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Moira, das Schicksal, ist ebenfalls keine selbständige Macht; sie ist bloß die meldende oder ausführende Botin des Willens ihres schrecklichen Vaters Ananke. Und auch Ananke, obschon ausgestattet mit all der Macht, die im Wirken der Welt uns erkennbar wird, scheint nicht selbstherrlich: er ist derge­zwungene Zwang". Bezeichnenderweise behandelt der Dichter Ananke als Mann; er traut wohl einem Weibe die Grausamkeit, Härte und Unerbittlichkeit nicht 51t,, die zur Durchführung all des Entsetzlichen in der Welt nötig sind. . .

Man nehme diese Weltanschauung Spittelers hm, tme man will, trotzig oder resigniert: in seinem Werke erscheint sie als Religion. So schrecklich dieser Pessimismus erscheint, der alles als notwendig und als ewig wiederkehrend hinstellt, so tröstlich, ja moralbildend und bessernd kann er wirken, in­sofern als jedes Höhcrstreben des Menschen auch als eine von Ewigkeit her bestimmte Notwendigkeit erschiene. Damit ist er lebenbejahend und mündet in eine Philosophie aus, die, wie die Jordans, in der Darwinischen Lehre ihre wissenschaft­liche Begründung hätte. Kein Sichgehcnkasseu, keine untätige Hoffnungsseligkeit, kein fatalistischer Türkenglanbc hat in ihr Raum: nur der kämpfende' Mann spricht in ihr mit, nach Goethes Forderung: Tätigkeit und Vertrauen!

Vermischtes.

ipc. Die Klage einer Amerikanerin über die deutschen Männer. Eine junge elegante Amerikanerin, welche kürzlich in Gesellschaft einer Freundin den europäischen Kontinent rmd auch Deutschland besucht hat, richtet folgende Beschwerde an den Briefkasten des New Park Heralb:

Ist es möglich, daß das auffällige Anstarren junger Damen in Deutschland manierlich gefunden werden kann? Ich und meine Freundin sind während meiner Reise durch Deutschland in allen Hotels durch allzueifriges Anstarren durch junge Männer in unangenehmster Weise belästigt worden. Auch in andern Ländern Europas haben wir die Beobachtung gemacht, daß gerade die deutschen Herren sich durch zudringliche Neugierde vor alleir andern auszeichnen. Wir nahmen in der erster 'Zeit an, daß wir uns zufällig einige» Leuten gegenüben befanden, welche die Lehren des gute« Tones eben nicht ' genügend beherzigten, aber ein kleines Abenteuer, welches wir in Italien hatten, belehrte uns bald eines Schlechtem. Wir saßen in einem fashioitablen Hotel der Riviera imi) in unserer Nähe saß ein junger Herr, welcher uns in so auffälliger Weise mit den Blicken verfolgte, daß wir nicht umhin konnten, den Maitre dHotel zu bitten, uns einen andern Tisch anzuweisen. Zn unfern: Erstaunen teilte uns Letzterer mit, daß der in Frage kommende Herr ein naher Verwandter eines der höchsten deutschen Fürsten­häuser sei. Ist es nun möglich, daß dieser junge Mann sich privilegiert glaubt, sich an die Gesetze des guten Tones nicht haltet: zu müsset:, oder amüsieret: sich alle deutsche!: Herren damit, jedes einigermaßei: hübsche Mädchen, in dessen Nähe sie sitzen, in auffälliger Weise zu beäuget: ? Als geborene Amerikanerin und als Tochter eii:es Landes, in welchem der Gentlemai: einer Frau bett höchsten Respekt zollt, bitt ich ein solches Benehnten keinestvegs gewohnt, und muß ich sagen, daß es mir dett Aufent­halt in dem sonst so schönen Deutschland ein wenig ver­leidet hat. Vielleicht kamt mich einer der Leser dieser Zeilen darüber informieren, ob die vernünftig denkenden Leute in Deutschland ein solches Benehmeit verurteilen oder richtig finden.

* Ein furchtbare r Schlafgefährte. Im Eclair" erzählt A. Haune, der längere Zeit in Marti­nique geweilt hat,s vot: dem außerordentlichen Schlangen- reichtutn dieser französischen Insel in Westindien und von dett Verheerungett, die die furchtbaren Giftschlangen all­jährlich unter den Eingeborenen attrichten. Dabei berichtet er von einem Vorfall, der sich vor nicht allzu langer Zeit in Fort de Fratice ereignete. Int Disziplinarge- fängnis war ein junger Kolonicllsoldat wegen eines gcring- sügigcn Vergehens eingeliefert worden. Die Temperatur tvar heiß nrtb drückend, und da der Soldat feiu schweres Verbrechet! sich hatte zuschulden kommen lassen, ließ der

Redaktion: I. V.:

diensthabende Sergeant die Nacht über die Zelle halb offen. Der Aufseher selbst erzählt das weitere:Die Nacht ver­lief ohne Zwischenfall. Als ich am Morget: um fünf Uhr mich der Zelle näherte, um nteittett Gefangenen mit einem energischenAufstehen!" aus dem Schlummer zu weckett, blieb mir vor Entsetzen das Wort in der Kehle stecket:. Der Maut: lag auf dem Rücken, unbeweglich, und auf seiner Brust sah ich eine große gelbe Viper. Friedlich hatte sie sich dort zusammengerollt und schien zu schlafet:. Auf den Fußzehen schlich ich davot:, stürzte zur Polizei und kehrte nach roeingett Minuten mit einer Schale Milch und einigen Gefährtei: zurück. Leise, vorsichtig schob ich das Milchgefäß durch den Türspalt und begam: zu pfeifen; was mir gerade eiitfiel, ich glaube, es war dieschöne blaue Donau". Bei der Walzerweise hob die Viper, die für Musik eine außerordentliche Vorliebe hat, bet: Kopf, itttb baut: glitt sie langsam zur Erde und näherte sich der Milchschale. In dem Augenblick, da die spitze schmale Zunge itt die weiße Milch tauchte, saustet: zehn Knüttel gleichzeitig auf das Reptil nieder. Es war eit: prachtvolles Exemplar vot: fast zwei Meter Länge. Der Gefangene aber lag besinnungslos in tiefer Ohnmacht. Er erzählte später, wie er um Mitternacht von einem Drucke auf der Brust erwacht sei und den glatten Schlangenkörper gespürt, den Kopf der verderblichen Viper deutlich gesehen habe. Ji: starrem Entsetzen, in krampfhafter Unbeweglichkeit ver­brachte er die Nacht, die Sekut:den wurdet: zu Stunden, und als er am Morget: endlich meinen Schritt hörte, wurde er ohnmächtig vor Nervenerschöpfung. Erst nach wochenlai:gem Aufenthalt im Saitatoriun: erholte er sich. Seine Haare aber wäret: it: diesen fürchterliche!: Stunden über Nacht schneeweiß geworden. . .

* Das Radfahren der Kinder. Auch viele Kinder hegen den Wunsch, ein Stahlroß zu tummeln, und man kann viel Knaben und Mädchen auf dein Rade sehen. So sehr nun das Radfahren einem Erwachsenen als außerordentlich gesunde Körper- Übung entpfohlen werden kann, falls er nicht in Uebertretbiing verfällt, so schädlich ist es den Kindern. Der Rumpf t|t nom zu schwach, die Knochen sind noch zu wetch, die Lunge noch zu nneutwickelt, Kehlkopf und Rachenorgane sind geraoe ut dieser Zeit außerordentlich empfindlich. Erst vom la. .jatjre etwa an gestatte man Knaben und Mädchen das Radfahren.

Das Haus im Spruch.

Tie Räume wachsen, es dehnt ffich das Hans. Schiller.

Im Hause, wo der Gatte sicher waltet, Da wohnt allein der Friede, bett vergebens Int weiten du da draußen suchen ntagst. Goethe.

TaS HauS ist ein Teil deS^Ctaates. Theophrast.

Kommt das Gluck des HauseS, so kommt das Glück der Welt. In seinem Hause ist selbst der Arme ein Fürst. Talmud.

Rätsel.

DaS Erste ist der Liebe Wort; Dein Glück ist ausgebaut, Wenn nach der bangen Frage du Vernommen diejctt Lattt.

Das Zweite ist das Gegenteil, Gefortnt vom Dialekt.

Wie ost hat es int Ehestand Schon Zorn und Zwist geweckt?

Das Dritte drückt die Menge auS, Bald ist sie klein, bald groß;

Sie zeigt sich schott in edlem Buttd, Doch schrecklich zügellos.

Tas Ganze nennt den Krieger dir

In einem fernen Land, In nnserer deutschen Sprache ist Es lange schon bekannt. 9(. Ammann.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Gemeinsam Leid macht die Bürde leichter.

E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Sleindruckerei, N. Lange, Gießen,