bereit Morgen hörte ich, er fei gestorben, Dort einen» Piemontesen, der ihm Rache geschworen, ernurbct. Ich atmete erleichtert auf; -er einzige Mitwisser meiner Tat war beseitigt.

Wer ich ahnte nicht, tote viele lange Jahre des Leides mir Noch bevorstünden.

Mein Vater starb. Sie söhnten sich wieder mit mir aus, wir zogen nach Paris. Ich war noch so jung, ich glaubte, mir könnte noch ein glückliches Leben beschieden sein. Freilich, die Reue wegen meiner Tat nagte beständig an mir, aber Marianne hatte mir ja verzeihen wollen, wenn ich ihren Sohn auffände. Ich glaubte, mit Hilfe eines tüchtigen Agenten müßte es gelingen. Leider entdeckte er schon bei meinem zweiten Besuch, wer ich war; er glaubte, Mitwisser eines mich kompromittierenden Ge­heimnisses zu sein, jedenfalls hielt er das gesuchte Kind für mein eigenes, und so sandte er jedes Vierteljahr eine Rechnung Mer 6000, 7000, 8000 Franken, für angebliche Auslagen, die ich ohne Widerrede bezahlen mußte, bis vor ein paar Jahren der Biairn starb.

Aber das war verhältnismäßig eine geringe Unannehmlich­keit. Das schlimmste kam noch. Eines Nachmittages, bald nach nnferer Ankunft in Paris, wird mir gemeldet, ein junger Mensch aus dev Gegend von Montaignac wünsche mich in dringlichen An­gelegenheiten zu sprechen. Er heiße Chupin.

Ich fühlte, daß ich ihn empfangen müßte, da meine ganze 8ufünft davon abhinge, daß es mir gelänge, ihm die Lust am Wiederkomtmen zu bcnehnren. Er kam und bat um eine Unter­stützung als Landsmann. Ich reichte ih!m ein Geldstück, sagte Wm aber, er solle sich niemals wieder entfallen lassen, das Hotel Sairmeuse zu betreten. Wer da nahm der Mensch einen ganz anderen Ton an:Oho,' sagte er,ich verlange nur, was mir zu kommt, oder vielmehr, was meinem verstorbenen Vater zngekommen wäre. In wessen Dienst ist er denn ermordet worden? Sein letzter Gedanke galt Ihnen.Siehest du. Junge," sagte er zu mir,es sind schreckliche Dinge in der Borderie vorge- faU-n. Die junge Frau Margnise hatte einen Haß gegen Marianne, und Marianne ist daran gestorben. Verstehst du? Ver­laß dich drauf, so lange du schweigst, wird sie es dir an nichts fehlen lassen."

Ich wußte, wenn ich schwach wurde, so war ich verloren; darum nahm ich alle Kraft zusammen und sagte dem Strolch: So, Sie denken. Sie wissen etwas von mir? Sie bedrohen mich? Hinaus mit Ihnen!

Und lvahrhastig, ich hätte das Spiel gewonnen, ich sah dem Menschen an, daß er völlig verblüfft war. Wer in dem Augen­blick, wo er aus der Tür hinaus gehen wollte, blickte ich zufällig zum Fenster hinaus und sah, daß Sie, Martial, gerade das Haus Betraten. Sie wären dem Burschen auf der Treppe begegnet. Bei diesem Gedanken verlor ich völlig den Kopf. Ich'eilte dem Chupin nach, schob ihn zu einer anderen Tür hinaus und drückte ihm eine Börse in die Hand.

Bon Stund an bin ich die elendeste Frau auf der Welt gewesen. Keine Woche verging, ohne daß ich den Strolch auf dem Halse hatte. Ich will gar nicht von den Summen reden, die ich ihm auszahl en mußte, obgleich cs mir manchmal schwere Mühe machte, feine Ansprüche zu befriedigen, ohne daß es jemand merkte. Denn! dieser Chupin war wie ein Sieb. Mer das schlimmste war die Angst, daß Sie den Mann einmal zu Gesicht Bekommen könnten, und daß dann alles verraten wäre. Ungeachtet allen Geldes, das er mir abpreßte, sah er doch stets aus wie ein schmutziger, zerlumpter Bettler; er fühlte sich augenscheinlich nur in den Niedrigsten Kloaken wohl. Und dieser Strolch, kam morgens, Mittags, abends ganz wie es ihm paßte, und ich mußte hin- eilen, um ihm das Geld zu geben, das er verlangte.

Dor einigen Jahren befreite mich das Schicksal von diesem Menschen; er wurde bei einem Straßenkrawall erschossen. Offenbar hatte er seiner Frau und seinem Sohn von dem lukrativen Ge­heimnis nichts verraten. Sie bat mich einmal demütig um eine Gabe, sie hätte ost ihren seligen Mann von mir als seiner Wohltäterin sprechen hören. Ich weigerte mich, und die Leute ivarcti still. Endlich hatte ich ein bißchen Riihe ,

(Schluß folgt.)

SüdMstaftikanischeMW".

Einen sehr interessanten Artikel des Leutnants' v. Mrs- dorff aus Amimtts (Kalahari), Anfang 1908, finden wir imKolonialblatt".

Im Gebiet der Kalahari ist die wichtigste Feldkost die Tschama, von den HererosOmatanga" genannt. Sie liefert dem Eingeborenen Nahrung und Trank. Die

Tschama, eine wilde Melotte, ist ein Rankengewächs, dessen runde Frucht die Größe eines Kindskopfes erreicht. In Farbe und Zeichnung habe ich bis jetzt vier verschiedene Arten gesehen, die sich im Geschmack aber nicht unter­scheiden. Es gibt Tschamafelder, durch die man kilometer­weit reiten kann und wo Frucht an Frucht liegt.

Will man schtiell den Durst stillen, so genügt es, an nicht zu heißen Tagen, wenn man die Frucht wie Slpfel- sinenscheiben in Stücke schneidet, die Kerne herausfchabt und das Fleisch genießt. Man muß aber stets erst vor­sichtig kosten, ob es nicht bitter schmeckt. Eine andere Art des Genusses ist folgende: Man schneidet oben eins Scheibe der Schale ab, stampft das Innere mit einem Stock zu Brei und schlürft nun die gesammelte Flüssig­keit, oder man quetscht den gestampften Inhalt mehreren Früchte durch ein Tuch, am besten durch eilt Stück Sack. Es läßt sich auch so machen: Man schneidet die Früchts in Scheiben, löst die Kerne aus, wirft erstere in einen großen Topf und läßt sie nun auskochen. Dann wird das gewonnene Wasser abgegossen. Den meisten Saft liefern die kleinen gelben Tschama, in der Größe einer Zitrone. Diese sind häufig bis aus die Kerne ganz voll Wasser.

Das Tschamawasser kann zum Kochen von Kaffee, Reis/ Erbswurst usw. verwandt werden. Es hält sich aber nicht in Feldflaschen, nach meiner Erfahrung am besten in Bier­flaschen. Hat man frisches Fleisch, so genügt es, dieses in Stücke zu schneiden und zusammen mit den zerschnittenen Tschamas, Salz und (wenn vorhanden) etwas Speck zu kochen. Dies gibt dann eine, wenigstens mir sehr gut schmeckende Sauce und gutes Gemüse. Wenn vor der Regen­zeit die Tschamas trocken und schwammig iverdeu, legt man sie in ein Loch, bedeckt dieses mit Sand, schüttet heiß« Asche darauf und läßt die Frucht braten ä la Aschkopf. Dann nimmt man sie herauf, drückt sie ab und drückt das an­gesammelte Wasser aus. Zu dieser Zeit ist es aber kein; Genuß, bei Hitze sich mit Tschamas begnügen zu müssen.

Ochsen und Pferde gewöhnen sich so an Tschamas,- daß sie das Wasser gänzlich entbehren können. Ich hab« hier erst ein Pferd gefunden, das keine Tschamas fraß, obwohl es vier Tage ohne Wasser war. Es ist aber nicht eingegangen. Die Pferde wie auch das Wild fressen nicht die ganzen Früchte, sondern beißen sie nur mehr oder weniger au. Bei meinen Tieren, die gute Tschamapferde sind, habe ich bemerkt, daß sie frei weidend lieber Tschama fressen, als wenn diese ihnen im Freßbentel zerschnitten serviert wird. Den Beutel nehme ich aber nur in Ge­brauch, ivenn wenig Tschama vorhanden ist, damit nicht so viel verloren gehl.

Außer Simon Copper leben in der Kalahari Tausend« von Menschen, die Bak-Kalaharis, die das ganze Jahr hin­durch mit ihrem Vieh die nötige Feuchtigkeit nur aus bett Tschamas und den angepslanzten MelonenMagatan" be­ziehen. Dazu kommt allerdings für die Menschen die Milch der Kühe und Ziegen. Letztere brauchen die Tschamas gar nicht; sie begnügen sich, wie Klipp- und Steinbock, mit dem Laub der Büsche. Aber nicht nur der Säst und das Fleisch, sondern auch die Kerne der Tschamas dienen als Nahrung. Sie werden in heißer Asch« geröstet, von ihrer Schale befreit und dann gegessen.

Es gibt noch eine Art Tschama, auf Namaqua d Gab,; von den Hereros Otura genannt. Sie ist gelb, etwas oval,- mit ziemlich weichen Stacheln bedeckt und wird etwas größer wie eine Apfelsine. Ich habe sie sowohl in der Namib ivis auch in der Kalahari angetroffen, im Sandfeld nur ver­einzelt. Roh genossen, erzeugt sie leicht Magenbeschwerden und Durchfall. Man muß sie ebenfalls wie einen Aschkops in heißer Asche braten und dann nach dem Erkalten den Saft ausquetschen. Bon Pferden wird sie nicht gefressen,

Bon den auf der Erde rankenden genießbaren Gewächsen ist noch eine Art wilder Gurke zu erwähnen. Der Bur nennt sie Kummer, der Hottentott Noa, der Herero Antiase. Ich habe sie, soweit ich im Lande herumgekommen bin, überall gefunden. Diese kleinen Gurken erreichen die Längs