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saß darum so fest. Er wollte der dichterischen 'Gestaltung nachhelfen durch die bildliche, und es ist sicher, daß Scheffel beim Zeichnen seiner Bilder dieselbe aufrichtige Freude am Schaffen empfunden hat, wie beim Dichten. Wir sehen seine Zeichnungen und Bildchen, sofern sic nicht lediglich als Skizze oder bildliche Ergänzung eines Schriftwerks dienen solltm, sich meist zu heiteren Genrebildern eut- wickeln, in deren Form und Auffassung immer ein echt Scheffelscher Stimmungston mit anklingt. Eine gewisse Großzügigkeit sucht er nun in seinen Landschaftsskizzen zu erreichen. Er schließt sich dann gleichsam ein, um sich künstlerisch zu konzentrieren. Und er, dem Licht und Luft nicht nur im Leben, sondern auch in der Kunst alles waren, zieht dann die begrenzte Bergesschlucht und die enge Felsenlandschaft der weiten, durch Wald und Feld erheiterten Ebene vor. Die Landschaftsskizzen Scheffels wenigstens, die ich kenne, zeigen meistens Motive aus zerklüfteten Berg- nnd Felsrevieren. Die kluge, klare Frauenfeele seiner Mutter hatte wohl recht, als sie am Abend nach ihres Sohnes Abreise nach Italien an Schwanitz schrieb: „In Rom will er malen! — Was sagen Sie dazu? Ich meine, fein ihm von der Natur gegebener Pinsel sei die Feder. Was er mit der Feder malte, war immer das Beste und — ich denke, in Rom wird ihm das schon klar werden." . Das malerische Ergebnis in Italien, das der junge Scheffel im Mai 1853 bei seiner Rückkehr im Elternhause vorweisen • konnte, stach denn auch wesentlich ab von dem anderen Ergebnis dieser Reise. Neben der Mappe der Skizzenblätter lag im Reisekoffer das dicke Manuskript des „Trompeters von Säkkingen"! Und dennoch die Hoffnung auf die bildende Kunst nicht verloren, dennoch im späten Alter das wehmütige Befürchten, durch die störenden „Bleigewichte des Lebens" vielleicht ein schönes Ziel versäumt zu haben! Ein Gedanke, der zu Scheffels alemannisch knorriger und «lemauuisch treuer Persönlichkeit lebhaft und freundlich gehört.
Acht Blatt der aus Italien heimgebrachten. Skizzen hat . Scheffel später photographieren lassen und in einer Mappe unter dem Titel „Landschaftsstudieu von I. B. Scheffel. Erinnerungsblätter für Freunde" vereinigt. Aber er hat schon lange vor der italienischen Reise gezeichnet. Seine ' Schwester Marie scheint ihm die erste Anregung dazu gegeben zu haben. Sie besaß in der Tat ein hervorragendes Wal- und Zeichentalent, war Schülerin des Galeriedirektors Fromme! und hat des Bruders künstlerische Regungen mit wecken und fördern helfen. Sie machten gemeinsame Ausflüge in die Karlsruher Umgebung, beteiligten sich dann «m Unterricht des Tiermalers Rudolf Kuntz und gingen durch die unaussprechliche Liebe, die die beiden Geschwister Verband, vollkommen in ihren gegenseitigen Interessen auf. Nus seinen Wanderungen hatte er stets sein Skizzeubnch bei sich. Es war für ihn Ausruhen, tvemt er die Natur, die in seinem Innern so volle Akkorde löste, mit seinem Stift anfs Papier bannen konnte. Anderer Stimmung wiederum waren die kleinen Sächelchen, die er mit ein paar Strichen den Vertrauten in die Briefe zeichnete. Da wollte er ganz bewußt ein Gefühl vermitteln. So tuschte er in den wundervollen Brief an Emma Heim vom Mürz 1860 ein geknicktes Veilchen, um damit die Trostlosigkeit seiner Stimmung auszudrücken, so zeichnete er „der stillen, holdseligen Schwarzwaldlieb" zu Anfang des Briefes vom 11. Mai 1858 eine schlanke, schwungvolle Initiale, auf der ein Vöglein luftig fein Lied singt. Diese kleinen Ueber- bringer von. Gefühl und Behagen sind der Weg zu seinen Genrebildchen, die nicht so zahlreich sind wie seine Land- schaftsskizzen, die aber dafür neben dem Maler Scheffel den Menschen Scheffel, mit seinem Herzen voll Frohsinn und Liebenswürdigkeit hervortreten lassen. Schließlich wollen wir Scheffels Aostümzeichnungen nicht vergessen, die besonders feine Mappe füllten, als er 1850 beim Bezirksgericht in Säkkingen als Dienstrevisor eintrat und er sich nun den Hauensteiner Schwarzwald mit den . einzigen Typen der Hoben zum kulturellen Jagdrevier erkor. Wer
den „Trompeter von Säkkingen" liebgewonnen hat, sich an den „Säkkinger Episteln" und dem gediegenen Aufsätze „Aus dem Hauensteiner Schwarzwald" erfreut hat, wird das „Mannsbild" nnd das „Wibli" willkommen heißen.
En Gäulchennel.
De Lotze Hannkonroad kom vom Aecker ean läiß sich sei Fräichsteck uffdrah'(n). „Eß de Salme schun dogewäst?" frog he sei Frää. „Nee," goab säi em ze Audwurd; „Hai eß kee(n)er gewäst." „Asch woorde uff de Louis, der will mer sei Madche verdinge. Kennst de denn iwwerhääbt de Salme?" — „Nee," sähd he, „he eß jo noch nit dogewäse, vwwer he soll en reälle Geschäftsmann sei. Asch hun e Sture se brauche eau he Hot mer e Koorde geschrewwe, daß he ee brenge well." Die Frää besorkts Fräuhsteck, de Bauer mächt sich driwiver her; eu dere Zeit haudiert säi en de Kesch erim. — Noch ere kurze Zeit kloppt's a(n) de Stuwwediehr o(n) ean. eren kom ee Manu, der sreht: „San Säi de Lotz?" — „Jo, 's eß goud, daß Se komme, setze Se sich ean esse ean drinke med."
Däi zwie esse e Zeitlang eau endlich frog de Hannkonroad, im de Hannel en die Reih se brenge: „Wär alh eß se da(n)?" — „Sechzeh Juhr!" sähd de Mann. — „Donnerwerrer, schun fit ald?" — „Dos eß doch kee Aell nid?" — „Eß säi dach) rohig." — „Wäi e Lamm." — „Asch gewwe vill druff, ivann se braat eß en de Hilde", sähd de Hannkonroad en schneit e fresch Steck Speck oab. De Mann guckt de Bauer grüß och) ean mecht bluß: „Hum!" Noch kurze Zeit sähd er: „Aber steifknochig eß se ean ihr Aerwed kann se gedohch), die Liese!" — „Also Liese hääßt fe!" — „Jo ! Säi eß daus ent Stall, soll asch se rennho(l)n?" — „Woß, ernt die Stuwwe! Nee, nochher will ich se fir- drabbe losse, de Fritz wird se jo oabgeschirrt ean befäuhlt hun?" — „Oabgeschirrt ean befäuhlt?" — „Jo, dos doht de Fritz; owwer esse Se doch." De Mann aß owwer nid. ean guckt sich im noch de Stuwwediehr. Dodebei macht er e Gesicht wäi ahner, der Zeh(n)weeh hodd ean lache will. — „Fritz befäuhlt se?" frog de Mann noch emol. — „Nadierlich, deß gehiert doch zoum .Hannel!" — „Wäisu, Hannel?" — „Asch denke, nt’r wolle'doch drimm hanneln, dodezon hu(n) Säi se doch rnedgebroocht ean sei uff er her- gererre?" — „Asch uff er hergererre? Dos vestiehn asch naut! Asch ftt(n) se Fouß häi!" — „Su, leßt se sich bemn nid reire? Eß se naß Fourer gewehnd? Asch fonren gärn naß." — „Su kimmt rn'rsch groad fir. Naa, ich danke sche(n)."
De Bauer lacht, weil he den Manu nid vestann. Ent Stelle doocht he, daß er su en narrische Gäulshetmler noch ttet geseh hett.
Ern selwe Aageblcck kloppt's a de Diehr ean noch en Mann kom crenn. „Wer vo(n) Auch eß de Lotz?" — „Des jei(rt) asch!" reff der Hannkonroad. „No, wäi eß, wo(l)n Säi de Sture hu(u)?" frog de Mann. — ,,Hu(n) Säi nach ee(n)?. Asch fa(n) häi schu(u) merr em Salme ent Haituel."- — „Asch fttt(lt) kee Salme nid!" sähd de Manu, nted dem der Hannkonroad gehannelt hott. „Wäi komme Säi da(n) zou're Sture?" — „Asch e Sture? Asch will mei(n) Madche bei auch vedinge." —
De Hannkonroad letzt sich de lange Wähl uffs Sofa eau lacht, daß die Wenn zirren. „No," sähd he seletzd, „e greeßer Domhäät wäi bei dem Gäulsheunel Hulu) asch noch nit e(r)lebt; mt wolle mer ewwer o(n)fange ean Säi ho(l)nn 's Madche aus em Stall ean mache die Geschicht' med meine Frää oab!" K. H.
VeNMiMtsr»
* M e Ferdinand F ü r st von Bulgarien wurde, davon weiß ein Mitarbeiter des „Petit Journal" nähere Einzelheiten ztt berichten, die der verstorbene Stambulow, der vor deut Regierungsantritt des Fürsten Ferdinand,und auch dann noch mehrere Jahre lang mit fast diktatorhcyer Strenge die Regierung' führte, kurz nach seinem Sturze dem Jonrnalisteu erzählt hat. „Ich und einige Delegierten


