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* Erstklassig! Diesem durch Urbersetzttug des englischen first dass entstandenen Modewort gelten die zornmütigen Ausführungen Wilhelm Schäfers in der von ihm heransgegebenen Monatsschrift „Die Rheinlande": Kann etwas deutlicher die Verlotterung unserer Sprache dariun als der übermäßige Gebrauch dieses Wortscheusals? In wörtlicher Nachahmung aus dem Englischen übernommen.
Beispielen für die geheimnisvollen Phänomene der Vorahnungen, Träume, gegenseitiger psychischer Einwirkung und anderer seelischer Manifestationen eintritt, ectveist hier aus der Geschichte der Erfindungen nnd Entdeckungen, daß es >,noch andere Dinge int Himmel und auf Erden gibt, als unsere Schulweisheit sich träumt". Er selbst war Zeuge einer solchen wissenschaftlichen Ungläubiakeit, als am 11. März 1878 in der Pariser Academie des scieuces der Phonograph Edisons zum ersten Mal vorgeführt wurde. Als der Apparat nach beendeter Erklärung zu reden begann, erhob sich ein angesehener Akademiker und Gelehrter, Bouillaud, stürzte voll Empörung auf den Vertreter Edisons zu, packte ihn an der Gurgel und schrie: „Sie Schuft! Glauben Sie, wir lassen uns von einem Bauchredner zum Bestell halten." Auch sechs Monate später noch erklärte Bouillaud nach eingehender Prüfung des Apparats, er sei nach wie vor überzeugt, daß es sich nur um ein geschicktes akustisches Gaukelspiel handele, denn „man könne unmöglich altnehmen, daß ein schäbiges Metall den Klang der menschlichen Stimme wiedergeben rönne." Eine ähnliche Entrüstung hatte viel früher einmal in der Academie des sciences die Erltdeckmrg des berühmten Chemikers Lavoisier hervorgerufen, daß die Luft vornehmlich aus Sauerstoff uub Stickstoff bestehe. Der Erfinder des Aräometers Baume nannte diese Behauptung „ganz absurdes Geschwätz, um nicht noch mehr zu sagen. Galvanis bekanntes Froschschenkelexperiment, das einen so wichtigen Anstoß zur Verwertung der Elektrizität gab, wurde zunächst allgemein nrit mlgeheurem Gelächter ausgenommen. Der arme Erfinder schrieb selbst 1792: „Ich werde von zwei verschiedenen Parteien angegriffen, von den Weisen und von den Dummen. Den einen wie den aildern bitt ich ein Spott, und mail nennt rilich den „Tanzlneister der Frösche". Trotzdem iveiß ich, daß ich eine neue Naturkraft entdeckt habe." Der Erfinder der Gasbeleuchtung Philippe Lebon starb 1804 am Tage der Kaiserkrönung Napoleons, ohne die Ausnutzung seiner Idee erlebt zu haben. Man hatte derl Gedallken für verrückt erklärt, daß eine Lampe ohne Docht brelnlkll sollte, 1805 wurde dann die Gasbeleuchtung in Birmingham eingeführt, 1813 in London und 1815 in Paris. Als Franklin der königlichen Gesellschaft in London seine Erfahrungen über die Fähigkeiten einer Eisenstange, die Elektrizität der Atmosphäre abzuleiten, mitteilte imb die Prinzipien des Blitzableiters entwickelte, war ein Heiter- keitsausbruch die einzige Antwort und die gelehrte Ber- sammlilng verweigerte die Drucklegung des Bortrags. Noch ein halbes Jahrhundert nach der Erfindung des Fernrohrs weigerte sich der ausgezeichnete Astrononr Helvetius, Gläser seinen Instrumenten einzufügen, weil er fürchtete, sie könnten die Genauigkeit der Positionsbestinrnlilng hindern. Ms die ersten Proben mit der Eisenbahn gemacht werden sollten, wiesen die Ingenieure nach, daß die Lokomotiven unmöglich von der Stelle kommen könnten und ihre Räder sich nur immer um sich selbst drehen würden. Ja der französischen Deputiertenkamnler kämpfte der große Physiker Arago gegen die Einführung der neuen Erfindung. Er führte die Trägheit der Materie, die Zähigkeit der Metalle, den Widerstand der Luft dagegen an. Thiers meinte in derselben Sitzung: „Ich gebe ja zu, daß die Eisenbahnen die Beförderung von Reisen etwas erleichtern iveroeu, wenn der Gebrauch auf einige ganz kurze Linien in der Nähe großer Städte, tvie Paris, beschränkt bleibt. Man braucht keine weiten Strecken." Ja Bayern erklärte das königlich medizinische Kollegium, daß die Verwirklichung der Eisenbahn ein großes Verbrechen gegen die öffentliche Gesundheit bebente, denn eine so schnelle Bewegung würde bei den Reisenden Gehirnerschütterungen, bei den Zuschauenden aber Schwindelfälle erzeugen; daher sei es dringend zu empfehlen, an beiden ©eiten der Schienen Wände in der Höhe der Wagen aufzufiihren.
wirkt es in unserer Sprache alberner als ein konfuses Fremdwort wirken könnte. Ein Billett, eine Ressource und Retirade, einen Konfektionär und einen Nationalliberalen r das alles läßt man gehen, weil unsere Vorliebe für Fremdwörter unausrottbar scheint; aber diese verruchte Verkuppelung, die weder deutsch noch fremd ist, sondern dem Sprachschatz unserer Geschäftsreisenden entstammt, ist auf die Dauer unerträglich wie eine Brummfliege. Solange sie in den Anpreisungen der Hosenhändler und Schnapsfabrikanten blieb, konnte man ihr entgehen, indem man deren Marktgeschrei nicht hörte. Heute aber, wo nicht nur Klosetts, sm- dern auch Bücher, Bilder, Gedichte und Romane erstklassig werden, wo dieses Mahnwort in Zeitungen und Zeitschriften auf jeder Seite steht, wo es in Besprechungen und Stadt- ratsjitzmigen mindestens dreimal vorkommt und von gut angezogenen unb mit Titeln behängten Leuten ohne Erröten in den Mund genommen wird: da ivird man wohl endlich mit einem Donnerwetter auf den Tisch schlagen müssen. Wenn einer seine Kartoffeln mit dem Messer schneidet, Röllchen trägt oder einen Gustav-Jäger-Rock an hat: ist ev der öffentlichen Verachtung ausgeliefert, aber diesen Wortkloß soll jeder „Mann von Bildung" in den Mund nehmen dürfen! Ja, wie wollen Sie das denn übersetzen? fragte mich neulich ein Beleidigter. Vielleicht „prima" oder „supcr- fein" oder „la"? Ist dies nicht widerwärtig: man ist schon so ans „Schwadronieren" gewöhnt, daß der Superlativ nicht mehr ansreicht. Das Gute, sehr Gute, Bessere, Beste, selbst das Allerbeste, ist zu wenig, dem Gipfel unserer Vollkommenheit mit der Sprache nahezukommen. Unsere „zeitgenössischen" Leistungen sind eben so „ungeahnt", daß unser alt- nrodisches Deutsch kläglich zurückbleiben muß. Die Sache wird die sein, daß wir uns nicht nur das „Erstklassige", sondern die Großmäuligkeit überhaupt etwas abgewöhnen, daß wir tvie zu schlichten Hosen und Röcken auch zu einer schlichten Sprache kommen müssen, die den Superlativ in jedem Sinn vermeidet, die ein gutes Buch, ein schönes Bild, einen braven Mairn und ein sauberes Zimmer kennt. Wir hören oft leichtsinnig sagen, nnfcce Sprache stände int Wohllaut vrelen anderen nach, besonders durch ihre Zischlaute. Man vermeide den Superlativ besonders in den Bildungen höchst und allerhöchst, genauestens und ergebcnst, unb man wird sich wundern, wie schöit und klar unsere Sätze auf einmal gehen. Oder ist „Schwadroniereu" wirklich ein deutsches Wort?
* A. ; „Ihr Bulp ist in das Kovrektionshaus gekommen?" — B. : „Ja, leider! Der Bub' war so brav, tvenn er tvas g'stohlen g'habt hat, hat er's immer heim gebracht."
* Neuer Börsen fluch. „Kassierer sollst de sein, und im Luftschiff sollst de durchgehen, und das Geld sollst de müssen wieder auswerfen als Ballast!"
* Durchschaut. Hausfrau (zur Köchin): „Wie, schon wieder eitlen neuen Hut? . . . Aha, jetzt weiß ich auch, warum diese Woche auf dem Markt alles so teuer war!"
* Vor Gericht. Richter: „27 Jahre waren Sie treu und ehrlich, und heute stehen Sie nun wegen Diebstahls dal" — Dieb: „Na, erlauben S', is dös nicht lang genug?"
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer» Januar Orgelpfeise Havel Aaresirup Niobe Nepomuk Elias;
Johannes Kepler.
Redalüom E. Anderson. — IRotaitunsöcud uni Vertag Den Brühl'scher, Universität- - Buch- und Slemdruckerei, R, Lange. Gieße«.


