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Keimuil) von Jotifen.
Roman von Ursula Zöge Von Manteuffel.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Der Graf in tadellos sitzendem Frack, die Blume int Knopfloch, den charaktervollen, aristokratischen, grauen Kopf tadellos frisiert- so weit Frisur noch möglich war, beeilte sich, die Dame des Hauses zu erreichen, um ihr die Hand zu küssen, wöbet feine scharfen Angen forsc^nd und suchend durch den Saal glitten. w * ein wenig erregt und kurzatmig und brachte erst nach einer Werte hervor: '„Meine Damen . . . wissen Sie schon? . . . Frau von Reckuitz ist doch nicht in der Nahe?"
„Die sind noch gar nicht gekommen," sagte die Bessendorf achselzuckend, „man sieht sie eigentlich gar nicht mehr.
„Sehr begreiflich" — flüsterte Baronin Prancken — „finden Cie nicht? Diese unbestimmten Gerüchte über den Bruder —
Aber meine Damen! So komme ich also mit einer Neuigkeit!" Stellen Sie sich vor — Loysen ist verheiratet!"
„Verheiratet!" — Der Kreis schloß sich enger um den lieber» bringen dieser Nachricht.
„Ja. Wie finden Sie das? Tolle Sache. Abominable, sage ich."
„Aber bester Präs, woher tvissen Ste es nur?
„Annonce in der Kreuzzeitung, ganz unscheinbar, aber unzweifelhaft: Helmuth von Loysen. Luise Becker. Vermählte! — Ja, was sagt man denn da?" ,. n t
,Bitte, bitte, ist das die?" — fragte die Landrutm.
„Das — ist — die!" — bestätigte der alte Herr, jedes Wort mit dem Zeigefinger der Rechten in seine Linke hinemtippend.
„Wollen beim die Tarnen nicht Platz nehmen?" — fragte die Besfendors phlegmatisch. Sie tvar sehr dick und hoffte auf diese Art ihre-Hausfrauenpflichten zu genügen und zugleich ihre Bequemlichkeit zu finden. .
Mau setzte sich int Halbkreis, Komtesse Henny tvar tu den Tanzsaal gestürmt, die schöne Valois setzte sich so, daß tie von den Tänzern nicht tingeseheu bleiben konnte, und zog die lange Schleppe ihres schwarzen ?ltlaskleides so, daß das gelbe ©etucn» futter und die knisternde Fülle gelber Spitzen wie eine gekräuselte Brandungswelle auf dem Parkett hinwogte. So im Profil, mit einem großen Strauß gelber Primeln am Halsansschnitt, sag sie still und gedankenvoll, einfach prachtvoll anzusehen, und von ihrem ritterlichen „Ballvatcr", tote sie ihn mit einem fast melancholischen kleinen Lächeln nannte, manch bewundernden Seitenblickes gewürdigt. Es war nicht schlecht, hier ans dem Kreise ocr .,älteren Damen" alle Augenblicke von einem Studenten oder einem blutjungen Leutnant zum Tanz geholt zu werden, lieber Helmuth Loysen lvaren für sie die Akten geschlossen. btn dankbar, daß ich nicht die Unklugheit hatte, ibn zu nehmen, , hatte sie unterwegs im Schlitten gesagt und dann kein Wort werter darüber verloren, sondern in stolzer Ruhe den boshaften und witzigen Kommentaren der kleinen Komtesse zugehörig
„Also er hat sie wahrhaftig geheiratet!" — rief die Baronin
Prancken — „unglaublich! — hat man berat von biefrt Persok als Künstlerin je etwas gehört?"
„Nie!" — sagte Gras Tranen aus tiefster Ueberzeugung- obwohl er int Grunde nicht ahnte, ob dies der Fall sei, dann beugte er sich wieder zu Frau von Bessendorf hin:
„Ganz unter uns gesagt, meine Gnädigste — man munkelt, sie sei gar nicht Schauspielerin, sondern Probiermamsell in einem Kleidermagazin gewesen, als Loysen sie kennen lernte."
„Aber lieber Graf, wo haben Sie nun das wieder her!
Er zuckte die Achseln und tippte die gespreizten Finger langsank
gegeneinaitder. „
„Jach. . . .! — das ist so ’ne Sache. Ich weiß, nicht, von wem ichs habe, aber es wird wohl richtig fein. So was sickert durch — sickert durch, meine Gnädigste."
„Ich glaube es einfach nicht," protestierte die wackere Fran, „sie soll identisch sein mit der Pastorstochter in Rothaide, die vor mehrer en Jahren davonlief — das war so eine Geschichte., Aeh, besinnemich, hat aber wohl damit nichts zu tun.
^,Mir tut die arme Reckuitz furchtbar leid,"- versicherte diS Baronin Prancken. „ , , .
„Natürlich!" — pslichtete Ada Valois bet, „berat sie traut ihre Desperation so gar nicht eachieren." ,
Draußen klang gedämpftes Schellenläuten. Jemand stürzte an ein Fenster, blickte angestrengt hinaus ins Dunkle und rief
Mr'Schlitten aus Barbes .... kein Zweifel! Sie komme» wahrhaftig!"
Tie älteren Damen sahen sich an.
„Wie verhält man sich da nur?" — fragte die Laudrätul n^siMan schweigt!" — sagte die rundliche Hausfrau lakonisch, ist unmöglich," stritt Graf Tranen, „die Heirat ist fatt aecompli!" „ , „
Komtesse Henny, das „naive Kind", kam nnt fliegendem Gelock ins Zimmer gestürmt: ~ »
„Na, Papachen, was ist nun? Darf ich der Recknttz Gluck wünschen zur Schwägerin ober nicht?"
„Halt den Schnabel!" knurrte ihr Vater.
Da die Bessendorf den Gästen entgegengegangen war, flüstert« die Prancken der Komtesse zu: „ , . ,x.
„Tun Sie es nur, Henny, es ist wahrhaftig besser. Es brtchk
das Eis!"
Als daher Marie Anne am Arm des Hausherrn zu beit Damen trat, mit sichtlicher Befangenheit rechts und links grüßens sprang ihr die muntere „Naive" in den Weg, salutierte militärisch und sprudelte dann hervor:
„Meine ganz gehorsamste Gratulation zur Vermahlung des schönen Rittmeisters, gnädige Fran! — Wir ftnb «Uc noch baff vor Ueberraschung und mein Herz ist natürlich gebrochen!"
Sie hatte das in ihrer Art nicht schlecht gemacht, flott und unbefangen, Marie Anne wurde aber doch blutrot und fand kein Wort der Entgegnung, während nun alle herandrängten, nicht mit Glückwünschen, das Verbot der Takt, aber mit Ausrufen wie: Kolossale Ueberraschung! Hatte keine Ahnung!


