, Alte Jakobstr. 92), finden sich einige Aussätze, die vielleicht einiges Interesse für manche unsere Leserinnen haben. Frieda Radel plaudert mit Geist überDeutsche Frauen auf Reisen" und Dr. Paul Berg überModerne Seereisen." Paul Witlko veröffentlicht einen Aufsatz über die Darmstädter Ausstellnng.Das Rechtsverhältnis zwischen Herrschaft und Dienstboten" erörtert Dr. Alb. Steinhage.Der Kampf nm Nietzsche und die Frauen" betitelt sich ein Aufsatz von M. Beszmertuy. lieber dieOlympischen Spiele" berichtet Erna Nickel-Ritter. 21 v. Valkenburg spricht mit Wärme über H o l z a m e r s unter dem TitelIm Wandern und Werden" gesammelte kritische Aufsätze. Eine Kulturplauderer Schönheit und Schönheitsmittel" von Dr. 2l. Bang wird viel Interesse erwecken. Sonst finden sich in diefem Hefte auch viele für praktische Hausfrauen wertvolle Aufsätze und Abhandlungen.

An- und Einsichten.

A u s s p r u ch eines M i n i st e r § :

Man darf Reformen nicht überstürzen; vielmehr muß man der Regierung Zeit lassen, das, was sie versprach, auch zu vergessen."

Merkwürdig, wie sehr der Staat oft knausert, wenn sich's darum handelt, etwas für fein Wohl zu tun!

Unter denStaats - Notwendigkeiten" gab's von jeher einige, die überflüssig, und mehrere, die schädlich waren.

Charade (zweisilbig).

Mich erste, frisch und frei, sucht alles emsiglich, Ihr lebt von mir und sterbet ohne mich.

Geld, Hab und Gut vertraut mir ziveitcn arm und reich; Und groß, ihr Großen, dien' ich auch zur Wohnung euch. Mein Ganzes baut die Welt erfindrisch oft und gern Voll Pracht auf kurze Zeit; vom Weifeir ist es fern.

.Auflösung in nächster Nummer.?

Auflösung der viersilbigen Charade in voriger Nummer: E tl l e n, Spiegel. E u l e n s p i e g e l.

Redaktion: ($. Anderson. Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.