Ausgabe 
13.2.1908
 
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Donnerstag den |3. Februar

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KelmuLtz von Loylen.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Edeltraut hielt sich jetzt mit beiden Händen an dm Kopf und stöhnte förmlich.

Entschuldige wirklich!" sagte sie ganz unbekümmert,du sprachst aber vonlieben" . . ."

Ach, du muht meine Worte nicht so auf die Goldwage legen. Wie soll man es denn nennen? Leiden mögen? Gern haben? Ja, das ist doch zu wenig. Also lieb haben. Wer heiraten? Ich? Nie! Niemals! Niemand! Gräßlich! Weißt du, daß ich zweimal Heiratsanträge hatte?"

Ich ahne es, ahne auch von wem-, aber wissen kann ich es nicht. Tn sprichst ja nie über solche Dinge."

Weil mir solche Dinge odios sind. Aber daß du es weißt, zweimal kam da ein Mensch (nicht jedesmal derselbe), das Ivaren die elendsten Tage meines Lebens. Ganz übel wurde mir. Schon die Idee machte mich marode. Und nun diese Verhandlungen! Daß mir nur so was nicht zum drittenmal passiert! Ich sage dir"- sie flüsterte der Freundin ins Ohr, als habe sie Unaus­sprechbares zu beschreiben,der eine winselte geradezu. Es war ekelhaft. Sage mal, du hast das ja auch mal durchgemacht"---

hier brach sie jäh ab und wurde rotverzeih, ich hätte nicht davon sprechen sollen."

Oh, sprich nur. Weshalb nicht?" sagte Frieda, etwas Verlegen, aber freundlich.

Ich war nämlich eben bei deinem Vater. Er war so traurig."

Armer Vater. Ja, er kann die liebe Mutter so schwer entbehren."

Es betrübt ihn auch, daß du nicht geheiratet hast," Frieda nickte.

Es konnte ja aber auch nicht sein. Vater weiß das."

Und du? Sag mal, bist du darüber wirklich so unglücklich?"

Tie Gefragte zögerte und sagte dann etwas unbeholfen und verschämt:

Man nun man trägt vieles mit Gottes Hilfe und der Herr wird ivohl wissen, weshalb er mir mein Glück genommen."

Glück? Glück?" Cdnltrauts Lippe zuckte ironisch,du liebe Seele, weißt du, au deiner Stelle wäre ich heilfroh, diesem Glück entronnen zu sein."

Ach Edel! Tas sagst eben du

Tas muß doch jeder vernünftige Mensch sage». Mit einem Manne, der dich bei der ersten Widerwärtigkeit reuelos aufgab, konntest du doch nicht glücklich werden.' Aber vielleicht hättest du gute Seele auch dies Kunststück fertig gebracht."

Aber Arnold konnte doch nicht anders er hatte doch Rücksichten zu nehmen auf seine» Stand, auf sein Amt."

Ach, das hätte ihm doch niemnnb genommen."

Er hat mir gleich alle schrecklichen Möglichkeiten auS- einandergesetzt, die eintreten könnten. Es war schon besser so. Ich mußte das einsehen."

Allerdings-ist es besser so. Ein Mensch, dechwahrschein­

lich ans einen Wink von der obersten Kirchenüehörde seine anverlobte Braut sitzen läßt, weil in ihrer Familie nicht alles s» ist, wie es fein sollte, ist einfach ein herzloser Streber, der Karriere machen will. Na und die hat er ja dann auch gemacht," schloß Edel traut trocken.

Ja, du siehst eben, daß er für ein so einfaches Mädchen, wie ich es bin, viel zu begabt ist. Ich hätte seine Ansprüche mk eine geistig ebenbürtige Gefährtin nicht befriedigen können. Des­wegen darfst du ihn doch nicht herzlos nennen. Er hatte mich doch lieb und die Trennung tonbbe ihm schwer. Ich war damals sehr unglücklich und murrte gegen mein Schicksal. Als uns aber dann unser Mütterchengenommen wurde, da sagte ich mir: Darum hat Gott es so gefügt, daß ich verzichten mußte. Was sollen denn Vater und Julehen anfangen ohne mich?"

Tu bist eben ein gutes Tierchen, alte Friedel," sagte! Edeltrant gerührt und beide schwiegen, bis die Micke des jungen Mädchens auf eine im Hintergründe des Gartens arbeitende, männliche Gestalt fielen. Ein junger Mensch in Hemdärmeln handhabte den Spaten, daß die Schollen flogen.

Ta ist ja dein Bruder!" sagte Edeltraut.

Ja, denke dir nur, in Jarvwitz ist Geburtstag des Ober- amimanns und da haben die Kinder frei und Gotthard kam schon heute morgen herüber."

Edellrant vergaß ganz, daß sie auf den jungen Menschen böse war und ihn eigentlich wegen unbefugter Einmischung in Ge- meindeangelegenheiten strafen wollte. Statt dessen klatschte sie vergnügt in die Häride und rief mit langgezogenem, hellem Ton?

Gotthard! Herr Kan di date! Alle Sichtung, sticht der einen Spaten! Gott Hard! Hören Sie? Ich ernenne Sie zum Ehrenmitglied meiner Grabenstechergarde!"

Der auf den Krautbeeteu Arbeitende stieß den Spaten in die Erde, fuhr eilig in den über einen« Ast hängenden Rock und kam dann herbeigestapft, grob und ungelenk in allen Bewegungen,

Guten Abend, gnädiges Fräulein."

Die kniff die Augen zusammen und legte den Kopf auf dir Seite.

Gnädiges Fräulein hat Ihnen wohl Erna Rieteln beige­bracht, lieber Gotthard, ich denke aber, ich bleibe für Sie Fräulein Edeltraut. Haben Sie gehört, mit welchen Ehren ich Sie kröne?"

Ja, danke bestens," sagte er, mit einem verunglückten Versuch, scherzhaft zu lächeln,ich fürchte nur, meine gärtnerischen Leistungen sind Strohfeuer. Es zieht mich doch immer wieder zur Bücherei zurück."

Sind Sie zufrieden in Jarowitz?"

Ach ja, im ganzen wohl. Tie Kinder' machen mir nicht viel Mühe."

Tie Mädchen rückten zu und er setzte sich neben sein« Schwester auf die Bank ein fast ungeschlachter Bursche, kurz, gedrungen, breitschultrig mit einem grobg znittenen Lutherkopf. Tief über die breite, massive Stirn legte sich ein dicker, schwarzer Haarschopf. Um den kräftigen Mund mit den vorgeschobenen Kiefern war ein eigensinniger Zug cingegraben, in den Augen brannte ein düsteres, »»jugendliches Feuer.

Er ivar erst seit kurzem Hauslehrer im nahen Jarowitz und