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sprechens, den Weisungen meines Freundes Folge zn leisten, gab sie ohne Widerstreben nach. Nach einigem Suchen fanden wir die Versicherungsscheine und einen versiegelten Umschlag mit der Aufschrift:An Fräulein Florence Darrow, zu öffnen nach dem Tode John Darrows", außerdem drei Zeitungen, in denen je eine Stelle blau angestrichen war. Ich las die erste vor; sie lautete:

Ich habe Grund auzunehmen, cs wird früher oder später eilt Anschlag auf mein Leben gemacht und mit der größten Ver­schlagenheit versucht werden, die Behörden irrezuführcn. Die Jlatfjp forschung nach dem Mörder wird große Opfer an Zeit, Geld, Mühe und Mut erfordern eine Aufgabe, wie sic meist nur unter der Einwirkung einer starken persönlichen Triebkraft ge­löst wird. Für eine solche trage ich im voraus Sorge. Mein Tod legt in die Hände meiner Tochter eine Summe von fünfzig­tausend Dollars, die sie in Verwahrung zu halten und im Falle meiner Ermordung der Person oder den Personen auszuzahlen hat, welche die Beweismittel zur Ueberführung des Mörders her- bcischaffen.

(gez.) John Hinton Darrow."

Ein Blick auf die beiden anderen Zeitungen belehrte mich, daß in allen dreien dieselbe Mitteilung angestrichen war. Mein erster Gedanke war an Florence, der ich die Blätter hinüber- reichte.'Haben Sie Kenntnis von diesen Bekanntmachungen ge­habt?" fragte ich sie.Wenn eine davon Ihnen beim Zeitungs­lesen einmal zufällig vor Augen gekommen wäre, hätten Sie tödlich erschrecken müssen."

Sie schüttelte den Kopf.Die Gefahr, daß dies geschah, war nicht groß. Mein Vater hielt nur eine bestintmte Zeitung, die ich ihm regelmäßig vorlesen mußte; andere bekant ich fast niemals zu Gesicht. Für seine Anzeige hat er aber, wie ich sehe, drei andere mir nur dem Namen nach bekannte Blätter gewählt. Es hätte mir also lediglich von dritter Seite eine Mitteilung über diese merkwürdige Anzeige zugetragen werden können, und das ist nicht geschehen."

Sobald ich über diesen Punkt aufgeklärt und beruhigt war, wandte ich mich an Maitland mit der Bemerkung:Ich möchte wissen, was unser Freund Osborn dazu sagen würde."

Von wann sind die Zeitungen?" erwiderte er.

Vom 15. März raum älter als vier Wochen," ant­wortete ich.

Laß sie mich sehen, bitte," sagte er.Hm! Alle vom gleichen Tage. Offenbar hat Herr Darrow selbst diese merkwürdigen Zeilen eingcrückt. Statt klarer, scheint die Sache immer dunkler zu werden. Allem Anscheine nach -drängt sich immer wieder die Frage nach dem Geisteszustand auf. Wenn sich Hern: Darrows Befürchtung gegen keine bestimmte Person richtete, dann müssen alle, seine Träume und seine sonstigen Angstgefühle rein subjek­tiven Ursprung gehabt haben, das heißt, er war zum mindesten in diesem Punkte geistig krank."

Das kann ich mir nicht denken," unterbrach ihn Florence.

>,Er lvar sonst so klar und vernünftig in jeder Beziehnug."

Das ist wohl möglich," versetzte ich.Ich habe Leute ge­kannt, die an einer fixen Idee in bezug auf das Wasser litten, die keinen Schritt taten, ohne ein volles Glas in Händen zu halten. Ja, es ist ein Fall völlig verbürgt, wonach ein Mann geistig so gesund war wie Sic oder ich, außer wenn er das WortGrund- besitz" .hörte. Als er eines Tages vor mehreren Gästen ruhig bei Tisch das Fleisch zerlegte, sprach ein ihm gegenüber sitzender Herr zufällig das verhängnisvolle Wort aus. Da springt der Mann ohne eine Warnung über den Tisch auf den Unvorsichtigen los und sticht in der blinden Wut des Wahnsinnigen mit dem Fleischmesser nach ihm. Und doch war er sonst in jeder Bcziehnng ein vernünftiger Mensch."

Menn andererseits," fuhr Maitland in seiner lauten Er- wägung fort,Herrn Darrows Befürchtungen in der Tat be­gründet waren, so ist es nahezu gewiß, daß sie sich gegen eine oder mehrere bestimmte Personen richteten. Warum nannte er sie dann nicht? Aber halt, wissen wir denn, daß er es nicht tat? Setzen wir die Prüfung der Papiere fort!" Und er fing an, die Versicherungsscheine zu lesen. Weder Florence, noch ich sprachen ein Wort, bis er fertig war und die Papiere ßuf den Tisch zurück- gclegt hatte, worauf wir uns beide erwartungsvoll ihm zu- wandten.

lFortsetzung folgt.)

Graf ZsMün

zu [einem 70. Geburtstag nm 8. Iuli.

Inmitten seiner neuen glänzenden Erfolge, die alles bisher Geleistete in den Schatten stellen, kann Graf Zep­pelin seinen 70. Geburtstag begehen, und so ist sein Name ans doppeltem Grunde in aller Munde. Das schönste Ge­burtstagsgeschenk, das dem rüstigen Siebziger gebracht wird, ist die endliche allgemeine Anerkennung, 'Sie er allein sich, seiner unerschöpflichen Arbeitskraft unS vor allem seiner zähen Ausdauer, mit der er alle Schwierigkeiten überwunden hat, verdankt. Diese Anerkennung ist aber noch sehr jung; es ist noch gar nicht so lange her, daß Graf Zeppelin, als er ein starres Luftschiff bauen wollte, sich einen Narren auf eigene Faust schelten lassen mußte. Allem Widerspruch und allen Widerwärtigkeiten zum Trotz hat er aber dennoch seinen Plan im Laufe der Jahre verwirklicht.

Schon aus den 70er Jahren der ehemalige Kavallerie­offizier hatte sich 1870 ausgezeichnet durch einen berühmten Rekognoszierungsritt" stammen seine ersten Pläne, in denen die jetzige Form des Luftschiffes im wesentlichen schon feststand. Erst als er 1891 seinen Abschied genommen hatte, konnte er an die Ausführung seiner Absichten denken, und an diese hat er sich mit derselben Ausdauer gemacht, die er int militärischen Dienst gezeigt hat. Aber ein Miß­erfolg nach dem anderen kam hindernd dazwischen. 1894 erklärte eine vom Kaiser berufene Sachverständigenkom­mission das Projekt für praktisch nnverwertbar, und so wurde viel kostbare Zeit verloren. Vier Jabre dauerte es, bis der Graf infolge seiner Agitationsreise oas nötige Ka­pital zusammengebracht hatte; noch weitere 6 Jahre ver­gingen, ehe der Bau Ses ersten Luftschiffes vollendet war, und erst am 1. Juli 1900 fand der erste Aufstieg statt.

Es war nur eine kleine Vorprobe, der am folgenden Tag ein zweiter Ausstieg folgte, an dem außer dem Grafen Zeppelin selbst, Baron Bassus, die Ingenieure Groß und Burr sowie der Forschungsreisende Eugen Wvlf teilnahmen. Während einer Zeit von 17 Minuten wurden 6 Kilometer in einer Höhe von 400 Metern zurückgelegt. Leider geriet die Steuervorrichtung in Unordnung, so daß die Fahrt nach kurzer Dauer unterbrochen werden mußte. Obwohl nun der offizielle Bericht anerlännte, daß das Luftschiff einwands­frei funktioniert hätte, wurde es int allgemeinen doch skep­tisch beurteilt; die abfälligen Urteile fanden neue Nahrung, als bei dem nächsten Aufstieg int Oktober das Luftschiff, obwohl es gut manövrierte, wieder infolge eines Unfalles eine der Gashüllen hatte sich plötzlich entleert vor­zeitig landen mußte. Eine etwas längere Fahrt machte das Luftschiff am 21. Oktober, bei der es 28 Minuten in der Lust blieb. Hiermit war eigentlich die Lenkbarkeit des Luftschiffes ganz zweifellos erwiesen, und Gras Zeppelin sah seine vielen Bemühungen auch dadurch gekrönt, daß der Kaiser ihm sür seine Ausdauer und Mühe seine Anerkennung aussprechen ließ und ihm am 7. Januar 1901 den Roten Adlerorden 1. Klasse verlieh.

Das Haupthindernis an dem weiteren Ausbau der Zep- pelinschen Idee war damit aber noch nicht gehoben. Die Geldschwierigkeiten wurden immer größer und noch int Jahre 1901 löste sich die 1896 in Stuttgart gegründeteGesellschaft zur Förderung der Luftschifsahrt" auf. Gras Zeppelin selbst kaufte für 124 000 Mark das Luftschiff auf und sah sich dann genötigt, einenNotruf zur Rettung der Flugschifs- fahrt" zu erlassen, um weitere Geldmittel zu erlangen. Dieser Aufruf hatte Erfolg, allerdings erst, nachdem wieder Jahre vergangen waren. Am 17. Januar 1903 konnte die erste Probefahrt mit dem zweiten Modell unternommen werden. Auch dieses Mal trat eine Störung der Sei Um­stelle r ein, so daß gelandet werden mußte, ehe die Brauch­barkeit erwiesen war. In der folgenden Nacht zerstörte; ein Orkan das ganze Luftschiff, so daß Graf Zeppelin mit der ganzen Arbeit von neuem beginnen mußte.

Obwohl wegen dieses Unfalles dasstarre System" von der Mehrheit als verfehlt angesehen wuroe, baute Graf Zeppelin ein drittes Modell, mit dem er am 9. Oktober 1906 die erste Probefahrt unternehmen konnte. Dieses Mal war er vom Glück begünstigt, denn da an der Maschinerie nichts in Unordnung geriet, konnte er die Lenkbarkeit seines Luft­schiffes erweisen. Eine Ehrung der technischen Hochschule in Dresden, Sie ihm die Würde eines Doktor-JugenieurA ausgeschrieben, war der erste Erfolg, und im Jahre darauf endlich erhielt er die lange erwartete Unterstützung vont