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Hervorwagi, zmn blühenden Hafelstrauch oder zu den mit filbergranen Kätzchen besetzten Weidenzweigen greift.
Die Ethnographie hat wie bei so nianchem anderen Bolksbrmiche nachgewiesen, daß die Verwendung von Weidenkätzchen statt Palmenzweigen nichts anderes ist, als eine alte heidnische Sitte aus grauer Vorzeit, welche die Apostel des Christentums, als sie in unseren germanischen Norden Famen, nicht auszurotten vermochten und welche sie daher in der Weise unschädlich zu machen suchten, daß sie diese mit einer kirchlichen Weihe bekleideten und dadurch in den Dienst des Christentums stellten.
Der tiefe Sinn der ganzen Sitte ist nun eigentlich der, daß man alles Ungemach, welches den Menschen namentlich in düstern, lichtloseu und rauhen Wintern bedrückt hat, zu Lannen sucht, indem man es figürlich auf eine im feierlichen Ilinzuge heruingeführte Phantasiegestalt oder ein Tier durch Werfen mit grünenden Baumzweigen überträgt. Am liebsten bediente man sich hierzu eines Esels, der schon im alten heidnischen Rom iin Frühjahr zur Feier des beginnenden -Lenzes durch die Straßen geführt und mit allerhand grünem Kraut beworfen wurde.
Wozu ein am Palmsonntag geweihter Weidenzweig alles «ut sein kann, erfährt inan erst, wenil man die Trauin- und Zauberbücher durchmustert, wie sie auf dem Land vielfach zu finden sind. Man darf übrigens dabei nicht glauben, daß es sich um Bücher aus längst vergangener Zeit handelt; Leim noch, heute wird mit derartigen Preßerzeugnissen ein schwunghafter Handel getrieben.
Mer die zahllosen Volksbrüuche studieren ivill, die am Palmsonntage im Schwange sind, muß nach Jnnerösterreich, .Südbayern oder iiach der Baseler Gegend gehen, wo sie sich fert Jahrhunderten fast unverändert erhalten haben. Die anr Vorabend von Palmsonntag gebundenen Palmbäume werden, sobald die Glocken zum vormittägigen Haupt- gottesdienste läuten, von Knaben vor den Altar getragen, wo der Priester ein Segensgebet spricht und die grünen Zweige mft Weihwasser besprengt. Dann findet ein Umgang nm die Krrche statt, worauf ein jeder seinen Baum nach Hause trägt und ihn in die Erde des Gartens steckt. Hier verbleibt er bis zum öfter tage. Wer ihn dann zuerst ins Haus trägt, «rycilt em Ostergescheuk in Gestalt von buntbemalten Eiern. Dann iverden die einzelnen Weideirzweiglein an allen wichtig erscheinenden Plätzen des Hauses und Hofes verteilt. Das Muttergottesbild mit der ewigen Lampe erhält feinen Anteil, andere Zweige Iverben aufbewahrt, um bei droheu- Lem Gewitter etwas von ihnen auf dem Herde zu verbrennen, wieder einige steckt man in beit Viehstall zwischen Sparren «ich Dielen, um das Vieh gegen das Besprechen zu sichern. Die Aepfel aber, mit denen der Baum geschmückt war, iverden «n fo viel Teile geteilt, als Bewohner im Hause vorhanden sind und von diesen unter andächtigem Schweigen verzehrt.
Sehr sinnig ist der am Niederrhein noch vielfach geübte Brauch, bie geweihten Palmen auf die Gräber zu stecken, welche dadurch am Palmsonntag festlich geschmückt erscheinen unb einen malerischen Anblick bieten. Im bayerischen Walde werden von den Ministranten der Pfarrkirche in kirchlichem esstoude bie geweihten Palmbäume, die mit einer großen Zahl Büschel besteckt sind, in die einzelnen Häuser getragen. Der erste Knabe tragt ein hölzernes Christusbild, das einen Palmzweig m der Hand hält; ein zweiter trägt den zu verteilenden Vorrat an Palmen; der dritte hält einen mit bunten Bändern geschmückten Korb zur Aufnahme der (Sier, Eche die Uebetbringer als Gegengabe erhalten; der vierte endlich tragt eine versiegelte Geldbüchse zur Aufbewahrung der Geldgeschenke. So zieht die Schar von Haus zu Haus, allenthalben geistliche Lieder singend, wofür sie dann Geschenke bekommt.
Auch in rein protestantischen fremden Ländern ist die Er- tnnerung an die Palmenweihe uo chnicht erloschen. So geht »lau noch heute in London am Sonntag vor Ostern in der Ne or gen frühe auf das Land „palming", d. h. man holt aus der Umgebung Weidenzweige mit Kätzchen, mit denen man |>iUe und Knopflöcher schmückt. In Amsterdam ziehen die Kinder mit den fngenannten Palmpaschen herum, nämlich gebackenen Kränzen oder Brezeln aus Brotteig, in denen I ?1?. ■'* Iwgt, das an einem reich verzierten Stabe be- FJpQJ lU- Z" ven vier offenen Feldern zwischen den Armen des^ Kreuzes und dem Kreuz befinden sich Hähnchen aus ge- batteiiem Teige, so daß das ganze manchem Ordenskreuze nicht unähnlich ist. 0 1
Ueberaff, wo noch Palmsomitagsbräuche in Hebung sind, kniipfen diese an das Wiedererwacheu der Natur an. Dieser Zug, der sich durch die gesamte altgermanische Volksreligion zieht, versöhnt mit deren düsterem Dämonenglaubeii; denn er zeigt, wie sich aus dem sinnigen, aber unklaren Glauben des Naturvolkes siegreich der Glaube an den einen Allvater der Schöpfung emporringt, dessen Wille nach der Nacht des Winters alles lvieder zu neuem Leben erweckt.
Ans ösr Geschichte der Ludsvieiam.
Philosophische Fakultät.
(Schluß.)
Zu den jüngsten Gliedern der Fakultät gehört auch me Kunstwissenschaft. Im Sommer 1824 las der Neuphilologe Adrian Archäologie, was sich daraus erklärt, daß ihm als Bibliothekar auch die archäologischen Bild- tverke unterstellt waren. 1823 behandelte Rumpf Gemmen- kunde im philologischen Seminar. 1866 wurde ein akademisches Kunstmuseum wesentlich im Interesse der klassischen Philologie gegründet, mit dem kürzere Zeit eine Zeichenschule verbunden war. Dann wurde ein Kunstkabinett dem Professor der Architektur Hugo v. Ritgen unterstellt, der, als die technischen Fächer 1874 nach Darmstadt gezogen wurden, Lehrauftrag für Kunstgeschichte erhielt. Nach seinem Tode am 31. Juli 1889 ging die Professur ein, um erst 1897 wieder zu erstehen, zunächst im Extraordinarium, seit 1898 als Ordinariat. Die Sammlungen wurden in dem Interregnum schließlich vom Oberbibliothekar verwaltet. Das,eigentliche Antikenkabinett stand unter Verwaltung der klassischen Philologen. Schließlich übernahm beide Institute der neue Professor der Kunstwissenschaft, und jetzt bestehen sie nebeneinander als archäologisches Museum und Institut und als kunstwissenschaftliches Institut, das eine die Kunst des Altertums, das andere die des Mittelalters und der Neuzeit pflegend.
Damit wäre der knappe Ueberblick über die Fächer, die jetzt bie Fakultät umfaßt, abgeschlossen.
Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß am 8. Dezember 1904 die erste Promotion einer Dame (Chemikerin) in der Fakultät stattfaud, und eine Ueberficht über die berühmtesten Lehrer gegeben, die die Fakultät zu den Ihren zählen durfte, wieder mit Ausschluß der noch jetzt an der Ludvvieiana Wirkenden. Von bedeutenden Philologen wirkten hier: Konrad Bachmann (1605—45), bekannt als lateinischer Dichter, Konrad Dietrich (1605—201, Verfasser viel benutzter Lehrbücher, Kaspar Finck (1605—16), der mit Hellwig die weithin bekannte lange gebrauchte Gießener Grammatik verfaßte, Johann Heinrich May (1709—32), tüchtiger Orientalist und Gräcist, Christian Heinrich Schmid (der Gießener Schmid, 1771—1800), seinerzeit gefeierter Aesthe- tiker und Kritiker, Friedrich Gottlieb Welcker (1804—16), der weltberühmte Archäolog und intime Kenner des gr-eckischen Epos und Dramas, Friedrich Osann (1825—58), Ludwig Lange (1859—71), des. bekannt durch seine Studien auf dem Gebiete der römischen Altertümer, Ludwig Schwabe (1859 bis 1864), jetzt in Tübingen, Eduard Lubberl (1865—74), Adolph Philippi (1874—93), jetzt als Kunsthistoriker in Dresden lebend, Ferdinand Tümmler (1886—90-, Peter von Bradke (1884—97), Eduard Schwartz (1893—97), jetzt in Göttingen, Albrecht Dietrich (1897—1903), einer der besten Kenner antiker Religionswissenschaft, jetzt in Heidelberg. Daran seien angeschlossen die Germanisten Karl Weigand (1849—78), ein hervorragender Lexikograph, Wilhelm Braune (1880—88), jetzt in Heidelberg, Adolf Strack (1893—1906), der Begründer der hessischen Vereinigung für Volkskunde, der Orientalist Bullers (1833—80), der Romanist Ludwig Lemcke (1867—84) und der Anglist Ferdinand Holthausen (1891—93), jetzt in Kiel. Namhafte Historiker waren Johann Balthasar Schupp (1635—45), der bekannte Satiriker, Gottried Arnold (1697—98), Verfasser bet Aufsehen erregenden „Unparteiischen Kirchen- und Ketzerhistorie, Immanuel Weber (1698—1720), Christoph Friedrich Ayrmann (1720—47), Sigurd Mel (1868—70), Wilhelm Oncken (1870—1905),'Paul Scheffer-Boichorst (1875—76), Ludwig Weiland (1876—81), Konstantin Höhlbaum (1890—1904), Hermann Oncken (1906 bis 1907), jetzt in Heidelberg. Weiter zählte die Fakultät zwei bekannte Philosophen zu beit Ihren: Joseph Hillebrand (1822—501 und den geschätzten Aesthetiker Moritz Karriere (1843—53), ebenso eine große Anzahl Mathematiker, fo den Polyhistor Joachim Jungius (1609—14), den Leibniz Köper-


