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List die Lösung des Rätsels zu erhalten, ging dieser Gedanke jetzt für einige Zeit völlig unter in meinem übermächtigen Schmerz. Lona hatte mich geliebt bis zum letzten "Hauch, das war wie die Verheißung einer neuen Seligkeit. Aber sie hatte vergeblich auf mich gewartet, fie hatte mit ihrem letzten Atemzug umsonst nach mir gerufen, das war für mich eine unerträgliche Marter! In halber Geistesgestörtheit entfloh ich mit dir, mein Kind, aus der Stadt, wo so Furchtbares geschehen war, ging nach Anierika und vergrub mich in der Einsamkeit eines öden Gebirges.

Als ich endlich ruhiger geworden war, es hat lange, lange Zeit dazu gehört! wurde zugleich auch der Wünsch in mir wieder wach, das Rätsel von Lonas damaligem Verhalten zu lösen, obwohl die Gewißheit ihrer Liebe bis zum letzten Hauch diesem Wunsche viel von seiner Gewaltsamkeit nahm. Darum kamen neben ihm and) andere Erwägungen zum Wort. Vor allem hat mich die Liebe zu dir, die mich nach und nach säst gegen meinen Willen deM Leben zurückgewann, davon zurückgehalten, die Nachforschungen, die fast mit Notwendigkeit Ragobahs Haß auf meine Spur lenken mußten, mit dein erforderlichen Nachdruck zu betreiben. Dir zu Liebe kehrte ich aus der Einsamkeit in die Welt zurück, aber ich änderte meinen Namen, um dem Todfeinde keinen Anhalt zu bieten. Erst viele Jahre später, als alle jene Ereignisse auch für mich allmählich verblaßt waren, habe ich bei der Uebersiedelung hierher meinen wahren Namen wieder eingenommen.

Ganz aus den Augen verloren habe ich aber trotz meiner scheinbaren Gleichgültigkeit jene Nachforschungen niemals, und ich war glücklich, als sich mir vor einiger Zeit die Gelegenheit bot, sie ohne direkte Beteiligung meiner Person wieder aufnehmen zu können. Ich habe mir in Amerika einen einzigen treuen Freund gewonnen, du wirst dich vielleicht des "Herrn Siddons erinnern, obwohl du noch klein wärest, als wir ihn zuletzt sahen, der mir vor kurzem durch seine Uebersiedelung nach Bombay die Möglichkeit schuf, ohne jedes Aufsehen durch seine Hilfe jene Nach­forschungen wieder aufzunehmeu. Er ist mir unbedingt ergeben und über alles Geschehene genau unterrichtet; ich verweise dich an ihn, falls du einmal seinen Rat oder seine Unterstützung für die Lösung dieses traurigen Geheimnisses nötig haben solltest, das mit meinem Leben so unheilvoll verknüpft war und voraussicht­lich mit meinem Tode in gleicher Weise verknüpft fein wird. Du findest einen Brief von ihm mit seiner genauen Adresse in der Brieftasche, die ich stets bei mir trage. Wie der Brief dir sagen wird, hat Herr Siddons die Nachforschungen für mich in Bombay bereits mit aller Vorsicht ausgenommen, aber bisher nichts er­fahren können, als daß Ragobah die Stadt vor kurzem verlassen hat, ohne daß man zu sagen wußte, wohin. Diese Nachricht ist es gewesen, die meine Aufregung in letzter Zeit so sehr gesteigert hat. Immer häufiger haben die schrecklichen Träume sich wiederholt, die mich ängstigen, auf Schritt und Tritt sehe ich mich von einem unsichtbaren, grausamen Feinde verfolgt.

Zugleich freilich ist auch die Erinnerung an Lonas Liebe wieder mit aller Kraft erwacht. Aus der Finsternis meiner Vergangenheit strahlt sie mir wie ein glänzender Stern. Sie war der Pol meiner Seele alle diese langen Jahre hindurch!

Es bleibt nur uoch wenig zu sagen. Ich werde den Tod finden, wie ich schon angegeben habe ich bin dessen sicher und niemand wird den Streich sehen, der mich trifft. Vergiß es nicht: wie ich jenes indische Mädchen mit einer Leidenschaft geliebt habe, die keine Todesnot auslöschen kann, so verabscheue ich meinen Neben­buhler mit grenzenlosem, verzehrendem Haß; denn ich weiß es, jener Dämon hat auch meiner zarten Lotosblume das Leben ge­raubt. Er wird sein Werk an mir vollenden; sollte es aber feiner Schlauheit gelingen, sich dem Galgen zu entziehen, so wird meine Seele niemals Frieden finden. Denke daran, mein teures Kind, und halte dein Versprechen, daß Gott dich segne, wie ich es tue."

Es dauerte eine ganze Weile, nachdem Florence zu lesen auf­gehört hatte, bis einer von uns das Wort ergriff. Der Bericht und die eigentümlichen Umstände, unter denen er vorgelesen wurde, 'achten einen tiefen Eindruck lauf uus. Schließlich sagte Maitland m gedämpftem Tone, als scheue er sich, den Bann, unter dem wir och standen, zn brechen:Nun wollen wir vor allem die Briese uchen, von denen dieses Dokument spricht: den des indischen Mädchens und den des Herrn Siddons; auch das Testament müssen -vir finden."

Florence ging zu dem Schubfach, in dem ihr Vater seine Privat­papiere verwahrt hatte, und holte nach einigem Suchen nicht allein den Brief Lonas, sondern auch das Testament ihres Vaters hervor. Während sie so beschäftigt war, trat Maitland an den Toten heran und zog behutsam die Brieftasche aus seinem Rocke hervor. Auf das Schreiben Lonas, das Florence ihm bann zuerst reichte, warf er einen schnellen Blick und sagte:Sic haben

seinen Inhalt ja schon gehört. Mit Ihrer Erlaubnis behalte ich den Brief. Hier ist auch der andere mit Herrn Siddons Adresse, die wir vielleicht einmal gebrauchen können. Nun das Testament."

Er empfing es aus Florences Händen, und sein Gesicht ver­düsterte sich beim Lesen des Inhalts. Dann sagte er:Die Zinsen von der Versicherungssumme erhält Fräulein Darrow, das Kapital dagegen hat sie nur in Verwahrung zn nehmen und an die Person auszuzahlen, die den Mörder der Gerechtigkeit über­liefert, außer wenn diese Person Fräulein Darrow heiratet; dann soll die Hälfte an den Ehemann fallen, nnd die andere Hälfte Eigen­tum der Ehefrau sein. Der Rest des Vermögens, das ,übrigens trotz der ungenauen Auskunft, die Osborn erhalten hat, doch noch recht beträchtlich ist, soll an Fräulein Darrow fallen. Das ist alles, was das Testament enthält, soweit unser Fall in Be­tracht kommt." .

Was ist nun Ihre Meinung?" fragte Florence.

Daß Rama Ragobah kleine Hände und Füße hat," versetzte Maitland.Daß sein linker Fuß verletzt und wahrscheinlich mißgestaltet ist, daß er sehr wahrscheinlich mit diesem Fuße lahmt; daß er einen Beweggrund hatte, nach dem wir suchten; daß cs ebensogut sein kann wie nicht, daß er sich die Nägel abbeißt; daß er verschlagen ist, und wir, falls er den Mord ausführte, an­nehmen können, er habe ein neues, überraschendes und sehr schwer zu entdeckendes Mittel angewendet kurz, daß sich der Verdacht zweifellos gegen Rama Ragobah richtet. Das ist leicht gesagt; ihn zn überführen wird aber keine leichte Sache sein. Ich werde zunächst heute nachmittag das Gift der Wunde analysieren und die Wunde selbst genau mit dem Mikroskop untersuchen. Lassen Sie mich, wenn ich Bitten darf, jetzt hier allein," fügte er in sanftem Tone hinzu,damit ich die nötigen Vorbereitungen dafür treffen kann."

Florence nickte und warf einen langen, wehmütigen Blick auf ihres Vaters Leiche. Ich fühlte, es war ein Abschied für immer; fie wollte den Toten nicht Wiedersehen, wenn das Messer des Untersuchenden ihn entstellt hatte. Daun aber wandte sie sich zu Maitland, reichte ihm die Hand und sagte mit großer Wärme int Ton:Sie haben sich schon so sehr für mich be- müht, ich danke Ihnen von Herzen." ;

Maitlands Gesicht hatte einen beinahe feierlichen Ausdruck, als er zur Antwort gab:Sie können versichert fein, daß ich kein Mittel unversucht lassen werde, um Ihres Vaters Mörder zu entdecken. Aber wenn es mir gelingen sollte, dann seien Sie ebenso gewiß, daß ich damit niemals irgend einen Anspruch auf Ihre Dankbarkeit begründen werde." -

Sie verstand ihn offenbar und wurde sehr bleich; ihre Lippen bewegten sich, als wenn sie etwas entgegnen wollte, doch blieben die Worte unausgesprochen. Ein plötzliches Schluchzen erschütterte ihren Körper; fie wandte sich ab und eilte ans dem Zimmer. Lang­sam folgte ich ihr und ließ Maitland allein mit dem Toten.

(Fortsetzung folgt.)

Musikinstrumente.

(Originalbeitrag derGieß. Fam.-Blätter")

Daß wir eben in einer sehr bewegten und viele Aende- rungen bringenden Zeit leben, kann man fortwährend be­merken. Wissenschaft und Technik machen täglich neue Er­werbungen. Mer auch die Musik bleibt nicht beim Alten stehen.

Neben der ausgedehnten neuen Literatur für alle Zweige dieser edlen Kunst scheint sich seit letzter Zeit die Pflege des instrumentalen Zusammenspiels in kleineren Dilcttanten- Kreisen besonders ungeahnt zu entwickeln. Man braucht nur an die so beliebten Streichquartetts zu denken, deren wir hier in Gießen auch mehrere haben. Auch Trios für Streichinstrumente werden in Schule und Fa­milie mit den besten Erfolgen zu Gehör gebracht. Manche höheren Anstalten haben ein Schülerstreichorchester, Dilet­tantenorchestervereine kann man in den meisten Städten mittlerer Größe jetzt schon beobachten. Nicht selten findeij man auch den Grund aller Musik, den Gesang, in der dank­barsten Weise angewendet. Kein Vater, keine Mutter sollte versäumen, die Kleinen recht zeitig aus das Schöne und Be­zaubernde der Musik hinzuweisen. Frühzeitig fange mast an, denn früh übt sich usw. Ganz abgesehen von deut hohen erzieherischen Wert der Musik gehört Kenntnis der­selben heutzutage bekanntlich zur allgemeinen Bildung. .

Welches Instrument ist nun zu erlerne»? Das ist die erste große Frage, die hier austauchen muß. Nun, ge- sangkUndig bis zu einem gewissen Grade sollte jeder sein.