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itnb faitl, bas Antlitz in beit Händen bergend, erschöpft in einen Sessel, den Körper von Weinen geschüttelt.

, Hu Vollraths Brost wallte Empörung auf, eine Empörung, in die sich leise Geringschätzung mischte. Also so schwach war die, die er liebte, daß sie ihn anrief zum Schutz gegen ihr eigenes, wankelmütiges Herz! Daß sie sich nicht schäntte, ihre Haltlosigkeit einzugestehen! lind wieder legte sich Heinz die Frage vor: Liebte er Isabella denn überhaupt? Lange ruhte sein Blick auf ihrer zusammengesunkenen Gestalt, die wie Espen­laub bebte, ihrem von Tränen überströmten Gesicht, das ihm weichlich und charakterlos, ein Abbild ihrer schwachen Seele, jeden edleren Reizes bar, erschien, lind vor sein geistiges Auge trat es war ihm roiic ein Wunder Martha Bartivows hohe, stolze Gestalt, deren Schultern die Bürde hundertfältigen

' Leides nicht zu beugen vermochte, Martha Bartikows reines, seeleuvollcs Antlitz, das ihn anmutete wie das Antlitz einer Heiligen.

Tu wirst mir schreiben, wenn wir fort sind", stieß Isabella hervor, indem sie mit hastiger, nervöser Bewegung die Tränen zu trocknen versuchte:das eine versprich mir/daß du mir jeden Tag schreiben wirst."

Ich weiß nicht, ob Grund sein wird zum Schreiben", ent­gegnete Heinz.

In Isabellas Antlitz trat ein Ausdruck leidenschaftlicher Feindseligkeit.

Nun gut. . . zwingen kann ich dich nicht. Aber, was immer geschehen wird du du du trägst die Schuld an allem! Sieh zu, wie du damit fertig wirst!"

Dicht vor ihm, so daß der Atem ihres Mundes ihn streifte stand sie, hoch aufgerichtet, iy.c eine der schmalen Hände auf die stürmisch wogende Brust gepreßt, die andere zur Faust ge­ballt. Verschwunden war der Ausdruck der Schwäche aus ihrer Haltung, ihren Zügen. Tie Zahne. hatte fic in die Unterlippe gegraben, die bleiche Stirn unter der Pracht des Haares lag m drohenden Falten, ihre Augen glühten. So stand sie: ein Bild vollendeter, hinreißender Schönheit. . . .

r Und wieder fühlte Heinz, Ivie sein ^>erz entgegenschlug, so stürmisch tote je trvtz aller Empörung, aller Gering­schätzung und allen Zornes, die er noch vor Minuten gegen sie empfunden hatte. Wie hatte sie doch gesagt?. . . ,Jch möchte meinen Mund an deinen Mund hängen, dich küssen, bis kein Leben mehr in dir ist, dir die Seele aus der Brust trinken mit meinen Küssen.....' Und er? Spürte er nicht das

gleiche Verlangen in diesem Augenblick? Drängte es ihn nicht, die schlanke Gestalt in dem weißduftigen Spitzengewand in seine Arnw zu nehnien, seine Finger in die weiche Seidensülle ihres Haares zil vergraben, ihren blühenden Mund zu küssen, bis kein Atem mehr von den blühenden Lippen strömte? Wollte er Ne uuist lieber tot sehen, als sie einem andern lassen? . .

Alle Stimmen seines Empfindens tönten wild durcheinander

War er Nicht wirklich schuldig geworden an ihr? Mit dem verfrühten Geständnis seiner Liebe hatte er den Feuerbrand ui ihre Seele geworfen und von ihr verlangt, sie sollte die Flammen, die ihr Herz verzehrten, in Zaum halten, bis es ihnr gefallen würde, zu sagen: Nun, Flammen, brennt frei heraus! Und er hatte doch gewußt, daß sie schwach und halt- los Ivar, durch eine Existenz des Luxus und der Verweichlichung und Verwöhnung. .Vielleicht', rief es in ihm, ,wenn du dich frei und offen an ihre Seite gestellt, von der ersten Stunde an, wenn du dich voll unerschütterlichen Vertrauens zu ihr be- lannt, ihr die Krasr zugetraut hättest, deren sie bedurfte, wenn du sie mit unermüdlicher, unverzagter Liebe und Güte und doch mit fester Hand gelenkt hättest, Schritt um Schritt, Ware ihre Seele groß und stark geworden, stündest du heute mit ihr an dem Ziel, an deni dein und ihr Glück hätte erblühen können.,

Gehen wir!" schallte Isabellas Stimme in die Sturm­flut seiner Gedanken hinein.Wir haben uns ja wohl doch Es mehr zu sagen: wozu also durch langes Fernbleiben Aufsehen erregen?"

Mit gleichmütiger Miene, als wäre nichts geschehen, be­trar sie, von Heinz gefolgt, das Zimmer, in dem der Kdm- merzienrat, Banneniann und Werner in müde sich hinschleppen­dem Gespräch beieinander saßen, und lächelnd sagte sie:

Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Aber ich hatte mit Herrn Vollrath noch einige dringende Wohltätigkeitsan- ge( egen bei teil zu besprechen, deren diskrete Behandlung mir Be­dürfnis war.

m '^/meister dreiste sie und Heinz mit einem flüchtigen Bim seiner stählernen Augen; um seinen Mund zuckte es.

"Nun wollen wir aber zu Tisch gehen. Ich habe einen

bittend" hunger", scherzte Isabella.Darf ich die Herren $BeTb?uganU ÖW mif fic ä!l unb machte seine übliche Fräustiw?"^^ biC baden. Sie zu führen, gnädigeA

Mit ihrem bestrickendsten Lächeln nickte Isabella ihm zu und legte ihre Hand in seinen Arm.

. '<?-ejn5, bcm das Blut durch die Schläfen brauste, hätte dazwifchen springen, die Geliebte fortreißen mögen

Ein unverschämter Patron. Ich könnte ihm' na ich treten "war toa8?" fIiiftetic Werner, der neben ihn gc-

affTerin?UnCr Schiebetür zum Speisezimmer gc-

nVer' tote minier, mit verschwenderischer Ueppigkett bestellten und mit Blumen überladenen Tafel Platz/ wob» es Isabella so einzurichten wußte, daß Heinz ihr und dem Forstmeister gegennbersaß. Neben ihr, an der einen Schmal- tzlte des Tisches, saß der Kvinmerzienrat, neben Bannemann, an der entgegengesetzten Schmalseite, Werner.

Gespräch,fast nur von dem Forstmeister und Isabella geführt, drehte sich anfangs um die geplante Nordseefahrt, die am folgenden Tage in aller Frühe angetreten werden sollte: ö/ie seinen Urlaub rechtzeitig durchgedrückt und fchilderte nun das Ostender Badeleben, das Isabella noch nicht aus eigener Anschauung kannte.

Heinz Ivar es, als müßte ihm der Köpf zerspringen. Aber durch die Qual, die er litt, rang sich doch ein Gedanke, Hoffnung und Vorsatz zugleich: Wenn Isabella der Ver- fuhrung des Forstmeisters nickt erlag, so sollte ihm das ein Zeichen sein, daß ihre Seele den Lockungen des Reichtums nicht rettungslos verfallen war, daß sie Widerstandskraft genug be­faß, um doch noch an seiner Seite iHv Glück zu finden, sq wollte er iie fortan als unlöslich zu ihm gehörig betrachten,- so wollte er sie stützen mit festen Armen, sie lenken, ihr helfen - nichtigen Luxnsgeschöpschen ein Weib zu werden, eine Gefährtin des Mannes, die vollwertig neben ihm steht, mit ihm rmgt und kämpft für große Aufgaben.

Und wenn sie sich den Einflüsterungen Bannemanns ergab? (Fortsetzung folgt.)

Die AnwersitätspoliZei in Gießen vor 100 Jahren.

Nachdruck verboten.

_ InA. L. Schlözer's (ehemal. Professors in Göttingen) Briefwechsel meist historischen und politischen Inhalts" Teil VI. Heft XXXIII, p. 139 findet sich folgendes für die Studierenden der Gießener Universität noch heute interessantes Stück:

Darmstadt, 10. April 1777. Tie Universitäts-Polizei in Gießen betreffend.

Bon Gottes'Gnaden Ludwig, Landgraf zu Hessen usw

Nachdem Wir bishero verschiedentlich mißfällig zu verneinen gehabt, auch sogar bei iins darüber Klage gefürt worden, daß ein arvger Teil der auf unsrer Universität Gießen Studierenden me Colleg-Gelder entweder gar nicht, oder doch ganz unordent- lM, und gemeiniglich erst bei dem Abzüge, durch äußerste Zwangs- Mittel angetrieben, bezale, und das von ihren Eltern oder Vor­mündern zu richtiger und haldjäriger Bezahlung der CoUegien empfange Geld, auf unnütze Art anderwärts vertun, und dadurch nachhe« entweder zum Unfleiß und Vernachlässigung der Collegiest verleitet werde oder die Collegien bei einem solchen Tvcenten, welcher selbige, um sich nur eine Anzal von Zuhörern zu ver­schaffen, ^iimsonst ließt, unfleißig und ohne die gehörige Appli- cation höre^ und sich dadurch zu einem künftigen unnützen Mit- glied des Srats bilde; außerdem auch oft durch Factiönen und Eavalen die Zuhörer für einen Tveenten -geworben und dagegen andern Tveenten abgespannt würden; imd was dergleichen Ge­brechen und Unordnungen mcr fein sollen. Inzwischen diesem' Unfug, wodurch nicht nur für das Publicum überhaupt, sondern aiich insbesondere für Lerer und Lernende, der größte und nach­teiligste -schade erwachset nicht länger nachgesehen werden kan.- Sv haben Wir, aus fürstl. Landesväterlicher Huld und Vorsorge,- Uns bewogen gesehen, nachstehende Verordnung zum waren Besten der studierenden Jugend zu machen, und wegen genauer Be->, folgung aller darin enthaltenen Puncte, den jedesmaligen Rec- toveni und Pvocancellarimn unsrer Universität zu Commissariis perpetnis zu ernennen.

. P sollen nämlich I. alle Werbzeitcl, die vor An-- fang des Collegiorum herumlanseu. wie auch überhaupt allc We r- vungen zu Collegiis, ein für allemal verboten sehn: dergestalt, daß ein Studiosus, welcher sich dergleichen unterstünde, sofort relegirt, der Tvcent aber, wenn er daran Anteil genommen nist 100 ff. gestraft werden soll. Unter nämlicher Strafe soll auch kein Tvcent ein Collegium Privatissimum über eine solche Wissen!-