1908

Wontag den 13. Iannar

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Kelmuih von Loy len.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Vor acht Jahren Hatte er Aime Marie von Lohsen auf einer Parforcejagd kennen gelernt und in ihr das erste weibliche Wesen, welche« diesem Bielbcgehrten gegenüber ehrlich gleich­gültig blieb. Das war der Grund, weshalb er sich sagte: diese oder keine. Sie war damals ein frisches, rosenwangiges Mädchen in all der Unschuld und Unbefangenheit ihrer ländlichen Er­ziehung, eine ausgezeichnete Reiterin, aus einer der besten Fa- m-ilien, ein rassiges Geschöpf. Er hielt um sie au und ivar selber erstaunt, als sie ja sagte.

Bis zu diesem Tage war Edmund Troß bei der Ansicht ge­blieben, das; er keine passendere Frau hätte finden können. Er war stolz darauf, sie zur vollendeten Weltdame herangebildet zu haben und bewunderte sie in ihren eigenartig geschmackvollen Abendtoiletten, welche so sehr mit ihrer vornehmen Ruhe har­monierten. So galten sie allgemein für ein tadelloses' Paar.

Helmuth Lohsen hatte hierüber eigentlich nie fo recht nach­gedacht. Er hatte mit der Harmlosigkeit der Jugend die Dinge ge­nommen wie sie waren. Besonders sympathisch war ihm Baron Trotz nicht, aber er war nun mal sein Schwager und seine glatte, gefällige Art machte Reibungen! einfach unmöglich es blieb bei kleinen Neckereien. Der. so viel ältere Schwager blickte gönner­haft auf den unerfahrenen Jungen herab und pflegte kleine scherzhafte Bemerkungen über junge Leute zu machen, die Von der Kunst, das Leben zu genießen, nichts verstunden. Fand Lohsen manches amTennisbarou" weibisch komisch, so sah Trost mit küchelndem Mitleid auf die dichte blonde Harrsülle des Schwagers, die in seinen Augen durchaus unfein war. Trost war stolz auf seine umfangreiche Glatze.

Jetzt begann er sogleich von einer kleinen Gesellschaft zu reden, welche. sie nach seiner Ansicht im Laufe der Woche noch geben wußten". Seine Frau stimmte ihm bei.

Wenn es dich nicht derangiert" wandte er sogleich höflich ei». i

Kleinigkeit!" sagte sie,es soll alles in Ordnung feilt. Ich kann mir denken, daß dir Viel daran liegt, die Gräfin Wcudtlebeir unserer Tante Hofmmschall vorzustellen. Einsiuß- reiche Bekanntschaft."

Sie sagte das ganz ruhig, ihr Manin bist sich auf dir Lippen und räusperte sich. Er wußte, das; sie ihn wegen dieser seiner letzten Passion verspottete, und cs war ihm unaiigeiiehm, dast sie dies vor Helnmith tat:Du mustt wissen, Gräfin Flavie geborene Mist Snob aus Chicago war wirklich, dank Ednmnds Bemühungen, so was wie der star der Saison. Bisher hat Wendt- leben sie noch ganz im Verborgenen gehalten und gebändigt, denn sie ivar noch nicht geeignet, die Eourschleppe zu tragen, aber das ist nun erreicht. Es ist doch erhebend, sich sagen zu können, dast es der Dressur des Baron Trost gelungen ist,,des Tochter eines amerikanischen Wurstfabrikanteu in eine Berliner Salondame umgewMdelt zu haben."

Lieber Lohsen, du wirst durch die eigentümliche Schilderung meiner Frau einen sonderbaren Begriff von der Gräfin Wendt-! leben bekommen!. Anne Marie rückt die Herkunft der jungen Dame in ein Licht in ein Licht"

An ihrer sehr ehrenwerten Herkunft kann keine Beleuchtung etwas ändern" schaltete seine Iran ernsthaft ein. Malice zuckte um ihre Mundwinkel. Der Gatte, den nichts so sehr ver­droß, als wenn mau andcutete, dast sein Geschmack sich ans,den Re­gionen bcS heghlife Verirrt habe, erhob sich, tat, als suche er in seinen! Westentaschen, murmelte etwas und verliest das Zimmer. Zu gleicher Zeit erhob sich Anne Marie:

Ich will dir dein Zimmer zeigen und bei der Gelegenheit deinen Verband untersuchen. Komm!"

Am Abend hatte Lohsen leichtes Fieber'. Er verspürte keine Lust auszugehen und seine Schwester blieb ihm zu Liebe auch da. Baron Trost war in eine Herrengesellschaft gegangen und die Geschwister fasten wieder am Kaminfeuer. Abends sah der Salon wunderbar lauschig aus.

Sag' nAl, Annchen, bist du eigentlich nie eifersüchtig?" rd fragte Lohsen.

Sie strich ihm mit ihrer kühlen Hand prüfend über die Stirn'.

Heist? Tu wirst doch nicht ernstlich Fieber haben? Last mich deinen Puls fühlen" sie griff nach seiner Hand.

Wenn ich eine Frau wäre" fuhr Lohsen mit einer geq wissen Beharrlichkeit fort,und mein Mann amüsierte sich damit/ anderen Frauen in dieser unerhörten Weise den Hof"

Zwanzig. Nein du hast kein Fieber. Gut. Und nun zu deiner Frage. Ob ich eifersüchtig bin? Lieber Junge, du wirst spießbürgerlich. Mit. solchen Ideen füttern sie dich wohl in Bardcs?" sie lächeltegestehe es! Macht sich Mieze Sorge um meine Gefühle? So beruhige sie. Ich gebe Trost die Er­laubnis, anderen Frauen so viel zu hofieren wie es ihm beliebt. Das Baueis und Philemon-Spielen wäre in Berlin einfach komisch."

Man sollte nicht glauben, dast ihr Zwei aus demselben! Nest feit, wenn miau euch jetzt sieht früher freilich, da wäret ihr gar Nicht so verschieden."

Sie sah in die Kohlenglnt und legte die schmalen langen Hände nm das.Knie.

Das Leben machte uns zu dem, was wir sind," sagte sie leichthin.Anne Marie wäre an meiner Stelle wohl auch mehr Weltdame geworden jetzt können wir nicht mehr tauschen. Ich mit ihr schon gar nicht."

Auch nicht iniit ihrem Glück?"

Um Himmels willen!" sie lachteihr Glück heißt Konrad, der Biedere in Lodenjoppe und Schmierstiefelit, der sich die Haare vom Dorfbarbier schneiden läßt! Für mich reprä­sentiert er nicht das Glück."

Sie liebt ihn, darin liegt ihr Glück."

Das stimmt," sagte Anne Marie ruhig,ihre Naturen Harb monieren, und da sie ihn Von Kindheit an kannte, wie mau einen Vater oder älteren Bruder kennt, so zog sie das: Los der Ehe auch nicht ganz so blindlings, wie wir Frauen es sonst zu tun Pflegen,"