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iwtgebruiigen einett Teil des Waldes opfern, tvemt MsM nicht die ganzen Nadelbäume zerstören lassen wollte.
Tic Colbitz-Letzlinger Heide war noch vor 25 Jahren von Touristen wenig besucht. Tagelang konnte inan damals den Forst noch durchstreifen ohne das; man, außer deir Forstleuten oder den Holzknechtcn, einer Menschensecle begegnete. Seitdem aber ist die Wanderlust weiter Kreise des Boltes auch im Norden unseres Vaterlandes gewaltig gewachsen und besonders die erholungsbedürftigen Bewohner der Städte im weiteren Umkreise pilgern nicht nur an Sonn- und Festtagen zu Tausenden in bett Forst, auch der große Touristenverkehr ist in die Gegend gekommen, wodurch die früher stillen Dörfer in und um die Heide herum zu stark besuchten Ausflugsorten geworden sind. W. G.
Lin Experiment.
Von Gustav Wied. Uebersctzt von Ida Anders.
L>re hatte mich um meine Photographie gebeten, und ich hatte ftc ihr versprochen und war auch eben bei dem Photographen gewesen.
Eines Abends, acht Tage später, besuchte sie mich wieder, und ich begleitete sie nach .Hause; es konnte tvohl so 11 Uhr sein. Der Himmel tvar sternenklar und mondhell, und wir gingen Arm in Arm und scherzten und lachten. Da stockte das Gespräch auf einmal. Wir gingen am Peblinger See entlang. Sie sah auf die Schwäne, die int Mondschein herumschwammen und einen langen Streifen flimmernden Kielwassers nach- sich zogen. Plötzlich wandte sie sich zu mir.
„Mir wird schwindlig," sagte sie. Umvillkürlich drückte ich ihren Arm fester in den meinen, aber bald darauf lachte sie. „Das ist gewiß das Wasser draußen," sagte sie. „Und dann bin ich heute nicht ganz wohl gewesen. Aber nun ist es vorüber."
„Es ist wahr, Gustav," rief sie dann. „Bekomme ich bald das Porträt?"
Ich weiß nicht, wie ich darauf kam, aber ich antwortete: „Welches Porträt?"
„Das du mir Dienstag versprochen hast."
„Dienstag, Liebe?" fuhr ich in demselben Ton fort.
„Nein, nei — ein."
„Der Herr erinnert sich vielleicht nicht einmal meines Besuches ?"
„Ja, natürlich, du kleines Schaf, aber —"
„Ach zier' dich doch nicht weiter," sagte sie und lachte laut.
„Ich versichere dir," wiederholte ich, „ich habe dir kein Porträt versprochen, ich kann's nicht ausstehen, mich photographieren zu lassen."
„Und du versprachst mir sogar, daß du am nächsten Tage zum Photographen gehen wolltest."
„Marie," sagte ich, „sieh mal!" und ich klopfte mich mit dem Zeigefinger auf die Stirn.
„Nein, gar nicht," lachte sie wieder. „Denn ich besinne mich Noch ganz gut auf seinen Namen. Es war Riise, Riise ans dem Amagcrmarkt!" „Ne," sagte ich und tat, als ob ich in meinem Gedächtnis suchte. „Ne!"
Aber nun wurde sie eifrig und blieb stehen: „Wir saßen ja dort auf dem kleinen grünen Sofa in der Ecke," sagte sie.
„Ja, das weiß ich wohl; aber wir spracheit mit feinem Wort über Porträts."
„Ach gewiß."
„Aber, Liebes, Süßes, Kleines, was ist das für ein Unsinn."
„Dort auf dem grünen Sofa," wiederholte sie langsam und mit Nachdruck auf jedem Wort, iirdem sie mit ihrem Sonnen- fdjirnt den Takt in der Lust schlug. „Dir lagst mit dem Kopf in meinem Schoß und spieltest mit dem Fächer."
„Marie," sagte ich, „btt mußt geträumt haben."
„Und ich gab dir einen Küß," fuhr sie fort.
„Du hast mir so viele Küsse gegeben, Kind."
„Weißt du denn gar nicht mehr, Mensch, daß es ein Brustbild sein sollte, und du ivolltest dein gelbes Jacket anziehen?"
„Nein."
„Und du wolltest mit den Augen direkt in den Kasten sehen."
„Nein, nein, nein," sagte ich wieder.
„Nun, ich bin böse, Gustav," sagte sie und zog ihren Arm ans dem meinen.
„Ja, aber, Liebe, ich kamt doch wirklich nicht zugcben —'
„Wir wollen nicht mehr darüber sprechen," unterbrach sie mich. „Wenn du es mir nicht gefielt willst, dann . . . Aber ich finde es freilich sehr seltsam von dir."
Wir gingen ein paar Minuten schweigend nebeneinander her. Ich konnte merken, daß meine Worte Eindruck auf sie gemacht hatten. Sie war beleidigt, aber es hatte sich auch ein Zweifel bei ihr gemeldet, wer von uns beiden recht hatte., Nun wollte ich wieder ihren Arm nehmen, aber sie entriß ihn nur und entfernte sich einige Schritte. ■ „ .
„Marie, wenn du gern mein Bild haben möchtest, io werde ich mich schon photographieren lassen, trotzdem ich es nicht gern tue." ., ., ,
„Gott, du brauchst dich wirklich nicht zu bemühen.
„Na ja, ja doch---• Kommst du morgen ms Theater?
„Es ist Mutters Abend," sagte sie mürrisch.
„ya, aber, du meintest doch--“
Wir waren gerade zu einer Laterne gekommen. Da packte sie mich plötzlich mit der einen Hand unter das Kinn, als ob sie mich erwürgen wollte, aber sie zwang nur meinen Kopf hintenüber gegen das Licht und blickte mir starr in die Augen.
Ich hielt ihren Blick ruhig aus.
„Lügst du wirklich nicht?" fragte sie.
„Liebe, kleine Freundin," sagte ich, „schlage dir nun die Gedanken auS dem Kopf! Mait kamt ja so oft etwas träumen, weißt du, an das man sich nicht gleich erinnert, und wenn es dann später austaucht, so glaubt man, es ist etwas Erlebtes!"
„Und du schlugst mich mit dem Fächer auf die Wange," sagte sie und starrte in die Luft hinaus, als ob sie einen Gedankengang sortsetzte, und ich konnte es ihren Augen ansehen, daß ihr Gehirn daran arbeitete, um sich alle kleinen Begebenheiten des Abends so deutlich wie möglich zu vergegenwärtigen.
„Und dann legtest du den Fächer fort und zündetest eine Zigarette au, eine von den meinen."
Ich war erstannt darüber, daß sie alle diese Einzelheiten behalten konnte.
Die Situation begann mich zu interessieren, und ich dachte gar nicht daran, daß mein Experiment ihr wahrscheinlich Kummer verursachte.
, „Marie," begann ich wieder, „meinst d» nicht, daß wir aufhören sollten, von dieser Sache zu reden. Du gehst ja nur herum und regst dich selbst auf."
„Ja, aber das ist beute Schuld," sagte sie hart.
„Was ist meine Schuld?"
„Warum leugnest du's? Wenn du keine Mittel hast, dich photographieren zu jassen, so sage es; aber laufe nicht herum und :---. Ich kann's nicht leiden, ich kann's nicht aushalten!
Du weißt, mir ist heute nicht recht wohl."
„Morgen gehe ich zum Photographen," sagte ich, „und damit ist die Geschichte aus."
„Danke," sagte sie froh und ergriff meine .Hand, „ich wußte es ja!"
„Was wußtest du?"
„Daß dn mir deine Photographie versprochen hattest."
„Ja, jetzt habe ich sie dir versprochen."
„Aber auch Dienstag?" fragte sie schnell. „Ich versichere! dick), wenn du nicht ja sagst, dann — —"
„Dann kommst du vielleicht morgen nicht auf deiner Mutter Platz?" unterbrach ich fic.
„Sag, daß bu’§ Dienstag versprochen hast," bat sie flehentlich.
„Höre, Marie, ich glaube wirklich«, bei dir ist's. nicht recht richtig!"
„Nein, nein, ib-a3’ kann wohl fein," sagte sie und legte ihre Wange gegen meine Schulter, „aber sage nur, daß dn's Dienstag versprochen hast!"
„Und warum?" fragte ich!.
„Ja, du, denn es ist so wunderlich oben in meinem Kopf da ist etwas, das ja sagt; und da ist etwas, das nein sagt."
Sie sah wirklich sehr nervös und leidend aus, wie sie da ging, das Haupt gegen meine Schulter gelehnt. Aber obschon ich Lust empfaitd, sie zu küssen und zu beruhigen, tat ich doch, als ob ich ärgerlich würde, und sagte:
,/Ja, ich kann dick ja gern Recht geben, wenn du das wulst.
„Hast dn eS mir denn wirklich nicht versprochen?" sagte sie verwirrt und sah mir ängstlich in die Augen.
„Nein, Liebe, ich versichere dir."
„Ja, aber," stammelte sie — „ja, aber, wie kamt — H ja du hast es," sagte sie plötzlich, „ja dn hast!" Und ihr Gesicht strahle vor Freude. „ „ , ,,, t „
Sie hatte augenscheinlich einen besonders schlagenden Beweis
gefunden. , _ , . ,
„Ja, du hast cs versprochen! Denn du sagtest, dop bit dir erst die .Haare schneiden lassen würdest. Und du hast dir die Haare schneiden taffen, nicht wahr?" wiederholte sie triumphierend.
„Ja, das fytfie ich." ,
„Und weshalb etwa, wie?" rief sie beinahe hämisch, , „Wahrscheinlich, weil ich's nötig hatte," antwortete ich ruhig. Sie blickte hurtig zu mir auf; aber da ich Line Miene verzog, sagte sie, dem Weinen nahe:
„Du lügst, Gustav!"
Ich begann Mitleid mit ihr zu empfinden; aber ich konnte der Lust nicht wiederstehen, das Experiment weiterzuführen. Dte Sache war die, ditß ich int| Grunde nicht mehr weiter tu ne verliebt war. ,
„Welch merkwürdige Wolke da oben," tagte ich und deutete MM Mond empor. , . r, ...
Sie blieb stehen. Darauf sagte ftc ruhig und mit einer so unerschütterlichen Ueberzeugung, daß ich stutzte:
„Ich weiß jetzt, daß ich recht habe, Gustav,, und ich kann nicht begreifen, warnüt du so böse geworden bist."
Ich wurde ärgerlich darüber, daß sie doch zuletzt den Sieg davontragen sollte. Aber ich tsah ein, daß Widerspruch Tente Wirkung mehr ausüben würde, und deshalb sagte ich, überlegen hingeworfen:
„Ja, gewiß hast du recht!" , L , „
„He," sagte sie, „he!" Sie sagte Nichts weiter und es Hang wie zwischen 'Weinen und Lachen.


