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Montag den K September
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Der Dorfkömg.
Roman von Karl Böttcher-Chemnitz.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Etliche Wochen darauf reiste Beate von Horbach nach Hause. Ihr Vater war zum Oberst befördert worden, und mit dieser Feier sollte zugleich Ernst von HorbachA Avancement zum Premier festlich begangen werden.
„Du solltest mitfahren, Erika!" sagte kurz vor der Abreise Beate. — „Mein Bruder würde sich freuen, wenn du ihm persönlich gratuliertest."
„So — meinst du? — — Wenn ich nicht noch Trauer hätte!"
„Die wird tnan bei uns ehren."
Erika sann ein wenig nach, dann rief sie: „Ich reise mit," Und umschlang stürmisch die Freundin.
In Leipzig empfing sie der Leutnant am Bahnhof. Seine Freude war ungeheuchelt.
Das bunte Leben Leipzigs, die Fahrt in der Horbachschen Equipage und Seite an Seite mit dem Leutnant, — all das wirkte tnächtig auf sie.
Auch die alten Horbachs empfingen sie äußerst freundlich, besonders die Frau Oberst. Sie führte Erika selbst in ihre Zimmer, zwei reizende Boudoirs int Giebel der Villa.
Am Abend war große Tafel. In Anbetracht ihrer Trauer er- schiett Erika in einem einfachen, grauen Kleid. Ernst von Horbach führte sie zu Tisch. Anfangs fühlte sie sich unter all diesen glänzenden Uniformen, unter diesen Fracks und seidenschillernden Toiletten imsicher, nicht ahnend, daß ihr bescheidenes Wesen, ihr ängstliches Gesicht ihren Liebreiz nur erhöhten.
Da sie aber beständig umringt war von den jüngeren Herren, ward sie nach und nach unbefangener. Ihr rascher Geist sand sich schnell in die Situation und machte sie bald zur Herrin derselben.
Ernst von Horbach bot ihr ein Vielliebchen.
Sie lächelte. „Auf guten Morgen — Vielliebchen."
„Mitternacht gilt !"— ——
Kurz nach 11 Uhr war es vollständig still tu der Billa des Oberst von Horbach. , , . ,.
Erika stand in ihrem Zintmer am Fenster und schaute m dtc Nacht. Vor ihr standen glutende Rosen. Sie hob die Base und drückte ihr Gesicht in den duftenden Strauß.
Hinter den dunklen Dächern der Riesenhäuser kletterte langsam holler Schein herauf und übergoß die Schiefer mit wagender '0 Und dann kam er selbst, der Hirt der Nacht, in seiner reinen Hehre. Ruckweise schob er sich herauf, und nun saß er auf dem First wie ein Reiter, und er blickte gerade nt Erikas Fehler und lachte übers ganze Gesicht und nickte. ,
Da sah er die Rosen und machte ein bos Gesicht. Sie setzte die Vase hastig hin, der Strauß siel zu Boden — und nun lachte er wieder. Sie sah die Augen, wie sie tnstig zimmerten, und die Nase und den Mund.
Da dachte sie an etwas: Alt einen rauschendett Fluß inmitteir schwarzer Berge und an ein kleines Inselchen, und ihr war's/ als hörte sie das Stoßeit und Stampfen der Mühle. Sie beugte sich zum Fenster hinaus, das Geräusch klang ganz deutlich herüber^
„Ach — die Cmkau-Mühle, — sagte Mir Beate."
Das klang so heimlich und so heimatlich, und der Mond da oben, dev friedliche tiitit stille! — Das Heimweh war da, das Sehnen nach beit dunklen Wäldern und fein' Talwinkel und der Talmühle. Sie stützte sich aufs Fensterbrett und ließ ihre Ge-< danken wandern. Eine Erinnerung nach der andern hob sich' und ward lebendig. — Da kant auch eine. Schwer lösch sie sich aus dem letzten Seelenwinkel. Sie machte sich breit und setzte! sich auf die Schwelle ihres Herzens und wollte eben erzählen/ erzählen von einem, dem sie Nacken und Ohr geküßt. ■—
Da schlug es Mitternacht.
Es klopfte jemand an die Tust — Sie lauschte. Wieder das Klopfen. — Die Tür ging auf; leise, leise. .Erika wandte sich um1; das Hertz wollte ihr stille stehen.
,,©ie'—- Herr Leutnant,---— uM diese Stunde?"
„Guten Morgen — Vielliebchen! — Mitternacht gilt!"
Und dazu das sieghafte Lächeln, das sie entwaffnete, das den klaren Wvndcsglanz überstrahlte. Ihr wurde es auf einmal schwach. — Es war eine wohlige, süße Schwäche, — ein Erbteil der Mutter. Sie setzte sich in einen großen Lehnstuhl und der Leutnant lehnte sich daran.
„Sind Sie mir böse?" — Er beugte sich über sie, sein lunges, frisches, lächelndes Antlitz war ihr ganz nahe.
Sie schüttelte den Kops; — sie wollte das' nicht, konnte abey nicht dagegen an.
Und nun begann er zu sprechen, mit leiser, zitternder, weichet? Stimme. Worte, die sie noch nie gehört, die sich aber ins Herz stahlen und drin nisteten und drin alles einschläferten. Sie antwortete nichts, sie saß da mit gefalteten Händen und halbgeschlossenen Augen. Sie sah nicht, wie der Mond finsterer und' bleicher ward und endlich mit schwarzen Wolken zornig sein Antlitz verhüllte. Nun war es finster! . .
Ernst von Horbach flüsterte noch imwer leise Worte von jehgef Liebe und goldener Jugend: sie wehrte sich nicht dagegen. Er bog ihren Kopf zurück und küßte ihre jungen Lippen: sw wehrte sich nicht dagegen. schlich fiinciuS1, fie ntentc cs icutin. Sie träumte mit halboffenen Augen in den jungen Tag htnetn und die ersten Morgensonnenstrahlen küßten ihr junges Liebesglück wach, und wie die Morgenröte glänzte ihr rosig die Zukunft. — —
12. Kapitel.
Dev alte Guttermänn war nun Besitzer von Altengrün, doch der Herr im Dorfe war Hugo Guttermänn. Nach mancltem harten Kampf mit dem Vater hatte Hugo durchgesetzt, daß ihut ganz allein das Regiment überlassen würde.
Mit den Erfahrungen, die er bei Bauer Jllgen tu Reichenberg gesammelt hatte, wollte er nun wirtschasten. Dieses Jahr sollte, gewissermaßen als Kraftprobe, nur Korn gebaut werden, und nach seiner Berechnung mußten bei mittelmäßiger Ernte ungeheure Quantitäten hereinkommen.


