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einer Eselin reitend; nnb an dir ist et>, Tor unb Herz zu öffnen; weit, weit, damit du ihn wüMg empfangest! Als er einzog in Jerusalem, feinem Leiden unb Sterben entgegen, war da viel Volks, bas die Kleider auf ben Weg breitete unb Zweige von den Baumen abhieb, sie ihm auf ben Weg zu streuen. So breite «uch du, dessen Haus und Hof mit des Wohlstandes Gabeir- siille gesegnet ist, deine Kleider unter Christi Füße und brich Zweige tiont Baum deines Reichtums. Denn — also spricht er — was ihr getan habt einem der Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan. Unb ihr, die ihr arm seid an irdischen Gütern, steht nicht abseits, laßt euch nicht durch gleißnerische Reden, durch trügerische Versprechungen fortlocken von dem Wege, auf dem er naht. Drängt euch herzu, drängt euch heran. In feine Hände gebt alles, was euch drückt und quält. Nur mit ihm und durch ihn werden sich eure Wünsche erfüllen. Da er auf Erden wandelte, war er nichts besseres, als ihr. war er eines einfachen Handwerkers, eines Zimmermannes von Nazareth, Sohn. Kommt her zu ihm, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Innigeres Erbarmen mit dem Glend der Menschheit, zarteres Verständnis für ihre heiligsten Herzensbedürfnisse, freundlichere Milde gegenüber menschlicher Verfehlung und Schuld findet ihr nirgends als frei ihm."
Des Forstmeisters hagere Züge drückten Beklemmung unb Unbehagen ans, unb mehrmals fuhr er sich mit der schlanken, in weißem Wildleder steckenden Hand an das stark hervortretende, energische Kinn, das trotz gründlichster Rasur einen gewissen bläulichen Schimmer niemals völlig verlor. •
Herr von Baunemann hatte nach dem unrergelegten Text, frei dessen Verlesung er scharf die Ohren gespitzt, eine ganz andere Predigt erwartet. Unb nun war nichts weiter zu Tage gekommen, als ein leidenschaftlicher Ausruf zur Wohltätigkeit und fonfttgen Bezeugung christlicher Gesinnung. Am Zeuge flicken konnte man ihm jedenfalls schwerlich etwas, da er auf so idealem, rein christlichem Standpunkt stand. Ueberhanpt hatte der. Mensch eine Art, an die Seele zu greifen, zu erschüttern und fortzureißen. Selbst ihn, den kühlen, nüchternen Verstandesmenschen, hatte er au einzelnen Stellen so zu packen gewußt' daß es ihm nms Herz gewesen war, als wären Glaube an Gott und Hoffnung aus ein Jenseits doch noch nicht völlig über- tounbene Dinge. Ta hatten in seinem Ohr deutlich die Glocken feiner Jugend toiebergeftimgen, und er fratie seiner frommen Mutter letzten Legenswuusch unb letzte Mahnung zu hören gemeint.
Ah bah. . . . Wozu solche Erinnerungen?
, . MU einem flüchtigen Blick streifte Herr von Bannemann feine beiden Begleiter. Sie faßen regungslos unb mit bleichen ^ rchEU. Als wäre bie Welt nm fie her versunken unb ver- ■< chidachtsvoll sahen sie mit ihren dunklen, seltsam
leuchtenden Augen zu bem Geistlichen hin, der jetzt vom Altar aus bie Schlnßlitnrgie abzuhalten begann.
An der Hingebung des jungen Friedheim fand der Fvrst- merstcr nichts Wunderbares. Er wußte, daß der Jüngling ein »um Religiösen und Mystischen hinneigendes Gemüt besaß — hatte der Kfrmmerzieiirat doch oft genug davon zu ihm und anderen. gesprochen. Aber Isabella? Aus reiner Neugier war Ne mit tu die Kirche gegangen, weil sie den neuen Pastor, von freut man ü&etaU in der Gegend sprach, einmal ’ predigen hören Este. Sie machte, sonst durchaus fein Hehl daraus, daß ihr Religion nur erschiene als eine Trostquelle für die Bitternis der Armut und, Krankheit, als eine Zuchtrute für große Kinder. Woher nun auf einmal ihre tiefe Ergriffenheit? War fie an» «dt von dem Geist der Atidachl, der die Kirche wie eine uu- ^lle durchflutete, fie, die bei jeder Gelegenheit ihre Individualität betonte und durchaus nichts gemein haben wollte nut bem Herdenmenschentuin?
©ine Regung heftiger Eifersucht stieg in Tcmcred von Banne- S? “y’L lin« m-lt emem Blick, in dem verhaltene Leiden-, i.chast glühte, streifte er wieder Isabellas holdes Gesicht. )11P ®t€{. bie Augen halb geschlossen, tote sie es oft tat,
L *\e emen' durch das Gehör vermittelten Seelenreiz — Z^uing eines Liedes, eines Musikstückes - Et wirken lassen wollte, und über
iMil femen, weichen Zügen lag ein Hauch von Verklärung.
b<t tommt iut Namen des Herrn", ' klang
Omd eta 9Utar 6er; brausend setzte bie
».rgu em, unb die Gemeinde fang ihr Hoficmne.
Isabella war wie -betäubt. Ter Wohllaut, der in der Stimme L rungen Geistlichen schlief, klang in allen ihren Newen nach! durchorang sie wie etwas Körperliches. Keinen Blick vermochte sie fron semem blassen, edel gezeichneten Antlitz zu wenden.
von dem Licht feiner großen, begeisterungdurchgWhten Augen ftihlte sie sich gebannt unb bezaubert.
.... "Ww schön er ist", buchte sie immerfort, „ich habe nie ein schöneres Mannergesicht gesehen." ....
Als Heinz, nachdem er ben Segen über die Gemeinde gesprochen, unter dem Türbogen der Sakristei verschwand, hatte !le 6« Ewpslnbnng, daß cs vor ihren Augen und in ihrer Seele plötzlich dunkel wurde Sie fühlte sich ganz außerstande, dem Forstmeister, der gleich nach deni Schlußgesang, noch in der Loge, eine Unterhaltung beginnen wollte, Antwort zu geben, ©je horte gar nicht auf das, was er sprach, unb mechanisch mtfte fie, den Blick ins Leere richtend, zu seinen geflüsterten Bemerkungen, ohne zu toiffen, ob nicht ein Kopfschütteln vielleicht die richtige Erwiderung gewesen wäre.
Wie im, Traume, mit schweren, nachtwandlerischen Schritten verließ sie die Kirche uni), bestieg den Wagen, der dranßeii harrte. Noch immer klang Heinz Vollraths Stimme in ihrem Ohr, noch immer sah fie fein blasses Antlitz, fühlte fie das helle Licht, bas aus fernen Augen brach. . . .
„Hm, ja", flichte Tancred von Bannemann, als bie Pferde 'Won analogen hatten, seinem gepreßten Herzen Luft zu machen, „der gute, Mann redet besser als 'n Stummer!" Doch bie fronte, die er in die Worte legen wollte, kam nicht recht heraus.
In des jungen Friedheim Gesicht schoß eine jähe Mut- welle.
„^ch bitte Sie, Herr Baron, in meiner Gegenwart höh- nuch^ Bemermngen über Pastor Vollrath fortan zu unterlassen.
verstehe nicht, wie ein empfindender Mensch überhaupt etwas anderes als Bewunderung hegen kann diesem Manne gegenüber, der doch wahrhaftig uns allen als leuchtendes Vorbild dienen sollte", kam es im Ton flammender Entrüstung von den fein» geschnittenen Lippen, über denen der erste leise Flaum zu sprossen begann.
Der Forstmeister zog eine Grimasse.
„Na, lieber Werner, ich seh' Sie schon als Pastor Friedheim der verderbten Menschheit von hoher Kanzel herab Nächstenliebe und andere schöne, Sachen predigen. Denn daß Sie nach dem Afritnrium Theologie ftubieren werden, ist doch wohl nun eine ausgemachte Sache."
„Unb was, mein gnädiges Fräulein, darf ich aus Ihrer Miene schließen?" wandte der Forstmeister sich an Isabella. „Tragen Sie sich mit dem löblichen Gedanken, Ihre Habe unter bie Armen zu verteilen unb fromme Schwester zu werben ?"
Isabella regte sich nicht, ihre Hände lagen gefaltet im Schoß, ihr Blick ging ins Leere.
„Wer kann wissen, wohin sein Lebensschiff treiben wirb", antwortete sie ivie aus einem Traum heraus.
(Fortsetzung folgt.)
Kelmull) von LolZsett.
Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Rothaide war vom gestrigen Unwetter verschont geblieben. Nvtha-be blieb meist „verschont". Es liegt an einer Welter- schnbe, sagten die Nachbarn. Herr v. Haide betet so viel für die Felder, sagten die Bauern.
Wilhelm hatte heute alle Arbeit ruhen lassen und saß war- teub in einiger Unruhe in der Gartenhalle. Nach Lohsens gestrigem Besuch konnte er wohl erwarten, baß der heutige Tag eine Entfcheibung bringen werde, an deren Ausgang ihm, der das Herz der Schwester besser kannte, als sie selbst, kaum ein Zweifel blieb. Es war gut unb richtig so, aber beim Gedanken, fie nun für immer hergeben zu sollen, die er sich großgezogen und rnU der er in so inniger Gemeinschaft gelebt hatte, erfüllte ihn Schmerz.
Und dann sah er plötzlich Anne Marie vor sich. Sie war, von ihm ungehört, auf leisen Sohlen in bie Halle geglitten und tauchte plötzlich an seiner Seite auf. Einen Augenblick glaubte er, fie fei ein Gebilde feiner erregten Sinne, so verändert erschien ie ihm. Ihr Gesicht leuchtete förmlich unb war von einem nötigen Schein überflutet, fie trug ein weißes, langes Kleib und vor der Brust einen Rosenstrauß. So trat sie neben ihn, legte bte Arme um seinen Hals unb flüsterte ihm zu:
„Nun läßt sich Annchen nie wieder fortschicken. Begreifst bsi! , Da ist Nichts mehr, was uns trennen dürfte, unb in der Stunde, bie dir ben Schmerz bringt, deine Schwester zu verlierenstehe ich an deiner Seite."


