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Man denke sich unsere fröhliche Gesellschaft auf einem Warsch nach dem schön gelegenen Mauthausen begriffen. Wir hatten gerade die Stauffenbrücke überschritten, als unser Klingenthaler einige besorgte Blicke gen Himmel richtete und ein wenig tiefsinnig bemerkte:Das Leder fällt im Preise, weil esHäute" regnen wird." Im nächsten Augenblick goß es aber auch schon und mit beschleunigten Schritten ging es nunmehr auf das Dorfwirtshaus zu. Allerdings nicht, ohne noch schnell eine niedliche junge Dame aus Ludwigshafen, die ebenfalls vor dem Unwetter «usriß, ins Schlepptau genommen zu haben. Und nun begann im Dorfwirtshaus ein neckisches Spiel. Unser Klingenthaler flirtete ein wenig mit der neuen Genossin, während die Karlsbaderin mit viel Geschick seine vernach­lässigte Ehegattin mimte. Die Ludwigshafenerin kroch arglos auf beit Leim und geriet in die reizendste Verlegen­heit. Beinr Nachtmahl, zu dein das mitgebrachte Dutzend Würste aus der Faust gegessen wurde, klärte sich dann alles in eitel Wohlgefallen aus. Nicht so der Himmel! Der zeigte noch ein finsteres Aussehen, und kaum waren wir ein Viertelstündchen weit gegangen, da öffnete er von neuem seine Schleusen und übergoß uns mit seinem durchs dringenden Naß. Die frohe Laune konnte er uns trotzdem nicht verderben.

Einige Tage später strahlte der Himmel wieder in heiterstem Blau und traf unsere Gesellschaft auf herrlichen Waldhängen dahinschreitend au. Es galt, dem lieblichen, von gewaltigen Berghäuptern ringsum eingerahmten Thumsee einen Besuch abzustatten. Die ersten Abendschatten hatten sich bereits herniedergesenkt, als wir am Gestade ankamen. Weihevolle Stille ringsum. Lautlos glitt ein kleines Boot, von einem Liebespärchen gesteuert, über den klaren Bergsee. Stimmung überall!Wie du aussiehst!" jodelte da unser launiger Klingenthaler hinauf zu den Bergwänden. Nach sekundenlanger Pause jodelt das Echo klar und deutlich zurück. Damit war der Bann gebrochen, von dem schönheitsdurstige Menschen beim Anblick der erhabenen Natur saft immer gefangen gehalten werden. Man stieg nun den Haug hinauf und machte Rast in der Hütte des biederen Madlbauern. Bier, Schwarzbrot mit Butter und wohlschmeckende Rettiche wurden uns mit hol­dem Lächeln von einem blitzsauberen Roserl geboten. Ein lustiges Tafeln begann, ivobei auch dem üblichen Dutzend Regensburgern die ihnen gebührende Beachtung zuteil wurde. Man raunte, die gnädige Frau habe davon ein Viertel- Dutzend ohne bemerkbare Anstrengung verzehrt. Inzwischen war eine sternenklare Nacht heraufgezogen. Vergnügt ging es int Schatten der Bergriesen heimwärts. Ein kleines, verirrtes Kätzchen gab uns noch ein Stück Weges das Geleite. Dann führte uns ein wundervoller, wohl allen Beteiligten unvergeßlicher Nachtmarsch nach Reichenhals.

Nun sitze ich wieder daheim in des Alltags gewichtiger Tretmühle. Aber froh ist mein Sinn und gerne denke ich der zurückgebliebenen Genossen. Daß auch sie meiner ge­denken und mich vielleicht gar ein wenig vermissen werden, deß bin ich gewiß. Und ich bin stolz darauf.

Sollte mich aber ein freundliches Geschick jemals wieder nach dem Reichenhaller Ländchen führen, daun werde ich noch einmal hinaufsteigen nach Nonn, um mir vom Faunerl meines dortigen Hauswirtes Schweinshaxen auftischen zu lassen. Wer diesen Leckerbissen noch nicht kennt, der ver­nehme und staune:A Schweinshaxen? Dös is dös!" be­lehrte mich dieses fesche Bahernmädel aus meine Frage danach, und schlug dabei herzhaft auf seine Schenkel. B.

Schlaflosigkeit und ihre Bekämpfung.

Von Privatdozent Dr. P. S ch u st e r.*)

In erster Reihe hat man zu untersuchen, ob die Schlaf­losigkeit nicht etwa durch gewisse Fehler in der Verteilung ' YffiTefe beachtenswerten Ausführungen entnehmen wir dem soeben in der SammlungWissenschaft und Bildung' erschienenen, sehr empfehlenswerten BucheTas Nervensystem und die Schäd­lichkeiten des täglichen Lebens". (Geh. 1 Mk. Drigmal- leinenband 1.25 Mk. . Verlag von Quelle L MeyeiG

und in der Art der Mahlzeiten bedingt oder begünstigt werde. Es ist ohne weiteres einleuchtend, daß ein Patient, der aus gewissen anderen Gründen schon zu unruhigem Schlaf neigt, sich hüten muß, seinen Derdaunngskaual für die Nachtzeit zu überlasten. Die Aufnahme reichlicher und schwerer Mahlzeiten muß demnach in bett Abendstunden unterbleiben. Vor allen Dingen soll das Abendessen keines­falls später, sondern eher früher als um 8 Uhr eingenommen werden. Eventuell scheue man sich nicht, bett Patienten abenbs um 7 Uhr seine letzte Mahlzeit, ein bis zwei Butter­brote und zwei Eier, nehmen zu lassen. In gleicher Weise, wie die Aufnahme zu reichlicher Nahrung, ist die Aufnahme einer großen Menge geistiger Getränke zu vermeiden. Die nach größeren Mengen von Alkohol austretende rauschähu- liche Betäubung während des Schlafes ist durchaus nicht beut normalen stärkenden Schlaf gleichzusetzen und hinter­läßt nicht, wie dieser, ein Gefühl der Erquickung, sondern bekanntlich oft für den ganzen folgenden Tag üble Nach­wehen. Außerdem ist die Zahl der Nervenschwachen gar nicht gering, bei welchen der Alkohol nicht einschläfernd, sondern geradezu ermunternd und aufregend wirkt. Das Gesagte gilt jedoch nur für große und übermäßige Alkohol­mengen. Bei Kranken, welche nicht allzusehr an den Alkohol- genuß gewöhnt sind, erzeugt die Darreichung eines Glases Bier, besonders gewisser Münchener Arten, im Gegenteil oft Schlaf. Zu den zu meidenden Getränken gehören außer den alkoholhaltigen noch besonders der Kaffee und der Tee. Wir hörten, daß der Genuß des Tabaks einen ganz ähn­lichen Einfluß auf unsere Nerven hat wie der Genuß des Kaffees und Tees. Infolgedessen muß auch das Rauchen vor dem Schlafengehen aus ein Minimum herabgesetzt werden.

Bei der Bekämpfung der Hindernisse, welche sich einer ungestörten Nachtruhe entgegenstellen, müssen wir unser Augenmerk auch darauf richten, wie der Patient sich in den Abendstunden geistig beschäftigt. Sobald wir bemerken, daß jemand, der über Schlaflosigkeit klagt, bis unmittelbar vor dem Zubettegehen angestrengt geistig arbeitet oder auch nur liest, so werden wir hierin unter allen Umständen zum mindesten ein die Schlaflosigkeit begünstigendes Moment erblicken dürfen, dessen Beseitigung gefordert werden muß. Auch der Besuch des Theaters und der Konzerte, noch mehr aber andere, noch anfregendere Vergnügungen, wie das Spiel und ähnliche Zerstreuungen sind in der Regel zt» meiden. Wenn man auch nicht schematisieren soll, und wenn man gelegentlich auch gerade nach einem Theater­besuch oder bergt eine ausfallend gute Nacht bei den Pa­tienten sieht, so gilt doch im allgemeinen der Satz- daß jede besondere geistige Anregung irgendwelcher Art vor dem Schlafengehen sehr leicht schaden kann. Es ist nicht nötig, daß die Kranken die Abendstunden ohne jede Beschäftigung und ganz allein, ohne jede Gesellschaft verbringen, aber die Beschäftigung, welche sie in jenen Stunden vornehmen, soll eine ganz leichte, etwa eine nicht aufregende belle­tristische Lektüre, ein Plauderstündchen mit nahen SSer» wandten oder Bekannten, ein kurzes Musizieren und bergt sein. Sehr gut wirkt oft eilt kleiner Spaziergang, welcher nach Einnahme der Abendmahlzeit noch unternommen Ivtrd. Einen ähnlich günstigen Erfolg haben nicht zu laug fort­gesetzte Freiübungen, die der Patient eventuell nn Schlaf­zimmer unmittelbar vor dem Niederlegen vornehmen kann. Man muß sich natürlich auch hier vor dem Zuviel hüten. Ich habe früher auf die Nachteile und Schäden ausmerlfain gemacht, welche nuferem Nervensystem in gleichem Maße wie durch die geistige, durch die körperliche Ueberanstrengung drohen. Diese Tatsache macht sich nirgendswo mehr be­merkbar als bei dem Schlaf. Gilt jeder hat es gewiß phon einmal am eigenen Leibe gespürt, daß nach einer Berg­partie oder nach anderen sehr großen körperlichen Anstreng- nngeit, wenn man mit Sicherheit ans eine besonders gute Nacht rechnen zu können glaubte, der Schlaf gerade tut Gegenteil sehr unruhig und schlecht war und von inasteii- haften Träumen unterbrochen wurde. Der Laie spricht in solchen Fällen von einerNebermüdung". Die unange­nehmen Folgen einer solchenklebermüdung" in Bezug auf beit Schlaf treten natürlich bei Nervenschwachen außerordent­lich viel leichter und nach viel geringeren Muskelanstreng- uitgen auf als bei Gesunden. Wie aber beim Gefunden die Folgen einer Uebermüdung durch ein warmes ^olwad oder schon durch eine laue Waschung oder Abreibung des. ganzen Körpers hintangehalten werden können, so haben diese Mttel auch beim nerveiifchwachenMeuscben oft einen