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Dann schwieg sie alber und ging eine Meile und blickte zu Boden.

Ader plötzlich warf sie sich mir an den Hals, umschlang mich tatt beiden Armen und sagte weinend :

Tu darfst nicht mehr! Du darfst nicht mehr, Gustav, ich kann's in meinem Kops nicht anshalten, hörst du?"

Nun wurde mir bange. Dieser Anspruch kam mir unerwartet, und ich bemerkte außerdem, daß die Leute stehen blieben, indem sie anums vovbeikamen. Ich schlug ganz um und sagte mild: Liebe, kleine Freundin, so so. Das war ja nur Scherz, das Ganze, verstehst du!" Und ich strich ihr sanft über die Wangen.

Aber sie richtete sich mit einem Ruck in die Höhe.

Nein, nein, nein! Nicht so," sagte sie.

Was meinst du?" fragte ich verwundert.

Du sollst mir gar nicht nach dem Munde reden!"

Ich rede dir nicht nach dem Munde."

Ja doch. Denn du glaubst, daß ich nicht vecht im Kopf bin Und das bin ich vielleicht auch nicht--. Ach, wie ist das wun­

derlich!" sagte sie dann plötzlich und preßte die eine Hand fest gegen den Nacken.

Solltest du zu weit gegangen sein, dachte ich.

Marie," sagte ich uiid legte meinen Arm um ihre Taille, ja, es ist meine Schuld, Marie, ich habe dich ein bißchen vecken wollen, und das war garstig von mir."

Aber sie hörte gar nicht, was ich sagte, sie ging und blickte zu Boden rind ich mußte sie stützen. ES schien, als wäre sie plötz­lich unendlich müde geworden.

Sind wir nicht bald zu Hause?" fragte sie, ohne anfzuseheu.

Willst du dich nicht ein bißchen setzen? Hier ist eine Bank," sagte ich.

Nein, nicht setzen," murmelte sie,dann falle ich sofort in Schlaf, denn ich will dir sagen, Gustav, ich bin nicht recht wohl."

Wir waren nun bis zur Ecke der Straße gekommen, >vo sie wohnte. Sie hielt akkurat vor dem Baum, wo wir stets von einan­der Abschied zu nehmen pflegten.

Marie," sagte ich,Marie!" Und ich konnte den Gedanken Nicht loswerdeu, daß sie ein wenig Komödie spielte.

Ach," sagte sie gereizt,du brauchst nicht so laut zu schreien."

Mariechen, du begreifst wohl, daß das nur Spaß war, das ganze!"

Aber sie stand vor mir, ohne zu hören, was ich sagte.

Das Haus lag gerade an der Ecke. Es war eine der kleinen Villen mit Vorgärten.

Geh jetzt," sagte sie ungeduldig,Vater sitzt und wartet."

Ja, aber soll ich nicht---" begann ich.

Ich kann's selbst, das tue ich ja immer."

Gute Nacht denn, Steine!" sagte ich nun,wir sehen uns Mo morgen abend?"

Gute Nacht!" murmelte sie und wandte sich zum Gehen.

Bekomme ich keinen Kuß?" fragte ich sentimental.

Ja, es ist wahr," sagte sic und wandte sich nach mir um und küßte mich. Ihre Lippen waren ganz kalt. Und wieder bekam ich Mitleid mit ihr: das heißt, das Mitleid, das der eine Mensch mit dem anderen bekommen kann. Nicht mehr.

Marie," flüsterte ich, komm' zu dir, Kind!"

Aber sie antwortete nicht. Sie stand nur da und starrte auf die Fliesen.

Jetzt ist es am besten, du gehst," sagte ich dann.

Und sie ging.

Als sic um die Ecke gekommen war, schlich ich ihr nach. Sie ging langsam, mit gebeugtem Kopf und schleppenden Schotten. Und ich sah sie an dem Haufe vorübergeheit, in dem sie wohnte und auch an dem nächsten. Bei dem dritten blieb sie stehen, öffnete das Pfürtchen und ging in den Garten.

Ich lief dort hin. Sie stand schon oben am der Tür und pusselte am Schloß.

Marie, du gehst verkehrt!"

Aber sie hörte mich nicht. Ich ging ganz zu ihr hin und er- gviff sie bei der Hand.

Marie," wiederholte ich,du gehst verkehrt!"

Ich kann wohl nicht auflchließen," sagte sie und lächelte geistesabwesend.

Ich zog sie mit mir aus dem Garten, die Straße entlang und zu dem Hause hin, in das sie hineinwollte. Sie folgte mir willenlos. Ich nahm den Schlüssel aus ihrer Hand, öffnete die Tür und zog sie behutsam ins Entree. Daim gab ich ihr den Schlüssel zurück und drückte ihre Finger fest darum.

Gute Nacht!" flüsterte ich.

Aber sie stand da. ohne zu hören und ohne zu antworten.

Da ging ich hinaus und zog die Türe hart hinter mit zu. Ich hörte, wie sie ins Schloß schlug. Eine Viertelstunde wohl stand ich draußen auf der anderen Seite der Straße. Ich sah das Licht drüben hinter den Gardinen sich auf den Treppenflur hinausbewegen und wieder zurück ins Zimmer hinein. Bald darauf verschwand es.

Eine Weile rwch blieb ich stehen und lehnte mich au das Staket des gegenüberliegenden Gartens. Dann ging ich heim.

Cs Ivar mir wunderlich zu Mute: aber das, was man Ge­wissensbisse nennt, fühlte ich eigentlich nicht: im Gegenteil, plötz­

lich fuhr mir der Gedanke durch den Kopf: Gott weiß, ob sie jetzt nicht oben in ihrem Zimmer sitzt und sich über dich lustt« macht! ____

Vermachtes.

* Das Rauchen der Frauen. Aus Newyork wird berichtet: In dem Kampf, den die moderne Amerikanerin um das Recht, auch in der Oeffentlichkeit zu rauchen, gegen­wärtig führt, ist ihr eine mächtige Helferin in einer der, bekanntesten Frauenärztinnen, Dr. Rahel Skidelsky, er­standen, die in Philadelphia einen Frauenklub mit eines Verteidigungsrede für das Rauchen der Damen überraschte. Seit langen Zeiten, meinte sie, fänden die Männer Er­leichterung von allerlei Aerger, Erholung für ermüdete Nerven und überhaupt physisches Wohlbehagen durch das Rauchen von guten Zigarren und Zigaretten, wenn es mit Maß geschähe. Wahrscheinlich würde auch bei den amerikani­schen Frauen weniger Von Nervosität die Rede sein, wenn sie etwa dreimal am Tage, am besten nach den Mahlzeiten, fünf Minuten einer oder auch zwei Zigaretten widmen wollten. Es wären viele Aerzte dieser Meinung; sie trügen nur Bedenken, ihren Patientinnen den Rat zu rauchen zu geben, weil sie befürchteten, daß das, was eine wohltuenoe Medizin für sie sein sollte, allzu leicht zu einer übermäch­tigen: Gewohnheit werden könnte. Mit ihrem guten Rat komnlt Dr. Skidelsky freilich für viele amerikanische Damen der oberen Zehntausend etwas zu spät; das Rauchen wirit immer allgemeiner üblich, und auch die vornehmen Restau­rants, in denen man sich gegen die neue Sitte zunächst! sträubte, müssen dem Rechnung tragen. Erst in den letzten Wochen kündigte eins der fashionabelsten Restaurants in Newyork an, daß das Rauchen der Damen nach der Mahl­zeit nicht mehr verboten sei; seitdem ist allerdings diese Erlaubnis für die allgemeinen Gasträutne zurückgenommen worden, aber es ist ein besonderer Rauchsalon für die Damen eingerichtet worden.

* V e r w a n d l u u g v o n L e i ch e >i i u S t a t u e u. Bet dem Patentamt in Washington hat sich kürzlich ein Chicagoer Postbote namens David I. Mock ein Verfahren patentiere» lassen, Leichen in Gold-, Silber- und Bronzestatuen zu ver­wandeln, so daß es fortaik im Belieben eines jeden steht, sich demStaubwerden" zu entziehen, vorausgesetzt natürlich, daß er über die nötigen Mittel verfügt. Ja, selbst das Be­gräbnis dürfte in diesem Falle überflüssig werden, da unsere abgeschiedenen Lieben in dieser Gestalt für allezeit in unserm Heim verbleiben können. Mr. Block erklärt, daß er nach mehrjährige m Experimentieren nunmehr imstande ist, die Leiche eines Mannes von mittlerer Größe für 515 000 Doll, in reines Gold, für 300000 Dollars in Silber zu verwan­deln. Er fertigt auch Bronzestatuen, deren Metall das Fleisch des betreffenden Körpers V8 Zoll tiefer durchdringt, und die schon zum Preise von 2000 Dollars erhältlich sind. Der Erfinder leistet hundertjährige Garantie für die über­raschende Erhaltung der so behandelten entseelten Hüllen. Er hat dem Patentamt mehrere Beweisstücke seines Ver­fahrens eingereicht, darunter einen Rosenzweig, der vor fünf Jahren metallisiert worden ist. Die Rosen sind stein­hart, doch von natürlicher Färbung, und ihrem Behälter entströmt beim Oeffnen frischer Rosenduft. Seine Frau trägt derartige aus Rosen gefertigte Hutnadeln, die er vor zwei Jahren metallisiert hat, und die was kaum glaublich erscheint noch heute den Dust frischer Rosen haben. Natürlich hält der Erfinder sein Verfahren, mittels dessen er über die Macht irdischen Verfalles das Los altes Schönen hienieden zu triumphieren hofft, geheim, allein er soll bereits zwecks Verkaufs seines Patentes in Unterhandlung mit einer Gesellschaft von Unternehmern; stehen. (?? D. Red.)

* Contra natura m. Eine Eigentümlichkeit haben die Zeppclinschen Ballonfahrten gezeitigt: die Fran Gräsiit erwartet hier immer die Niederkunft ihres (Satten.

Logogriph.

Unaufhaltsam jag ich dabin durch Wälder und Wüsten Giebst du statt B mir ein H, werd ich ein streitbares Tier.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kapsel-Rätsels in voriger Nummerr Ernst ist derAublick der Notwendigkeit,

Siebattioiu E. Anderson. RoiauvirSdraki und Verlag bei Brühl'sehr» UntcetfuälS Buch- und ©lemötudetet, R. Lange, Gießen.