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Ketwui h Von Loy len.
Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Was guckt ihr baut ?" — fragte Recknitz, „paß auf, Mietzchen, hu gibst!"
„Anne erwartet Helmuth. Wir begreifen nicht, wo er so lange bleibt."
„Wird schon kommen. Das war falsch, mein Kind, Treff sticht."
„Ich habe, kein Treff, wie btt siehst."
„Was? Donnerwetter, Trost, nun geht es uns aber schlecht. Die gute Farbe ist, wie mir scheint, in AnnchenS Hand!"
Trost lachte plötzlich höhnisch auf.
„Mit der ist tiberhaupt nicht gut Kirschen effeit" — er schlug Mit der flachen Hand auf dm Tisch, daß die Spielmarken auf- hüpften — „hier hast du den Salat!" —- schrie er und warf seiner Frau die Karten, die er in der Hand hatte, ins Gesicht. Tie bunten Matter fielen an ihr herab und glitten weit über den blankm Futzbvden hin.
Recknitz und Marie Anne fuhren zusammen, faßten sich über schnell und schwiegen. Anne Marie blieb unbeweglich, als sei ttichts geschehen. Der Mick, mit dem sie ihren Mann streifte, zeigte weder Empfindlichkeit noch Schreck, nur ein fast mitleidiges Grübeln. Sie zog die Tischschublade auf, nahm ein neues Spiel heraus und ' reichte es schweigend ihrem Schwager, der sofort mischte und von neuem gab. Marie Anne sah unbehaglich aus und murmelte wieder:
„Wo nur Helmuth bleibt."
Jetzt wandte sich Troß höflich, als sei nichts Vorgefällen, zu ihr und sagte in seinem gewohnten, näselnden Ton:
„Er hat sicherlich dienstliche Abhaltung, der liebe Hel- muth, ivir werden uns seinen Besuch zu morgen- sichern" — und dann genau so zuvorkommend zu seiner Frau gewandt — „liebe Anne, schicke doch morgen zu ihm und lasse um Rückantwort bitten. Wir dinieren dann später, so dah er auf jeden Fall zum Essm hier sein kann."
„Gewiß," sagte sie ruhig.
„Meine lieben TäMen, Coeur sticht," rief Recknitz, „ich spiele aus!" —
„Aber erlaube mal," sagte Troß — „was sind denn das
da siir Karten auf der Diele? Wer hat sie verloren? Wollen
die Herrschaften mal nachzühlen!"
Ävysen dachte zornig: Er ist ja total bezecht. Unerhört!
■— Tiefer Berdrust lenkte seine Gedanken ganz von sich ab, ja,
er vergaß momentan, weshalb er gekommen war, schlug die Portiere zurück und trat ins Spielzimmer.
„Guten Abend, da bin ich,," sagte er.
„Ja wahrhaftig, er ist doch twch gekommen! Guten Abend!"
Trost kam ihm mit gewohnter Höflichkeit entgegen, Reck- ttitz blieb sitzen und klopfte ihm freundlich auf den Arm, als er vvrbeikam, um, wie immer, Anne Marie die Hand und Marie Anne auf die Wange zu küssen. Tiefe faßte seine Hand mit
etwas krampfhaftem Druck, das !var aber auch alles, was ihm verriet, daß irgend etwas die Gemüter beunruhigte.
„Sollen wir in den Saal gehen?" — fragte die Hausfrau, „das Spiel geben wir nun doch- wohl auf und nehmen lieber gleich den Five v'clock?"
„Ein vortrefflicher Gedanke, teure Anna," sagte Trost undj wandte sich dann, wie immer, etwas gönnerhaft zu seinem Schwager, „nun wie geht es, lieber Lohsen? — Immer noch das Musterhafte Borbild, dem alle jüngeren Kameraden nachstreben? Aeh? — Mer gehen wir doch, gehen wir!" —
Sie traten in den Saal, Anne Marie klingelte und gleich darauf brachten zwei Diener einen kleinen, zierlich gedeckten; Teetisch hinein und stellten ihn gerade in die Mitte des' durch die bequemen Schaukelstühle gebildeten Platzes vor der riesigen Feuerstelle. Anne Marie entzündete die schlanke Flamme unter dem Kessel und ordnete die Tassen und Gläser. Sie verstand eilten vorzüglichen Tee zu bereiten und einen noch besseren Grog zu brauen ttnb zu beidem waren alle Zutaten vorhanden. Während sie einschenkte und Rum und Zucker mischte, reichte Troß eine Schachtel mit feinen, russischen Papiros seinen Schwägern herüber, wobei er tuieber in der überhüflichen Weise, die ihm' zur zweite» Natur geworben war, der Freude über dies trauliM „en famille" Ausdruck verlieh. In seinem tadellosen Dinerait-, ztlg mit den langen, spitzen Lackschuhen und den lichtgrauen- engzulaufenden Beinkleidern sah er, die Mode outrierend, fast aus wie ein Stutzer aus dem Jahre 1830. Tie schlaffest Augenlider hoben sich selten, sie bedeckten die Augäpfel biH zur Hälfte und darunter glitt der gleich-gültige Blick hin und her, bis plötzlich Mißtrauen und Wachsamkeit wie ein Funkei drin aufglimmten und sich blitzschnell zu argwöhnischer Feind-- seligkeit entzündeten. Einigemal streifte dieser Blick auch dest Rittmeister, welcher nahe am Fenster saß, aber ehe dieser sich dessen bewußt ward, verlosch der Funke und verlor sich in stumpfsinnige Apathie. Das Gespräch drehte sich um di« Jagden, deren der Hausherr zwei zu veranstalten gedachte/ eine Wald- und eine Feldjagd. Tie Damen nahmen an der Konversation gerade so viel teil, wie nötig war, nm nie eine Pause entstehen zu lassen. Troß führte das Gespräch an. Er zählte alle auf, die er einzulaben gedachte, und stellte die Zahl d-cv Treiben bereits fest. Recknitz stimmte allem bei, Lohsen hörte demi Geplanten zu, stutzte manchmal über die große Zahl der Gäste, enthielt sich aber jeder Kritik.
„Tu wunderst dich, daß ich es etwas großartig geben will," sagte der Baron lächelnd — „ich habe meine Gründe dazu. Ich erwarte ziemlich hochgestellte Gäste, unter anderem die Gräfin Flavie Wendtleben, die uns die Ehre ihres Besuches geben will. Sagtest du etwas, liebe Anne? Nein, du sagtest wohl nichts, nicht wahr? — Tie Dame, die sich gegenwärtig in Schottland auf. hält, ist eine außerordentliche Jägerin. Ihr verdanke ich die glückliche Idee, in meinen Forsten den amerikanischen Wapitihirsch ein. zuführen, ein glänzend gelungenes Experiment, wie ich hoffe."
Recknitz räusperte sich, Lohsen, betreten und verwirrt, wollte etwas sagen, aber Anne Maries Fußspitze berührte warnend seineil Stiefel. Er setzte sein Glas an die Lippen und trank schweigend.


